Dog Date - Zinger

Die­se New Yor­ker Band ist ir­gend­wie ein selt­sa­mes, dem Zeit­geist trot­zen­des Biest, das sei­ner Nei­gung zum Punk, Grunge und In­die Rock der spä­ten '80er bis frü­hen '90er un­ge­zü­gel­ten Lauf lässt. Auch wenn der ers­te Song hier ganz un­sub­til Nir­va­na be­ti­telt ist, wür­de ich sie eher mit frü­hen Mudho­ney und der lär­mi­gen, frü­hen In­kar­na­ti­on der Pi­xies ver­glei­chen, mit wei­te­ren An­lei­hen von, sa­gen wir mal, U-Men, Scratch Acid und Dri­ve Li­ke Je­hu. Im Grun­de al­so ge­nau die Art von Band, die vor so ca. 15 Jah­ren, auf dem vor­über­ge­hen­den Gip­fel der ers­ten 90er-Nost­al­gie­wel­le, di­ver­se Pitch­fork-Schrei­ber­lin­ge feucht im Schritt wer­den ließ. Heu­te hin­ge­gen ist die­se Plat­te ei­ne ob­sku­re, schrul­li­ge Ku­rio­si­tät und das macht sie für mich um­so lie­bens­wer­ter.

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Glueman - Glueman II /​/​ Chum Lord - Pounds, Pills, Paranoia

Auf ih­rer zwei­ten Kas­set­te kom­men Glue­man aus Den­ver auf kei­ne dum­men Ideen und hal­ten ihr Ding schön sim­pel, blöd und spa­ßig. Ziem­lich old­schoo­li­ge Ga­ra­ge-Qua­li­täts­wa­re ist das, mit ei­ner zu­sätz­li­chen No­te von '77- und KBD-mä­ßi­gem Lärm. Zu­ver­läs­si­ger und be­währ­ter Scheiß, den man in der ak­tu­el­len Sze­ne mit so Bands wie Buck Bil­o­xi, Sick Thoughts, The Dirts oder Bart and the Brats ver­glei­chen könn­te. In ei­ne re­la­tiv ähn­li­che Ker­be schla­gen dann auch Chum Lord aus Kent, Ohio und set­zen al­les auf ei­nen ul­tra-old­school Ga­ra­gen­vi­be, der ein­fach über­haupt nichts an­fasst, das es nicht vor 40 Jah­ren schon gab und sein Ding mit ei­ner un­fehl­ba­ren Ga­be für su­per­ef­fek­ti­ve, un­mit­tel­bar in die Fres­se ge­hen­de klei­ne Song­per­len durch­zieht und ein­häm­mert. Japp, ich bin über­zeugt.

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OSBO - OSBO

Die­se Band aus Syd­ney schleppt reich­lich lo­ka­les In­ven­tar mit, ha­ben Mit­glie­der doch un­ter an­de­rem in so Bands wie Bed Wet­tin' Bad Boys, Roy­al Hea­da­che, Tim and the Boys und Mun­do Pri­mi­tivo mit­ge­spielt. Aber ehr­lich ge­sagt klin­gen Os­bo nach über­haupt kei­ner die­ser Bands. Viel mehr er­in­nert mich ihr fuchs­teu­fels­wil­der Mix aus Post- und Hard­core stark an die Ab­riss­bir­nen Pre­da­tor und Nag aus At­lan­ta, so­wie wei­te­re ame­ri­ka­ni­sche Ver­tre­ter der Sor­te In­sti­tu­te, Acrylics, Tu­be Al­loys, Pyrex, Cor­ker und Cri­mi­nal Code… oder al­ter­na­tiv auch Sydney's ei­ge­ne Kra­wall­kol­le­gen Ar­se und Xilch. Denkt euch jetzt noch ei­ne pro­to-Noi­se Rock-Kan­te á la Flip­per oder No Trend da­zu und das kommt dann un­ge­fähr hin. Das voll­kom­men ent­gleis­te Ge­bell des Sän­gers hin­ge­gen er­in­nert mich sehr an die Eng­län­der Ak­ne.

