Das zweite Album dieser Band aus Chicago entpuppt sich als ein lupenreiner, noiserockig angehauchter Indie Rock-Flashback, der seine Wurzeln klar in den frühen bis mittleren Neunzigern geschlagen hat. Abwechselnd fühle ich mich dabei mal an Polvo, 90er Sonic Youth, Chavez oder Lync erinnert. Und im aktuellen Geschehen könnte sich das z.B. in der Nähe von Tape/Off oder Champion Lover wiederfinden.
Auf EP numero zwei lassen Noughts aus Melbourne den auf dem Vorgänger noch deutlicher vorhandenen Postpunk weitgehend hinter sich und verschieben den Sound stärker in Richtung Noise Rock und Postcore. Vielfältiger als zuvor, zeigen die neuen Songs aber auch reichlich Zähne und werden von der Band auf zunehmend elaborierten Konstrukten platziert. Klare Ähnlichkeiten hat das nach wie vor zu Bands aus ihrem lokalen Umfeld wie Batpiss oder Bench Press.
Die spanische Szene ist derzeit ja ein exzellentes Pflaster wenn es um lärmendes Punkzeug der kaputten und durchgeknallten Art geht und Vermute aus dem Küstenstädtchen Benicarló sind eine weitere Band wie gemacht, um diesen guten Ruf zu untermauern. Mit dissonantem Geschredder zwischen Noise Rock, Post Punk und (Neo-)No Wave attackiert ihre erste EP das Trommelfell, versprüht dabei noch einen ungeheuren Spaßfaktor und wirkt niemals verkopft.
Über mangelnde Produktivität des Future Of The Left und Ex Mclusky-Frontmannes Andy Falkous kann ich mich ja echt nicht beschweren. Seit 2014 ist jedes Jahr ein neues Album seines Soloprojektes am Start. Die Qualität variiert. Scheinbar mit Absicht haut der Typ immer abwechselnd ein Album raus das mich nicht so recht zu begeistern vermag, daraufhin dann wieder eins das alle richtigen Knöpfe drückt. Aktuell befinden wir uns in der besseren Hälfte von diesem etablierten Zwei-Jahres-Zyklus. Die Platte ist wieder peak Falco und wird von mindestens solidem, meistens aber ausgesprochen starkem Songmaterial getragen. Auf fragwürdige Experimente wird dankenswerter Weise verzichtet - ich will Herrn Falkous unter keinen Umständen noch mal beim Rappen zuhören. Aber so scheint der Typ halt zu operieren. Ein mal den Dreck an die Wand schmeißen und schauen was kleben bleibt, im nächsten Durchgang dann auf ein robusteres Songfundament stellen, was nicht sofort Fungus entwickelt oder Feuer gefangen hat.
Batpiss aus Melbourne bleiben eine der interessanteren Noisrock-Kapellen. Mit jeder bisherigen Veröffentlichung hat ihr Sound ein wenig an Feinschliff, die Arrangements an Reife und Komplexität zugelegt. Auch der neue Kurzspieler besticht mit einer Spielart von Noise Rock und Postcore, die ihre Sache immer ein paar Schritte weiter denkt als starre Genrestandards es erfordern.
Gleich zwei schön gestörte Tapes hat zuletzt diese Band aus Philadelphia rausgehauen, vollgemacht mit krudem Dreck, der sich gut mit so manchen Pionieren des Artpunk, No Wave und Proto-Noiserock assoziieren lässt. Irgendwo zwischen Feedtime-Monotonie und Flipper-Hirnfick; außerdem steht das z.B. MX-80, Mentally Ill, Membranes und Half Japanese nicht allzu fern.
Die Londoner Noiserocker erweitern nicht groß ihr stilistisches Vokabular auf ihrem bereits vierten Langspieler, klingen dafür aber so entschlossen und selbstsicher wie nie zuvor. Ein Sound der tight wie Scheiße einfach alles platt walzt, was ihm im Weg steht.
Irgendwe konnte ich die begeisterten Reaktionen auf das Debütalbum der Schweizer im vorletzten Jahr noch nicht so hundertprozentig nachvollziehen. Zu überladen klang mir das; nach reichlich Ideeen aber einem empfindlichen Mangel an Orientierung und Feinschliff. In den letzten zwei Punkten hat der nun erschienene Nachfolger dramatisch zugelegt. Das klingt nicht nur verdammt gut, sondern hat diesmal auch durchweg Hand und Fuß - so zieht mich ihr wuchtig rotierender Sound zwischen Noise Rock und Post Punk letztendlich doch noch auf seine Seite. Oft klingt mir das nach einer seltsamen Verschmelzung von Lardo und Haunted Horses.
Vier Jahre nach ihrem Debütalbum legt die Londoner Band um Mitglieder von Death Pedals und USA Nails jetzt einen Nachfolger vor - zeitgleich mit dem neuesten Streich der letztgenannten. Selbstsicherer kommen sie dabei rüber mit einem Sound, der einiges an Druck zugelegt hat. Noise Rock und Postcore, der wie ein dumm und stur geradeaus dreschender Cousin der genannten Bands klingt, außerdem hat man dem Penner eine hochdosierte Drive Like Jehu-Infusion verpasst.
Nach ihrem sehr geilen ersten Tape hat es ein bisschen Zeit und eine Vinyl-Reissue auf Monofonus Press gebraucht, bis mal ein paar mehr Leute die New Yorker Band wahrgenommen haben. Ihr neue 7" ist mit Total Punk erneut auf einem Label erschienen, das einfach für Qualität steht. Die Produktion ist diesmal etwas Hochwertiger, der Sound dadurch etwas zugänglicher. Was aber nicht heißt dass ihr primitives Riffing auf der Schwelle zwischen Noise und Garage seinen Beißreflex verloren hätte. Es knarzt auch diesmal wunderschön.