Trashdog – Dipshitticus

Ein wundervolles, gestörtes Chaos ist das zweite Album von Trashdog aka Andrew Jackson – dem verantwortlichen Spacken hinter dem Label Digital Hotdogs – geworden. Dass hier die Uhren nicht ganz normal ticken war schon zu erwarten, aber von der Masse an feinster Qualität, die hier wild über den Boden verteilt zu entdecken ist, bin ich doch stark überrascht – besonders nachdem mich das erste Album nicht so komplett überzeugen mochte. Zu einem Drittel besteht das aus bekifften bis hirnverbrannten Gags. Zu einem weiteren aus ebenso mitreißenden wie schrägen Sounds, die irgendwo zwischen Garage Punk, Power Pop, Synth- und Elektropunk, einem Spritzer Glam ihr ausgesprochen einfallsreiches Unwesen treiben. Beim letzten Drittel bin ich mir dann nicht so sicher, in welche der beiden Kategorien es jetzt gehört. Alles zusammen ergibt eine vielleicht etwas überwältigende, aber nichts desto trotz sehr geile Abfahrt.

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Shit Giver – Meaningless / Transition

Ihr 2017er Debütalbum hatte seinerzeit einen gewaltigen Eindruck bei mir hinterlassen mit einer ausgesprochen ambitionierten und vielseitigen Vision von Postpunk, durchzogen von exzentrischen, unvorhersehbaren Songstrukturen. Mit ihrer neuen digitalen Single überrascht die Band aus Los Angeles erneut, haben sie hier doch vor allem ihre melodischen Qualitäten herausgearbeitet und in ein Gewand aus unwiderstehlich melancholischem Post Punk, Power- und Goth Pop verpackt und entwickeln dabei eine Ohrwurmgewalt, auf die ich so nicht vorbereitet war. Meaningless überzeugt dabei als unerwartet geradlinige Popkanone inklusive eines grenzwertig käsigen Saxofonsolos, das bei einem weniger starken Song zuviel des guten wäre, hier aber absolut verdient erscheint. Transition setzt den neuen Hang zum sentimentalen Pop dann nahtlos fort, beweist aber auch, dass Shit Giver auch ihr Gespür für opulente Strukturen nicht verloren haben.

Pist Idiots – Ticker

Kurzspieler Nummer drei der Band aus Sydney schließt nahtlos da an, wo ihre unerwartet starke zweite EP vor anderthalb Jahren aufgehört hat. Mit gleichermaßen großer Wucht und Eleganz vorgetragene, angepisste Hymnen, die zwischen kräftigem Garagenpunk und bittersüßem Powerpop oszillieren und Ähnlichkeiten vor allem zu weiteren australischen Kollegen der Marke Mini Skirt, Royal Headache, Bed Wettin Bad Boys, Jackson Reid Briggs & The Heaters oder Dumb Punts aufweisen. Ihren eigenen Platz innerhalb des unüberschaubaren australischen Garagenwildwuchses finden sie aber insbesondere aufgrund von ausnahmslos tadellosen, oft brillianten Songwriting-Qualitäten.

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The Missed – The Missed 7″

Nach dem Gamma World-Demo zuletzt ist hier schon die nächste Band aus der Asche von Nervosas. Wobei ich jetzt erwähnen muss: Jüngste Ereignisse weisen darauf hin, dass letztere Band noch gar nicht so tot ist wie zuvor gedacht. The Missed ist jedenfalls die aktuelle Band von Nervosas-Gitarristin Mickey Marie. Die hatte vor einer Weile schon mal ein Demo raus, dem es noch etwas an konsistentem Songmaterial mangelte, aber auf ihrer neuen EP klicken sowohl ihr Sound als auch die Songs richtig in die Gänge. Das hat klar noch ein bisschen von der Vorgängerband, bewegt sich aber überwiegend im Fahrwasser von geradlinig melodischem Punkrock, Power Pop und kräftigem Indie Rock. Mal bekommt das einen Hauch von frühen Sheer Mag-Singles verpasst, hat den einen oder anderen Red Dons-mäßigen Ohrwurm-Chorus und einen melancholischen Unterton von The Estranged an Bord; in weiteren Momenten hört man den dichten Alternative Rock von Bob Mould’s Sugar an die Tür klopfen. Ausnahmslos erfreuliche Assoziationen, also.

