Ich poste ja eher selten solche Compilations hier weil, ganz ehrlich, die meisten davon doch eine eher durchwachsene Angelegenheit darstellen, aber für diese hier mache ich doch gerne mal eine Ausnahme, wurde sie doch kuratiert von niemand geringerem als see/saw's Evan Minsker und wie daraus im Vorfeld schon zu erwarten war, it das hier qualitativ doch einige Stockwerke über der durchschnittlichen "Schickt mir euren unveröffentlichten Krempel für einen guten Zweck"-Compilation zu verorten, mit einer ultradicht geschichteten Tracklist die sich liest wie ein who is who des aktuellen, internationalen Punkuntergrunds. Das, sowie die Tatsache dass deine 10$-oder-mehr-Spende jenen zugute kommt, die in der Feuerkatastrophe von Los Angeles ihr Hab und Gut und Dach über'm Kopf verloren haben. Klingt nach 'nem Deal, oder?
Diese Band aus Budapest überraschte mich ganz unvorbereitet mit ihrem zotteligen 2022er Rohdiamanten von einer Debüt-EP. Hier gibt's jetzt den nicht weniger famosen Nachfolger zu bestaunen, auf dem sie ihren Sound subtil verfeinern ohne dabei irgendwas von ihrem ursprünglichen rohen Charme zu verlieren in ihrer ultra-schrammeligen Herangehensweise an melodischen DIY Punk und Indie Rock - eine Mischung die gekonnt ein Händchen für eingängige Hooks mit einer Atmosphäre des ungeklärten Dramas in ihren Kompositionen ausbalanciert. Letzteres erinnert mich besonders an so Bands wie Treehouse, Kitchen's Floor und City Yelps mit schwächeren Parallelen auch etwa zu frühen Tape/Off, Monda, Pardoner oder The Molds.
Der Sound dieser Band aus Ciudad López Mateos, Mexiko bleibt auch auf ihrem dritten Demo eine ausgesprochen eigenartige Mischung, selbst im von sich aus schon durchweg farbenfrohen Kontext der gegenwärtigen Eggpunk-Szene und fühlt sich dabei ein bisschen an wie ein Flashback zu den melodischeren Auswüchsen des Punk Rock-Spektrums der mittleren bis späten '80er - frühen Pop Punk-Artefakten, die noch nicht ihre rohe Energie aufgegeben hatten und hier jetzt eine schön angefuzzte LoFi-Spezialbehandlung verpasst bekommen, angereichert um eine maßvolle Dosis charmanter Synth-Action zu einem unwiderstehlichen, melodischen Zuckerrausch.
Es ist inzwischen über sechs Jahre her, seit wir zuletzt von dieser Band aus Bloomington, Indiana gehört haben, die man inzwischen als gigantischen Einfluss auf die heutige Garage-, Synth- und Eggpunk-Szene ansehen muss. Nachdem Mitglieder in der Zwischenzeit ihre kreativen Energien in so Acts wie Belly Jelly, QQQL, Dummy und Big Hog gesteckt haben, kann ich der nun reaktivierten Band bescheinigen dass der Scheiß besser fluppt als je zuvor und das neue Bündel an Songs zum besten gehört, was sie bisher abgeliefert haben. Zugegeben, das ist alles ein bisschen weniger weird und chaotisch als wir es von ihnen gewohnt sind, aber das wird mehr als ausgeglichen von ausgesprochen widerstandsfähigen, melodischen Songfundamenten und Echos von so Bands wie Tyvek, Marked Men und Lost Sounds in einer bemerkenswert gereiften Platte, die alle klaren Kennzeichen trägt von einer Band, die sich für ein paar Jahre an vielseitigen Projekten zu schaffen gemacht hat und jetzt wo sie wieder zusammen Krach machen, wenden sie das gelernte mit schlafwandlerischer Präzision an, zu einem Ergebnis von müheloser Sprengkraft.
Nach dem die Band aus Rom bereits einen ganzen Arsch voller netter EPs und Splits veröffentlicht hatte, die alle recht bequem in etablierte Muster des fluffigen Eggpunk gepasst haben, markierte ihre letzte Veröffentlichung dann eine bemerkenswerte Wandlung zu einer roheren, Fuzz-verseuchten Ästhetik. Die neueste EP klingt jetzt wie eine erfolgreiche Verquickung beider Tendenzen und beinhaltet gewisse Qualitäten nicht unähnlich zu so durchweg hochgeschätztem Vertretern wie Die TV, Electric Prawns 2, Temporary Curse oder auch gegenwärtigem Erik Nervous.
Was dieser Typ aus Chico, Kalifornien auf seiner Debüt-EP abzieht lässt sich am besten beschreiben als ein angenehm antiquiert wirkender Ausbruch des melodischen Lärms, bestehend einerseits aus dem Fuzz Punk von Bands der späten Nullerjahre und frühen 2010er wie z.B. Wavves, Male Bonding und frühe Terry Malts, aber gleichermaßen auch durchtränkt von einer gewissen Art der Surf-infizierten Psychedelia ungefähr aus der gleichen Ära, nicht unähnlich zu Bands wie Crystal Stilts oder Fresh & Onlys.
Keine unangenehmen Überraschungen hier, die neueste EP der Band aus West Palm Beach, Florida ist erneut ein kräftiges Geschoss aus catchy Egg-mäßiger Garage Punk-Exzellenz und eine alternativlose Maßnahme für Freunde von ählichem Scheiß á la Gee Tee, Erik Nervous, Set-Top Box, Satanic Togas, Power Pants oder Tommy Cossack & The Degenerators. Rat Bastard wird als zukünftiger Genre-Klassiker in die Geschichte eingehen, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.
Hyperdog aus Linz, Österreich tummeln sich jetzt schon eine Zeit lang auf meinem Radar anlässlich einer sehr netten Debüt-EP und zwei gar nicht so lausigen Demos im Laufe der letzten zwei Jahre, wobei ihre Formel aber noch nie so gut aufging wie auf dieser neuen Kassette via Goodbye Boozy Records. Fuzziger Garage Punk ist das, mit stellenweise uncharakteristisch relaxten Tempos und einer glitzernd psychedelischen Oberfläche, die mich unter anderem sehr stark an die satten Noise Pop-Farbexplosionen von Beta Máximo erinnern.
Lasst euch nicht vom ziemlich standardmäßigen Surf Rock des Openers täuschen, denn was darauf folgt ist um einiges Spannender: Zwei mühelos schreddernde Garage Punk-Perlen mit einem leichten '77er Einschlag, innen gefüllt mit griffigen Hooks und eine Oberfläche reich an melodisch funkelnden Texturen. Insgesamt erinnert mich das ein gutes Stück an frühe Vaguess oder das absolut freidrehende Wild Rose-Demo von 2017.
Es gefiel mir schon sehr was ich auf der netten Split EP hörte, die das Duo (?) Jimsobbins aus Providence, Rhode Island, nun ja... in erster Linie mit sich selbst unter dem Alias Cindy veröffentlicht hatte. Diese neue digitale Single bringt mehr vom gleichen guten Scheiß. Den Anfang macht eine rundum kompetente Nerves-Coverversion, gefolgt von einem eigenen Song dessen quirliger Vibe sich etwa in der Nähe von so Krempel wie R.M.F.C., Billiam, Gonk, Shrudd, Music for Microwaves oder Liquid Lunch verorten lässt.