Winston Hytwrs Perfect Harmony – Perfect Harmony

Was für eine mühelos arschtretende Angelegenheit, das neue Tape von Winston Hightower und seiner halbwegs neuen Crew, das vier neue Songs mit den Tunes von der 2023er Debüt-EP kombiniert. Im gleichen Maße abgedreht und antriebsstark, decken diese Songs ein ordentliches Spektrum von Fuzz-verseuchtem Lärm ab, das sich zwischen den Eckpunkten von exzentrischem Garage Punk á la UV Race, Tyvek oder Shark Toys, 2010er (Proto-)Eggpunk-Acts wie Hobocop, frühen Skull Cult und nicht zuletzt jüngeren Risiken der Sorte Print Head, Erik Nervous oder auch der neuesten Billiam 7" erstreckt. Oder anders ausgedrückt, der Scheiß fluppt!

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No Peeling – No Peeling

Ausgezeichneter neuer Scheiß, die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham, deren Style sich hier im ständigen Fluss befindet und sich schwer auf eine Kategorie festnageln lässt, auch wenn die einzelnen Bestandteile reichlich etabliert sind. Die offensichtlichsten davon sind so Eggpunk-relevante Exzentriker wie Snooper, frühe Skull Cult, Busted Head Racket, Clarko einerseits, aber auch die ungleich roheren Schrägheiten von Warp, Beef oder Scud und nicht zuletzt nähert sich das ganze mehr als nur einmal dem total entgleisten Eklektizismus von Pressure Pin, Checkpoint oder TY an.

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Dragnet – Dragnet Reigns!

Ist das tatsächlich schon die dritte Dragnet LP? Mann wie die Zeit vergeht! Aus irgendwelchen Gründen (Zeit und Energie vermutlich) hab ich der Band bisher nicht das volle Blog-Spotlight gegeben, das sie eigentlich verdient hätten und jetzt ist ein guter Zeitpunkt das nachzuholen, klingt die Band aus Melbourne mit Mitgliedern unter anderem von Vintage Crop, Gonzo und Teen Line doch tighter, runder, wacher und mehr auf-den-Punkt als je zuvor auf ihrer neuen LP. Die hat einerseits diesen leichten Hauch von Uranium Club der sich ja auch schon seit jeher durch das schaffen der erwähnten Vintage Crop zieht, aber hier ist auch genau so viel von einer markant verschrobenen, Synth-verschwurbelten, Eggpunk-mäßigen Energie an Bord die sich irgendwo zwischen den Stühlen von Bands wie alten Ausmuteants, US-Bands wie Smirk und Cherry Cheeks, Australiern wie Ghoulies, Aborted Tortoise und Electric Prawns 2 ausbreitet.

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Bront – #9

Nach sechsjähriger Stille kommt jetzt wie aus dem Nichts die zweite 7" dieser Belgier über die lokale Garage Punk-Institution Belly Button Records angerollt und mein lieber Hund, ist das mal ein Knall des zeitgenössischen Lärms, der gleichermaßen von so Garage Punk-Klugscheißern wie Uranium Club und Vintage Crop inspiriert scheint wie auch dem Sprechgesang und den durchdachten Arrangements des US Post Punk/Postcore-Phänomems Straw Man Army, auch wenn es hier lyrisch, passend zur Musik, ungleich leichtfüßiger zugeht. Abrundend ist noch ein leichter Touch von Tyvek oder UV Race am Start, der sich im laufe der EP zunehmend einschleicht. Ich finde das ist eine perfekte kleine 7". Ich bin so bereit für die nächste, die nach meinen Berechnungen so etwa um 2031 landen sollte.

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Top Secret Nicho – Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte

Streng geheime Nichos sind meine Lieblingssorte von Nichos, ich nehm Pommes dazu, danke! Oh, Dining Nothing, ist das so? Na gut dann halt nicht. Wie auch immer, Sin und Muerte sind auch klar auf meiner Agenda, zusammen mit Bier, Schmutz und Satan. Ist mir sofort sympathisch, diese Band aus Rosario, Argentinien und die Musik tritt auch Arsch! Das ist ganz exquisiter, noise-versiffter oldschool Post Punk, der abwechselnd mal an so Bands wie Nag, Impotentie, Labor und das frühere schaffen etwa von Institute, Low Life und Constant Mongrel erinnern mag, vielleich zusätzlich mit einer Note von hochentflammbarem Garage Punk á la Jean Mignon, besonders im erwähnten Dining Nothing.

Winky Frown – A Tale Of Two Frowns

Winky Frown waren von Anfang an eine gewisse Anomalie im per Definition ja schon sehr eigentümlichen Eggpunk-Umfeld, passen ihre Songs einerseits doch oft ziemlich passgenau in eine Reihe reichlich etablierter Eierpunk-Schemata aber sind dennoch immer voller Überraschungen und transzendieren mit links die Limitierungen des Genres indem sie jederzeit mehr Einsatz, Ideen und Songwriting-Rafinesse reinstecken als einem üblicherweise begegnet in dieser Nische. Die neue digitale 2-Track-Single kommt dann auch direkt mal mit einem von ihnen bislang ungehörten Trick daher in der Form von Frown Town, einer Art Slow-Jam, der auf gewisse Art ein verschollenes Artefakt von Wire der Chairs Missing-Ära zu channeln scheint, die im Gegenzug ja auch wieder viel von frühen Pink Floyd der Syd Barret-Ära heraufbeschwören und irgendwie funktioniert der Scheiß! Der zweite Song Upside Down Frown ist dann wieder näher dran an dem was wir von der Band gewohnt sind als ein weiteres fabelhaft konzipiertes High-Speed Garage Punk-Projektil, das unaufhaltsam einem explosivem Finale entgegenbrettert.

