Melodischer Post Punk mit makellosem Songpotenziel macht die aktuelle EP von Desire aus Brighton zu einer erfreuluchen, äußerst runden Angelegenheit. Das hat Echos von Bands der frühen 2010er á la Eagulls und ganz besonders zu skandinavischen Acts dieser Zeit wie etwa Holograms oder RA.
Auch die neueste Platte der liebenswerten Spacken aus Manchester besticht wieder mit einem spaßigen wie auch ausgewogenen Mix aus Garage Punk, Art Punk und Punk Punk, dem noch stärker als zuvor auch ein betont britischer 77er-Geruch entweicht. Soundmäßig geht's diesmal eher geradlinig und etwas dreckiger zu als auf dem Vorgänger und die Lyrics halten mal wieder die Balance zwischen Fuchsschlau und Strohdumm, was sich in der Summe zu so etwas mittelschlauem ausgleicht. Wie im echten Leben.
Die Vorgänger zum dritten Album dieser Band aus Los Angeles hab ich irgendwie verschlafen und muss die gleich mal nachholen, denn was mir jetzt aus den Lautsprechern quillt ist exquisit. Das klingt in etwa so als hätte man den psychedelischen Synth- und Garagepunk der ebenfalls auf Castle Face beheimaten Pow! mit Suicide und Public Image Ltd. gekreuzt. Oder mit neueren Bands wie Whatever Brains und etwas geringfügiger deren Nachfolge-Projekt ISS. Um Spuren von Industrial angereichert. Auch neokrautige Abflüge und eine kleine Dub-Exkursion dürfen mal sein. Oder anders ausgedrückt: Stilistisch geht es hier drunter und drüber, aber daran gibt es mal sowas von gar nichts auszusetzen.
Die knapp drei Jahre alte erste EP der Band aus Grand Rapids, Michigan gefiel mir zwar schon ausgesprochen gut, aber auf der neuen LP via Neck Chop fügt sich alles nochmal viel schlüssiger ineinander, ist die Vision deutlich schärfer und das Songmaterial ausgereifter in ihrem betrüblichen Sound aus Goth-lastigem Post- und Synthpunk.
Einiges hat sich soundmäßig gedreht seit dem knapp zwei Jahre alten Debütalbum von Bench Press aus Melbourne. Die Postcore- und Noise Rock-Elemente halten sich auf dem inzwischen erhältlichen Nachfolger weitgehend im Hintergrund versteckt und machen Platz für ein deutlich entspannteres Klangerlebnis zwischen kontemporärem Indierock und Post Punk. Das erinnert immer wieder an Bands wie Bike Thiefs und ältere Gotobeds. Oder es kann auch vereinzelt mal so klingen als träfen - um dann doch noch einmal die Dischord-Keule zu bemühen - Embrace oder die späte, deutlich verspieltere Phase von Fugazi auf schrammeligen Indierock á la The Wedding Present.
Neues Album der Hamburger Formation, die irgendwann auch mal unter dem Namen Alpha Waves firmierte. Ihr viertes bereits, wenn ich mich nicht irre. Und wie gehabt können sie darauf mit ihrem absolut stilsicherern Post Punk von starker Goth- und Deathrock-Prägung überzeugen, der sich diesmal in einem verhältnismäßig luftigen, produktionsmäßig entschlackten Klanggewand präsentiert und sich auch musikalisch ein paar vorsichtige Zentimeter weiter über den Tellerand der eigenen Subgenre-Nische hinaus wagt als bisher. Beides steht ihnen gut.
Eine ganz schön ungemütliche Geräuschkulisse fabriziert dieses Trio aus Montreal. Wecken die ersten Klänge ihrer Debüt-LP noch starke Assoziationen zu Noisepunks á la Soupcans und No Wave-beeinflussten Acts wie Flesh Narc, wird aber bald darauf klar wer hier am ehesten Pate gestanden haben dürfte: Das riecht doch stark nach Sonic Youth in ihrer wohl radikalsten Phase - nämlich die ihrer brachialen quasi-Trilogie bestehend aus den Alben Confusion Is Sex, Bad Moon Rising und Evol - aber irgendwie auch nur die derbsten tendenzen daraus. Dennoch verbirgt sich hinter dem dichten Hagel aus Distortion so einiges an Melodie, man muss nur richtig zuhören. Nicht neu, das. Aber ausgesprochen erfrischend, weil man's in einer derart kompromisslosen Packung schon lange nicht mehr zu hören bekam.
Die letzte EP der Band aus Toronto versprach ja schon einiges, ihr kürzlich erschienener erster Langspieler weiß mich aber noch deutlich besser zu überzeugen mit einem wunderbar chaotischen Lärm aus Postcore und -punk mit geschmackvollem Synth-Zusatz, der nicht allzu ernst genommen werden will und den man ganz gut als eine Verschmelzung aus aktuellen Acts wie etwa Spotting mit auf 45 gedrehten Man Sized Action bezeichnen könnte.
Eine Formation aus Sydney mit Leuten u.a. von Diät, Rapid Dye und Perspex generiert auf ihrem ersten Tape eine große dunkelbraune Pfütze aus dissonantem, garantiert nicht keimfreiem Post Punk, der mir Assoziationen zu Bands wie Sewers, frühen Dogging oder Soupcans erweckt.
Es handelt sich bei dieser Band aus Kansas City um ein Projekt von Ian Teeple, der unter anderem bei Warm Bodies und BB-Eye seine Finger mit drin hat und zuletzt schon mal als Natural Man & The Flamin' Hot Band mit einer guten EP auf Neck Chop Records aufgefallen ist. Wer mit den genannten Acts vertraut ist, ahnt schon dass es auch auf dem ersten Langspieler der Band nicht allzu langweilig zugehen kann. Ein erwartungsgemäß recht exzentrischer Mix aus Post- und Garagepunk mit leicht New-Waviger Note und passendem Saxofongequietsche ist hier am Start, den man z.B. als eine seltsame Verschmelzung von Erik Nervous, Pill und Andy Human & The Reptoids beschreiben könnte.