Die im letzten Dezember erschienene Debüt-EP Shoot Me I'm Plain von dieser Band aus Chico, Kalifornien war eine durchweg angenehme Überraschung, die so ziemlich aus dem Nichts kam. Jetzt habe ich wenig hinzuzufügen anlässlich ihres ersten Langspielers. Wie gehabt ist das eine irrsinnig ansprechende und mehr als nur kompetente Variante einer im vergangenen Jahrzehnt noch verbreiteten Masche aus Elementen von supermelodischem Fuzz Punk, Noise Pop und psychedelischen Surf-Vibes. Ein Sound, der in jüngerer Zeit etwas rar geworden ist, aber dennoch von Zeit zu Zeit an den unwahrscheinlichsten Orten aufsprießt wie ein hartnäckiges Unkraut, das sich auch von einem wenig wohlwollenden Zeitgeist nicht ersticken lässt. Denkt dabei an so Bands wie frühe Wavves, Male Bonding, No Age, frühe Terry Malts und Tiger! Shit! Tiger! Tiger!... oder auch an solche Surf-affinen Indie Rock- und Psych-Bands wie Crystal Stilts, Surfer Blood und The Fresh And Onlys.
Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7" aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte - eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.
Dieser Typ aus Sheffield begeisterte zwischen 2020 und '21 mit drei ausgezeichneten EPs von Lockdown-induziertem, melodischem Garage Punk und auch diese Songs, so scheint es, gammelten bereits seit dieser Zeit in unvollendeter Form auf irgendeiner Festplatte herum und haben jetzt endlich den finalen Schliff verpasst bekommen. Wie zu erwarten gibt es hier keine besonderen Überraschungen - diese Songs knüpfen nahtlos an das hohe Niveau der Vorgänger an in der Form von supereingängigen und schnörkellosen Punktunes, die zu etwa gleichen Teilen von Buzzcocks und (Solo-) Jay Reatard inspiriert erscheinen mit zusätzlichen Parallelen zu den massiven Garage Punk-Detonationen von Kid Crome und - in jüngerer Zeit - den einfach gestrickten, fuzz-beladenen Garage-/Noise Pop-Hymnen von Sex Mex.
Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen - teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von '50er-'60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.
Irgendwie hab ich's verpeilt über die vorherige Monda-LP zu posten, also nehme ich diese neue EP mal zum Anlass daran zu erinnern, dass es den Typen noch gibt und dass er weiterhin ausgesprochen coolen Scheiß fabriziert. Es handelt sich hier um den schnörkellosesten und eingängigsten Release seit einer Weile mit fünf unbestreitbaren Ohrwürmern zwischen den groben Koordinaten von oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Power Pop, der überwiegend eine melancholisch-verträumte Atmosphäre versprüht. Also wie üblich hochwertiger Stoff, der mich diesmal besonders an die Power Pop-Overlords Vacation aus Cincinnati erinnert.
Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den '80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don't. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.
Eine Band aus Madison, Wisconsin liefert hier eine restlos überzeugende dritte EP ab mit einem Sound von mitt-'80er bis früh-'90er melodischem Punk und Indie Rock der stark Dinosaur Jr., Superchunk, Jawbreaker, Archers Of Loaf und Sebadoh-informierten Machart - jener, die etwa zwei Jahrzehnte später auch noch mal ein kleines Revival erfahren hat mit so Bands wie California X, Kicking Spit, Happy Diving, Fins and ganz besonders Milk Music. Außerdem gibt es z.B. in Dust auch noch ein bisschen von einem Pitchfork / Drive Like Jehu-Vibe zu erkennen. Dieser Tage empfinde ich so etwas als zeitlos und altmodisch im positivsten Sinne und die konstante Qualität dieser Platte wird durchweg untermauert von ultrasolidem Songmaterial.
Das Artwork scheint subtil auf etwas Dungeon-mäßiges hinzuweisen und zumindest im rifflastigen ersten Song erscheint das fast schon plausibel. Im weiteren Verlauf spielt sich die neueste EP der Spanier aber auf ihren vertrauten Sound aus verträumt-eierigem Noise Pop und Synth Punk ein, wie wir es von ihnen kennen und lieben, wenngleich auch mit ein paar unerwarteten Nuancen wie dem bereits erwähnten Opener, vereinzelt Emo-mäßigen Sprengseln, Spuren von geradlinigem, klassischem Indie Rock und Momenten, die eine Ästhetik zwischen der C86-Ära und frühem Shoegaze channeln wie etwa in El Valle De La Muerte und dem abschließenden Sesos En Bandeja.
Diese zweite EP von Esmé Newman aka Glitter On The Mattress aus Gateshead, England besticht mit vier perfekt überzuckerten Häppchen aus oldschooligem Noise-/Indie-/Fuzz Pop, die eigentlich nur ein bisschen Bandrauschen bräuchten um mich davon zu überzeigen, es handele sich um ein vergessenes Artefakt der '80er Kassettenkultur. Gleichsam hat das aber auch einiges gemeinsam mit Bands der vergangenen zwei Jahrzehnte wie Feature, UV-TV, Private Lives, Slowcoaches, Star Party, frühe Vivian Girls oder neulich auch das indonesische Wunder Crayon Cats. Keine Frage, unprätentiöser, fuzziger DIY Pop ist auch in dieser Ära bei bester Gesundheit.
Auf ihrem schätzungsweise hundertsten Release in nur drei kurzen Jahren hat diese Band irgendwo aus dem Bundesstaat Minnesota eine durchweg verzaubernde Klanglandschaft von zeitloser Coolness erschaffen, die Elemente aus relaxtem und schrammeligem, unverschämt eingängigem Noise Pop und Indie Rock mit einer winzigen Dosis Shoegaze und altertümlichem Sarah Records-Indie Pop kombiniert zu einem irre appetitlichen Resultat, das gelegentlich so rüberkommt wie ein Mix aus den powerpoppigen Ausläufern des Bevis Frond-Spektrums, Flying Saucer Attack, Guided By Voices in ihrer LoFi-Ära und vielleicht auch einem Hauch von Eric's Trip, Sebadoh und Archers Of Loaf? Außerdem hat's auch eine gewisse Qualität vom '80er Flying Nun Records-Umfeld wie The Clean und The Stones. Arbeiten wir uns langsam an aktuellere Referenzen heran, mag man auch Verwandtschaft erkennen zu den verschwommenen Klangskizzen von frühen Rat Columns oder The Molds, dem verträumten Indie Rock von Treehouse, den frühen Werken von Male Bonding und Wavves oder, erst kurzlich, der LoFi-Nebelfront der Italiener Purp und den hartnäckigen Indie Rock-/Noise Pop-Ohrwürmern von Vacation.