Die ersten Teaser-Tracks vom Langspieldebüt dieser Band aus Melbourne, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Piss Wizard und Stray Dogs To Good Homes, hatten bereits eine drastische Abwendung signalisiert vom noch deutlich simpleren, Wipers-infizierten Garage Punk ihrer vorherigen EP und in der Tat ist diese Platte eine ganz andere Sorte von Biest geworden, das mehr von einem staubigen, Americana-durchtränkten Post Punk-Vibe versprüht mit Echos von frühen Scientists aber auch viel jüngerem Zeug wie etwa dem Noise-versifften Post Punk der kopenhagener Größen Lower und den frühen Iceage; Sklitakling und Pleaser aus Schweden, Americana- und Cowpunk-beeinflussten US-Bands wie Weak Signal und Bambara oder auch Australiern wie Optic Nerve und Refedex. Eine reiche Pallette von mutmaßlichen und durchaus etablierten Einflüssen also, aber diese Band kocht daraus ein durchaus eigenständiges Süppchen, nicht zuletzt dank tonnenweise belastbarer Songsubstanz als Fundament für die lärmigen Eruptionen und kantigen Performances, ein angemessenes Vehikel aus düsterer Energie für die unverblümt-eindringlichen Texte und Vocals von Frontfrau Freya Tanks.
Reuben Sawyer ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs mit verschiedenen Bands und Projekten in einem recht breiten Genre-Spektrum, schlug aber erstmals richtig ein im 12XU-Universum im vorletzten Jahr mit Demons Obey, seiner dritten LP unter dem Anytime Cowboy-alias – eine seltsame Kreatur von einer Platte, die Elemente von bluesigem, Jangle-beeinflusstem Cowpunk und Garage Pop auf eine geradezu surreal entrückte Klangwelt treffen ließen, geerdet in Sawyer’s fast schon verstörend ruhiger Gesangsdarbietung. Seine neueste LP verfeinert diese Rezeptur zu seiner reifsten Leistung bisher, auf der seine zuvor noch etwas zerrissen und fragmentarisch daherkommende Vision deutlich entrümpelt daherkommt und sich zu einer unerwartet kohärenten Klanglandschaft konsolidiert, in der seine gleichermaßen kauzigen, melodischen und melancholischen Kompositionen – zusammengehalten von überragenden Songwriting-Skills – leuchten und glitzern wie noch nie zuvor.
Eine Band aus Biel hat mit dieser LP auf dem lokalen Label Chrüsimüsi Records mal einen echten Schwelbrand von einer Platte kreiert, der sich gerne mal ordentlich Zeit nimmt um auf den Punkt zu kommen, aber es zahlt sich dann doch jedes mal aus, wenn man ihr mit etwas Geduld begegnet. Der langsam vorwärts kriechende Opener Different Times erinnert mich dabei unmittelbar an den rustikalen Wüstenstaub und Americana-Rock von Weak Signal, welcher daraufhin in einen stärkeren Post Punk-Kontext transformiert wird im nachfolgenden Bubbles, wohingegen durch so Songs wie Peace Of Mind eine offensichtliche Velvet Underground-Energie fließt und ein Strom aus Art- und Glam Rock uralter Schule, der unter anderem auch in The Candidate ziemlich unübersehbar ist. An anderen Stellen fühle ich mich stark an den folkigen Post Punk von Dead Finks erinnert, das frühe Werk der Londoner Witching Waves, eine entschleunigte Variante von The Cowboy oder Flat Worms, den erdigen Garage Rock von Honey Radar oder den stacheligen Art Punk von Far Corners und Germ House… sogar ein bisschen von der ersten Peace De Résistance mag da noch mitschwingen.
Das Debüt-Tape der Band aus Philadelphia ist eine gewisse Rarität in dieser Zeit als eine Post Punk-verwandte Veröffentlichung, die sich stur jeder Klassifizierung in spezifischen Sub-Nischen verweigert, aber ich denke es ist euch klar dass ich es trotzdem versuchen werde, nicht wahr? Die folkige Americana-Atmosphäre der Openers Full Speed Ahead (paradoxerweise einer der langsamsten Songs hier…) provozieret Vergleiche zu dem Breitwand-Drama einer Dead Finks-Platte, eine Qualität, die auch die folgenden Tunes aufrecht erhalten, aber auch ganz andere Vibes tummeln sich da, die hier und da nicht ganz unähnlich sind etwa zum Schaffen von solchen Post Punk-Hausnummern wie Tube Alloys, Corker, frühe Pyrex, Marbled Eye und, ganz besonders, VR Sex, deren desillusioniert-düstere Energie vielleicht der am besten zutreffende Vergleich unter den genannten Bands ist. Aber wo bei VR Sex immer eine gewisse Künstlichkeit eine klinische Distanz erzeugte, fühlen sich diese Songs ungleich rustikaler, geerdet und eingelebt an.
