The Carp – Knock Your Block Off

Lange erwartet, ist hier endlich das Debütalbum der Art Punks The Carp aus Cleveland, Ohio, einer Band bestehend aus Leuten unter anderem mit Verbindungen zu Perverts Again, Knowso und Cruelster. Die meisten der Songs sind schon vom 2022er Demo geläufig, werden her aber mit deutlich polierteren Produktionswerten und angemessener Wucht präsentiert, wobei ihr Sound es sich irgendwo in der Lücke zwischen den Klangparametern von Knowso und Cruelster breit macht und die elaborierten und rigiden Strukturen ersterer mit dem Spaß und der Energie letzterer kombiniert und obendrein gibt's in The Old Ways noch einen Hauch von Cowpunk á la Murderer zu bestaunen.

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Pisse – Dubai

Was gibt es noch neues zu sagen über Pisse? Das schlechte Gewissen des deutschsprachigen DIY Punk hat mal wieder einen Batzen exzentrischer und wie immer ausgezeichneter neuer Songs in ihrer einzigartigen Fusion aus gleichermaßen angepisstem und quirligem Post-, Garage- und Synth Punk wie üblich ohne großes Getöse bei Bandcamp abgeladen und bald™ soll das ganze dann auch als LP via Phantom Records zu bekommen sein.

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Lohn Der Angst – Untergang Vom Untergang

Die zweite EP dieses Berliner Duos knüpft genau an der Stelle an, wo ihr Vorgänger aufgehört hat, bringt aber auch ein paar graduelle Verfeinerungen mit in ihrer Zelebrierung des repetitiven Synth Punk, der einerseits einige der Kernzutaten von so alten Haudegen wie Screamers, Units, Visitors, Nervous Gender, Minimal Man und den unvermeidlichen DAF vereint und bis auf die Knochen herunterkocht, andererseits aber auch ein stark krautig-motorisches Fundament hat über welchem deutlich der Geist von Conny Plank schwebt. All das fließt hier zusammen zu einer seltsamen Art von Krautrock-Suicide aus einem alternativen Realitätszweig.

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Fantasma – Single 2024

Die New Yorker Band wartet nach ihrem brillianten '23er Demo mit einer nicht weniger berauschenden neuen digitalen Single auf, deren zwei Songs definitiv zu wenig sind, um meinen Durst zu stillen nach mehr von ihrem in tiefste Melancholie getränkten Post Punk, den sie zu weit offenen Klanglandschaften auszuweiten verstehen mit filigran und komplex strukturierten Songfundamenten unter einer dichten Oberfläche reich an farbenfroh glitzernden Texturen und Details. Wie schon anlässlich ihres Demos kommen mir als naheliegendster Vergleich die Stadtnachbarn Straw Man Army in den Sinn, aber da verbergen sich auch noch ganz andere Elemente drin, insbesondere im zweiten Track Onde Eu Estou?, das einen sehr folkigen Unterton beinhaltet welcher mich gleichermaßen etwa an Angst erinnert wie auch an jüngere Bands wie die Neuseeländer Trust Punks oder deren in Berlin bestehende quasi-Nachfolgeband Dead Finks.

Cardi O. – No Singing No Dancing

Die Debüt-EP dieses Typen aus New York City ist von vorne bis hinten durchtränkt von widerspenstigen Seltsamkeiten, die einerseits den Geist der etwas gestörteren Zweige des frühen Hardcore Punk und Proto-Noise Rock á la Flipper und Broken Talent versprüht, kombiniert mit tonnenweise zufälliger Artefakte der '80er Kassettenkultur und ihrer Ärea der ungestörten Kreativität, die sich um nichts scherte weil ja eh kaum jemand zuhörte. Ebenfalls im Spiel ist hier ein unwahrscheinlicher Cowpunk-Vibe, der sich besonders in der Doppel-Attacke von The Carnal Boogie und No Singing No Dancing zeigt, sowie ein nicht weniger plemplem wirkender Anflug von Rockabilly und '50er Bubblegum Pop etwa in The Night Is Here und Four Kinds Of Lonely. Der Scheiß ist komplett entgleist und es handelt sich dabei um einen wunderschönen Unfall.

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Electric Prawns 2 – Rock and Roll’s Greatest Hits

