Ein fantastisches Stück des psychedelischen, monoton pulsierenden Post Punk mit Echos aus der Proto- und frühen Art Punk-Ära. Diese neue Kassette der Pariser Jazz V.O.S.T. kommt ein bisschen so rüber wie eine unheilige Allianz aus Métal Urbain, MX-80 und Chrome, ein bisschen Swell Maps obendrein... oder vielleicht auch so japanischen Grenzgängern zwischen Psychedelic und Post Punk wie The Rabits und frühe High Rise. Das alles wird hier in eine vage Kontur eines Cold Wave-Kontexts transportiert, hat dabei aber dankenswerter Weise überhaupt nichts von der formelhaften Gleichschaltung jenes Genres, das ich in den letzten Jahren mitunter leider für eines der unkreativsten und eingefahrensten halte. Nein, das hier ist eine ganz andere Tasse Tee. Die Pulse, Zuckungen und Donnerschläge auf dieser Platte entstammen ganz und gar nicht den kühlen Rotationen einer austauschbaren Maschine, sondern der unaufhaltsamen menschlichen Schaffensfreude kreativ getriebener Geister, die hartnäckig grimmigen Realitäten ins Gesicht lachen, unwillig, sich von ihnen erdrücken oder bestimmen zu lassen.
Hyperdog aus Linz, Österreich tummeln sich jetzt schon eine Zeit lang auf meinem Radar anlässlich einer sehr netten Debüt-EP und zwei gar nicht so lausigen Demos im Laufe der letzten zwei Jahre, wobei ihre Formel aber noch nie so gut aufging wie auf dieser neuen Kassette via Goodbye Boozy Records. Fuzziger Garage Punk ist das, mit stellenweise uncharakteristisch relaxten Tempos und einer glitzernd psychedelischen Oberfläche, die mich unter anderem sehr stark an die satten Noise Pop-Farbexplosionen von Beta Máximo erinnern.
Auch wenn ich es immer noch nicht fertig gebracht habe, mich tiefer in die etwas einschüchternd massive Diskografie von Monda aus Totowa, New Jersey reinzuwühlen, muss ich ihnen dennoch zugute halten im Laufe dieses Jahres einen kräftigen Eindruck hinterlassen zu haben als eine sich konstant wandelnde und ruhelose kreative Gewalt. Wo die im Frühling erschienene LP Stiff Jumbo amtlich abgespackt seine schrille Fahne in den Wind hängte in der Form von kurzen Blitzen aus melodoischem Lärm und VIII in Sommer dann die klanglichen Parameter deutlich entpannte zu einer klassicheren Indie Rock-Ästhetik, begibt sich der neueste Langspieler in weiten Teilen in vergleichsweise, nu ja... benebelte Sphären würde ich mal sagen. Das ist ein ausgesprochen wolliges, ausgefranstes Bündel aus DIY-mäßigen Space-/Acid Punk-Exzentrizitäten, die in keinem Moment den kreativen Trieb, die menschliche Wärme, Neugier und Verwunderung verbergen kann hinter einer, zugegeben, ziemlich bekifften Fassade. Einerseits erinnert mich das stark an so Zeug wie Mononegatives, späte Useless Eaters, Pow! und einige der stärker Motorik-verschwurbelten Inkarnationen von The(e) O(h)Sees, wobei dann andererseits aber Songs wie I Alwys Have It Till I Need It, Chronic Embarrassment und Creek Time wiederum die gleichen melodischen oldschool Indie Rock- und Fuzz Punk-Qualitäten transportieren, die schon die beiden Vorgänger durchzogen.
Diese schon recht lange bestehende, aber ausgesprochen langsam agierende Band aus dem niederländischen Breda habe ich bisher weitgehend (zu unrecht) ignoriert aber umso kraftvoller katapultieren sie sich dafür jetzt auf meinen Radar mit ihrer dritten und fraglos stärksten LP, auf der sie ausgesprochen potente Songwriting-Qualitäten in eine sehr wandlungsfähige Klangästhetik verfrachten, die irgendwo zwischen oldschooligem, manchmal psychedelischem Garage- und Fuzz Punk, sägendem Noise- und Power Pop sowie auch einigen pulsierenden Elektropunk-Ausbrüchen alterniert. Zugegeben, zwei mal feuern sie für meinen Geschmack daneben wenn sie sich etwas zu weit in überzuckertes oh-so-fucking-twee ASMR-Territorium begeben aber hey, zehn von zwölf ist doch mal eine durchaus respektable Trefferquote und in den besten Momenten klingt das für mich nach einer sehr garagigen Version der frühen Fastbacks.
