Piggy Bank – Pattern Recognition

Die Debüt-EP dieser Band aus Portland ist stilistisch eine ziemlich gemischte, aber durchweg brilliante Tüte. Die ersten zwei Songs gehen in die Richtung von verwinkeltem Garage- und Post Punk, der eine delikate Balance hält zwischen dissonanten Texturen und supereingängigen Hooks wie man es so ähnlich schon von so Bands wie Reality Group, Print Head, frühen R.M.F.C., Exit Group and Beef gehört hat. Technology Discriminates Against The Poor klingt daraufhin ein bisschen nach einer krautigen Variante von Spray Paint kombiniert mit dem spacigen Garage Punk von Mononegatives oder späten Useless Eaters. False Reality erinnert mich am stärksten an den nicht weniger abgespaceten Garagenlärm von Pow!, während Identity einen catchy-quirligen Minimalismus so á la Busted Head Racket oder Daughter Bat and The Lip Stings versprüht. Beat Struggle taucht dann ganz ein in die motorisch-krautigen Vibes bevor die EP ihren angemessen wertigen Abschluss verpasst bekommt mit einer gelungenen Coverversion der alten Niederländer Ivy Green und den walzenden Grooves des Synth Punk-Schwelbrandes Conflict Driven Entertainment.

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Butter Swamp – Punk-Sure!

Hey, habt ihr alle schon gehört vom tragischen Tod des Eggpunk? Ja sicher, habt ihr, aber es scheint dass Butter Swamp aus Appalachia, Virginia das Memo noch nicht bekommen haben. Ey ihr, habt ihr es nicht gehört? Es schickt sich seit letzter Woche nicht mehr für Punks, solche Musik zu machen! Ach je, ich schätze mal unser Ex-Lumpy wird sich dann doch noch etwas länger mit den Zombies seiner eigenen fernen Vergangenheit arrangieren müssen und diese EP wird er dann vermutlich nicht so toll finden. Aber was mich angeht... ich mag meinen Punk am liebsten schön tot und verrottet. Möge er noch tausend Tode sterben, so lange ich noch atme!

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The Martha’s Vineyard Ferries – Decorations / Context

Auf ihrer neuesten und - soweit ich weiß - einzigen 7" bisher, geht die sporadisch aktive Post Punk/-core Supergroup ein bisschen lärmiger und roher zur Sache als wir es im Schnitt von ihnen gewohnt sind und ich sag mal das passt mir ganz wunderbar in den Tee. Die A-Seite kommt dabei etwa so rüber wie ein verschollener Wipers-Outtake, performt von einer Fusion aus Scratch Acid und Feedtime, während die B-Seite eine überaus kompetente Coverversion eines ausgesprochen ikonischen Songs von Strike Under ist. Da gibt's einfach nichts zu kritisieren an dieser perfekten kleinen Punksingle!

Raya – Malas Noticias

Das dritte Kurzform-Artefakt der Band aus Madrid ist ihr stärkstes bisher würde ich mal sagen und liefert zwei explosive neue Ladungen von etwas, das man ganz ohne Not als Eggpunk bezeichnen kann, wie er im Buche steht und in einer Reihe mit so Bands wie Beta Máximo, Beer, Pringue, Prison Affair, Möney, Goblin Daycare und Hugayz. Aber so sehr die Ästhetik hier auch vordefiniert scheint, bringen Raya doch genug eingene Substanz zum Klingen um auf eigenen Beinen zu stehen. Niebla ist hier das wahre Highlight, das sich traut etwas beherzter auf die Zwölf zu hauen und in etwas dunklere Abgründe hinein zu schauen als wir es von der durchschnittlichen Genre-Veröffentlichung gewohnt sind in Form einer perfekten Post Punk-Miniatur.

Möney – Hegemony

Möney aus Bristol haben 'nen Moment gebraucht um als Band zu sich selbst zu finden, aber nachdem ihr 2023er Demo durchaus vielversprechend klang und das Split-Tape mit SPRGRS von stetigem Fortschritt zeugte, fügt sich zu guter letzt alles perfekt zusammen auf ihrer neuesten EP dank ihres ausgereiftesten Songmaterials bislang in ihrer ausgesprochen psychedelischen, Post Punk-lastigen Herangehensweise an zeitgenössichen Eggpunk, die man hier ins beste Licht zu setzen vermag mit einer ordentlich fluppenden Performance und einer vergleichsweise glitzernden Produktion. Ich würde mal sagen damit katapultiert sich die Band erstmals in die Erwachsenen-Liga des Genres und das in einer Sub-Nische, die ihnen relativ zu eigen erscheint. Ungeachtet dessen würde ich aber auch mal behaupten, dass der Krempel auf Bewunderer von so Acts wie Molbo, Prison Affair, Winky Frown, Electric Prawns 2 und Beta Máximo magisch anziehend wirken sollte.

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Skull Cult – Can’t You See What I Mean?