Eine durchweg verblüffende Debüt-LP kommt hier von einem Duo aus Alamance, North Carolina, die darauf eine hypnotisch-vernebelte Mischung aus Noise Rock, Post Punk, oldschooligem Indie Rock und den dunkelsten Gassen des Americana-Spektrums erschafft. Letztere Tendenz kommt dabei oft so rüber wie eine hartnäckigere und treibendere Variante des staubigen Southern Gothic-Charmes von den (paradoxer Weise) aus New York operierenden Weak Signal, hat in vielen Momenten aber auch Spuren des bluesigen Proto-Noise Rock von Feedtime oder Scratch Acid, dem Swamp Rock von ’80er Scientists. Die alles durchtränkende Melancholie des Ganzen erinnert mich einerseits wiederum an eher in Richtung Indie Rock tendierende Bands wie die Australier Kitchen’s Floor und Treehouse oder das frühe Schaffen der Londoner Witching Waves, andererseits aber auch an den dunklen Post Punk etwa von den auf der Auckland/Berlin-Achse agierenden Trust Punks und Dead Finks, den tiefschwarzen Abgründen der in Atlanta ansässigen Uniform, Glittering Insects, Mother’s Milk oder dem Folk-infizierten, tief in der Schuld von Angst und Meat Puppets stehenden Neo-Proto-Grunge von Bands wie Pig Earth aus Bellingham, Washington und Dharma Dogs aus Madison, Wisconsin. Das alles ist dann hier meisterlich aufbereitet zu zehn all-killer-no-filler Melodramas in prachtvollem Cinemascope und auf einer Basis der opulenten Klangarchitektur und brilliant eingefädelten Dramaturgie.
Brillianter neuer Scheiß von Leuten, die unter anderem auch schon bei Melbourne’s berüchtigt rohen Postpunkern Sewers und der geringfügig zugänglicheren Indie Rock/Post Punk-Combo Love Of Diagrams mitgespielt haben. Was die uns hier vorsetzen, ist erneut mal wieder relativ weit draußen – ein stark Folk-lastiges Gemisch in welchem der in Americana getränkte Punk von, sagen wir mal, Angst mit ein bisschen 80er Scientists zusammenstößt sowie einem Hauch britischer Psychedelia und auch reichlich vom frühen Paisley Underground-Geschrammel. Eine tiefe Melancholie, die mich hin und wieder an die Indie-/Noise Rocker Kitchens Floor aus Brisbane erinnert, bricht sich Bahn in nichts desto Trotz saumäßig catchy Melodien, verpackt in einer seltsam vernebelten Klangästhetik. In anderen Momenten kommt mir der melodische Post Punk von The Estranged in den Sinn oder der relaxte Power Pop von frühen White Fence, The Cairo Gang. Als weitere halbwegs plausible Referenzen bieten sich außerdem noch Bands wie Damak, Chronophage, Dead Finks, Refedex und The Molds an.
Sie haben dafür ’ne Weile gebraucht, aber hier kommt letztendlich doch noch das Debütalbum der Band aus Austin bei uns angespült. Und meine Güte, was übertrifft das mal alle Erwartungen, die ich für diese Platte hatte. Ihr Sound ist dabei klar von einer gewissen Subströmung der alten SST Records-Schule beeinflusst, zu der Besonders der Folk- und Americana-lastige Punkrock von Angst gehört, gleichermaßen von frühen Meat Puppets und Minutemen. Auch etwas Saccharine Trust, frühe Dinosaur Jr. und ein Fitzelchen Mission Of Burma mag man da drin wiederfinden oder auch von jüngeren Bands wie Milk Music, Chronophage, Dead Finks, Dharma Dogs oder The Molds, welche ebenfalls Teile dieser Tradition in die Gegenwart getragen haben. Oder auch… Woolen Men? Ja vielleicht, wenn man die Fantasie etwas anstrengt.
Mit ihrem dritten Langspieler treffen Needles//Pins aus Vancouver für meinen Geschmack zum ersten mal so richtig den Nagel auf den Kopf. Klassische Jawbreaker-Schule trifft hier auf die stadionkompatiblen Hymnen und Americana-Einflüsse von Beach Slang und ähnlichem Zeug; außerdem auf die rohe Emotionalität von alten Leatherface, Samiam oder Hot Water Music. Die geballte Songpower der Replacements. Das ist natürlich alles andere als neu und unzählige Bands versuchen sich daran. Aber Needles//Pins zeigen hier in zwölf tadellosen Songs ganz eindrucksvoll, wie man sowas richtig macht.
Diese fünf Spacken kommen aus Plauderville im Bundesstaat New Jersey und erfüllen so ziemlich jedes Klischee das man mit ihrer Herkunft in Verbindung bringen könnte. Schmierig geben sie sich auf ihrem zweiten (?) Longplayer, versoffen und abgefuckt, aber in ihrer Einfachheit und Ehrlichkeit doch ziemlich liebenswerte Asis. Musikalisch ist das ein seltsamer Mischmasch aus 77er Punk, Southern- und Classic Rock. Genres also, die nicht wirklich vereinbar erscheinen, aber hier wirklich stimmig miteinander verschmelzen. Die Platte dürfte ihre Wirkung unter Biereinfluss noch deutlich steigern. (mehr …)