Die Nachfolge-LP zu dem sperrigen Brocken von einem über zwei Stunden, 89 Tracks langen 2023er Machwerk Prawn Static For Porn Addicts von Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien fällt zwar schon ungleich kompakter ausm hat aber für aktuelle Garage-/Eggpunk-Verhältnisse immer noch großzügige fünfzehn freimütig Genre-Hopping betreibende Songs unter der Haube, die erneut die ungezügelte kreative Triebkraft dieser Band unter Beweis stellen. Der Opener Reflection glitzert mit einem familiären Vibe aus neonfarbener Psychedelia, den man so ähnlich auch bei so Bands wie Mononegatives oder Pow wiederfinden mag, oder vielleicht hat's auch einen Hauch von Isotope Soap? Was folgt ist ein endloses Feuerwerk aus all-killer-no-filler-Songkanonen von beachtlicher stilistischer Vielfalt, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten an so verschiedene Bands wie Ghoulies, Billiam, Nick Normal, Alien Nosejob, Erik Nervous oder Busted Head Racket zu erinnern vermögen, um nur eine Handvoll zu nennen. Das allerbeste sparen sie sich aber bis zum Schluss auf in Form des Rausschmeißer-Tracks Who I Am, der eindrucksvoll das Breitwand-Drama etwa von Wipers' Youth Of America oder God's Garage-One Hit Wonder My Pal herunterkondensiert zu einer ultrakompakten Hook-Orgie á la Split System. Holy shit, was ging denn da ab?

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Winky Frown – ;(

Hier kommt noch ein würdiger kleiner Eintrag in die Annalen des zeitgenössischen Eggpunk, der auf den ersten Blick vielleicht etwas zu simpel und konventionell wirken mag, bei genauerer Betrachtung aber eine unerwartet dichte Substanz offenbart. Der Krempel hat für mich etwas von einer Kreuzung aus dem quirligen Klugscheißer-Post Punk von Landowner mit den schnörkellosen Punk-Miniaturen jenes Typen, der unter anderem als Zhoop/Nightman/Brundle/RONi/etc. bekannt ist, genetisch adaptiert um in den unwahrscheinlichen Verhältnissen eines stark Egg-versifften Umfelds zu überleben.

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Cammy Cautious and the Wrestlers – CCATW

Die arschtretende neue EP dieser Band aus Sydney liefert Qualitätsware in Sachen kratzbürstigen Punkrocks, der Elemente aus Wipers-artigem Post Punk, ausgefuzztem Garage Punk, etwas Raketengetriebenem, Hot Snakes-infiziertem Postcore und einer leichten Spur von klassischem australischen First-Wave-Punk zu einem Gesamtwerk verwebt, dessen spezifische Qualitäten mich an ein absolut hochkarätiges Bündel aus Female-Fronted Punk-Angelegenheiten dieses und des vergangenen Jahrzehnts erinnert, das unter anderem die unbändigen kreativen Energien von so Bands wie Vexx, Fugitive Bubble, Warp, Dots, Gen Pop, Warm Bodies und Skin Tags beinhaltet.


Exo – Demo

Ein unglaublich starkes Debüt kommt hier von einer New Yorker Band angerollt, die darauf irgendwo zwischen den groben Parametern von Hardcore, Fuzz-, Art- und Post Punk pendelt. Nicht zuletzt wegen dem ausgesprochen psychedelischen Synth-Einsatz hier fühle ich mich besonders an noch so eine New Yorker Gruppe erinnert, nämlich an die Halluzinogenen Cowpunk-Albträume von Murderer. In einigen der freundlicheren Momente hingegen hat das unbestreitbar eine ähnliche Qualität zu gewissen Fuzz Punk-Acts des vergangenen Jahrzehntes á la Feature und Slowcoaches.

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Grimly Forming & Rolex – Split

Eine sensationelle neue Split-LP liefert uns endlich neues Material von zwei Bands aus Los Angeles, die sich von Anfang an jeweils den gängigen Regeln und Konventionen des Hardcore Punk verweigert haben. Von beiden hat man, abgesehen von jeweils einem halbgebackenen Promo-Tape in 2022, auch schon länger nichts "offizielles" mehr gehört, was diese Platte natürlich umso erfreulicher macht.

Rolex agieren hier mit der gewohnten Wucht in ihren unvorhersehbaren und unglaublich erfinderischen Postcore-Attacken, die einerseits Echos jüngerer Bands beinhalten wie z.B. Mystic Inane, Big Bopper, Brandy, Launcher und frühe Patti, andererseits aber auch klar in der Schuld stehen von alten Größen wie etwa Minutemen, Dicks and frühe Saccharine Trust (deren erstes Album Surviving You, Always verdammt noch mal endlich wiederveröffentlicht gehört... ein kriminell vernachlässigter Klassiker des frühen Postcore, seiner Zeit um Jahre voraus wenn ihr mich fragt). Dazu kommen noch vereinzelte Spuren von Cowpunk und ein konstanter Lumpy and the Dumpers-mäßiger Chaos-Faktor, der hier in einer total entgleisten Vocal-Performance gechannelt wird. Das Resultat ist pure Glückseligkeit und lässt keinen Zweifel daran, dass Rolex nach wie vor eine unverzichtbare Institution ihres speziellen Subgenres sind.

Die Seite von Grimly Forming bläst dann zu einer ungleich roheren, aber keineswegs weniger schlauen und unkonventionellen Attacke auf die Sinne, die unnachgiebige Wucht mit reichlich ausgeklügelten Konstruktionen ausbalanciert und einer großzügigen Dosis von garagigen Untertönen, die jederzeit für ordentlich Spaß und Antrieb sorgen.

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