Motorbike – Kick It Over

Hatte ihre 2023er Debüt-LP noch mehr den Charakter einer bunt gemischten Tüte voll unterschiedlicher Styles und Geschmäcker, kommt das neue Album deutlich homogener daher von dieser Band aus Cincinnati, Ohio, in der unter anderem Mitglieder von The Drin, The Serfs, Vacation und Crime Of Passing mitmischen. Der rote Faden hier ist ein vergleichsweise schmieriger, hardrockiger Garage Punk-Sound, der vereinzelt auch mal die Grenzen zum Dungeon- und Motörpunk-Territorium ankratzt und starke Parallelen zu so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Cheap Heat, Pïss Bäth oder auch einer Reihe von australischen und neuseeländischen Bands wie Hög, Polute, Split System aufweist, oder vielleicht auch zu Alien Nosejob's Sleaze Rock-LP Stained Glass vor geraumer Zeit. Dennoch ist hier noch reichlich Raum für Nuancen und Abwechslung. Currency hat einen starken Feel von klassischen Saints, Radio Birdman und Scientists während Afraid Of Guns antriebsstarke Power Pop-Harmonien mit psychedelischen Obertönen und Texturen anreichert. Und wo wir schon bei letzteren sind: Im krautig-abgespaceten Gears Never Dry werden mal die Connections zu The Drin ziemlich offensichtlich. Quite Nice und im etwas geringeren Maße What Have I Done versprühen einen vernebelten, leicht Cowpunk-mäßigen Heartland Rock-Vibe, Nie Wrócimy hat ein bisschen von einer MX-80 Proto-/Art Punk-Energie und dann wären noch die vier Bonus Tracks der digitalen Ausgabe nicht zu unterschlagen, unter denen etwa die power-poppigsten Songs des Albums - Error und Flowers - sowie das stark Wire-infizierte Ffion besonderer Erwähnung wert sind.

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Dumbells – Up Late With

Der neueste Release auf dem konstant brillianten Total Punk-Sublabel Mind Meld ist erneut ein erstaunliches Unikat von den äußeren Rändern des erweiterten Garage Punk-Universums, erschaffen von einer Band aus Sydney, die unter anderem Mitglieder von Shrapnel, Gee Tee und Satanic Togas mit an Bord hat, wobei Schrapnel aber die offensichtliche Referenz hier sind angesichts dieser eleganten und vollendeten Kompositionen aus zeitlosem Art Rock, Jangle- und Power Pop mit vagen Echos etwa von The Soft Boys, The Bevis Frond, Television und nicht zuletzt auch von jüngeren Phänomenen wie z.B. Treehouse, Honey Radar, Good Flying Birds, Kitchen's Floor, Chronophage oder Violent Change.

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Nylon – Inflatable World

Nach einer kurzen, auf ihrer ersten EP dokumentierten Experimentierphase kam diese Band aus New Jersey mal so richtig in die Gänge auf einer Split-EP mit Operants und nachfolgend einer weiteren starken 2-Track Single. Ihr neuester Kurzspieler erhöht die Messlatte ein weiteres mal für ihren Mix aus Garage Punk und verwinkeltem Post Punk mit Egg-Zusatz, der hier so selbstbewusst und mühelos rüberkommt wie nie zuvor und an solche Boten des verspulten Chaos erinnert wie etwa Skull Cult, Pressure Pin, Trashdog, Checkpoint, Patti, Titanium Exposé, Reality Group, Big Bopper oder Belly Jelly.

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Famous Logs In History – Mind The Bollards

Die neueste Langspielkassette dieser New Yorker übertrifft mal jede Erwartung meinerseits und markiert einen riesigen Sprung vorwärts von ihrem schon saumäßig guten Vorgänger, der Fancy! EP aus dem Jahr 2022. Transportierte jene noch eine etwas schnuckelig anmutende powerpoppige und New Wave-ige Qualität, kommen die neuen Songs in gleichem Maße abstrakter und reifer daher. Weniger Television Personalities und mehr '80er The Fall in ihrem repititiven Minimalismus, aber dennoch erscheint hier alles raffiniert und sorgfältig konstruiert und channelt dabei die Ästhetischen Eggpunkte von altem britischem DIY á la Desperate Bicycles, Membranes, Swell Maps oder den frühen Mekons. Gleichsam verbindet aber auch eine dichte tragende Schicht aus Melancholie einige zentrale Punkte dieser Platte und erinnert dabei an so einen gewissen Strang von australischen Bands wie Wireheads, Kitchen's Floor und den getrageneren Momenten von Eddy Current Suppression Ring. Auch ein brauchbarer Referenzpunkt wäre dann noch eine weitere nicht so bekannte "famous" Band - Famous Mammals aus Philadelphia - zusammen mit einem bunten Strauß weiterer schepperiger US-Post- und Art Punk-Acts wie etwa Society, Germ House, Spiral Rash und Toe Ring.

