Neuer Scheiß von dem Garagenprojekt aus Melbourne im Dunstkreis der Kitchen People. Die A-Seite präsentiert ein glitzerndes, etwa an Liquids, Satanic Togas oder Datenight erinnerndes Powerpop-Juwel. Die B-Seite wiederum setzt dann die grobe Richtung der ersten EP fort mit schnuckeligem aber schwungvollem Garage Punk, den man auch Bands wie R.M.F.C., Set-Top Box oder Research Reactor Corp. in die Schuhe schieben könnte.
Liquids, das Soloprojekt von Mat Williams treibt jetzt schon eine ganze weile sein Unwesen und jeder neue Eintrag in seiner inzwischen halbwegs massiven Diskografie war eine erfreuliche, wenn auch etwas inkonsistente Überrschung, weil viele seiner Veröffentlichungen eher einer losen Ansammlung von Songs sehr wechselhafter Qualität glichen. Das ist aber keineswegs mehr der Fall auf Life Is Pain Idiot, seinem neuesten Langspieler. Erneut unter der Produzentenmagie von Erik Nervous aufgenommen, mischt sich hier neuer Krempel nahtlos zwischen eine gute Auswahl bereits geläufiger, neu aufgenommener Songs, die hier klar in ihrer definitiven Fassung vorliegen.
Diese Debüt-7" einer Band aus Melbourne trifft gleich beim ersten Versuch mitten ins Schwarze und lässt ein über alle Zweifel erhabenes Powerpop-Spektakel mit Garagenantrieb von der Leine. Klares Pflichtprogramm z.B. für Bewunderer von Bad Sports oder Tommy And The Commies.
Das Garagepunk-Überwesen Vinny Vaguess aus Los Angeles bleibt auch auf seiner neuesten EP 'ne spannende Sache. Waren die vorherigen zwei Langspieler eine geringfügig entspanntere, Powerpop-lastige Angelegenheit, überrascht er hier erneut mit quirligen Post Punk-Versatzstücken - häufig unter Zuhilfenahme von leicht Devo-mäßigen Synths. Und wo wir schon vom Teufel reden... mit Lesser of Two ist hier sogar eine ausgewachsene Synthpop-Hymne mit im Gepäck, nicht unähnlich zu manchem was Alien Nosejob in jüngerer Zeit verbrochen haben. Weitere Orientierungspunkte wären vielleicht Nick Nirmal, Andy Human and the Reptoids, Teenanger, gelegentliche Spuren von Ausmuteants. Alles davon zündet ganz vortrefflich, was unter anderem mal wieder seinem erwartungsgemäß exzellenten Songhandwerk geschuldet ist.
Neuer Krempel von Tommy and the Commies aus Sudbury, Kanada. Inzwischen sollte sich ja rumgesprochen haben, was man zu erwarten hat: Ein wunderbares Spektakel aus erstklassigem Powerpop, leichtem Garagenfaktor und einer Extraladung von Buzzcocks-mäßigem, melodischem Punkrock. Eine schwungvolle Performance und über jeden Zweifel erhabene Songwriting-Skills heben das ganze noch mal auf ein höheres Level.
Keine Ahnung ob Alien Nosejob aktuell als vollzählige Band existieren, aber zumindest das zweite Album seines Projekts hat Jake Robertson (Ausmuteants, School Damage, Leather Towel, Hierophants, etc.) jedenfalls ganz alleine eingespielt. Nachdem die letzten paar Veröffentlichungen ein recht wilder Ritt waren, der von Power- und Jangle Pop über Synth Pop bis hin zu einer Hardcore-7" reichte, ist der neue Langspieler ein unerwartet homogenes Werk, das sich in einem Spannungsfeld zwischen typischem Ausmuteants-Garagenzeug und traurigem Powerpop bewegt, verpackt in einer flauschigen, mal mehr, mal weniger hochfidelen Analogästhetik. Das Songmaterial ist ausnahmslos vom feinsten - Mr. Robertson ganz in seinem Element.