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Continuals - Continuals

Ei­ne neue (Co-)Veröffentlichung auf Di­sch­ord und wie das ja dort üb­lich ist, ha­ben wir es er­neut mit ei­ner Band zu tun, de­ren Mit­glie­der schon ih­re Fin­ger in ei­nem gan­zen Arsch voll be­deut­sa­mer Bands über meh­re­re Jahr­zehn­te der lo­ka­len Punk­sze­ne drin hat­te. Zu den ge­läu­figs­ten da­von dürf­ten Ke­ro­se­ne 454, Chan­nels, Be­au­ty Pill, Soc­cer Team, Of­fice of Fu­ture Plans, Alarms And Con­trols ge­hö­ren und um das Na­me­drop­ping-Kreis­ge­wich­se zu voll­enden, ist das gan­ze auch noch von J. Rob­bins (Jaw­box) pro­du­ziert. Aber hier ist die Sa­che mit so vie­len jün­ge­rer Di­sch­ord-Ver­öf­fent­li­chun­gen: Die klin­gen sel­ten nach ei­nem mü­den Neu­auf­guss oder ei­ner ren­ta­blen Nost­al­gie-Ver­an­stal­tung. Das ist ei­ne un­gleub­li­che Qua­li­tät die­ser spe­zi­el­len Sze­ne: die Fä­hig­keit, ei­ner­seits die ei­ge­ne Tra­di­ti­on nicht zu ver­leug­nen und gleich­zei­tig im­mer noch so dring­lich und lei­den­schaft­lich zu klin­gen wie am ers­ten Tag. Be­reit, im krea­ti­ven Pro­zess die nö­ti­gen Ex­tramei­len zu ge­hen, macht man hier kei­ne hal­ben Sa­chen und "gut ge­nug" ist nie­mals gut ge­nug.

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Hood Rats - Crime, Hysteria & Useless Information

End­lich ei­ne gan­zes Al­bum der Hood Rats aus Mont­re­al! Die trei­ben sich jetzt auch schon so ei­ni­ge Jah­re rum, aber so rich­tig in die Gän­ge ka­men die im Win­ter '22 - '23 mit ih­ren letz­ten bei­den EPs. Die neue LP setzt sich dann auch über­wie­gend aus schön wuch­ti­gen Neu­auf­nah­men von Songs be­sag­ter EPs und von ei­nem 2022er De­mo zu­sam­men, aber das soll nicht da­von ab­len­ken, was für ei­ne ex­qui­si­te Bom­be aus schnör­kel­los nach vor­ne ge­hen­dem US-Punk und Hard­core im Geis­te der frü­hen '80er das ge­wor­den ist, an­ge­rei­chert um sub­ti­le KBD-Vi­bes und et­was ge­gen­wär­ti­gen Ga­ra­ge Punk. Ganz klar die de­fi­ni­ti­ve In­kar­na­ti­on die­ses Feu­er­werks aus Kil­ler­tu­nes!

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Mo egg on ya face (Paulo Vicious /​ Dårskap /​ Gurk)

In jün­ge­rer Zeit hat es noch nie so et­was ge­ge­ben wie ei­ne schlech­te Wo­che für Egg­punk, aber die­se Wo­che war mal wie­der ganz be­mer­kens­wert hoch­wer­tig mit drei über­durch­schnitt­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen. Pau­lo Vicious aus Tel Aviv dürf­te euch ja be­reits von der Är­sche tre­ten­den De­büt-EP im letz­ten Win­ter ein Be­griff sein. Der Nach­fol­ger da­von nimmt naht­los des­sen Strän­ge wie­der auf und er­zeugt wei­ter kran­ken Spaß am lau­fen­den Band mit star­ken Echos von Pri­son Af­fair, Set-Top Box, Nubot555 und oben­drein ei­ner glit­zern­den Pa­ti­na aus 8.Bit Chip­tu­nes. Dårs­kap aus Os­lo wie­der­um nä­hern sich den Egg-ver­wand­ten Sounds mit ei­nem ge­wis­sen Dun­ge­on Punk-Un­ter­ton und der sub­ti­le De­ath­rock-Vi­be wirft die Fra­ge auf, ob hier viel­leicht per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen zur eben­falls aus Os­lo stam­men­den Band Mol­bo be­stehen, die es erst letz­te Wo­che an die­ser Stel­le zu be­stau­nen gab. Zu gu­ter Letzt lie­fern die Schwe­den Gurk vier neue At­ta­cken des ul­tra-cat­chy Egg-in­du­zier­ten Wahn­froh­sinns auf ei­ner neu­en EP, die ich mal durch­aus als ih­re bis­lang stärks­te be­zeich­nen möch­te.

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Leaves - Leaves

Das eng­li­sche Trio Lea­ves schert sich ganz of­fen­sicht­lich ei­nen Scheiß um ak­tu­el­le Trends der bri­ti­schen Sze­ne und ich fin­de das sehr er­fri­schend. Statt­des­sen be­tä­ti­gen die sich in ei­ner klas­si­schen Me­lan­ge aus Post­co­re, Noi­se- und Math Rock, die mehr nach Chi­ca­go, dem er­wei­ter­ten Touch and Go-Uni­ver­sum und ver­wand­tem Krem­pel klingt. Kom­pe­tent und be­herzt wird hier ei­ne Äs­the­tik re­vi­ta­li­siert, die in letz­ter Zeit doch et­was rar ge­wor­den ist. Die of­fen­sicht­lichs­ten Re­fe­ren­zen wä­ren hier Slint, aber auch mit Bands der Sor­te Tar, Un­wound, frü­hen Shel­lac and spä­ten Bitch Ma­gnet lä­ge man hier nicht falsch, so­wie ei­ner Spur von Cha­vez oder Pol­vo und so­gar et­was kraft­vol­len '90er Di­sch­ord-Vor­schub kann man be­son­ders in Do So­me­thing er­ken­nen. Was jün­ge­re Bands an­geht, bö­ten sich auch frü­he­re Pi­le und - noch viel tref­fen­der - Lug­ga­ge als sti­lis­tisch eng ver­wand­te Bei­spie­le an.

