Die Debüt-EP dieser Band aus San Francisco löst acht Sprengungen aus ganz unverfrohren oldschooligem Garage Punk aus, die auf den ersten Blick häufig ein bisschen zu basic erscheinen mir aber letztendlich immer ein dementes grinsen ins Gesicht zaubern wenn sie sich unfehlbar und mit fachmännischer Routine in einer geradezu obszön ansprechenden Schredderorgie entladen. Wenn der Appetit nach den simpleren Freuden von moderat schmierigem Rock’n’Roll steht, ist das hier einer absolut robuste Wahl. Nicht mehr, aber auch kein bisschen weniger.
Auf dem ausgezeichneten Demo dieser Band aus dem englischen Schrewsbury trifft Proto- auf Garage Punk und gelegentliche Blitze aus leicht NWOBHM-mäßigen Gitarrensolos. Stooges treffen auf Saints treffen auf Discharge, aber auch einige jüngere Bands der Punter-, Puffer- oder Split System-Machart. Ein perfekter Sturm aus simplizität, roher Energie und unmittelbarer ins Ohr gehender Catchyness.
Eine entzückende und Spaßkanone von einem Debüt hat da eine Band aus Pittsburgh, Pennsylvania abgeliefert. Der instrumentale Opener Liftoff Jam (White Boys in E) schwillt an zu einem monotonen Monster aus psychedelischem Nebel, was ein bisschen so klingt als würden MX-80 und Chrome mit frühen The Men verschmolzen, woraufhin der Rest der EP sich dann aber eher auf eine handlichere Klangästhetik aus geradlinigem, moderat Stooges-infiziertem Garage Punk eingroovt, der sich vereinzelt auch mal Hardcore-Tempos und -Energieleveln annähert und sich jederzeit von der Masse abzuheben weiß mit seinen subtil psychedelischen Obertönen und einer konstanten melodischen Unterströmungen, die sich als roter Faden durch ihr oldschooliges Garage- und Proto Punk-Feuerwerk erstrecken.
Ein fantastisches Stück des psychedelischen, monoton pulsierenden Post Punk mit Echos aus der Proto- und frühen Art Punk-Ära. Diese neue Kassette der Pariser Jazz V.O.S.T. kommt ein bisschen so rüber wie eine unheilige Allianz aus Métal Urbain, MX-80 und Chrome, ein bisschen Swell Maps obendrein… oder vielleicht auch so japanischen Grenzgängern zwischen Psychedelic und Post Punk wie The Rabits und frühe High Rise. Das alles wird hier in eine vage Kontur eines Cold Wave-Kontexts transportiert, hat dabei aber dankenswerter Weise überhaupt nichts von der formelhaften Gleichschaltung jenes Genres, das ich in den letzten Jahren mitunter leider für eines der unkreativsten und eingefahrensten halte. Nein, das hier ist eine ganz andere Tasse Tee. Die Pulse, Zuckungen und Donnerschläge auf dieser Platte entstammen ganz und gar nicht den kühlen Rotationen einer austauschbaren Maschine, sondern der unaufhaltsamen menschlichen Schaffensfreude kreativ getriebener Geister, die hartnäckig grimmigen Realitäten ins Gesicht lachen, unwillig, sich von ihnen erdrücken oder bestimmen zu lassen.
Nach der schon äußerst neugierig machenden Teaser-EP von einigen Wochen bekommen wir jetzt endlich das Langspieldebüt der Dungeon Punk-Zauberer aus Karlsruhe in voller Länge zu hören und meine Fresse, fegt das mal alles weg! Die Mischung aus Neuaufnahmen von Songs, die bereits vom letztjährigen Demo geläufig sind und absolut ebenbürtigem neuem Material wird hier zu einem atemlosen Ritt verwebt, dessen maximal schmuddelige und verhallte, zwischen lo- mid-fi rangierende Produktion, die ein bisschen so klingt als hätte man Dreck in irgendeinem Parkhaus aufgenommen, hier einfach so perfekt sitzt wie Arsch auf Eimer. Da gibt es tonnenweise funkelnder Psychedelia zu verorten im Opener Locket, simple und primitive Protopunk-Energie in Tear It Up, während Songs wie As Loud As Me und My Dawn mit unerwartet melodischen Lichtblitzen daherkommen, was im letzteren Fall durchaus etwas an die frühen The Men erinnern mag. Den Kontrast dazu setzen die beiden Hardcore-meets-Motörpunk-Attacken in Give Me Beat und All This Heat sowie die oldschool Sabbath-Überreste, die sie etwa in Suppression mit einer guten Ladung an Space Rock-Exzess á la späte Destruction Unit verschweißen. Die Dungeon Punk-Hymne Fomo Boy hat natürlich immer noch die gleiche Zerstörungskraft wie wir sie auf dem Demo erlebt haben und der darauf folgende neue Track Inte Mer Hem folgt ganz nahtlos in dessen Fußstapfen. Fickt mich, geht die Scheiße ab!
