Ounce – Satan II / Dead Mirror

Die Debüt-EP von Ounce aus Auckland, Neuseeland weckt das sofortige Bedürfnis, mehr von dieser Band zu hören. Denn was sie in diesen zwei Songs fabrizieren ist einfach mal ein verdammt geiler und ausgefuchster Garage/Psychedelic-Hybrid, den man so eher von der Kalifornischen Dwyer-Connection erwartet hätte. Satan II setzt sich dabei mit einem unverschämt gemeinen Groove in den Synapsen fest, der dem Songtitel durchaus gerecht wird. Dead Mirror geht dann etwas leichtfüßiger zur Sache, behält aber die chirurgische Präzision der Darbietung aufrecht und bezaubert nicht zuletzt aufgrund des hochdisziplinierten Drummings, dem man einen gewissen Jaki Liebezeit-Vibe nicht absprechen kann.

Parsnip – Parsnip 7″

Eine äußerst stimmige Debüt-EP von einer Band aus Melbourne, die richtig Spaß macht in ihrer fluffigen Mischung aus 60s Garage- und Psychedelic Pop.


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Escape-ism – Introduction To Escape-ism

Da ist sie, die bereits dritte Veröffentlichung vom washingtoner Szeneveteran Ian Svenonius in diesem Jahr, nachdem es schon zwei Alben seiner aktuellen Band Chain And The Gang zu verarbeiten gab. Hinter dem Namen Escape-ism verbirgt sich sein aktuelles Solovehikel und dessen erster Langspieler kommt mit ausgesprochen minimalistisch Instrumentiertem, deutlich kruderem Garagenblues daher als man es von seinen jüngeren Projekten gewohnt ist. Das ist nicht ganz unähnlich zu seinem etwas älteren, teilelektronischen Seitenprojekt XYZ. Man stelle sich eine abgespeckte Version davon vor, die dann mit dem Minimal-Elektropunk alter Suicide Platten kollidiert. So ungefähr kommt das hin.



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Wireheads – Lightning Ears

Seit einigen Jahren stehen die Wireheads aus Brisbane jetzt schon für einen ausgesprochen kruden Sound, der klingt als würde er jeden Moment in sich zusammen fallen und der auf seine ganz unverwechselbare Art Elemente aus Garage Rock, Proto-, Post- und Art Punk vermengt. Es treffen Versatzstücke von Modern Lovers und Velvet Underground auf den Minimalismus und die quasi zur Religion erhobene Repetition von The Fall. Aber mit einem Frontmann, der eher suizidgefährdet als streitlustig klingt. Dabei gibt er eine eigenwillige Lyrik von sich, die sich mehr auf einer emotionalen als auf einer logischen Ebene erschließt. Als wiederkehrendes Motiv lässt sich diesmal eine seltsame Zahlenmystik erkennen. Kann was bedeuten, muss aber nicht.

Zugänglicher klingen sie auf ihrem neuen Album und definitiv einfacher an einem Stück zu hören als auf dem sehr guten, aber auch recht fragmentarisch und sediert wirkenden Vorgänger Arrive Alive aus dem letzten Jahr. Das meine ich keineswegs abwertend. Der schleppende, resignierte Vibe der letzten Platte war kein Unfall, sondern genau der springende Punkt, das zentrale emotionale Statement dieses Albums. Auf Lightning Ears sind hingegen nicht nur die rockenden Nummern zahlreicher und haben deutlich mehr Biss, auch viele der ruhigeren Momente gehören zu ihrem besten Songmaterial. Die Psychedelia von Is Frances Faye God? und das folkige The Overview Effect gehören zu den definitiven Highlights hier.



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Blaha – The Long Arm of the Photo Booth

Schon wieder ist ein neuer Kurzspieler des umtriebigen Blind Shake-Seitenprojektes am Start. Anders als auf der letzten 7″ geht auf diesem Tape etwas weniger der Punk ab. Dafür tobt sich das wie gewohnt sehr klassige Songmaterial irgendwo im Umfeld von 60s Pop und Psychedelia aus, vereinzelt kommen auch ein paar Surf-Vibes zum tragen.


