Fugitive Bubble – What Will Happen If We Stop?

Die Band aus Olympia, Washington war schon immer eine aufregende Achterbahnfahrt mit ihren zwei vergangenen EPs und einem Langspieler, allesamt erschienen auf der immer exzellenten Kassettenschmiede Impotent Fetus. Nach einer Wiederveröffentlichung des ersten Albums auf Vinyl via Sorry State Records, ist nun auch dessen Nachfolger wieder bei dem Punkbollwerk aus Raleigh, North Carolina erschienen und wie es zu erwarten war bleibt ihre hyperaktive Mischung aus Art- und Garage Punk, Hard- und Postcore eine spannende und überwältigende Attacke auf die Sinne. Gleichermaßen unvorhersehbar, schlau konzipiert und abwechslungsreich, erinnert mich das vereinzelt mal an etwas unkonventionellere alte Punk- und Hardcore-Hausnummern wie Tragic Mulatto (ganz besonders in Failed Experiment), Really Red und Saccharine Trust einerseits, aber nicht weniger auch an jüngere Phänomene wie Mystic Inane, Warm Bodies, Launcher, Vexx, Rolex, Cucuy oder Big Bopper.

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Dad Joke – How Many Songs Can You Handle This Night

Diese Kroatier brauchten nicht lange um mich vorbehaltlos für ihre Sache zu gewinnen angesichts ihrer spaßigen Garage Punk-Mischung aus cowpunkigen X (US) und Gun Club-Vibes, Angst-artigen Folk Punk einsprengseln und tonnenweise von Minutemen-mäßigen, freidrehenden funky Post Punk-Schrägheiten, die mich an eine Reihe gegenwärtiger Acts erinner wie Ismatic Guru, Patti, Tyvek, Print Head und Shark Toys, während der quasi-Theme Song Dad Joke sich ein bisschen nach einem Zeisprung zu alten DIY-Briten á la Mekons, Television Personalities und Desperate Bicycles anfühlt.

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Snooper – Unknown Caller

Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei "richtigen" neuen Songs sind jedoch mal wieder 'ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song "Subdivision" von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.

20 Minutes – Sucks

Na das ist mal hochkarätiger Scheiß, die zweite LP von dieser Band aus dem kleinen Städtchen Domodossola in Piemont, Italien. Darauf kreieren die einen absolut mitreißenden, hochenergetischen Sound zwischen den Eckpunkten von Garage- und Art Punk, der gleichermaßen Inspiration zu ziehen scheint aus alten KBD-mäßigen Artefakten wie auch aus dem Schaffen ungleich verkopfterer Post Punk-Acts wie Mission Of Burma, Moving Targets und Volcano Suns, zusammengehalten von den Schrauben und Nieten ultrasolider Songkonstruktion. Darüber hinaus gibt es in Songs wie Ping Pong, Punching Me und Licking Nipples auch noch ein paar unerwartete Hardcore-Ausbrüche zu bewundern. Muss schon sagen, falls die Typen tatsächlich dem Titel gemäß total saugen, dann saugen sie genau richtig für meine abnormalen Vorlieben!

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Motorbike – Kick It Over

Hatte ihre 2023er Debüt-LP noch mehr den Charakter einer bunt gemischten Tüte voll unterschiedlicher Styles und Geschmäcker, kommt das neue Album deutlich homogener daher von dieser Band aus Cincinnati, Ohio, in der unter anderem Mitglieder von The Drin, The Serfs, Vacation und Crime Of Passing mitmischen. Der rote Faden hier ist ein vergleichsweise schmieriger, hardrockiger Garage Punk-Sound, der vereinzelt auch mal die Grenzen zum Dungeon- und Motörpunk-Territorium ankratzt und starke Parallelen zu so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Cheap Heat, Pïss Bäth oder auch einer Reihe von australischen und neuseeländischen Bands wie Hög, Polute, Split System aufweist, oder vielleicht auch zu Alien Nosejob's Sleaze Rock-LP Stained Glass vor geraumer Zeit. Dennoch ist hier noch reichlich Raum für Nuancen und Abwechslung. Currency hat einen starken Feel von klassischen Saints, Radio Birdman und Scientists während Afraid Of Guns antriebsstarke Power Pop-Harmonien mit psychedelischen Obertönen und Texturen anreichert. Und wo wir schon bei letzteren sind: Im krautig-abgespaceten Gears Never Dry werden mal die Connections zu The Drin ziemlich offensichtlich. Quite Nice und im etwas geringeren Maße What Have I Done versprühen einen vernebelten, leicht Cowpunk-mäßigen Heartland Rock-Vibe, Nie Wrócimy hat ein bisschen von einer MX-80 Proto-/Art Punk-Energie und dann wären noch die vier Bonus Tracks der digitalen Ausgabe nicht zu unterschlagen, unter denen etwa die power-poppigsten Songs des Albums - Error und Flowers - sowie das stark Wire-infizierte Ffion besonderer Erwähnung wert sind.