Nach der durchweg berauschenden Debüt-LP vom letzten Sommer liefert der französische Psychedelic-Zauberer Remy Pablo auf dieser neuen Single mehr von der gleichen überwältigenden Klangware, die ganz stur ihr eigenes Ding durchzieht aus pulsierenden Loops und abgehangenen Drones in den entrückten Sphären, an denen sich Psych- und Space Rock, Post-, Art-. Proto- und Garage Punk überschneiden mit mehr als nur leichen Anklängen etwa an MX-80, Chrome und Métal Urbain.
Die zweite EP dieser Band aus Karlsruhe dient gleichzeitig auch als ein erster Vorgeschmack auf eine kommende LP. Wie schon auf dem starken Demotape vom letzten Jahr werden auch hier die dreckigen Garage- und Dungeon-Vibes, die Jëg Hüsker ganz offensichtlich von Thee Khai Aehm geerbt haben (aus deren Mitgliedern diese Band zur Hälfte besteht), mit jeder Menge primitiver Protopunk-Action verschmolzen, wie auch mit einer Spur von Space Rock-Exzess á la späte Destruction Unit, einem Hauch von Hardcore-Energie in Tear It Up und auch reichlich Melodie in My Dawn, während der Rausschmeißer Inte Mer Hem nicht weniger ist als hochdosierte Dungeon Punk-Perfektion.
Der Nachfolger zum sensationellen letztjährigen Debüt-Tape AN/AL des New Yorker Garage Punk-Zauberers Jean Mignon hat etwas weniger stilistische Vielfalt an Bord als jenes, gleicht das aber vollkommen aus durch einen durchweg empfindlich erhöhten Energielevel seiner schnörkellosen Garage Punk-Klopper hier, unaufhaltsam vorangetrieben, hochentflammbar und mit mehr als nur einem Hauch von Proto Punk im Allgemeinen und der New Yorker Szene ca. ’74-’77 im Speziellen.
Das Label Spared Flesh Records aus Portland hat sich innerhalb von gerade mal zwei Jahren als eine echte Schatztruhe der unkonventionellen Garage- und Post Punk-Qualitätsware etabliert und diese Kassette hier macht da keine Ausnahme. Society ist das Soloprojekt eines gewissen Sims Hardin, der ansonsten auch schon als Teil etwa von Mesh und Toe Ring echte Treffer gelandet hat. Auch die letztjährige All Flies Go To Hell EP gehörte ganz klar in diese Kategorie und der neueste Streich knüpft nahtlos an dessen verschrobenen Charme an in einem Sound irgendwo zwischen den seltsamen Welten der ’80er DIY- und Kassettenkultur an den Randzonen von Garage-, Proto-, Post- und Art Punk. Stellt euch eine Fusion aus Modern Lovers, frühen Mekons, The Fall und Desperate Bicycles vor und ihr seid ungefähr auf der richtigen Fährte. Oder aber, wenn’s auch was jüngeres sein darf, bieten sich die rustikalen Jams von Honey Radar, Far Corners, Germ House und frühen Woolen Men als taugliche Vergleiche an sowie die Proto-trifft-Post Punk-Experimente von Shark Toys und New York’s Peace De Résistance.
Wie ihr es sicher schon vermutet anlässlich einer neuen LP der Band aus Detroit, gibt es darauf wenig überraschendes zu hören und das geht absolut okay in dieser speziellen, lokalen Geschmacksrichtung des Garagenkrawalls. Was den eher traditionellen, klar in Stooges und MC5 (…und vieleicht noch ein bisschen Feedtime?) verwurzelten Garage Punk anbelangt, geht es kaum besser in Sachen ungezügelter, primitiver Energie – das ist genau die Art von Platte, die in erster Linie mit roher Gewalt überzeugt und ja, ich fühle mich jetzt durchaus gerettet oder anders ausgedrückt: Aua!