Yammerer - Reality Escape Resort

Zwei Vor­ab­tracks ha­ben schon or­dent­li­che Er­war­tun­gen ge­schürt für die De­büt-EP die­ser ver­mut­lich bri­ti­schen Band und auch der Rest der EP zeigt, dass hier nicht zu­viel ver­spro­chen wur­de. Es brei­tet sich ein ru­he­lo­ser Klang­tep­pich aus Ga­ra­ge Punk mit für Gen­re­ver­hält­nis­se un­ge­wöhn­li­chem Breit­wand­fee­ling aus, ein biss­chen als trä­fen jüngs­te Ura­ni­um Club auf Ra­dio Bird­man und Mo­dern Lo­vers - er­gänzt um ei­ni­ge MX-80-mä­ßi­ge Ver­schro­ben­hei­ten. Der epi­sche Raus­wer­fer Sea­sons 13-31 hat sich au­ßer­dem si­cher noch ein paar Schei­ben bei den Wi­pers, ins­be­son­de­re bei Youth Of Ame­ri­ca, ab­ge­schnit­ten.

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Italia 90 - III

Auch wenn in den letz­ten Jah­ren deut­lich mehr Rum­mel um an­de­re bri­ti­sche Bands aus ih­rem mu­si­ka­li­schem Spek­trum ge­macht wur­de, ver­kör­pert kaum ei­ne Band so sehr die See­le und DIY-At­ti­tü­de der Sze­ne und ei­nen nach­drück­li­chen Ap­pell an das ver­dräng­te, schlech­te Ge­wis­sen ei­ner Ge­sell­schaft wie die Lon­do­ner Art-/Post­punk-For­ma­ti­on Ita­lia 90. Es ist lang­sam echt mal an der Zeit, dass mehr Leu­te auf sie auf­merk­sam wer­den. Wie ge­habt hö­re ich hier vor al­lem Echos al­ter bri­ti­scher Post Punk Haus­num­mern wie Cri­sis, Mem­bra­nes, Swell Maps und frü­he Me­kons raus. Gleich­zei­tig baut die Band ihr Klang­spek­trum aber wei­ter aus. Wenn Punk­bands ei­nen auf lang­sam ma­chen, en­det das meis­tens in ei­nem schreck­li­chen Un­fall. Aber er­staun­li­cher Wei­se sind die zwei lang­sams­ten und lei­ses­ten Mo­men­te die ein­deu­ti­gen High­lights die­ser EP. In Open Vains kol­li­diert da­bei die mil­de Dar­bie­tung mit ei­ner mar­kerschüt­tern­den An­kla­ge, was in die­ser Kom­bi­na­ti­on ein we­nig an ak­tu­el­le Pro­tomar­tyr er­in­nern mag. Der Raus­schmei­ßer Against The Wall hat hin­ge­gen ei­nen ge­wis­sen psy­che­de­li­schen Un­ter­ton mit Wire so an­no Chairs Mis­sing ge­mein.

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Patti - Good Big

Mit zwei EPs vol­ler glor­rei­chem Cha­os ha­ben Pat­ti aus Oak­land schon län­ger für Auf­hor­chen ge­sorgt. Jetzt ist ihr Lang­spiel­de­büt via ETT zu be­kom­men und im­mer noch droht ih­re Mu­sik kei­nes­falls nor­mal zu wer­den. Im Ge­gen­teil, sti­lis­tisch sind ih­re Zu­ta­ten noch wil­der über die Stre­cke von 16 Songs ver­teilt als das bis­her eh schon der Fall war. Gleich­zei­tig kom­men ih­re Ar­ran­ge­ments aber noch mal auch ein gan­zes Stück aus­ge­reif­ter rü­ber, an­ge­feu­ert von ei­ner ent­schlos­se­nen Groo­ve­kom­pa­nie, tigh­ter als es je­ne Ho­sen heu­te sind, dir mir vor ge­rau­mer Zeit mal um den Arsch ge­passt ha­ben. Ver­glei­che kann man un­ter an­de­rem zie­hen zu den ro­tie­ren­den Mi­kro­groo­ves aus dem Hau­se Ura­ni­um Club. Dem ver­win­kelt-ver­spiel­ten Art­punk der Li­thics. Tanz­ba­rem Post­punk der Slumb Par­ty- oder N0­V3L-Va­rie­tät. Im­mer wie­der scheint ein fun­ki­ger Mi­nu­te­men-Vi­be durch, ver­ein­zelt auch mal ein 90er Di­schord-Ver­satz­stück zwi­schen sehr spä­ten Fu­ga­zi und dem kan­ti­gen Math Rock von Far­aquet. Oh, und ein­ge­klemmt zwi­schen all die­sem Ge­rüm­pel stre­cken auch De­vo mal vor­sich­tig die Na­se her­aus. Al­so wie ge­habt, ei­ne Schwei­ne­rei von höchs­tem Ge­nuss­fak­tor.