Mehr Brain Fuck und Brain Fog als des selbigen Wäsche ist diese durchweg desorientierende neue EP eines gewissen italienischen Gentlemans namens Leonardo Carlacchiani aka Purp, eine überwältigende Welle von LoFi-mäßigem DIY Lärm und Psychedelia, die alles daran setzt, den Verstand nicht etwa zu brechen, sondern zu benebeln. Der Opener Mind Space kommt in etwa so rüber als hätte man den folkig-schrammeligen Powerpop von jüngeren Vaguess-Platten in den durchgebrannten Fuzz Pop-Kontext weiterer italienischer Genossen wie Mustard/Metal Guru und der jüngsten EP von Dadgad verfrachtet. Letzteres morpht dann in Labyrinthorama zu einem deutlich relaxteren Midtempo-Indie Rocker, der mir etwa Treehouse und frühe Tape/Off ins Gedächtnis ruft. Reminder Demons With Gufo Mangia Sale ist pure Space Blues-Unendlichkeit. Astral Angel klingt ein bisschen nach frühen Pixies, verlangsamt zu einem deprimierenden Kriechtempo und bekommt zusätzlich einem Nachgeschmack von '90er Chokebore verpasst. Ladybug's Ballata With Bobby Chombo zieht einen No-Fi-Flickenteppich aus My Bloody Valentine und Dinosaur Jr durch einen psychedelischen Flying Saucer Attack-Fleischwolf, gefolgt von I-Ching, das eine Brücke schlägt von frühen Japandroids zu den Noise-/Fuzz Pop-Acts der späten 2000er / frühen 2010er á la No Age, Wavves und Male Bonding.
Nach der schon äußerst neugierig machenden Teaser-EP von einigen Wochen bekommen wir jetzt endlich das Langspieldebüt der Dungeon Punk-Zauberer aus Karlsruhe in voller Länge zu hören und meine Fresse, fegt das mal alles weg! Die Mischung aus Neuaufnahmen von Songs, die bereits vom letztjährigen Demo geläufig sind und absolut ebenbürtigem neuem Material wird hier zu einem atemlosen Ritt verwebt, dessen maximal schmuddelige und verhallte, zwischen lo- mid-fi rangierende Produktion, die ein bisschen so klingt als hätte man Dreck in irgendeinem Parkhaus aufgenommen, hier einfach so perfekt sitzt wie Arsch auf Eimer. Da gibt es tonnenweise funkelnder Psychedelia zu verorten im Opener Locket, simple und primitive Protopunk-Energie in Tear It Up, während Songs wie As Loud As Me und My Dawn mit unerwartet melodischen Lichtblitzen daherkommen, was im letzteren Fall durchaus etwas an die frühen The Men erinnern mag. Den Kontrast dazu setzen die beiden Hardcore-meets-Motörpunk-Attacken in Give Me Beat und All This Heat sowie die oldschool Sabbath-Überreste, die sie etwa in Suppression mit einer guten Ladung an Space Rock-Exzess á la späte Destruction Unit verschweißen. Die Dungeon Punk-Hymne Fomo Boy hat natürlich immer noch die gleiche Zerstörungskraft wie wir sie auf dem Demo erlebt haben und der darauf folgende neue Track Inte Mer Hem folgt ganz nahtlos in dessen Fußstapfen. Fickt mich, geht die Scheiße ab!
