Cel Ray – Cel Rayzer

Die Band aus Chicago hatte bereits einige Wellen geschlagen mit zwei vielversprechenden EPs in 2023. Ihr neues Langspieldebüt transportiert erneut viel von der gleichen chaotischen Energie in einem angemessen optimierten, griffigeren Klanggewand, das ehrlich gesagt irgendwie nicht mehr sooo originell klingt im Jahr 2026 nach einem Jahrzehntelangen, zwar nicht überwältigenden, aber doch konstanten Strom von artsy Post Punk und Weirdcore der von so 2010er Acts wie Vexxx, Warm Bodies oder Negative Scanner reicht bis zu jüngeren Beispielen á la Scud, Sniffany and the Nits, Judy and the Jerks oder Warp, und klar lassen sich auch die offensichtlichen Vergleiche zu Snooper nicht ganz vermeiden, auch wenn ich die hier nicht so sehr als das zentrale Element sehe für ihren nur schwerlich als Egg zu kategorisierenden, aber auch nicht komplett unverwandten Sound. Obendrein würde ich noch sagen dass alte Downtown Boys vermutlich ein Einflussfaktor für ihre Musik sind. Wie dem auch sei, ich glaube ich finde auch heute irgendwo noch einen Platz in meinem Herzen für eine weitere gute Platte in diesem Fahrwasser, auch wenn die Band für einen potenziellen Nachfolger vermutlich gut daran täte, ihr etwas penetrantes Chaos aus spontanen Ideen in ein weniger flüchtiges Gesamtbild zu kondensieren, weniger Scheiße auf einmal an die Wand zu werfen. Auch wenn ich zugeben muss dass aktuell noch erstaunlich viel davon kleben bleibt, bezweifle ich dass die Nummer ein zweites mal funktionieren wird.

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Dog Date – Perfectly

Diese New Yorker Band ist schon eine Weile unterwegs, gewann aber erst mit der exzellenten 2024er EP Zinger wirklich meine Aufmerksamkeit, die erfolgreich den Charakter ihrer noch etwas schlafferen, unaufgeräumten frühen Platten zu einem ungleich aufregenderen, kohärenten Paket verschnürt hat. Ihre neueste EP verfolgt weiter diese angenehm anachronistische Laufbahn, fuzzy Garage Punk mit viel von spät-'80er bis mitt-'90er College-/Indie Rock- und (Proto-)Grunge geprägtem Geschrammel zu verschmelzen, wenngleich auch der zweite Track Cutie mich kurz etwas zweifeln ließ, der einfach etwas zu wenig Bindegewebe einbringt um Sinn zu ergeben und diesen fragilen, unförmigen Organismus wirklich zum Leben zu erwecken. Aber wie auch immer, alles was darauf folgt fühlt sich ungleich organischer und besser durchdacht an auf dieser Platte und wenn diese spezielle Sorte von oldschool Slacker Punk deine Baustelle ist, ist auch das hier ein würdiger neuer Koffeinkick!

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Kobe Thomas – True Self

Irgendein Typ aus Cincinnati hat fünf so berauschende wie explosive Garage Punk, Power- und Noise Pop-Nuggets für uns auf dieser Debüt-EP, die eingerahmt ist von zwei unbestreitbaren KO-Schlägen grob im Fahrwasser von alten Marked Men, Sonic Avenues, frühen Mind Spiders, Bad Sports oder Steve Adamyk Band, wohingegen die Songs in der Mitte sich dann eher in einen relaxteren Midtempo-Areal gemütlich machen mit ein bisschen Surf Twang, den sie in Dock mit einem Fundament aus '90er Indie-/Slacker Rock verschmelzen, einem Hauch von '80er Flying Nun Pop in Acid Angel und auch der Psychic TV-Coversong God Star pisst nicht neben die Schüssel. Alles in allem eine durchweg erfreuliche Angelegenheit, da kann ich auch noch mehr von haben.

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Temporary Curse – Beep Thrash III

Nach zwei famosen EPs in 2024 poppen Temporary Curse aus Austin wieder hier auf mit einer dritten, die für mich auf den ersten Blick dann doch tatsächlich etwas mehr nach 2024 klingt als mir lieb ist, dank der beschleunigten Kodifizierung von Eggpunk-Tropes und -Konventionen, Genre-Übersättigung, bla bla bla... ich hab mich darüber schon ausgelassen. Etwas blutarm fängt das hier an bevor die Platte erst mit ihrem dritten Song Monochrome richtig in die Gänge kommt, in welchem sich hier erstmals wieder die markant catchy psychedelischen Qualitäten der beiden Vorgänger Bahn brechen in einer Explosion furioser Hooks, gefolgt von einem makellosen Juwel des griffigen Midtempo Fuzz Punk namens Insect und dem einfach gebauten aber umfänglich funktionalen Garagensmasher Speedracer. Der instrumentale Rausschmeißer-Song tut danach nicht weiter weh aber ist auch schnell wieder vergessen. So da habt ihr's, drei Treffer und drei Fehlzündungen auf dieser Platte und irgendwie ein Zeichen der Zeit dass ich hiermit vermutlich das erste wirklich lauwarme Review einer Platte in diesem Blog ablade... nicht dass ich mein stümperhaftes Geschreibsel jemals wirklich als "Reviews" verstanden hätte (anstatt als fragwürdig formulierte aber ernstgemeinte Empfehlungen), aber an diesem Punkt komme ich um das Wort wohl nicht mehr herum, oder? Immer noch besser als Content, haha.

