Peace De Résistance - Bits and Pieces

Als die ver­zau­bern­de 2020er De­büt-EP die­ses New Yor­ker Ty­pen ge­lan­det war, hat­te ich noch kei­nen blas­sen Schim­mer, wer hin­ter die­sen ent­rück­ten Klän­gen ste­cken könn­te. Stellt sich her­aus: Es ist nie­mand ge­rin­ge­res als Mo­ses Brown, an­der­wei­tig be­kannt als die Front­sau von In­sti­tu­te. Macht ir­gend­wie Sinn, rück­bli­ckend… kei­ne Ah­nung war­um ich da nicht selbst drauf ge­kom­men bin. Auf dem ers­ten Lang­spie­ler ent­fal­tet sich jetzt ein et­was voll­kör­ni­ger, aber nach wie vor ziem­lich mi­ni­ma­lis­ti­scher Sound in vol­ler Band­be­set­zung, der ein­fach wun­der­bar fehl am Platz wirkt - ei­ne ne­bu­lö­se Zeit­kap­sel fal­scher Er­in­ne­run­gen, die frü­he Strän­ge des Pro­to-, Art- und Post Punk zu ei­nem plau­si­bel wir­ken­den Man­de­la-Ef­fekt ver­webt.

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Society - All Flies Go To Hell

Vier­ein­halb spa­ßi­ge Schram­mel­or­gi­en der stark Pro­to Punk-in­spi­rier­ten Mach­art von einem­Ty­pen, der zu­fäl­lig auch bei Toe Ring mit am Werk ist. Das Zeug klingt ein biss­chen nach 'ner Mi­schung aus Peace De Re­sis­tance, Woo­len Men und Ho­ney Ra­dar plus ei­nem Hauch von Mo­dern Lo­vers.

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Peace De Résistance - Hedgemakers

Na das ist ja mal ein be­mer­kens­wer­ter Scheiß hier. Der mi­ni­ma­lis­ti­sche Ga­ra­ge Rock auf dem Tape ei­nes New Yor­ker Ty­pen (oder ei­ner Band, ist et­was un­klar) klingt ge­ra­de­zu wie ein ver­lo­re­nes Pro­to­punk-Re­likt, wür­de aber auch auf ei­ner ty­pi­schen Mess­the­tics-/Ho­me­work Com­pi­la­ti­on nicht wei­ter auf­fal­len. Die ein­ge­schrumpf­te Per­cus­sion, ab­ge­kämpf­ten Vo­cals, spär­li­chen Ar­ran­ge­ments und Lo-Fi Pro­duk­ti­ons­wer­te ver­lei­hen die­sen Songs ei­ne ganz spe­zi­el­le Qua­li­tät, die glei­cher­ma­ßen roh und schlaf­trun­ken rü­ber­kommt.

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Super X - Super X

Die­ses Tape von Su­per X aus Mel­bourne ist in­zwi­schen al­les an­de­re als neu, aber auch viel zu gut um hier nicht er­wähnt zu wer­den. Dar­auf ent­fal­tet sich ein Klang­spek­ta­kel, bei dem al­ter Ga­ra­ge-/Pro­to Punk á la Stoo­ges der Fun House-Ära auf ab­ge­spa­ce­te Sounds zwi­schen De­st­ruc­tion Unit und frü­hen Te­le­scopes trifft, auf dem Weg aber auch noch ein paar Spu­ren von kon­tem­po­rä­rem Post Punk mit­schleift.

Primitive Hands - Bad Men in the Grave

Ga­ra­ge Punk aus Mont­re­al, ge­spon­nen aus hoch­end­zünd­li­cher Song­sub­stanz und ver­fei­nert mit Mo­men­ten von Surf- und Cow­punk. Hart­nä­cki­ge Me­lo­dien, die auch bei den Her­ren Ste­ve Ada­myk oder Ri­cky Hell nicht fehl am Plat­ze wä­ren tref­fen auf ei­nen zu­rück­ge­lehn­ten und den­noch ent­schlos­sen vor­wärts ge­hen­den Sound, der 'n biss­chen was von Paul Ja­cobs oder auch mal Wire­heads hat… oder von Pro­to­punk á la Mo­dern Lo­vers, wie er sich z.B. in Wo­men on Drugs her­aus pellt.

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Protruders - Poison Future

Nach ei­ner Hand­voll selbst­ver­öf­fent­lich­ter Tapes und EPs über­rascht die neue Mi­ni-LP auf Feel It Re­cords der Ga­ra­ge­punks aus To­ron­to mit ei­nem aus­ge­präg­ten Art-/Pro­to­punk-Vi­be. Mo­dern Lo­vers fal­len mir da am pro­mi­nen­tes­ten auf und in der Ge­gen­wart schla­gen un­ter an­de­rem Da­vid Nan­ce und Apa­che Dro­pout in ei­ne ähn­li­che Ker­be. Kei­ne welt­be­we­gen­de Neu­heit al­so, aber nichts des­to Trotz sehr, sehr gut.