Die neueste EP von Kerosene Kream aus Stockholm scheint der Sache langsam näher zu kommen, die Vision der Band zu verwirklichen, indem man die anfängliche Eggpunk-Ästhetik weitgehend zu den Akten legt zugunsten einer stärker Psych-lastigen Spielart des Garage Punk, die konstant hin und her pendelt zwischen der unschuldigeren britischen Schule und den ungleich dunkleren, drogeninduzierten Tendenzen des US Acid Rock. Insgesamt eine Mischung, der man gewisse Ähnlichkeiten zu so Bands wie Pow!, Mononegatives order - kürzlich erst - Electric Prawns 2 zuschreiben kann. Zeitweise mag das Songwriting etwas einfach gestrickt rüberkommen, wenn etwa Songs wie Mindkiller und Psychedelic Ranger doch dem sehr nahe kommen, was man im Volksmund als ein "Traditional" bezeichnen mag. Aber hey, das Ergebnis ist worauf's ankommt und dem mangelt es keineswegs an Schlagkraft.
Zwei bislang eher noch etwas am Rand der Szene agierende Akteure der Eggpunk-Welle machen gemeinsame Sache auf dieser netten Split-LP und machen klar, dass man jenen "Unter ferner liefen..."-Status besser noch mal überdenken sollte. Auch wenn hier wie gehabt das Rad nicht neu erfunden wird, haben beide Bands klar ihr Rezept verfeinert. SPRGRS aus Granada, Spanien sorgen dabei schon mal einen ausgezeichneten Start mit ihrer quirlig-pulsierenden und melodischen Herangehensweise ans Genre, die man so ähnlich in jüngerer Zeit etwa von Bands wie Prison Affair, Beer, Paulo Vicious und Goblin Daycare gehört hat. Noch mal ein stärkeres Kaliber sind dann aber die neuen Tracks von Möney aus Bristol, die hier eine recht vielseitige Klangpalette und tadellose Songkonstruktion präsentieren, insgesamt auch durchtränkt von einem Surf- und Psych-lastigen Post Punk-Vibe - besonders prominent im abschließenden Track Emancipation - was insbesondere die Sounds von Electric Prawns 2, Checkpoint, Gremlin und Powerplant ins Gedächtnis ruft. Plastic Trees wiederum ist ein überraschendes kleines Juwel des glitzernden Noise-/Dream-/Powerpops und bekommt einen besonderen Glanz verliehen von einer tollen Gast-Gesangsperformance, die in den Credits einer mysteriösen Miss Clienti zugeschrieben wird.
Nach der durchweg berauschenden Debüt-LP vom letzten Sommer liefert der französische Psychedelic-Zauberer Remy Pablo auf dieser neuen Single mehr von der gleichen überwältigenden Klangware, die ganz stur ihr eigenes Ding durchzieht aus pulsierenden Loops und abgehangenen Drones in den entrückten Sphären, an denen sich Psych- und Space Rock, Post-, Art-. Proto- und Garage Punk überschneiden mit mehr als nur leichen Anklängen etwa an MX-80, Chrome und Métal Urbain.
Nach zwei schon sehr erfreulichen LPs in '22/'23 trifft der dritte Langspieler dieser Band aus Hamilton, Ontario mal so richtig den Nagel auf den Kopf. Nach einem ironisch-metallischen Intro verströmt der Titelsong direkt mal spezielle Vibes á la MX-80, Chrome und Metal Urbain plus eine winzige Dosis Cramps. Im weiteren Verlauf bekommen wir durchweg Fuzz-/Garage-/Space Punk-Scheiß der ersten Wahl vorgesetzt, schräg genug um uns auf Trab zu halten aber gleichermaßen auch solide gebaut und ausgefuchst, mit dem nötigen Maß an zuckerhaltigem Ohrenschmaus obendrein, wie etwa in Corpus Earthling Meets The Counter Culture, in welchem einem bewährten und gut eingelatschten Punk-Standardriff die exzessive Fuzzpunk-Behandlung widerfährt. In anderen Momenten, besonders in den ersten paar Tracks, geht da so eine Art Hawkwind-machen-einen-auf-Hair-/Glam Metal-Schiene ab. Genauso gut kann man da drin aber auch die Fingerabdrücke eines diffusen Clusters aktueller Bands wiederfinden wie z.B. Zoids, Thee Hearses, Monoburro, Mononegatives, Mateo Manic oder Silicon Heartbeat.