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Hobocop - Hungry Freak In The Data Mine

Die Band aus Oak­land hat mal schlap­pe fünf Jah­re ge­braucht nach ih­rer De­büt-EP auf Slo­ven­ly Re­cord­ings, um ei­nen Nach­fol­ger an den Start zu brin­gen. Der ist da­für aber ab­so­lut bril­li­ant ge­ra­ten und des­ori­en­tiert er­neut mit ei­nem wun­der­voll schrä­gen Klang­bild in dem z.B. ex­zen­tri­scher Ga­ra­gen­krem­pel á la Wire­heads und UV Race mit die­ser leicht sprö­den Sor­te von Art Rock zu­sam­men­fließt, wie man ihn der­zeit vor­nehm­lich aus der DIY-Sze­ne von Port­land und de­ren Bands wie Ho­ney Bu­cket und Shop Re­gu­lars ver­nimmt. Da­zu kom­men dann noch psy­che­de­li­sche Vi­bes - et­wa so Pink Flag in ei­nem Müll­con­tai­ner auf­ge­nom­men - und noch wei­te­re bri­ti­sche Alt­las­ten auf der Schwel­le von Art- und Post Punk drü­cken hier re­gel­mä­ßig auf die Klin­gel. Swell Maps fal­len mir da ein, au­ßer­dem The Fall und Mem­bra­nes - je­weils in ih­ren frü­hen Jah­ren. Und lan­ge hab ich kei­ne Plat­te mehr ge­hört, die der­art ef­fek­ti­ven und be­wuss­ten Ge­brauch von ih­rer char­man­ten Lo­Fi-Äs­the­tik macht.

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Italia 90 - II

Nicht mehr wirk­lich neu, aber jetzt end­lich un­kom­pli­ziert in di­gi­tal und vol­ler Län­ge zu be­kom­men ist die ak­tu­el­le EP der Lon­do­ner Post­punk-For­ma­ti­on. Dar­auf klin­gen sie et­was zu­gäng­li­cher und kon­tem­po­rä­rer als je zu­vor, oh­ne da­bei aber die kan­ti­ge At­ti­tü­de über Bord zu wer­fen. Was da ein­ge­rahmt von den schon län­ger be­kann­ten Über­songs Tou­rist Es­ta­te und New Fac­to­ry pas­siert ist je­des klei­ne Stück so ei­gen­wil­lig und aus­ge­zeich­net wie man es von die­ser Band in­zwi­schen er­war­ten darf.

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Proto Idiot - Find Out For Themselves

Auch die neu­es­te Plat­te der lie­bens­wer­ten Spa­cken aus Man­ches­ter be­sticht wie­der mit ei­nem spa­ßi­gen wie auch aus­ge­wo­ge­nen Mix aus Ga­ra­ge Punk, Art Punk und Punk Punk, dem noch stär­ker als zu­vor auch ein be­tont bri­ti­scher 77er-Ge­ruch ent­weicht. Sound­mä­ßig geht's dies­mal eher ge­rad­li­nig und et­was dre­cki­ger zu als auf dem Vor­gän­ger und die Ly­rics hal­ten mal wie­der die Ba­lan­ce zwi­schen Fuchs­schlau und Stroh­dumm, was sich in der Sum­me zu so et­was mit­tel­schlau­em aus­gleicht. Wie im ech­ten Le­ben.

