Xanny Stars – Adaptor

Was Xanny Stars aus Cleveland, Ohio auf ihrer neuesten EP heraufbeschwören transportiert jederzeit einen gewissen Vibe des zuckerigen Fuzz Punk und Noise Pop der variabel Primitives-informierten Art, die im vergangenen Jahrzehnt ja auch noch mal im größeren Stil neu aufgeflammt ist mit so Bands wie Feature, UV-TV, Slowcoaches, Monster Treasure or Male Bonding, und welche in jüngerer Zeit von so Bands wie etwa Private Lives, Exo and Glitter on the Mattress am brennen gehalten wurde. Der Scheiß hier braucht diese Vergleiche ebenfalls nicht scheuen mit seiner grundsoliden, ultraeingängigen Songsubstanz und hat obendrein noch einige nette Schnörkel und Überraschungen an Bord, wie z.b. diesen Hüsker Dü-Feel in Here We Go Again oder als Gegenstück dazu, die so leicht Wipers-vs.-Wire-mäßigen Sounds im abschließenden Symmetry, der mich ebenfalls etwa an eine verlangsamte Version von Nervosas oder frühen Milk Music denken lässt.

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Psychic Armour – Pressure

Diese spektakläre Debüt-EP einer Band aus Montreal zieht hier einen wundersamen Trick ab und das absolut reibungslos und genau zum richtigen Zeitpunkt im kollektiven kulturellen Bewusstsein. Ultraeingängiger Punkrock, der einen Bogen spannt von klassischen ’80er Bands wie Hüsker Dü, Dinosaur Jr., Dag Nasty, Embrace, dem späteren Werk von Naked Raygun und Government Issue einerseits, hin zu lärmigen Punk- und Indie Rock-Bands des vergangenen Jahrzehnts wie etwa den frühen Milk Music, Kicking Spit, California X, Milked oder Happy Diving, wird hier fest verschweißt mit Riffs und Solos aus der ’80er Heavy Metal-Grabbelkiste, was – in Verbindung mit einer stark Dungeon-lastigen visuellen Asthetik – sicher unter anderem bei Freunden von Steröid oder Poison Ruïn auf einige gegenliebe stoßen wird, wobei sie aber im Vergleich insbesondere zum Schaffen letzterer Band eine ungleich weniger grimmige und ausgesprochen nahbare Variante abgeben.

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D.A.R.Y.L. – Monsters

D.A.R.Y.L. aus Austin, Texas hinterließen einen starken Eindruck mit der Mini-LP Rock N Roll High School aus dem letzten Jahr und mit ihrem zweiten Release bauen sie jetzt weiter auf dem bewährten Fundament aus Synth-unterstütztem Fuzz Punk, Noise Pop und Garage Punk zu einem noch mal deutlich durchschlagenderen Ergebnis. Unter der dicken Dreckschicht einer überbelichteten Vorschlaghammer-Klangästhetik kann man eine perfekte Abfolge von so einfach gestrickten wie auch unverschämt Ohrwurmverdächtigen Songs und Melodien finden, eine breitere musikalische Vielfalt und nicht zuletzt einen deutlichen Fortschritt in ihrem Songwriting-Handwerk verglichen mit den manchmal noch etwas eindimensional erscheinenden Vibes des Debüts. Hier klingen die jetzt etwas mehr nach einer Hälfte Buck Biloxi / Giorgio Murderer und die andere Hälfte riecht nach Gobs und Exwhite… oder vielleicht auch Booji Boys, Dadgad? Wie auch immer, alles daran klingt einfach so verdammt richtig!

