Die zweite EP der Band aus San Francisco kommt zu uns aus der Schmiede der kranken Schreibtischtäter von Discontinuous Innovation Inc. und markiert eine beeindruckende Steigerung in Sachen Energie, Struktur, Eleganz und stilistischer Vielfalt nach einer bereits ausgesprochen appetitlichen Debüt-Cassingle in 2020. Im Jahr 2024 ruft ihre chaotisch-strukturierte Mischung aus Postcore, Post- und Art Punk mit einer mini-Dosis Garage mehr als je zuvor die schmeichelhaftesten Vergleiche hervor zu Krawallmachern im Fahrwasser etwa von Rolex, Patti, Reality Group, Big Bopper, Warm Bodies, Uranium Club und Brandy.
Songs über Autos haben gerada ja nicht so Konjunktur und ich würde sagen zurecht, denn die Zukunft gehört mal sowas von den Bahnen und Fahrrädern und das verschwenderischste aller persönlichen Transportmittel kann sich eigentlich kaum schnell genug aus unserem Alltag zurückziehen. Aber allem zum Trotz, hier ist noch mal eine ganze EP im Zeichen des unwahrscheinlichen Autopunk-Liedguts. Musikalisch tritt das durchweg Ärsche in einem verschrobenen Mix aus Art- und Garage Punk, dem ich mal einen ähnlichen Charakter zu so Genre-Hausnummern wie Vexx, Cel Ray, Warm Bodies, Warp oder Fugitive Bubble unterstellen möchte.
Ein dichtes, Noise-geladenes Post Punk-Spektakel entfaltet sich auf der Debüt-EP dieser Band aus Richmond, Virginia zu vier aufwändig konstruierten Songs, die jetzt schon einen voll ausgereiften und selbstsicheren Eindruck hinterlassen. Zeitweise hat das mal diesen gewissen Vibe von Straw Man Army, erweitert um subtile Spuren von Poison Ruïn. Andere Momente erinnern mich an einige der melancholischeren, Song-orientierten Post Punk-Acts des vergangenen Jahrzehnts wie frühe Estranged, Public Eye, Criminal Code, Bruised, VHS, Waste Man und sogar die Bollwerke Wymyns Prysyn und Institute/Mothers’s Milk aus Atlanta taugen als Vergleiche.
Knowso aus Cleveland, Ohio gehören klar zu den eigenwilligsten und einprägsamsten Bands der vergangenen paar Jahre. Auch ihr neuester Langspieler zeigt sie in ausgesprochen starker Verfassung. Ihre Verschmelzung aus Post Punk, Noise- und Math Rock ist genau so verschroben und wunderlich wie auch tight, rigide und kantig, kombiniert eine scheinbar sehr methodisch-mathematische herangehensweise mit einem Ausmaß an Spaß und Catchyness, wie man es in diesem Genre-Umfeld eher nicht erwarten würde. Diese Band dreht nach wie vor so ziemlich ihr eigenes Ding, aber wenn Vergleiche unbedingt sein müssen, dann bieten sich unter anderem so Bands wie Brandy, Landowner und Big Bopper an, oder vielleicht auch Nag in ihren etwas zugänglicheren Momenten.
Nach einer schon saumäßig appetitanregenden Debüt-EP im letzen Jahr präsentieren Sklitakling aus Bergen, Norwegen eine glatt nochmal stärkere erste LP, auf der sie den verschroben-schrammeligen Charme des Debüts beibehalten und gleichermaßen ihre stilistische Palette erweitern und verzweigen. Das Songwriting hat hier deutlich an Kontur gewonnen, die eigenwilligen Arrangements an Schärfe. Trotz ihrer norwegischen Herkunft erinnert mich das doch häufig mehr an die dänische Szene des vergangenen Jahrzehnts – die Kopenhagener Schule des Post Punk sozusagen – mit gewissen Anklängen an Bands wie Iceage, Melting Walkmen, Spines und erst neulich, Pleaser, die alle einen ähnlichen Sinn für Melancholie und Melodie haben. Dazu kommt hier aber noch ein starker Cowpunk-Vibe, der etwas von einer LSD-getränkten Variante von frühen Angst oder Gun Club hat, aber insbesondere auch Ähnlichkeiten zu der halluzinogenen, existenziellen Albtraumwelt von Murderer.
