Multicult – Simultaneity Now

Auf ihrem inzwischen fünften Album geben sich die Noise-/Mathrocker aus Baltimore mal wieder in der gewohnten Topform. Vielleicht mehr als je zuvor verlagern sie dabei das Gewicht auf die Math-lastige Seite, ohne dass sie Gefahr laufen, in selbstgefällig-technisches Gegniedel zu verfallen. Nein, hier wirkt jeder noch so gewaltsam zurechtgebogene Takt ordentlich zu Ende gedacht. Auch wenn das Genre davon mit Sicherheit nicht revolutioniert wird, treffen Multicult diesen speziellen Nagel dafür mit einer selten gewordenen Vollendung auf den Kopf und liefern zum wiederholten mal eine Platte ab, die selbst zur Blütezeit ihrer Nische als waschechtes Highlight durchgefluppt wäre.

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Philary – I Complain

Was mir auf der Debüt-LP von Philary aus Nashville, Tennessee entgegen quillt würde ich mal als… unerwartet bezeichnen. Es handelt sich um ein Projekt von Alex Molini, der ansonsten bei Stove und seit geraumer Zeit auch bei Pile mit am Werk ist. Da liegt es schon nahe, Philary in dieser speziellen Nische des Indierock einzuordnen, welchem der Lärm noch genau so eine Herzensangelegenheit ist wie die Melodien; die derzeit zu gefühlten fünfzig Prozent vom New Yorker Genre-Bollwerk Exploding In Sound Records noch am Leben erhalten wird – es ist also kein bisschen verwunderlich, dass auch diese Platte mal wieder in besagtem Hause erschienen ist. Man darf sich zum Beispiel an Bands wie die bereits erwähnten Pile, an Dead Soft, frühe Ovlov, Geronimo oder deren Quasi-Folgeprojekte Milked und Hung Toys erinnert sehen. Aber das ist auch nur der allererste Eindruck. Denn Philary gehen Soundmäßig so einige Tacken derber zur Sache, vermischen die erwähnten Tendenzen mit einer dicken Schicht aus Noise und tonnenschwerem Sludge. Da kann man in den etwas psychedelisch geprägten Momenten, wie etwa in The Littlest Mole, Vergleiche zu Fir Cone Children ziehen, die sich – wenn aus einem etwas anderen Genre-Blickwinkel – einem durchaus verwandt klingenden Ansatz von verspielter, zuckersüßer Melodiösität und dichtem Noisegewitter annähern.

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Lungbutter – Honey

Eine ganz schön ungemütliche Geräuschkulisse fabriziert dieses Trio aus Montreal. Wecken die ersten Klänge ihrer Debüt-LP noch starke Assoziationen zu Noisepunks á la Soupcans und No Wave-beeinflussten Acts wie Flesh Narc, wird aber bald darauf klar wer hier am ehesten Pate gestanden haben dürfte: Das riecht doch stark nach Sonic Youth in ihrer wohl radikalsten Phase – nämlich die ihrer brachialen quasi-Trilogie bestehend aus den Alben Confusion Is Sex, Bad Moon Rising und Evol – aber irgendwie auch nur die derbsten tendenzen daraus. Dennoch verbirgt sich hinter dem dichten Hagel aus Distortion so einiges an Melodie, man muss nur richtig zuhören. Nicht neu, das. Aber ausgesprochen erfrischend, weil man’s in einer derart kompromisslosen Packung schon lange nicht mehr zu hören bekam.