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Fruit & Nut - Answers To Come

Fruit & Nut ha­ben schon vor drei­ein­halb Jah­ren sehr über­rascht mit ih­rem ers­ten Tape und ei­nem schwie­rig ein­zu­ord­nen­den Sound. Auch der Nach­fol­ger da­von ent­zieht sich al­len Ein­ord­nungs­ver­su­chen mit sei­nen am­bi­tio­nier­ten, ja fast schon pro­gres­si­ven Song­struk­tu­ren und ei­ner of­fen­bar recht eklek­ti­zis­ti­schen Pa­let­te von Ein­flüs­sen. Die auf der Band­camp­sei­te ge­nann­ten No Trend er­schei­nen da schon plau­si­bel, er­klä­ren aber auch nur ei­nen Bruch­teil des­sen was ich hier zu hö­ren be­kom­me.

Eat - Dance and Die /​ Shit

Gleich zwei schön ge­stör­te Tapes hat zu­letzt die­se Band aus Phil­adel­phia raus­ge­hau­en, voll­ge­macht mit kru­dem Dreck, der sich gut mit so man­chen Pio­nie­ren des Art­punk, No Wa­ve und Pro­to-Noi­se­rock as­so­zi­ie­ren lässt. Ir­gend­wo zwi­schen Feed­ti­me-Mo­no­to­nie und Flip­per-Hirn­fick; au­ßer­dem steht das z.B. MX-80, Mental­ly Ill, Mem­bra­nes und Half Ja­pa­ne­se nicht all­zu fern.

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Co-op - III

Nach der ziem­lich gei­len EP vor an­dert­halb Jah­ren war es man höchs­te Zeit für neu­es Ma­te­ri­al der Band aus Van­cou­ver. Das wirkt im Ge­samt­ein­druck et­was un­fo­kus­sier­ter, was wohl vor al­lem an den drei In­stru­men­tal­stü­cken und In­ter­lu­des liegt, die den Fluss des Al­bums eher un­ter­bre­chen als ihm dien­lich zu sein. Lässt man eben je­ne aus, bleibt eber er­neut ei­ne aus­ge­zeich­ne­te EP üb­rig. Wie ge­habt trifft in ih­rem Art- und Post Punk ela­bo­rier­te Song­ar­chi­tek­tur auf Wire-Mi­ni­ma­lis­mus und psy­che­de­li­sche Zu­ta­ten, die mich an Paint Thin­ner er­in­nern. An­de­rer­seits kann es auch mal ein we­nig nach Bam­ba­ra oder Pro­tomar­tyr in ih­ren et­was kan­ti­ge­ren Mo­men­ten klin­gen.

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Drahla - Useless Coordinates

Die Post-/Art­punk-Ka­pel­le aus Leeds hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ja schon mit drei EPs für reich­lich Auf­se­hen ge­sorgt und sich da­bei qua­li­ta­tiv mit je­der Ver­öf­fent­li­chung deut­lich ge­stei­gert - und da­bei war schon die ers­te da­von sau­gut. Die­ser Auf­wärts­trend wird auch mit ih­rem Lang­spiel­de­büt fort­ge­führt, des­sen Song­struk­tu­ren und Ar­ran­ge­ments so per­fekt aus­ba­lan­ciert, bis ins kleins­te De­tail aus­for­mu­liert und ef­fek­tiv rü­ber kom­men wie kaum et­was, das ich in letz­ter Zeit zu Ge­hör be­kam. Zum Ein­stieg gibt es wie­der die von den EPs be­kann­ten So­nic Youth-Gi­tar­ren zu hö­ren, man kann leich­te An­flü­ge von Jaw­box oder ak­tu­el­le­ren Noi­sero­ckern wie Tu­nic ver­nah­men. Von all dem ent­fer­nen sie sich aber zu­neh­mend im Lau­fe des Al­bums. Stel­len­wei­se er­in­nert mich der Sound dann stark an die New Yor­ker Pill, al­ler­dings ver­schweißt mit dem kräf­ti­gen Mo­tor von Dri­ve Li­ke Je­hu. Star­ke Plat­te.

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