Ich machte mir ein paar Sorgen was die zweite Narkose-LP angeht denn so sehr ich das Debüt verschlungen habe, was doch irgendwie auch klar dass die exakt gleiche Art von Platte nicht ein zweites mal funktionieren würde und alles hing davon ab wie die Band der Herausforderung begegnen würde, ohne dabei die spezielle Essenz zu verlieren die sie zu einer der beeindruckendsten Stimmen in der deutschsprachigen Punklandschaft gemacht hat. Ich freu mich zu sagen, dass sie auch hier wieder ihren eigenen Weg gefunden haben! Unauffällig verbesserte Produktionswerte geben hier strukturelle Unterstützung für einen Sound, der jetzt ein bisschen die dunklen '80er Anarcho-Vibes zurücknimmt zugunsten eines etwas kontemporärer klingenden Post Punk und Postcore-Sounds, der in Songs wie Keine Ziele etwa eine Ahnung von britischer 2010er Post Punk- und Noise Rock-Schule transportiert, wie sie dort florierte in den Jahren bevor die aktuelle Hegemonie aus aalglatten Mumblecore-Punkfluencern mit Brokkolifrisur letztendlich den Hypekrieg gewann. Die gleichermaßen schweren und saumäßig eingängigen Hooks schlagen dabei präziser ein als je zuvor während eine geringfügig aufgeräumtere Klangästhetik einen zunehmenden Wipers-Feel in der Gitarrenarbeit offenbart. Der lyrische Gehalt hingegen gehört weiterhun zum trübsten was man mit kurz angebundenen, gezielt plazierten Worten tun kan um Salz in die Wunden eines rapide zersplitternden Europas zu streuen mit einer unverblümten Direktheit und Dringlichkeit, für die ich nicht jederzeit die passende psychische Resilienz aufbringen kann, aber am Ende ist es halt auch nur das konstante Hintergrundrauschen einer kollabierenden Gesellschaft mit dem jeder von uns irgendwie klarkommen oder dran zerbrechen muss und es ist und bleibt eine heilsame Katharsis wenn ein paar Typen mit einer lyrischen Kraft, die weit über dem traurigen Standard einer sprachlich notorisch gehandicapten Deutschpunk-Ödnis operiert, mit gezielten Worten die akuten Schmerzpunkte angeht.
Nicht furchtbar schwer zu beschreiben was die Band aus Atlanta da auf ihrer Debüt-LP veranstaltet, deren Titel genau so gut A Crass Discharge of Rudimentary Peni lauten könnte, aber wenngleich das alles ausgesprochen spezifisch und geradeaus klingt, ziehen Cruciflys diesen Scheiß in durch und durch überzeugender Manier ab mit reichlich Intelligenz und Variation in ihren Songstrukturen, die die sich einerseits weitgehend in den üblichen Parametern ihres gewählten Rahmens aus frühem Hardcore, 1st gen Anarcho Punk und Death Rock bewegen, sich dabei aber niemals wiederholen und ein ungewöhnlich großes Maß an frischer Energie und unerwarteten Wendungen aus den jahrzehntealten Genre-Tropes herausholt. Alles an dieser Platte operiert auf einem Level meilenweit über'm Durschschnitt was oldschoolige Genre-Flashbacks angeht.
Das brilliante Demo von 2023 und eine ebenbürtig Arschtretende 2-Track-Single in '24 hatten mir schon ordentlich Hunger gemacht auf mehr von dieser Band, die sich um zwei Brasilianer in New York dreht mit weiterer Beteiligung unter anderem von Margaret Chardiet von Dollhouse und Pharmakon. Hier ist zu guter Letzt also ihr erster Langspieler auf dem britischen Bollwerk Drunken Sailor Records und ihr hättet es sicher kaum erraten... Es handelt sich erneut um eine phänomenal starke Platte! Zuvor habe ich an dieser Stelle ihren Sound mit Straw Man Army verglichen und teilweise trifft das hier immer noch durchaus zu, aber da ist auch reichlich Evidenz am Start, dass die Band ihren musikalischen Horizont massiv erweitert und besonders erwähnenswert ist dabei, wie sehr sie sich ihren melodischeren Tendenzen widmen und einer ätherischen, meditativen und geradezu psychedelischen Unterströmung besonders in Songs wie Lugares Mais Altos. Der Bandcamp-Waschzettel erwähnt außerdem auch alten UK Anarcho-Krempel sowie Wire als Einflüsse und ich sage dazu dass passt auch wie Arsch auch Eimer und insbesondere im Bezug auf Wire wisst ihr, dass ich sowas generell immer befürworte!
Brilliant einfach gestrickten, Anarcho-infizierten Post Punk setzt es auf diesem Demo einer Band aus Perth, Australien, die darauf in einer ausgesprochen rohen, unpolierten Klangästhetik mit minimalen Mitteln auf maximalen Impact hinarbeitet und mich dabei an eine handvoll Bands erinnert von etwas offensichtlicheren Referenzen wie Institute, Impotentie und frühen Rank Xerox etwa, bis hin zu einer empfindlich im Tempo gedrosselten Variante von Nag oder Pyrex.
Die jüngste EP dieser Kids irgendwo aus dem Umfeld von London und Buckinghamshire klingt äußerst einladend mit einer Handvoll schön primitiver Sprengungen des rohen, olschooligen Hardcore- und Anarcho Punk, die sich viel älter anfühlen als sie sind, so als hätten sie nach ca. '82 nichts neues mehr gelernt und ich würde mal sagen was nicht kaputt ist, muss hier auch nicht repariert werden. Die Songs gehen rein, so einfach ist das!
Starker Anarcho Punk-Scheiß aus London, der sich weitgehend einer genaueren Kategorisierung verweigert und das ist ja sowieso immer der aufregendste Punkscheiß. Aufgenommen bei D4MT Labs in New York, hat das auch tatsächlich eine flüchtige Ähnlichkeit zu dessen bekanntestem Export Kaleidoscope und ferner vielleicht auch ein bisschen was von Straw Man Army. Gleichermaßen gehören aber auch so so Bands wie frühe Bad Breeding, Acrylics und Daydream zu den ersten Referenzen, die mir spontan in den Sinn kommen.
Interessanter Mix aus Hardcore-, Anarcho- und Post Punk, den hier eine Band aus Kingston, New York zusammenbraut mit ein paar definitiven KBD-Vibes à la Launcher, ein bisschen UK82-mäßiger Energie, jeder Menge rudimentärer Peni(sse) und dem gelegentlichen Anflug von Crass.
Auf dem ersten „Lang“-Spieler von Slimy Member aus Dallas setzt es simpel gestrickten als auch kompromisslosen Death (duh!) Punk um die Ohren. Frei von überflüssigen Schnörkeleien und gerade deshalb äußerst effekvoll.