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Omino – Omino N°2

Selten poste ich hier Platten die schon zwei, drei Jahre auf dem Buckel haben, aber bei dieser Band aus dem italienischen Kaff Concamarise kann ich nicht anders als mal ’ne Ausnahme zu machen und hab dazu auch nicht viel mehr beizutragen außer dass ihr roher und eigenwilliger Noise Rock vom Anfang bis zum Ende ihrer zweiten EP maximal und perfekt abgefuckt klingt. Whoa…

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Clever – Hangin Egg

Clever aus Brisbane fielen mir vor ca. drei Jahren schon mal sehr positiv auf mit einer auf spezielle Art räudigen, leicht exzentrischen Spielart von Noise Rock, der damals allerdings noch ein wenig Feinschliff vertragen hätte. Der wird nun auf dem zweiten Langspieler nachgeliefert; die Songstrukturen und Arrangements laufen zu einem deutlich schlüssigeren Gesamtpaket zusammen, ohne dabei an ihrer Originalität und Schrulligkeit einzubüßen.

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Acquaintances – 8 1/2 Lives

Das zweite Album dieser Band aus Chicago entpuppt sich als ein lupenreiner, noiserockig angehauchter Indie Rock-Flashback, der seine Wurzeln klar in den frühen bis mittleren Neunzigern geschlagen hat. Abwechselnd fühle ich mich dabei mal an Polvo, 90er Sonic Youth, Chavez oder Lync erinnert. Und im aktuellen Geschehen könnte sich das z.B. in der Nähe von Tape/Off oder Champion Lover wiederfinden.

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Noughts – Content

Auf EP numero zwei lassen Noughts aus Melbourne den auf dem Vorgänger noch deutlicher vorhandenen Postpunk weitgehend hinter sich und verschieben den Sound stärker in Richtung Noise Rock und Postcore. Vielfältiger als zuvor, zeigen die neuen Songs aber auch reichlich Zähne und werden von der Band auf zunehmend elaborierten Konstrukten platziert. Klare Ähnlichkeiten hat das nach wie vor zu Bands aus ihrem lokalen Umfeld wie Batpiss oder Bench Press.

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Vermute – Vermute

Die spanische Szene ist derzeit ja ein exzellentes Pflaster wenn es um lärmendes Punkzeug der kaputten und durchgeknallten Art geht und Vermute aus dem Küstenstädtchen Benicarló sind eine weitere Band wie gemacht, um diesen guten Ruf zu untermauern. Mit dissonantem Geschredder zwischen Noise Rock, Post Punk und (Neo-)No Wave attackiert ihre erste EP das Trommelfell, versprüht dabei noch einen ungeheuren Spaßfaktor und wirkt niemals verkopft.

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Christian Fitness – You Are The Ambulance

Über mangelnde Produktivität des Future Of The Left und Ex Mclusky-Frontmannes Andy Falkous kann ich mich ja echt nicht beschweren. Seit 2014 ist jedes Jahr ein neues Album seines Soloprojektes am Start. Die Qualität variiert. Scheinbar mit Absicht haut der Typ immer abwechselnd ein Album raus das mich nicht so recht zu begeistern vermag, daraufhin dann wieder eins das alle richtigen Knöpfe drückt. Aktuell befinden wir uns in der besseren Hälfte von diesem etablierten Zwei-Jahres-Zyklus. Die Platte ist wieder peak Falco und wird von mindestens solidem, meistens aber ausgesprochen starkem Songmaterial getragen. Auf fragwürdige Experimente wird dankenswerter Weise verzichtet – ich will Herrn Falkous unter keinen Umständen noch mal beim Rappen zuhören. Aber so scheint der Typ halt zu operieren. Ein mal den Dreck an die Wand schmeißen und schauen was kleben bleibt, im nächsten Durchgang dann auf ein robusteres Songfundament stellen, was nicht sofort Fungus entwickelt oder Feuer gefangen hat.

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Batpiss – Nothing 7″

Batpiss aus Melbourne bleiben eine der interessanteren Noisrock-Kapellen. Mit jeder bisherigen Veröffentlichung hat ihr Sound ein wenig an Feinschliff, die Arrangements an Reife und Komplexität zugelegt. Auch der neue Kurzspieler besticht mit einer Spielart von Noise Rock und Postcore, die ihre Sache immer ein paar Schritte weiter denkt als starre Genrestandards es erfordern.