Schöne transkontinentale Splitveröffentlichung des pariser Labels Teenage Menopause. Und zwei Bands, die perfekt miteinander harmonieren, denn sowohl Duchess Says aus Montreal als auch Le Prince Harry aus Lüttich bewegen sich hier gekonnt zwischen nacktem Garagenpunk, Garagenpunk aus der Synthwerkstatt und Synthpunk aus der Garage.
Weil die kommende Woche musikmäßig eh schon eine ziemliche Schlacht wird und außerdem weil heute Sonntag ist, fasse ich hier mal vier drei Veröffentlichungen zu einem Blogpost zusammen, die alle eines gemeinsam haben: Alle vier drei Bands spielen Hardcorepunk der derberen Sorte, alle heben ihre Musik durch eine gewisse Schieflage oder einen generellen Hang zur Exzentrik meilenweit über den Genredurchschnitt. Das mag ein gewisser Garageneinfluss sein wie bei No, ein leichter Hauch von Postpunk bei Blank Spell, oder beides wie im Falle Blazing Eye. Gerade das britische Label La Vida Es Un Mus Discos, auf dem zwei dieser Platten sowie auch die zuletzt hier geposteten Dawn Of Humans erschienen, fällt mir in letzter Zeit positiv durch einige angenehm Quergedachte Hardcore-Veröffentlichungen auf. Könnte ‘ne regelmäßige Rubrik hier werden, mal abwarten… Hier entlang zu den Streams →
Toller Postpunk von einem Quartett aus Istanbul. Düster, kraftvoll und eingängig. Wer bei Türkei immer noch zuerst an Dönerbuden-Pop denkt, der sei gleich noch mal an das Ding hier erinnert.
Das ist bereits das zweite Album der Band aus Cleveland, bei der unter anderem der Cloud Nothings-Drummer Jayson Gerycz mitmischt. Zu hören gibt’s abgehangenen Indierock, mal entspannt, mal mit Feuer unter’m Arsch, mit sonnigen Popmelodien und gelegentlich auch einem leichten Garagen-Vibe.
Noiserock aus Reno im Bundesstaat Nevada, der sowohl äußerst raubeinig als auch intelligent, ausgefeilt und sehr Abwechslungsreich daherkommt. Das erinnert manchmal das an die markante Rhythmik von Jawbox oder an melodisches Quicksand-Geriffe, aber auch die üblichen Verdächtigen aus dem 90er Amphetamine Reptile-Gehege hört man raus. Dazu noch einige Schlenker in Richtung Hard- und Postcore und auch ein bluesiger Sludgerock-Ausflug ist mit dabei. Alles auf hohem Niveau.
Der nächste Knaller mit dem Slovenly-Qualitätssiegel. Das New Yorker Punkquartett Dirty Fences spielt ultraeingängigen Rock’n’Roll mit powerpoppigen 77er Vibes, leicht schmierigen 70er Hardrock-Einflüssen und streckenweise garagenmäßiger Intensität.
Noisetrio aus Louisville. Spielen eine Raketengetriebene Fusion aus Noiserock und dreckigem Garagenpunk. Die erste Hälfte geht mit Vollgas geradeaus, den Rest nehmen zwei lange, eher experimentelle und leicht Postpunkige Noise-Orgien für sich in Anspruch. Wunderbarer Lärm, wie gemacht für dieses Scheißblog.
Die zweite EP der Shoegazer aus Melbourne ist wieder ein Volltreffer. Der vorläufige Pokal für’s herausragende Shoegaze-Album ’15 geht zwar klar an Spectres, weil sie die Grenzen des Genres ausloten und sogar ein paar neue Impulse zu setzen wissen. Wem aber eher nach einer authentisch oldschooligen Variante ist, die mit ausgezeichneten Songs auf relaxte aber bestimmte Art losrockt, der wird hier dran seine Freude finden. Solider zweiter Platz, bisher.
Ein etwas älteres Fundstück, das mir bisher verborgen geblieben ist. Bereits im Sommer 2011 erschien das Album von Rank/Xerox aus San Francisco, bekam hierzulande dann etwas später einen Re-Release auf Sabotage Records. Dreckiger, dissonanter Postpunk in Bestform mit subtilen Noise- und Garagen-Tendenzen.
Was auf den ersten Blick wie der millionste MBV-Abklatsch vorkommen mag, erweißt sich bei genauerem zuhören doch als eine glitzernde kleine Perle für alle, die des recht überstrapazierten Genres noch nicht überdrüssig geworden sind. Dank hochwertigem Songmaterial und ausgefeilter Arrangements hebt sich die Band aus Rennes deutlich vom typischen Shoegaze-Einheitsbrei ab.
Am Anfang stand eine geniale Partyreihe von einem gewissen Hund in Mannheim. Deren Facebookseite mauserte sich mit der Zeit zu einer wervollen Ressource, auf der es unmengen gutes Zeug aus dem breit gefächerten Indie-, Elektro- und Avantgarde-Spektrum zu entdecken gab. Von einer Ein-Mann-Show ist das ganze zu einem kleinen aber feinen Kollektiv von Musikverrückten und Plattenwühlern gewachsen und soeben hat dieser zusammengenommen doch recht Eklektizistische Haufen den Sprung zu einem ausgewachsenen Blog vollzogen. Der Hund ist begraben, lang lebe das RRR. Lesepflicht!
Erstklassiger Postpunk aus Breslau. Und zwar solcher von der wavelastigen, mit mal eher sperrigen, mal extrem tanzbaren, immer nervös zuckenden Grooves durchsetzten Sorte. Wie eine pseudoauthentische Disneyland-Zeitreise in ein Jahr ’81, das es so nie wirklich gab. Wirkt echter als die trübe Realität, damals wie heute. Und gar nicht von gestern.
Die zuletzt hier vorgestellten Gerda sind offenbar nicht die einzige Arschtretende Noiserock-Band aus Italien. Das Trio UT aus Genua spielt eine absolut oldschoolige und zeitlose, leicht Math-lastige Variante davon, so etwa Drive Like Jehu meets frühe Shellac oder Big Black. Und auch ein bisschen 90er/00er Dischord-Krempel. Die sträflich unterbewerteten Faraquet lassen grüßen…
Und noch eine kleine Punkperle, diesmal von einer berliner Band. Mit ähnlichen Referenzen wie die gestern hier aufgeschlagenen Daily Ritual ausgestattet, aber auch ein ganzes Stück getragener und melancholischer, mit leichten Postpunk-Tendenzen. Ich erinnere mich, schon mal mit deren Musik konfrontiert gewesen zu sein. Hatte mich nicht besonders beeindruckt. Aber diese zwei neuen Songs sind pures Gold. Gespannt, was da noch folgt…
Druckvoller Punkrock aus Singapur, der seine eingängigen Melodien mit ausgezeichneten Songs, ausreichend Reibung und einer gesunden Dosis Tod und Verderben kontert. Durchaus vergleichbar mit Red Dons, The Estranged, Autistic Youth und ein bisschen Wipers.