Wie auch immer, wenn ihr euch gefragt habt warum ich mich in jüngerer Zeit ungewohnt kritisch zu manchen Platten äußere, dann ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass das Musikjahr 2026 bisher die enttäuschendste, kreativ stagnierende Hundescheiße war an die ich mich erinnern kann seit ich das Blog angefangen hab und es mir zunehmend schwerer fällt noch jede Woche etwas zu finden, für das ich mich uneingeschränkt begeistern kann - sicher auch einer von mehreren Faktoren dafür, dass ich hier weniger und unregelmäßiger poste und irgendwie passend für Zeiten, in denen auch außerhalb der eigenen Bubble alles gute in der Welt zu verrotten und verrohen scheint und sich für absehbare Zeit wenig plausible Lichtblicke auftun. Whatever man, ich hoffe dass wenigstens der kommende Herbst das Jahr etwas rehabilitieren wird mit einer würdigen Flut herausragender VÖs, denn sonst kann ich nicht anders als zu hinterfragen warum ich den Scheiß hier eigentlich mache und wie viel Sinn es noch macht, mich Woche um Woche diesem nicht unsubstanziellen Grind auszusetzen, von dem ich eh nicht weiß wie lange ich ihn in meiner Situation noch realistisch aufrechterhalten kann. Überhaupt, ein Musikblog zu starten im Jahr 2013, zu einer Zeit in der die meisten anderen Blogs der 2000er Ära schon wieder verschwunden oder in ihren letzten Atemzügen waren und die potentielle Leserschaft zunehmend das offene Web zugunsten der dunklen Dystopie sozialer Medien verließ... was für eine verfickte Schnappsidee war das denn eigentlich? Jetzt fühlt sich 2026 irgendwie zunehmend nach dem Jahr an, in dem das alles für mich zu zerbrechen droht nicht zuletzt angesichts langjähriger persönlicher, ökonomischer und auch die seelische Gesundheit betreffender Realitäten. Wie auch immer in der Zwischenzeit, kann mal irgendwer was tun um mich von diesem nagenden Ende-einer-Ära-Vibe abzulenken?

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The UTI’s – Demo

Die irgendwo aus South Carolina operierenden UTI's sind definitiv schwer in Bewegung in letzter Zeit und lassen auf ihrer neuesten EP auch schon wieder weitgehend die abgespacete Psychedelia ihrer This Has To Be Hell EP wie auch die quirligen, Synth-lastigen Eierkartons von Migraine Music - beide früher in diesem Jahr erschienen - hinter sich, machen stattdessen Platz für eine deutlich rohere, vollwertige Band-Inkarnation ihres Sounds in einem Spektrum des angenehm gehirnlosen, lärmigen Fuzz Punk, der hier gar nicht erst versucht irgendwas smartes abzuziehen aber doch weit über seiner Gewichtsklasse spielt durch die schiere Kraft ihrer Perforance, unterstützt von den soliden, funktionalen Songfundamenten ihrer einfachen aber saumäßig eingängigen Tunes.

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4d8K – D1

Eine durchweg überzeugende Debüt-EP haben wier hier von einer Band aus Providence, Rhode Island, die hier reichlich von einer KBD-getränkten Garage Punk-Räudigkeit in einen Sound pumpt, der ansonsten mehr von einer alten Hardcore-Energie dominiert wird aus zeitlos effektiven früh-'80er Hooks. Ein bodenloses Fass von entzückendem Chaos, das eine perfekte Balance hält aus ungekämmt chaotischem Lärm einerseits und zugleich einer gefährlich catchy ansprechenden Qualität, die mich vom ersten Moment anfixt.