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Writhing Squares - Out Of The Ether

An zeit­ge­nös­si­schem Psy­che­de­lic- und Space-Ge­döns man­gelt es die­ser Ta­ge ja kei­nes­wegs, wohl aber an Bands die sich trau­en, die all­zu aus­ge­tre­te­nen Pfa­de zu ver­las­sen und die­sen er­grau­ten, schon längst et­was ab­ge­stan­den rie­chen­den Gen­res ein we­nig Fri­sche zu ent­lo­cken. Writ­hing Squa­res sind da ei­ne so lo­bens­wer­te wie auch hoch­po­ten­te Aus­nah­me. Ei­ne Hälf­te des Du­os aus Phil­adel­phia ist an­sons­ten noch bei den Post­pun­kern Tai­wan Housing Pro­ject an­zu­tref­fen, der an­de­re Typ hat bei den sti­lis­tisch et­was nä­her ge­la­ger­ten Pur­ling Hiss sei­ne Fin­ger mit drin. 2016 fie­len mir die bei­den schon mal mit ei­nem sehr ap­pe­tit­li­chen Mi­ni­al­bum auf, aber der Nach­fol­ger da­von ist noch mal ein ganz an­de­res Biest, des­sen Sound ei­ner­seits ei­ne deut­li­che Ent­schla­ckungs­kur durch­lau­fen hat, an­de­rer­seits aber ge­nau da­durch stark an Form ge­won­nen hat und ein we­nig so klingt als trä­fen sich mal Sui­ci­de, mal eher Big Black mit Hawk­wind (oder heu­te eher: De­st­ruc­tion Unit), Chro­me und MC5 zu ei­ner be­kiff­ten Jam­ses­si­on. Die mi­ni­mal-In­stru­men­tie­rung aus 70er Ro­land-Style Lo­Fi-Beats, Bass und wahl­wei­se mit Sa­xo­fon oder kos­mi­schen Syn­th-Se­quen­zen oben­drauf, ver­passt der Sa­che ei­ne ganz ei­ge­ne Klang­far­be.

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Woolen Men - Lucky Box

Sind jetzt tat­säch­lich schon zwei Jah­re ver­gan­gen seit der letz­ten Ver­öf­fent­li­chung der Power­pop­per aus Port­land? Das ist un­ge­wöhn­lich lan­ge für die sonst so pro­duk­ti­ve Song­schleu­der. Über­haupt wun­dert es mich, dass Woo­len Men nach über acht Jah­ren im­mer noch kaum wahr­ge­nom­men wer­den. Denn kaum ei­ne an­de­re Band hat in der Zeit ei­nen so kon­stant gu­ten Out­put fa­bri­ziert und da­bei ei­ne so un­ver­wech­sel­ba­re ei­ge­ne Iden­ti­tät ent­wi­ckelt, mit ih­rem in bes­ter DIY-Ma­nier schnell und dre­ckig auf­ge­nom­me­nen Sound aus Power­pop und Ga­ra­ge Rock, der glei­cher­ma­ßen von Gui­ded by Voices in ih­rer gol­de­nen Ära wie auch vom Pro­to­punk der Mo­dern Lo­vers be­ein­flusst scheint. Neu­es Ma­te­ri­al soll schon un­ter­wegs sein, in der Zwi­schen­zeit kann man sich an ih­rer be­reits zwei­ten Com­pi­la­ti­on er­freu­en. Die ent­hält Songs, die ur­sprüng­lich auf di­ver­sen Tapes und EPs er­schie­nen sind; der über­wie­gen­de Teil da­von ist schon län­ger nicht mehr zu be­kom­men.



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David Nance - Negative Boogie

Lan­ge ein Ge­heim­tip der lo­ka­len Sze­ne, hat Da­vid Nan­ce aus Oma­ha in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ne gan­ze Rei­he selbst­ver­öf­fent­lich­ter CD-Rs mit kru­dem Ga­ra­ge Rock raus­ge­hau­en und spül­te erst­mals im letz­ten Jahr mit sei­nem char­mant Lo­Fi-mä­ßi­gen De­büt für Ba Da Bing Re­cords in an die Ober­flä­che. Aus glei­chem Hau­se kommt jetzt der Nach­fol­ger und wirkt durch ei­nen ver­gleichs­wei­se kla­ren Sound et­was zu­gäng­li­cher, oh­ne dass die Mu­sik an sich ir­gend­wel­che Kom­pro­mis­se ein­geht. Die Klang­pa­let­te ist viel­fäl­ti­ger ge­wor­den, es ma­chen sich dies­mal deut­li­che Ame­ri­ca­na-Ein­flüs­se breit; so­gar für ei­ne - selbst­ver­ständ­lich or­dent­lich ver­beul­te - Coun­try-Num­mer ist sich der Mann nicht zu scha­de. An­sons­ten do­mi­niert nach wie vor ei­ne sump­fi­ge Mi­schung aus al­tem Pro­to- und Art­punk, Blues- und Ga­ra­ge Rock, ei­nem Hauch von Glam. Oder auch mal Vel­vet Un­der­ground meets la­te The Gun Club meets ear­ly Nick Ca­ve meets elec­tri­fied Neil Young meets The Mo­dern Lo­vers. Oder ganz was an­de­res, wha­te­ver… ich weiß ja nix von Mu­sik.



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The Vacant Lots - Endless Night

Das letz­te Al­bum Di­vi­de des New Yor­ker Du­os ver­moch­te mich nicht so recht zu be­geis­tern, das neue da­für um­so mehr. Ih­re mi­ni­ma­lis­ti­schen Song­ent­wür­fe aus er­di­gem Blues, pul­sie­ren­dem Elek­tro-/Syn­th­pop, et­was Psy­che­de­lia und ei­nem of­fen­sicht­li­chen Be­wusst­sein für die New Yor­ker Pro­to­punk- und Art­rock-Ver­gan­gen­heit kom­men auf End­less Night deut­lich grif­fi­ger rü­ber als auf dem Vor­gän­ger. Wenn dann im Raus­schmei­ßer Sui­ci­de No­te noch Suicide's Alan Ve­ga das Mi­kro er­greift und sich ein­drucks­voll durch ei­nen krau­ti­gen Blues Jam growlt, schließt sich der Kreis.



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