Es ist inzwischen über sechs Jahre her, seit wir zuletzt von dieser Band aus Bloomington, Indiana gehört haben, die man inzwischen als gigantischen Einfluss auf die heutige Garage-, Synth- und Eggpunk-Szene ansehen muss. Nachdem Mitglieder in der Zwischenzeit ihre kreativen Energien in so Acts wie Belly Jelly, QQQL, Dummy und Big Hog gesteckt haben, kann ich der nun reaktivierten Band bescheinigen dass der Scheiß besser fluppt als je zuvor und das neue Bündel an Songs zum besten gehört, was sie bisher abgeliefert haben. Zugegeben, das ist alles ein bisschen weniger weird und chaotisch als wir es von ihnen gewohnt sind, aber das wird mehr als ausgeglichen von ausgesprochen widerstandsfähigen, melodischen Songfundamenten und Echos von so Bands wie Tyvek, Marked Men und Lost Sounds in einer bemerkenswert gereiften Platte, die alle klaren Kennzeichen trägt von einer Band, die sich für ein paar Jahre an vielseitigen Projekten zu schaffen gemacht hat und jetzt wo sie wieder zusammen Krach machen, wenden sie das gelernte mit schlafwandlerischer Präzision an, zu einem Ergebnis von müheloser Sprengkraft.

TY – WE R TY

Unverschämt ansprechender Garage-Scheiß von einer Band aus Detroit, mal wieder auf der zuverlässigen lokalen Kassettenschmiede Painters Tapes, welche eine beachtenswerte stilistische Bandbreite abdeckt und etwa viele Tugenden von so verschroben und schlauen Garage Punk-Bands wie Uranium Club, R.M.F.C., Erik Nervous, Satanic Togas, Exwhite und Dumb, den DIY Garage-/Post Punk-Hybriden von Schark Toys verschmilzt mit zahlreichen Momenten des kontemporären Eggpunk aus der Ecke von, sagen wir mal, Prison Affair, Clarko, Snooper, Beer, Winky Frown, Завірюга, Midgee, Gobs and Goblin Daycare. Da bleibt kein Raum für Langeweile und man ahnt nie, was hinter der nächsten Ecke lauert auf diesem freakigen kleinen Tape.

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Ismatic Guru – An Incredible Amount Of Overwhelming Information

Schon wieder eine starke Veröffentlichung von Ismatic Guru aus Buffaly, NY, die wenn ich das richtig sehe, mal eben die komplette bisherige Diskografie der Band enthält, aber das primäre Interesse gilt hier natürlich den fünf neuen Songs mit denen die LP beginnt - seht den Rest einfach als netten Bonus, falls ihr das Zeug noch nicht gehört habt. Das frühe Material der Band fand ich ja noch von etwas wechselhafter Güte aber die Qualitätskontrolle hat sich seitdem spürbar verschärft und insbesondere die dritte EP war diesbezüglich schon ein bemerkenswerter Quantensprung. Hier ist jetzt also ihr fünfter Kurzspieler und erneut übertrumpfen sie darauf alle Vorgänger, haben nie zuvor so unangestrengt und selbstbewusst geklungen in ihren Mutant-Funk Post Punk-Klangentwürfen, die man auch als eine seltsam Egg-ifizierte Fusion beschreiben könnte zwischen einer funky Version von Landowner, frühen Minutemen und vielleicht auch noch The Pop Group? Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, das auch Bewunderer der Cartoon LP vom letzten Frühling da einen neuen Kick drin finden.

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Tics – Unmirrored Gaze

Köln's inzwischen schon ziemlich alteingesessene Art Punk-Institution Tics lässt mal wieder von sich hören und ihre neueste 7" auf dem lokalen Label Mörtelsounds präsentiert die Band in ihrer fokussiertesten und griffigsten Inkarnation seit einer guten Weile. Alle beweglichen Teile greifen hier nahtloser ineinander als je zuvor, wobei der Opener Clad Faun stiilistisch wohl noch am nähesten am Minutemen- und Gang Of Four-informierten Post Punk ihres frühen Schaffens gelagert ist. Gleichzeitig öffnen sie hier sich aber zunehmend auch einer Reihe von Einflüssen, von denen ich nicht wenige im Dischord-Universum der '90er verorten würde, und zwar einerseits dessen melodischere Auswüchse á la Fire Party und Autoclave, aber im weiteren Verlauf haben da sicherlich auch viele der "typischeren" Acts á la Jawbox, Hoover, Smart Went Crazy, Bluetip and Kerosene 454 Spuren hinterlassen, gemeinsam mit weiteren Kolossen der '90er wie Polvo, Unwound und Chavez. Gleichermaßen meine ich jedoch auch Echos jüngerer Ereignisse wahrzunehmen, etwa von australischen und neuseeländischen Bands wie Die! Die! Die!, Batpiss und Bench Press sowie auch von US-Bands der Marke Stuck oder Rip Room.

Gnats – Gnats

Ein bezaubernd seltsames kleines Biest, die zweite EP dieser Band aus Florida, die sich in etwa so ausläuft wie eine Verquirlung früher Siouxie, B-52s und Delta Five, transformiert in so eine Art schepperiger Urinals-Ästhetik, garniert mit einer ordentlichen Menge an verspieltem Eggpunk-Hirnfick. Als weiterer Vergleich fällt mir da spontan außerdem noch der grandiose LoFi-Art Punk von den New Yorkern Exo ein.

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