Ein wundervolles, gestörtes Chaos ist das zweite Album von Trashdog aka Andrew Jackson - dem verantwortlichen Spacken hinter dem Label Digital Hotdogs - geworden. Dass hier die Uhren nicht ganz normal ticken war schon zu erwarten, aber von der Masse an feinster Qualität, die hier wild über den Boden verteilt zu entdecken ist, bin ich doch stark überrascht - besonders nachdem mich das erste Album nicht so komplett überzeugen mochte. Zu einem Drittel besteht das aus bekifften bis hirnverbrannten Gags. Zu einem weiteren aus ebenso mitreißenden wie schrägen Sounds, die irgendwo zwischen Garage Punk, Power Pop, Synth- und Elektropunk, einem Spritzer Glam ihr ausgesprochen einfallsreiches Unwesen treiben. Beim letzten Drittel bin ich mir dann nicht so sicher, in welche der beiden Kategorien es jetzt gehört. Alles zusammen ergibt eine vielleicht etwas überwältigende, aber nichts desto trotz sehr geile Abfahrt.
Ihr 2017er Debütalbum hatte seinerzeit einen gewaltigen Eindruck bei mir hinterlassen mit einer ausgesprochen ambitionierten und vielseitigen Vision von Postpunk, durchzogen von exzentrischen, unvorhersehbaren Songstrukturen. Mit ihrer neuen digitalen Single überrascht die Band aus Los Angeles erneut, haben sie hier doch vor allem ihre melodischen Qualitäten herausgearbeitet und in ein Gewand aus unwiderstehlich melancholischem Post Punk, Power- und Goth Pop verpackt und entwickeln dabei eine Ohrwurmgewalt, auf die ich so nicht vorbereitet war. Meaningless überzeugt dabei als unerwartet geradlinige Popkanone inklusive eines grenzwertig käsigen Saxofonsolos, das bei einem weniger starken Song zuviel des guten wäre, hier aber absolut verdient erscheint. Transition setzt den neuen Hang zum sentimentalen Pop dann nahtlos fort, beweist aber auch, dass Shit Giver auch ihr Gespür für opulente Strukturen nicht verloren haben.
Kurzspieler Nummer drei der Band aus Sydney schließt nahtlos da an, wo ihre unerwartet starke zweite EP vor anderthalb Jahren aufgehört hat. Mit gleichermaßen großer Wucht und Eleganz vorgetragene, angepisste Hymnen, die zwischen kräftigem Garagenpunk und bittersüßem Powerpop oszillieren und Ähnlichkeiten vor allem zu weiteren australischen Kollegen der Marke Mini Skirt, Royal Headache, Bed Wettin Bad Boys, Jackson Reid Briggs & The Heaters oder Dumb Punts aufweisen. Ihren eigenen Platz innerhalb des unüberschaubaren australischen Garagenwildwuchses finden sie aber insbesondere aufgrund von ausnahmslos tadellosen, oft brillianten Songwriting-Qualitäten.
Nach dem Gamma World-Demo zuletzt ist hier schon die nächste Band aus der Asche von Nervosas. Wobei ich jetzt erwähnen muss: Jüngste Ereignisse weisen darauf hin, dass letztere Band noch gar nicht so tot ist wie zuvor gedacht. The Missed ist jedenfalls die aktuelle Band von Nervosas-Gitarristin Mickey Marie. Die hatte vor einer Weile schon mal ein Demo raus, dem es noch etwas an konsistentem Songmaterial mangelte, aber auf ihrer neuen EP klicken sowohl ihr Sound als auch die Songs richtig in die Gänge. Das hat klar noch ein bisschen von der Vorgängerband, bewegt sich aber überwiegend im Fahrwasser von geradlinig melodischem Punkrock, Power Pop und kräftigem Indie Rock. Mal bekommt das einen Hauch von frühen Sheer Mag-Singles verpasst, hat den einen oder anderen Red Dons-mäßigen Ohrwurm-Chorus und einen melancholischen Unterton von The Estranged an Bord; in weiteren Momenten hört man den dichten Alternative Rock von Bob Mould's Sugar an die Tür klopfen. Ausnahmslos erfreuliche Assoziationen, also.