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Snarewaves – ABV / Withdrawals

Eine Reihe von Veröffentlichungen weitgehend geprägt von Neuaufnahmen alter Songs wies zuletzt schon darauf hin, dass Lansing, Michigan's ausgesprochen produktive Schöpfer ausgefranster Noise Pop, Fuzz- und Garage Punk-Miniaturen stark an einem weichen Update ihres Sounds interessiert waren und entsprechend dieser Tendenz, beginnt auch ihre neueste EP mit einer Neuinterpretation - ihrer wohl drastischsten bisher - ihres alten Highlights ABV, die hier mal deutlich die Beine ausstreckt, das Tempo drosselt und damit die melodischen Qualitäten des Materials stärker in den Mittelpunkt rückt, ohne dabei etwas von ihrer alten Magie zu verlieren. Der Krempel hier klingt nach wie vor unverkennbar nach einer Snarewaves-Platte, wenn auch einer etwas aufgeräumteren, weniger hektischen Version davon, die mehr Luft zum Atmen lässt sowohl in den Performances als auch der etwas transparenteren Produktionsästhetik. Guter Scheiß wie immer, freu mich auf mehr davon!

The Carp – Tangled Up With The Two Tailed Rat

Als The Carp ihr erstes Demo in 2021 veröffentlichten war das Liebe auf den ersten Blick, aber dennoch fühlte sich diese Gruppe ein bisschen an wie ein fünftes Rad was die Bands von Frontmann Nathan Ward angeht, ein vielleicht etwas zu offensichtlicher Mittelweg zwischen der zackigen Post Punk-Effizienz von Knowso, der wild entgleisten Energie von Cruelster und der roheren Garage-Kante von Perverts Again. Auf ihrer exzellenten Debüt-LP in 2024 zeigte die Band dann ein wenig mehr in Experimentierlaune aber immer noch etwas zögerlich, eine klare Richtung einzuschlagen die sie etwas von den genannten Bands differenziert. Jetzt auf ihrem zweiten Langspieler klingen sie für mich aber zum ersten mal nach einer Band, die langsam ihre eigene Identität entwickelt, geprägt von einem rustikaleren und bewusst vereinfachten Garage Punk-Fundament und einer weniger verkopft-distanzierten, ernsteren und ungefilteren Herangehensweise an ihre Tunes die ihr Herz unverblümt offenlegen. Aber wie auch immer, das ist, wie eigentlich alles was die genannten Bands bisher angefasst haben. erneut ein essenzieller Goldklumpen für alle Bewunderer dieses eigenwilligen Strangs aus hochstrukturiertem und robustem Post Punk-Kubismus mit dem speziellen Zusatz einer fuzzigen Garagenkante.

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Total Vacation / Animated Violence – Split

Zwei Bands aus dem weiteren Umfeld von Los Angeles haben hier ihre Ressourcen gebündelt für eine wahrhaft göttliche Harcore Split-LP, die sicher irgendwann als eine der großen Splitveröffentlichungen der Roaring Twenties gehandelt wird in einer Liga mit, sagen wir mal, der massiven Stunted Youth & Save Our Children LP aus dem letzten Jahr. Natürlich fallen mir dabei zuerst die Songs von Animated Violence ins Auge, die nicht nur schon länger mit zwei arschtretenden Tapes seit 2022 begeisterten sondern hier gleich noch mal ein neues Level aus purem Wahnsinn und schlauem Handwerk erklimmen mit einer Sound so eklektisch, verspielt und einfallsreich wie er auch unverschämt catchy und melodisch daherkommt und gleichzeitig noisy-as-fuck, ein wilde und unberechenbare Fahrt bei der die zahlreichen Schlaglöcher Teil des Spaßes sind. Aber so sehr das auch mal komplett meine Baustelle ist, soll das bitte nicht davon ablenken wie stark auch die Tracks von Total Vacation sind, die sich oberflächlich betrachtet an einer einfacher gestrickten früh-'80er-Schule orientieren aber keineswegs weniger aufregend sind, bis zum bersten gefüllt mit smarten Ideen und bunten Schnörkeln... nur das jene sich hier halt über doppelt so viele, kürzere Songs verteilen und solche Instant-Hits wie Chimera and Perspective / For Once lassen keinen Zweifel daran dass wir es hier mit etwas besonderem zu tun haben.

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Twit – Spurts

Diese Band aus Victoria, British Columbia, Kanada schöpft hier eine Fülle an exzentrischem Spaß ab, der teilweise, aber nicht gänzlich in die Nische von vage '70er und früh-'80er Siouxsie, Pylon, Delta 5 oder B-52s-inspirierten Bands passt… eine ähnliche quirlige Eingängigkeit ist da am Start aber es lässt sich dann auch keinesfalls diese gewisse garagige Proto Punk-Energie übersehen und ein roherer, anarchischer UK DIY-Vibe wie man ihn eher von so Bands wie Cravats, Membranes, Fatal Microbes oder Flowers In The Dustbin erwarten würde oder vergraben in den Tiefen irgendeiner Messthetics Complation. Genauso könnte man jetzt aber auch Vergleiche ziehen zu jüngeren Post Punk-Zeiterscheinungen der Sorte Spread Joy oder Marcel Wave und sogar zu so 2010er Weirdcore-Phänomenen wie Warm Bodies und Vexx. Saumäßig ansprechender Scheiß ist das.

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