Chain & The Gang – Experimental Music

2017 war ein bemerkenswert geschäftiges Jahr für diesen Mann, der mit Leichtigkeit die Rollen des Rock’n’Roll-Poeten, Aktivisten, Philosophen, Performance-Künstlers und Essayisten (Wink/mit dem/Zaunpfahl) in einer Person vereint. Ian Svenonios, bekannt auch aus alten Bands und Projekten wie The Nation Of Ulysses, The Make-Up, XYZ und Weird War, hat dieses Jahr bereits eine Art Best Of-Album mit seiner derzeitigen Band Chain & The Gang veröffentlicht, das ausschließlich Neuaufnahmen der alten Songs enthielt. Im November kann man sich außerden auf das erste Album seines Soloprojekts Escape-ism freuen. In der Zwischenzeit haben Chain & The Gang noch kurzerhand ihr fünftes Album rausgehauen. Schnell und dreckig mit Vierspur-Technik aufgenommen, erstrahlt das ganze nach den etwas cleaneren letzten Alben jetzt wieder im besten Vintage-Sound, der ihnen eh besser steht. Und die zehn Songs, die sich überwiegend wie gewohnt ums Überleben im scheiternden Kapitalismus drehen, gehören mit zum besten, was die Band bislang verbrochen hat.



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Blaha – Fresh Horse 7″

Es gibt mal wieder neues von Mike Blaha zu vermelden, den man vielleicht besser von den Garagenpunks The Blind Shake aus Minneapolis kennt, wo er zusammen mit seinem Bruder Jim für Gitarre und Gesang verantwortlich zeichnet; letzterer fiel and dieser Stelle ebenfalls schon mit seinem Soloprojekt Jim And The French Vanilla sehr positiv auf. Auf seiner neuesten Solo-EP macht der gute Mann mal wieder alles richtig. Die A-Seite trifft sofort ins Schwarze mit zwei straighten Rockern im unverwechselbaren Stil seiner Hauptband, die B-Seite entzückt dann mit einer ebenso ausgezeichneten Midtempo Powerpop-Nummer.

Woolen Men – Lucky Box

Sind jetzt tatsächlich schon zwei Jahre vergangen seit der letzten Veröffentlichung der Powerpopper aus Portland? Das ist ungewöhnlich lange für die sonst so produktive Songschleuder. Überhaupt wundert es mich, dass Woolen Men nach über acht Jahren immer noch kaum wahrgenommen werden. Denn kaum eine andere Band hat in der Zeit einen so konstant guten Output fabriziert und dabei eine so unverwechselbare eigene Identität entwickelt, mit ihrem in bester DIY-Manier schnell und dreckig aufgenommenen Sound aus Powerpop und Garage Rock, der gleichermaßen von Guided by Voices in ihrer goldenen Ära wie auch vom Protopunk der Modern Lovers beeinflusst scheint. Neues Material soll schon unterwegs sein, in der Zwischenzeit kann man sich an ihrer bereits zweiten Compilation erfreuen. Die enthält Songs, die ursprünglich auf diversen Tapes und EPs erschienen sind; der überwiegende Teil davon ist schon länger nicht mehr zu bekommen.



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Faux Ferocious – Faux Ferocious

Der Sound dieser Band aus Nashville ließ sich schon immer etwas schwer festnageln und auch auf ihrer aktuellen EP geben zeigen sich weiterhin sehr wandlungsfähig, aber auch deutlich gereift. Der Opener Me and Johnny tobt sich auf einer Basis von psychedelischem Postpunk aus, angereichert um Elemente aus Kraut, Space- und Mathrock; die garagige Kante haben sie sich dabei bewahrt. The Big Kahuna hat dann einen gewissen Velvet Underground-meets-Modern Lovers-meets-Gun Club Vibe; zum Abschluss geht es dann noch mal ordentlich abgespaced zu.

David Nance – Negative Boogie

Lange ein Geheimtip der lokalen Szene, hat David Nance aus Omaha in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe selbstveröffentlichter CD-Rs mit krudem Garage Rock rausgehauen und spülte erstmals im letzten Jahr mit seinem charmant LoFi-mäßigen Debüt für Ba Da Bing Records in an die Oberfläche. Aus gleichem Hause kommt jetzt der Nachfolger und wirkt durch einen vergleichsweise klaren Sound etwas zugänglicher, ohne dass die Musik an sich irgendwelche Kompromisse eingeht. Die Klangpalette ist vielfältiger geworden, es machen sich diesmal deutliche Americana-Einflüsse breit; sogar für eine – selbstverständlich ordentlich verbeulte – Country-Nummer ist sich der Mann nicht zu schade. Ansonsten dominiert nach wie vor eine sumpfige Mischung aus altem Proto- und Artpunk, Blues- und Garage Rock, einem Hauch von Glam. Oder auch mal Velvet Underground meets late The Gun Club meets early Nick Cave meets electrified Neil Young meets The Modern Lovers. Oder ganz was anderes, whatever… ich weiß ja nix von Musik.



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