Knowso – Hypnotic Smack

Die noch recht frisch aus dem Ofen gezogene neueste Cruelster-LP ist noch nicht ganz abgekühlt, da steht auch schon das nächste Artefakt einer weiteren Band von Nathan Ward vor der Tür, nämlich den ungleich verwinkelteren und mathematisch-methodischer agierenden, aber doch unverkennbar verwandten Knowso, deren kürzliche Optimism / Foot Of Pride-Cassingle auch erst ein paar Wochen her ist. Wie gewohnt ist das ausgesprochen hochwertiger Scheiß, der sich an vorderster Front von zeitgenössischen, repetitiven Post- und Art Punk-Sonderlichkeiten abarbeitet, performt von einem Haufen tadellos rotierender und ordentlich gefetteter Menschmaschinen. Mir kommen derzeit wenig andere Bands in den Sinn, die solch rigide und potenziell abgehackte Arrangements mit so einem reibungslosen Drive und ungebrochener Wucht zu reproduzieren verstehen. Was jetzt nicht heißen soll, dass ihre Musik nicht auch saumäßig catchy wäre - das kommt hier mehr als je zuvor in der zweiten Halbzeit zur Geltung, wenn die Band in so Songs wie Consumer Talk und Panopticon ganz speziell die melodischen Unterströmungen ihres Sounds expandieren und herausarbeiten - das Ergebnis sind einige ihrer unmittelbar zugänglichsten Ohrwürmer bisher.

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Class Act – Malaise

Nach einer schon durchweg vergnüglichen Debüt-EP von 2023 trifft die neue LP dieser Band aus Kansas City aber mal ganz eiskalt meinen Nerv mit ihren überraschend flexiblen, wandlungsfähigen Lärmattacken, in denen ein Hauch von oldschooligem US Westküsten-Style auf Echos von frühen Minutemen und solchen (Proto-) Postcore- und (Proto-) Noise Rock-Acts wie etwa Flipper, Really Red oder Saccharine Trust trifft. Deren unkonventioneller Style mutiert dabei aber zu einem ausgesprochen KBD-getränkten Garagenvibe, der sich genau so gut auch mit aktuellen Referenzen á la Launcher, Mystic Inane, Cutup, Fugitive Bubble, Rolex, Cucuy oder Flea Collar umschreiben ließe.

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Jug & The Bugs – Ground You

Jug & The Bugs aus Vernon Township, New Jersey haben jetzt schon eine ganze Weile rumgewurstelt und währenddessen einen ordentlichen Stapel von Releases auf Bandcamp abgeladen in diversen Geschmacksrichtungen von Garage punk und sogar gelegentlichen Ausbrüchen von abstrakt No Wave-igem Lärm, entlang einem Spektrum von ziemlich simpel und oldschoolig bis ganz schön artsy und ausgefuchst. Ihre neueste LP fühlt sich aber so an, als habe sie jetzt exakt den Moment getroffen, an dem die Band letztendlich ihre eigene Stimme gefunden hat und ihre rumpeligen Garage Punk-Wurzeln transzendiert. Und in der Tat kleckern die Jungs hier nicht herum, die Platte zeugt von ultra-fokussierter, zielgerichteter Teamarbeit, endlosem Feinschliff und die vergeichsweise polierten Produktionswerte rücken diese elegant gefertigten kleinen Art Punk-Dramen in genau das richtige Licht. Gleich zu Beginn strahlt der Opener Your World bereits einen unwahrscheinlichen Wire-meets-Dead Boys-Vibe ab, wobei es davon aber eher Wire sind, die sich im weiteren Verlauf wiederholt als Vergleich aufdrängen, neben diversen Dreh- und Angelpunkten der jüngeren Garage-/Art-/Post Punk-Achse wie Marbled Eye, Ex Cult, jüngere Institute, Tyvek, Shark Toys, Andy Human & The Reptoods, R.M.F.C. oder Motorbike. Als Sahnehäubchen entwickelt das Zeug besonders in der zweiten Hälfte auch noch einen unübersehbaren Power Pop-Einschlag in so Songs wie Delivery und Away Today. Quality shit, zweifellos.

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Cruelster – Make Them Wonder Why

Neuer Scheiß von der Cleveland, Ohio-Achse des klugscheißerischen Post- und Garage Punk, deren Kern in etwa aus Cruelster, Perverts Again, Knowso und The Carp besteht und deren verbindendes Element der markante Sprechgesang von Nathan Ward ist. Nun waren Cruelster ja schon immer die spaßigste und unmittelbar geradeaus gehende Inkarnation des chaotischen Haufens und ihre neueste LP ist da auch keine Ausnahme, was jetzt aber keinesfalls bedeuten soll dass Cruelster und ihre kompakten kleinen Art Punk-Ausbrüche signifikant weniger ambitioniert, erfinderisch und ausgefeilt wären, sondern lediglich dass Cruelster von den genannten Bands am meisten darauf bedacht sind, ihre verworren zick-zackigen Hooks in ein relativ reibungslos rotierendes Framework aus Garage- und Hardcore Punk einzubetten und zu quantisieren - ja, Quantisierung ist in der Tat das Schlagwort das mir für jede dieser Bands in den Sinn kommt. Ein eigentlich ziemlich schlauer Sound, der nur oberflächlich etws dumm klingt. Das beste aus zwei gegensätzlichen Welten!

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