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Eye Ball – Gull Songs

Eye Ball aus Toronto haben mich – und vermutlich auch sonst jeden der zugehört hat – hungrig nach mehr von ihrem Scheiß gemacht mit den zwei digitalen 2-Track-Singles im letzten Jahr, die nicht lange danach auch zu einer 4-Song-Kassette kompiliert wurden. Jetzt bekommen wir die erste volle LP an neuem Material vorgesetzt und einerseits sind Vergleiche zu so Bands wie Marked Men, Radioactivity, Sonic Avenues und vielleicht auch frühen Sweet Reaper noch durchaus zutreffend, aber da passiert noch so viel mehr unter einer im direkten Vergleich deutlich roheren, schmutzigeren Oberfläche, was sich in einer ungleich entschlosseneren Attacke entlädt. Keine Sorge, es sind immer noch reichlich Hooks und Melodien für alle vorhanden, die Platte ist randvoll mit Hits, aber es ist auch sofort klar dass da etwas unerwartetes brät wenn die Platte sofort mit der Tür ins Haus fällt in einem ziemlich Hardcore-lastigen Opener und im weiteren Verlauf häufig die Vibes von so Garage Punk-Acts des vergangenen Jahrzehnts wie Sauna Youth oder Tyvek zu channeln scheint. Der Doppelschlag aus Road Pig und Bruise for a Birthmark hingegen hat ein bisschen was von einer Cruelster-Energie und was gegenwärtige Bands angeht, musste ich immer wieder an The Dumpies denken. Hochkarätiger Scheiß, zweifellos.

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Shooting Losers – It’s All Been Such A Drag

Die im letzten Dezember erschienene Debüt-EP Shoot Me I’m Plain von dieser Band aus Chico, Kalifornien war eine durchweg angenehme Überraschung, die so ziemlich aus dem Nichts kam. Jetzt habe ich wenig hinzuzufügen anlässlich ihres ersten Langspielers. Wie gehabt ist das eine irrsinnig ansprechende und mehr als nur kompetente Variante einer im vergangenen Jahrzehnt noch verbreiteten Masche aus Elementen von supermelodischem Fuzz Punk, Noise Pop und psychedelischen Surf-Vibes. Ein Sound, der in jüngerer Zeit etwas rar geworden ist, aber dennoch von Zeit zu Zeit an den unwahrscheinlichsten Orten aufsprießt wie ein hartnäckiges Unkraut, das sich auch von einem wenig wohlwollenden Zeitgeist nicht ersticken lässt. Denkt dabei an so Bands wie frühe Wavves, Male Bonding, No Age, frühe Terry Malts und Tiger! Shit! Tiger! Tiger!… oder auch an solche Surf-affinen Indie Rock- und Psych-Bands wie Crystal Stilts, Surfer Blood und The Fresh And Onlys.

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Autobahns & Elvis 2 – Split

Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7″ aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte – eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.

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Jah Hell – Dead In The Water

Dieser Typ aus Sheffield begeisterte zwischen 2020 und ’21 mit drei ausgezeichneten EPs von Lockdown-induziertem, melodischem Garage Punk und auch diese Songs, so scheint es, gammelten bereits seit dieser Zeit in unvollendeter Form auf irgendeiner Festplatte herum und haben jetzt endlich den finalen Schliff verpasst bekommen. Wie zu erwarten gibt es hier keine besonderen Überraschungen – diese Songs knüpfen nahtlos an das hohe Niveau der Vorgänger an in der Form von supereingängigen und schnörkellosen Punktunes, die zu etwa gleichen Teilen von Buzzcocks und (Solo-) Jay Reatard inspiriert erscheinen mit zusätzlichen Parallelen zu den massiven Garage Punk-Detonationen von Kid Crome und – in jüngerer Zeit – den einfach gestrickten, fuzz-beladenen Garage-/Noise Pop-Hymnen von Sex Mex.

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Johnny Skin – Johnny Skin

Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen – teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von ’50er-’60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.

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Monda – Everything You Wanted

Irgendwie hab ich’s verpeilt über die vorherige Monda-LP zu posten, also nehme ich diese neue EP mal zum Anlass daran zu erinnern, dass es den Typen noch gibt und dass er weiterhin ausgesprochen coolen Scheiß fabriziert. Es handelt sich hier um den schnörkellosesten und eingängigsten Release seit einer Weile mit fünf unbestreitbaren Ohrwürmern zwischen den groben Koordinaten von oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Power Pop, der überwiegend eine melancholisch-verträumte Atmosphäre versprüht. Also wie üblich hochwertiger Stoff, der mich diesmal besonders an die Power Pop-Overlords Vacation aus Cincinnati erinnert.

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Window Phase – Epoxy River and Super Pool

Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den ’80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don’t. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.

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