Narkose – Überleben Koexistenz

Ein kleines Paradox, diese berliner Band, die hier einerseits eins der am meisten „Berlin“ klingenden Alben seit langem abgeliefert hat, für die ich dann aber doch keine so wirklich passende Entsprechung in jüngerer Zeit finde. Der beste Vergleich, der mir da einfällt wären wohl Hyäne und ihre zwei saustarken EPs plus eine ebenbürtige LP, die sie zwischen 2016-2018 von der Leine gelassen haben, wenngleich das Zeug hier sich hier aber noch ein ganzes Stück roher, oldschooliger, primitiver anfühlt, stärker verankert in einem ’80er Punk- und Hardcore-Hintergrund. Trotz all dem würde ich mal sagen dass Freunde von so Bands wie Die Verlierer, Kalte Hand, Maske, Pigeon and Gesture auch dieser Platte bestimmt nicht abgeneigt sind, denn irgendein roter Faden, so vage und undefiniert er auch sein mag, zieht sich durch alle davon.

*edit*
In der langjährigen Tradition dass ich manchmal einfach schlecht informiertes, dummes Gewäsch schreibe, stellt sich heraus, dass die Band mal so gar nicht aus Berlin kommt (nur das Label) sondern nicht weit von meiner eigenen Haustür irgendwo im Ruhrpott. Na kein Wunder dass die so angepisst sind. Es bleibt spannend: Was wird mein nächster Griff ins Klo? Stay tuned!

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X2000 – Gótico Tropical

Passte die 2020er Debüt-EP dieser Spanisch singenden, schwedischen Band noch etwas zu perfekt in die Hardcore- und Death Rock-getränkte „Dark Punk“-Schiene des vergangenen Jahrzehnts, zeugte das Split Tape mit Islands essentiellen Genre-Stüztpfeilern Dauðyflin schon von einem stetigen Wachstum. Mit ihrer neuesten EP würde ich jetzt mal sagen, dass sie hier erstmals ihr volles Potenzial entfalten und gleichzeitig anfangen, die Limitierungen ihres doch ziemlich restriktiven Genres zu Transzendieren mit einerm Bündel neuer Songs, die nicht unbedingt etwas neues erfinden, aber die grundlegenden Parameter des Genres zu absoluter Perfektion arrangieren und feintunen, zu einer Reihe von so makel- wie auch atemlosen Abgründen aus Tod und Verderben, die dennoch von Anfang bis Ende die Spannung und mein Interesse zu halten vermögen – eine Qualität, die in dieser spezifischen Nische doch etwas selten geworden ist.

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Nag – Observer

Nach dem geringfügig ausgefeilteren Debütalbum der Dark-/Post Punk-Combo aus Atlanta im letzten Jahr fühlt sich dessen Nachfolger wieder mehr nach den früheren EPs an – und das meine ich nur im besten Sinne. Diese Songs sind roh wie Trockenfutter, die Arrangements bis auf die Knochen reduziert, gerade so weit wie sich das Genre halt noch dehnen lässt, bevor die fragile Konstruktion in sich zusammen fällt. Warum einen Roman schreiben, wenn du nur einen absolut dringlichen Satz loswerden must?

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Night Miasma – Night Miasma

Night Miasma kommen aus Chemnitz und es sind Mitglieder von L’appel Du Vide mit am Werk, welche euch vermutlich schon ein Begriff sind wenn ihr auf so Zeug steht. Auf ihrer Debüt-EP fällt der Apfel nicht weit vom Stamm, mit einer Variante von Dark Punk / Death Rock-beeinflustem Post Punk, der dem Genre zwar nichts neues hinzufügt, aber grundsätzlich alles richtig macht in diesen vier sauber konstruierten Songs.

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Plataforma – La Equitativa

Erneut haut eine Band aus Barcelona überzeugend in die Scheiße. Plataforma macht das in Form eines maximal DIY-mäßigen Sounds im Umfeld von Dark-/Post Punk und einer gesunden Dosis Goth. Crisis kommen da mal wieder in den Sinn, frühe 2010er Kopenhagen-Schule á la Lower und Iceage oder auch jüngere Acts wie Disjoy stehen dem nicht allzu fern.

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False Act – Extended Memory

Aus Toruń, Polen kommt diese Band und was die auf ihrer aktuellen EP zelebrieren fällt nicht unbedingt durch Originalität oder besonderen Feinschliff, dafür aber umso mehr durch entschlossenes Vorgehen und rohe Energie auf. Das ist dunkelgrau gefärbter Post Punk in relativer Nähe zu Criminal Code, Pretty Hurts oder Sievehead.

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Heterofobia – Queremos Ver El Mundo Arder

So einige sonnenscheue Geschöpfe sind ja in den letzten Jahren aus der trüben Dark Punk / Death Rock-Revival Pfütze gestiegen und trotz einiger klarer Höhepunkte hält sich mein Interesse doch meistens in Grenzen aufgrund der Gleichförmigkeit, die von den meisten dieser Bands an den Tag gelegt wird. Selten aber kam mir eine derartige Konsequenz und radikale Vision unter wie auf dem zweiten Minialbum von Heterofobia aus Monterrey, Mexiko. Ihr roher und ungewaschener Deathcore ist das ideale Gegengift für die weitgehende Sterilität des Genrespektrums.

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Disjoy – Human Pandemic

Nach einem Demo und einer EP ahnt man inzwischen, dass der Sound von Disjoy aus Cardiff sich auch auf EP numero Zwei nicht großartig verändern wird. Das hat in diesem Fall auch nichts schlechtes zu bedeuten. Ihr simpler, donnernder Postpunk mit der Extraladung Noise und leichtem Goth-/Death Rock-Einschlag bleibt eine ultra-straighte, arschtretende, eben verlässliche Angelegenheit und gefällt mir damit besser als 99% der Bands, die im Zuge der aktuellen Dark Punk-Welle angeschwemmt werden.

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Vidro – Allt Brinner

Ganz schönen Wind macht die Formation aus Stockholm auf ihrem ersten Langspieler. Der Sound ist irgendwo an den Tellerrändern von Hardcore und Post Punk zu verorten, bringt aber ebenso den Vibe der aktuellen Dark-/Death Punk-Welle mit. Das klingt geringfügig verwandt mit Acrylics, Dauðyflin, Tarantula, The Bug oder den derberen Momenten von Criminal Code. Jede Menge schlechte Laune also. Und schlechte Laune kann man in diesen Tagen ja nie genug haben.

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Eyesøres – Eyesøres

Mit verdammt arschtretendem Post Punk wie er kaum druckvoller sein könnte zieht mich das Debüt-Tape der Eyesøres aus Melbourne vom ersten Moment an auf ihre Seite. Das hat in etwa die kompromisslose Attacke der Pretty Hurts an Bord, den tiefschwarzen Blick von Criminal Code. Außerdem Dark Punk/Death Rock-Versatzstücke á la Haldol und zwischendrin gibt’s immer wieder kleine Überraschungen wie die melancholischen, Red Dons-artigen Melodien im Opener oder einen Hauch von Sonic Youth in Golden Soil. Einen derart starken ersten Eindruck hab ich in diesem Genre-Umfeld schon länger nicht mehr geboten bekommen.

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