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Dumbells – Up Late With

Der neueste Release auf dem konstant brillianten Total Punk-Sublabel Mind Meld ist erneut ein erstaunliches Unikat von den äußeren Rändern des erweiterten Garage Punk-Universums, erschaffen von einer Band aus Sydney, die unter anderem Mitglieder von Shrapnel, Gee Tee und Satanic Togas mit an Bord hat, wobei Schrapnel aber die offensichtliche Referenz hier sind angesichts dieser eleganten und vollendeten Kompositionen aus zeitlosem Art Rock, Jangle- und Power Pop mit vagen Echos etwa von The Soft Boys, The Bevis Frond, Television und nicht zuletzt auch von jüngeren Phänomenen wie z.B. Treehouse, Honey Radar, Good Flying Birds, Kitchen's Floor, Chronophage oder Violent Change.

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Nylon – Inflatable World

Nach einer kurzen, auf ihrer ersten EP dokumentierten Experimentierphase kam diese Band aus New Jersey mal so richtig in die Gänge auf einer Split-EP mit Operants und nachfolgend einer weiteren starken 2-Track Single. Ihr neuester Kurzspieler erhöht die Messlatte ein weiteres mal für ihren Mix aus Garage Punk und verwinkeltem Post Punk mit Egg-Zusatz, der hier so selbstbewusst und mühelos rüberkommt wie nie zuvor und an solche Boten des verspulten Chaos erinnert wie etwa Skull Cult, Pressure Pin, Trashdog, Checkpoint, Patti, Titanium Exposé, Reality Group, Big Bopper oder Belly Jelly.

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Famous Logs In History – Mind The Bollards

Die neueste Langspielkassette dieser New Yorker übertrifft mal jede Erwartung meinerseits und markiert einen riesigen Sprung vorwärts von ihrem schon saumäßig guten Vorgänger, der Fancy! EP aus dem Jahr 2022. Transportierte jene noch eine etwas schnuckelig anmutende powerpoppige und New Wave-ige Qualität, kommen die neuen Songs in gleichem Maße abstrakter und reifer daher. Weniger Television Personalities und mehr '80er The Fall in ihrem repititiven Minimalismus, aber dennoch erscheint hier alles raffiniert und sorgfältig konstruiert und channelt dabei die Ästhetischen Eggpunkte von altem britischem DIY á la Desperate Bicycles, Membranes, Swell Maps oder den frühen Mekons. Gleichsam verbindet aber auch eine dichte tragende Schicht aus Melancholie einige zentrale Punkte dieser Platte und erinnert dabei an so einen gewissen Strang von australischen Bands wie Wireheads, Kitchen's Floor und den getrageneren Momenten von Eddy Current Suppression Ring. Auch ein brauchbarer Referenzpunkt wäre dann noch eine weitere nicht so bekannte "famous" Band - Famous Mammals aus Philadelphia - zusammen mit einem bunten Strauß weiterer schepperiger US-Post- und Art Punk-Acts wie etwa Society, Germ House, Spiral Rash und Toe Ring.

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Jocks – Speedbuster

Auf dieser Debüt-Kassette mit dem Qualitätssiegel der verlässlichen Detroiter Kassettenklitsche Painters Tapes zieht eine Band irgendwo aus Ohio nicht weniger ab als höchstwertige, waffenfähige Synth Punk-Exzellenz und Gitarren-freie Zone, die einen Bogen schlägt von oldschool-Acts der '70er und '80er wie Nervous Gender, Units, Visitors and Screamers einerseits, zu einer Reihe von jüngeren, variabel eiermäßigen Bands in einem Spektrum zwischen dem hyperaktivem Ansatz etwa von Checkpoint, Titanium Exposé, Pressure Pin und dem minimalistischeren Schaffen von Beef, Busted Head Racket - und nicht zuletzt auch einigen Bands zwischen diesen Welten wie Quitter, Slimex, Isotope Soap, frühen Freak Genes oder auch Billiam's Synth Punk-Project NTSC>PAL.

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96 Cougar – Forklift Rodeo

Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi... das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.

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