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Jocks – Speedbuster

Auf dieser Debüt-Kassette mit dem Qualitätssiegel der verlässlichen Detroiter Kassettenklitsche Painters Tapes zieht eine Band irgendwo aus Ohio nicht weniger ab als höchstwertige, waffenfähige Synth Punk-Exzellenz und Gitarren-freie Zone, die einen Bogen schlägt von oldschool-Acts der '70er und '80er wie Nervous Gender, Units, Visitors and Screamers einerseits, zu einer Reihe von jüngeren, variabel eiermäßigen Bands in einem Spektrum zwischen dem hyperaktivem Ansatz etwa von Checkpoint, Titanium Exposé, Pressure Pin und dem minimalistischeren Schaffen von Beef, Busted Head Racket - und nicht zuletzt auch einigen Bands zwischen diesen Welten wie Quitter, Slimex, Isotope Soap, frühen Freak Genes oder auch Billiam's Synth Punk-Project NTSC>PAL.

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96 Cougar – Forklift Rodeo

Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi... das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.

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Piggy Bank – Pattern Recognition

Die Debüt-EP dieser Band aus Portland ist stilistisch eine ziemlich gemischte, aber durchweg brilliante Tüte. Die ersten zwei Songs gehen in die Richtung von verwinkeltem Garage- und Post Punk, der eine delikate Balance hält zwischen dissonanten Texturen und supereingängigen Hooks wie man es so ähnlich schon von so Bands wie Reality Group, Print Head, frühen R.M.F.C., Exit Group and Beef gehört hat. Technology Discriminates Against The Poor klingt daraufhin ein bisschen nach einer krautigen Variante von Spray Paint kombiniert mit dem spacigen Garage Punk von Mononegatives oder späten Useless Eaters. False Reality erinnert mich am stärksten an den nicht weniger abgespaceten Garagenlärm von Pow!, während Identity einen catchy-quirligen Minimalismus so á la Busted Head Racket oder Daughter Bat and The Lip Stings versprüht. Beat Struggle taucht dann ganz ein in die motorisch-krautigen Vibes bevor die EP ihren angemessen wertigen Abschluss verpasst bekommt mit einer gelungenen Coverversion der alten Niederländer Ivy Green und den walzenden Grooves des Synth Punk-Schwelbrandes Conflict Driven Entertainment.

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Butter Swamp – Punk-Sure!

Hey, habt ihr alle schon gehört vom tragischen Tod des Eggpunk? Ja sicher, habt ihr, aber es scheint dass Butter Swamp aus Appalachia, Virginia das Memo noch nicht bekommen haben. Ey ihr, habt ihr es nicht gehört? Es schickt sich seit letzter Woche nicht mehr für Punks, solche Musik zu machen! Ach je, ich schätze mal unser Ex-Lumpy wird sich dann doch noch etwas länger mit den Zombies seiner eigenen fernen Vergangenheit arrangieren müssen und diese EP wird er dann vermutlich nicht so toll finden. Aber was mich angeht... ich mag meinen Punk am liebsten schön tot und verrottet. Möge er noch tausend Tode sterben, so lange ich noch atme!

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The Martha’s Vineyard Ferries – Decorations / Context

Auf ihrer neuesten und - soweit ich weiß - einzigen 7" bisher, geht die sporadisch aktive Post Punk/-core Supergroup ein bisschen lärmiger und roher zur Sache als wir es im Schnitt von ihnen gewohnt sind und ich sag mal das passt mir ganz wunderbar in den Tee. Die A-Seite kommt dabei etwa so rüber wie ein verschollener Wipers-Outtake, performt von einer Fusion aus Scratch Acid und Feedtime, während die B-Seite eine überaus kompetente Coverversion eines ausgesprochen ikonischen Songs von Strike Under ist. Da gibt's einfach nichts zu kritisieren an dieser perfekten kleinen Punksingle!

Raya – Malas Noticias

Das dritte Kurzform-Artefakt der Band aus Madrid ist ihr stärkstes bisher würde ich mal sagen und liefert zwei explosive neue Ladungen von etwas, das man ganz ohne Not als Eggpunk bezeichnen kann, wie er im Buche steht und in einer Reihe mit so Bands wie Beta Máximo, Beer, Pringue, Prison Affair, Möney, Goblin Daycare und Hugayz. Aber so sehr die Ästhetik hier auch vordefiniert scheint, bringen Raya doch genug eingene Substanz zum Klingen um auf eigenen Beinen zu stehen. Niebla ist hier das wahre Highlight, das sich traut etwas beherzter auf die Zwölf zu hauen und in etwas dunklere Abgründe hinein zu schauen als wir es von der durchschnittlichen Genre-Veröffentlichung gewohnt sind in Form einer perfekten Post Punk-Miniatur.