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Ex-Gold – E-X-E-P-1-4

Eine ausgezeichnete Debüt-EP hat hier eine Band aus Knoxville, Tennessee verbrochen, deren Charme besonders Freunde des melodischem Lärms im Dreieck von Power Pop, relaxtem Schrammelpunk und melodischem Indierock kaum entkommen werden. Mal hat das einen leichten 77er Vibe und erinnert dann etwas an den Klugscheißerpunk von Proto Idiot – vor allem weckt das aber Assoziationen zu Bands von jenseits des Atlantik, wie etwa Bad Sports, Steve Adamyk Band, Corner Boys, Radioactivity oder Tommy And The Commies.

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Radioactivity – Erased

Die erste neue Musik von Jeff Burke und Konsorten nach gefühlt ziemlich langer Zeit dürfte wieder mal so ziemlich jeder im Spannungsfeld von Garage Punk und melancholischen (Power-)Popmelodien agierenden Band die Erinnerung auffrischen, wer in dieser speziellen Nische der wirkliche Papa ist.

Match Factory – Naive Memories

Sympathisch abgehangener Garagepunk aus Vancouver, manchmal nicht unähnlich einer relaxteren Version ihrer Stadtnachbarn Dumb. Außerdem kann man Gemeinsamkeiten mit Sauna Youth, Neutrals, Mini Skirt finden. Dazu eine ausgeprägt powerpopige Note, die etwa Vaguess, Datenight oder Regular Boys nicht allzu fern steht.

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Opossums – Trashcandy

Opossums sind eine Band aus Memphis um einen gewissen Patrick Jordan – die meisten Songs auf dieser EP und sowie auf deren Vorgänger sind schon einmal auf diversen Soloplatten von ihm erschienen. Saugutes Material jedenfalls, in einen Sound gegossen zwischen unaufgeregtem Indierock und Powerpop. An die melodischeren Songs von The Bevis Frond muss ich da manchmal denken, aber ebenso an neuere Acts wie die British Invasion-lastigen Garagenpopper The Resonars, an Landlines, Scupper und Title Tracks.

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Booji Boys – Tube Reducer

Booji Boys haben mal wieder eine neue LP auf dem zuverlässigen britischen Qualitätslabel Drunken Sailor Records draußen. Vinylbevorzuger müssen sich noch bis zum späten August gedulden, digital ist das gute Teil aber jetzt schon zu bekommen. Erneut in diesem perfekt fuzzy charmant schreddernden LoFi-Sound festgehalten, wie er sich für diese Band ja schon in der Vergangenheit bestens bewährt hat, bleibt des weiteren nur zu sagen dass die Band aus Halifax, Kanada nach wie vor zur absoluten Schaumkrone des gepflegt schnörkellosen Lärms zwischen Powerpop, Garage- und Fuzzpunk gehört.

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Seablite – Grass Stains and Novocaine

Hier ist auch gleich schon die zweite Hammerveröffentlichung, die vergangenes Wochenende zeitgleich mit den Neutrals auf Emotional Response erschienen ist. Seablite kommen aus der Gentrifizierungshölle von San Francisco und begeistern auf ihrem ersten Langspieler mit melodischem Zeug irgendwo zwischen Noise Pop, oldschooligem Shoegaze, Dream- und Schrammelpop, der mit großer Sicherheit einiges aus den C86- und Sarah Records-Ären in sich aufgesogen hat. Mit einem ordentlichen Drive und tadellosem Songwriting treffen Seablite durchgehend ins Schwarze zu einem Sound, der zwar verträumt aber – anders als so viele andere Bands dieses Genrespektrums – niemals schläfrig ist.

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