Sage und schreibe sechs Jahre ist es nun schon her, seit die Band aus Grenoble mit einem Debütalbum wie aus einer anderen Welt verzauberte. Auch nach so langer Zeit gibt es keine andere Band, sie so klingt wie Taulard und ihr gitarrenloser, orgelbasierter, tieftrauriger und ausgesprochen exzentrischer (Post-)Punk, der so eigentlich nicht funktionieren dürfte aber dennoch immer wieder ins Schwarze trifft.
Knowso aus Cleveland, Ohio hatten bereits Siebenzöller auf Total Punk und Neck Chop draußen, was zusammen in etwa dem ultimativen Ritterschlag im gegenwärtigen Garagenumfeld entspricht. Ihre neueste EP hält weiter den Qualitätsstandard hoch und streckt sich dabei vorsichtig auch in neue Richtungen aus. Zeitweise erinnert das an eine Mischung aus Nag, späteren Useless Eaters und Constant Mongrel. Manchmal dann eher an den Weirdo-Postpunk von Patti oder die struwweligen Noise/Garage-Hybriden von Brandy und Hash Redactor – allerdings bis auf die blanken Knochen heruntergekocht. Außerdem regt sich in Turning Point ein leiser Hauch von Wire und ihr wisst ja, dass mir so ein Scheiß immer gut in den Tee passt.
Irgendwie muss ich die erste EP dieses Quartetts aus Chicago vor zwei Jahren übersehen haben… dessen Begutachtung ich jetzt mal dringend nachholen muss, denn ihre neue 7″ gewinnt sofort meine Sympathie mit einer gekonnten Mixtur aus geringfügig garagen- und hardcore-infiziertem Punkrock der eher schnörkellosen Machart, nicht unähnlich zu Negative Scanner (deren Gitarrenbenutzer Matt Revers sich hier unter den Tätern befindet), Vexx und abgerundet durch ein klein wenig 77er Riffing á la Amyl & The Sniffers.
Schade zu erfahren, dass diese EP – nicht allzu lange nach ihrem Genre-trotzenden/-fickenden/-dekonstruierenden/-sprengenden Album im letzten Jahr – schon der Schwanengesang der heißesten Hardcore-Hausnummer in North Carolina sein soll. Also nehmt die Chance wahr noch mal über Das Drip’s ambitionierten Hardcore/Postcore/Artcore/Weirdcore – definitiv niemals Boringcore – zu staunen.
Das hier ist ein seltsames Biest. Donors aus Nashville zogen schon vor zwei Jahren mit ihrer ersten EP und einem noch nicht ganz so ausgefreakten Cocktail aus Garage- und Post Punk meine Aufmerksamkeit auf sich, aber das hier ist ein ganz anderer Level an Schrägheit, wenn sie ihren Sound in zunehmendem Maße mit dissonantem No Wave verwüsten sowie mit altem proto-Noiserock á la Flipper oder No Trend anreichern. Womit könnte ich dieses Zeug vergleichen… Tyvek oder Constant Mongrel als No Wave Band reinkarniert? Spray Paint auf’m Garagentrip? Auch wenn ich nicht so sicher bin was die Band sich hier mal vorgenommen hat, besteht doch kein Zweifel dass ihr Unterfangen ein durchschlagender Erfolg ist. Und gerade glaubt man alles verarbeitet zu haben, da überraschen sie einen noch mal im Rausschmeißer Fine Print mit einer an Haunted Horses erinnernden Industrial-Kante.
Sieht so aus als ob die kölner Szene zunehmend in Schwung kommt. Neuestes Indiz ist dieses durchweg spaßige Demo voller verschrobenem ein-Mann-DIY Garage Punk nicht unähnlich zu Acts wie Prison Affair, Set-Top Box, T.L.B.M., Dot.Com, Dee Bee Rich… sogar ein bisschen was von frühem Erik Nervous hat’s. Feiner Shit!
Ein unnachgiebiges Gewitter aus KBD-trifft-Stoner-Punk treten die Freaks aus Philadelphia los, angetrieben von reichlich Hardcore-Energie. Fängt ein bisschen so an wie eine Verschmelzung von frühen Milk Music oder Dinosaur Jr mit den Hüsker Dü der Everything Falls Apart-Ära, schwingt sich danach aber eher auf einen Modus ein, der nach einer Mischung aus Tarantüla/Cülo, Fried Egg, einem Hauch von Launcher riecht, angereichert um ein paar Sludge- und Death Rock-Vibes, wobei mich letztere etwas an Beta Boys erinnern.
Das Debütalbum der Band aus Chicago erweist sich als so stark wie man es sich nur erhoffen konnte, ein massiver Qualitätssprung in Reife und Finesse verglichen mit ihrer bereits mehr als soliden EP aus dem vorletzten Jahr. Genau wie damals haben Stuck keine Ambitionen das Genre auf links zu drehen, beweisen aber stattdessen ein umfassendes Verständnis der Mittel und Möglichkeiten ihres Genres, eine differenzierte Anwendung von dessen Vokabular und Grammatik zu einem mitreißenden Ergebnis. Klar lässt sich ein gewisser Einfluss vergangener Hausnummern aus ihrer Heimatstadt nicht verleugnen und auch die obligatorischen Spuren von 90er Washington sind durchaus vorhanden – aber noch stärker erinnert mich ihr Sound an aktuelle Acts vom Schlage USA Nails und ganz besonders an die derzeitige Welle australischer Bands wie Batpiss, Bench Press und Noughts.
Nach zwei starken Demotapes und dem unglaublichen Knaller von einem Debütalbum, das letztes Jahr via Emotional Response auf uns logelassen wurde, ist nun auch schon wieder eine neue EP am Start, die nahtlos an dessen Qualitäten anknüpft. Derzeit trifft keine andere Band so überzeugend den Nagel auf den Kopf in diesem speziellen Subgenre aus endlos charmantem und verschrobenem, dabei aber grundehrlichem DIY Post-/Art Punk, bei dem unter anderem sicher die Television Personalities, frühe Mekons oder Desperate Bicycles Pate gestanden haben – während ihre Musik gleichzeitig nach allem anderen als einer Retro-Show klingt, sondern klar unserer Zeit entstammt und mit beiden Füßen auf dem gegenwärtigen Boden der Tatsachen steht.
Ihre dritte LP – erneut auf dem geschmackvoll benannten Label 12XU Records erschienen (ich bin da nicht involviert, Ehrenwort) – präsentiert die Xetas aus Austin und ihren Sound in seiner ihrer bislang reifsten Inkarnation, was sich vor allem in einem selbstbewussteren, abwechslungsreichen und immer grundsoliden Songwriting bemerkbar macht. Immer noch ist das auf der Schwelle zwischen straightem Punkrock und energischem Post Punk/-core zu verorten, wenn auch der Kompass diesmal verstärkt in letztgenannte Richtung ausschlägt. Kann man etwa als eine Mischung aus Red Dons, Video, Meat Wave und Daylight Robbery bezeichnen. Oder anders ausgedrückt: Qualitätslärm!