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Klint - Somebody Cut Out My Brain

Wie­der mal be­rau­schend wie Kleb­stoff, die neue 2-Track-Sin­gle von Schles­wigs füh­ren­dem Vi­king Syn­th Punk-Zau­be­rer Klint. Klar gibt es da wie­der reich­lich Schät­ze aus grif­fi­gem Lied­gut zu ber­gen so­fern man es le­bend bis auf den Grund die­ser von Rat­ten be­sie­del­ten Sta­chel­gru­be schafft. Letz­te­res ist kei­ne Über­trei­bung, denn ins­be­son­de­re im Ti­tel­track lässt sich hier Klint's ein­zig­ar­ti­ge Äs­the­tik zu ganz neu­en Ab­grün­den aus kan­ti­gem Elek­tro­punk-Lärm her­ab und lässt sich aber kei­ner­zeit da­von ab­hal­ten, dem Pro­zess die vol­le La­dung von un­ter­schwel­lig per­vers an­mu­ten­dem Spaß ab­zu­ge­win­nen.

Molbo - Rettferdighetens Ridder /​/​ Kerozine - Living In A Nightmare

Zwei be­acht­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen mit mehr oder we­ni­ger star­kem Dun­ge­on Punk-Be­zug sind hier die­se Wo­che ge­lan­det. Erst­mal wä­re da die De­büt­kas­set­te von den Nor­we­gern Mol­bo, die ober­fläch­lich be­trach­tet vor al­lem die in letz­ter Zeit ja wie­der sehr schick­li­chen Ein­flüs­se aus '80er Goth, De­ath Rock und Post Punk vor sich her tra­gen. Gleich­zei­tig set­zen sie dem aber auch ei­ne un­wahr­schein­lich wir­ken­de, lau­ni­ge Egg­punk-Äs­the­tik ent­ge­gen und be­zie­hen reich­lich schrä­gen Spaß aus ei­nem Gen­re, das sich sonst ger­ne mal et­was zu ernst nimmt - was zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen auch manch­mal sei­ne ganz ei­ge­ne un­frei­wil­li­ge Ko­mik mit sich bringt.

Das Duo Ke­ro­zi­ne aus Ips­wich, Eng­land hin­ge­gen nä­hert sich ei­ner ge­wis­sen Dun­ge­on-Äs­the­tik mehr aus dem Win­kel von glei­cher­ma­ßen ge­rad­li­ni­gem und be­zau­bernd noi­se-las­ti­gem Syn­th- und Elek­tro­punk, so ein­gän­gig wie auch trei­bend und schlag­kräf­tig. Die bes­ten halb­wegs ak­tu­el­len Ver­glei­che, die mir auf die Schnel­le so ein­fal­len wä­ren wie­der­um Bands wie et­wa Spy­ro­ids, O-D-EX, Drý­sild­jöfull, Chan­nel 83, C57BL/​6, Ex­po­se und Beef.

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Unicorn Fart Sugar - Snack of Plates

Ein ech­tes Wun­der­werk des von Co­vid-Lock­downs mo­ti­vier­ten Lärms, er­schaf­fen von ei­nem zwei Ge­ne­ra­tio­nen um­span­nen­den bri­ti­schen Trio, kommt jetzt mit et­wa drei­jäh­ri­ger Ver­zö­ge­rung auch mal noch bei uns an. Ein hals­bre­che­ri­scher Mix aus Ga­ra­ge Punk mit Brass-Zu­sät­zen, Hard- und Post­co­re, ver­schmilzt das Zeug die Ten­den­zen jün­ge­rer Phä­no­me­ne wie, sa­gen wir mal, Ce­ment Shoes, Cri­sis Man oder Mys­tic In­a­ne mit den eben­bür­tig lär­mi­gen Sounds von X in den frü­hen bis mitt­le­ren 80ern - der aus­tra­li­schen Band na­mens X, wohl­ge­merkt. Das al­les wä­re aber nur ein hal­ber Spaß oh­ne oh­ne die an­ste­cken­de Freu­de in den Vo­cals von Sän­ge­rin Eli­za, die - wenn ich das al­les rich­tig ein­schät­ze - zum Zeit­punkt der Auf­nah­me 2021 ge­ra­de mal sechs oder sie­ben Jah­re jung war.

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