Was auch immer sich über diese Band aus Cincinnati, Ohio herausfinden lässt bleibt in einen dichten Nebel der Ungewissheit verhüllt und die etwas stereotypische Verliererband-Pseudobiographie auf der Bandcamp-Seite stärkt jetzt auch nicht gerade das Vertrauen in dessen Wahrheitsgehalt. Da sind also vermutlich Leute von Bands wie The Serfs, The Drin, Crime of Passing und Motorbike involviert und zumindest einige der Songs lassen sich ins Jahr 2019 zurückverfolgen, als sie erstmals auf der Pedestrian Sentiments EP erschienen sind. Darüber hinaus weiß ich aber nicht, inwiefern man den Details glauben schenken soll. Eins ist allerdings sicher: Die Musik tritt durchweg Arsch und bringt zumindest in gewisser Weise die Ästhetik, wechselhaften Produktionswerte und stilistische Breite der goldenen Guided By Voices-Ära in Erinnerung. Davon ab, oszilliert das Zeig so zwischen schrammeligem Power Pop im Geiste etwa von Bad Wettin‘ Bad Boys oder Bad Sports in Songs wie Coward Of The State, Wannabe (A Star) und Silver Queen; erdig-psychedelischem Garage Rock (Didn’t Win The Lottery, Obnoxious And A Neu) sowie ein paar catchy melodischen Garage Punk-Smashern á la Booji Boys, Tyvek and Parquet Courts. It’s Been A Bad Week ähnelt der Garage-getränkten Noise-Ästhetik von A Place To Bury Strangers, Peyton’s Kids hat so einen gewissen Woolen Men-Vibe und mehr als nur einmal fühle ich mich auch an den folkigen Post Punk von Chronophage erinnert.
Noch eine saustarke EP von Cel Ray aus Chicago, die hier genau da weitermachen wo sie mit der im Früjahr erschienenen Cellular Raymond EP aufgehört haben. Ich wiederhole mich hier, aber nach wie vor kommt mir ihr verspielter und erfinderischer Sound so rüber wie eine Kombination aus einigen der tollsten female-fronted Bands der vergangenen Dekade á la Vexx, BB and the Blips, Negative Scanner, Gen Pop or Amyl and the Sniffers einerseits, hat aber auch reichlich Echos der aktuellen Brut des verschnörkelten Garage-meets-Post Punk, repräsentiert durch Bands wie Uranium Club, Reality Group, Patti, Dumb or R.M.F.C..
Die vergangenen zwei EPs von Ismatic Guru aus Buffalo, New York waren schon eine durchaus spaßige, vielversprechende Angelegenheit aber auf ihrer neuesten Kassette greifen die Rädchen ihrer Musik erstmals so richtig ineinander zu einem tighteren Klangbild und einer deutlich ausgereifteren Vision. Ich würde mal sagen dass ihre Mischung grob in den Sphären von Garage-, Synth- und Eggpunk durchaus ihre eigene kleine Nische in einem dicht gedrängten Genre-Umfeld gefunden hat, indem sie die schnuckelig-verschrobene Klangästhetik mit reichlich funkiger Action und darüber hinaus ein paar krautig-psychedelischen Vibes anreichern – letztere werden besonders auffällig im ersten und letzten Track.
Diese Band treibt jetzt schon einige Jahre ihr Unwesen in der australischen Szene und ich bin irgendwie schon überrascht jetzt festzustellen, dass es sich hier erst um ihren ersten Langspieler handelt. Das Intro lockt erstmal auf eine falsche Fähre mit einem leicht Progressive-angehauchten Vibe, aber daraufhin fügt sich dann alles recht schnell wieder zu einer angenehm vertrauten Klangästhetik zusammen, einem Sound, der irgendwie durchweg die gegenwärtige Szene wiederspiegelt aber doch einzigartig innerhalb dieser bleibt mit seiner verwinkelten, filigranen und eleganten Mischung aus Post und Garage Punk, der perfekt die Balance aus Intelligenz und Spaß hält, jederzeit absolut entspannt klingt und dennoch einwandfrei nach vorne geht, bemerkenswert in seinen vielschichtigen Texturen und einer scheinbar mühelosen Darbietung. Gleichzeitig ist es dann noch ihe kompakteste, eingängigste Platte bisher geworden. Stellenweise kann man das mit mehr oder weniger gegenwärtigen Post Punk-Acts wie aktuellen Institute, Exit Group und Mononegatives vergleichen, in anderen Momenten mit der psychedelisch-abgespacten Variante davon á la Marbled Eye, Waste Man, Bruised oder Public Eye und nicht zuletzt noch mit verspielten, cleveren Garage Punk-Bands vom Schlage Erik Nervous, Clarko, Tee Vee Repairman, Mononegatives, Pinch Points, Dumb, Uranium Club, Reality Group… ich kann so gar nicht aufhören mit dem hochkarätigen Namedropping. Die Scheiße regelt!
Der vierte Langspieler dieser Band aus Portland verfeinert weiter ihre explosive Formel für stark Noise- und leicht Garage-infizierten Postcore zu ihrem bislang ausgefeiltesten Werk, in dem ihre hyperaktive Vision des strukturierten Chaos‘ konstant neue Formen annimmt und neue Hindernisse in den Weg wirft, die ihrerseits wieder zu spannenden Manövern führen. Auch wenn sich hier keine zwei Songs allzu sehr gleichen, kommen mir doch so Bands wie die diversen Inkarnationen der New Yorker Kaleidoscope, frühe Bad Breeding und Acrylics besonders häufig in den Kopf, aber auch so Zeug á la Crisis Man, frühe Video und Ascot Stabber taugt an manchen Stellen als nicht zu weit her geholter Vergleich.