Diese Band aus Santa Ana, Kalifornien erzeugt kurze, in dreckigen KBD-Vibes gewälzte Lärmfetzen, zu gleichen teilen im oldschooligen Garage- und Hardcoregedöns beheimatet mit einem gelegentlichen Hauch von Gun Club. Das ist auch nicht ganz unähnlich zu Neo Neos oder Maestro Voltaire’s diversen Hardcore-Projekten, frühem Erik Nervous und vielleicht einem leichten Touch von Launcher… gemeinsam verhackstückt mit irgendeinem prachtvollen Unfall von jener Art, die genau so gut auf irgendeiner Deluxe Bias oder Impotent Fetus-Veröffentlichung passiert sein könnte.
Die ruhelose Szene von Montreal hat mal wieder etwas verstörendes auf Lager für den anspruchsvollen Genießer von kaputtem Garage-/Post-/Egg-/ADHS-Punk und meine liebe Fresse, ist das mal wieder eine wundervolle, wild in alle Richtungen ausfransende Schweinerei, zusammengeplündert von all den richtigen Auswüchsen jüngerer Punk-Kuriositäten im groben Umfeld etwa von Print Head, Reality Group, Patty, Slimex, Big Bopper oder Skull Cult.
Als die verzaubernde 2020er Debüt-EP dieses New Yorker Typen gelandet war, hatte ich noch keinen blassen Schimmer, wer hinter diesen entrückten Klängen stecken könnte. Stellt sich heraus: Es ist niemand geringeres als Moses Brown, anderweitig bekannt als die Frontsau von Institute. Macht irgendwie Sinn, rückblickend… keine Ahnung warum ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Auf dem ersten Langspieler entfaltet sich jetzt ein etwas vollkörniger, aber nach wie vor ziemlich minimalistischer Sound in voller Bandbesetzung, der einfach wunderbar fehl am Platz wirkt – eine nebulöse Zeitkapsel falscher Erinnerungen, die frühe Stränge des Proto-, Art- und Post Punk zu einem plausibel wirkenden Mandela-Effekt verwebt.
Der zweite Langspieler (abgesehen vom letztes Jahr erschienenen Her Majesty’s Ship OST) dieses New Yorker Duos mit Verbindungen zu der guten Hardcore-Hausnummer Kaleidoscope schlägt soundmäßig eine etwas dunklere, sperrigere Richtung ein, die vom Hörer ein bisschen Geduld einfordert, aber auch ordentlich belohnt. In der aktuellen Landschaft gibt es einfach keine andere Band wie Straw Man Army und die beiden sind weiterhin eine der wenigen Bands, die den Postcore/Art Punk/Post Punk-Komplex etwas weiterdenken, basierend auch auf einem umfassenden Verständnis seiner Vergangenheit. Letzeres beschert dann unter anderem auch das meines Erachtens definitive Highlight des Albums – einen langsamen Schwelbrand namens Beware, der in etwa so klingt als hätte man diverse Genre-Ecksteine vom Kaliber Chairs Missing und The Argument auf ihre absolute Essenz heruntergekocht.
Wieder ein exzellentes Klangartefakt von dieser Band aus Graz, die aber irgendwie mehr nach Berlin klingt und in der auch Leute von irgendwelchen anderen Bands mitspielen von denen du schon gehört hast… ich erinnere mich gerade nicht mehr welche und außerdem ist Feiertag und ich gerade zu Faul um nachzuschauen. Also Post Punk mit diesmal eher unterschwelligen Spuren von Death Rock. Ja, Berlinsound, erwähnte ich bereits… denkt dabei etwa an Diät, Pigeon und Clock Of Time, aber auch ein bisschen an US-Hausnummern á la Rank Xerox oder Institute. Kommt ungefähr hin, glaube ich.
Ich bin grad mal ziemlich weggeblasen von der Stärke der neuesten EP dieser Band, die sich scheinbar irgendwo im Umfeld der Leipzig/Berlin/Halle-Achse des guten Garage- und Post Punk rumtreibt. Das ist einfach mal hochkalibriger Garagenscheiß der melodischen Machart und kommt hier in einer angemessen rohen Klangästhetik daher, simpel und catchy und dabei ausgesprochen effektiv, durchweg liebenswert. Ein fest für Bewunderer etwa von Booji Boys, Sweet Reaper, Telecult… ja sogar eine Spur von Radioactivity und Marked Men ist da mit am Start.
Schutzbrillen aufsetzen, es walzt hier eine komplett ungewaschene Ladung des gepflegten oldschool Hardcore, solcher, der sich auch in der Garage sehr zuhause fühlt, auf ’ner EP einer Band aus Kansas City, welche scheinbar auch aus den gleichen Leuten besteht, die sonst als Dye ihr Unwesen treiben. Fans von so Krempel wie Fried E/m und Modern Needs werden das sicher befürworten und auch Freunde von etwas stärker zum Garage Punk tendierendem Lärm á la Launcher, Liquid Assets und Mystic Inane wollen da bestimmt ein halbes Pfund von mitnehmen.
Leckere neue EP der Punks aus Montreal, liefert drei hochinfektiöse neue Knaller ab. Zum Einstieg tritt energischer Garage Punk auf etwas Hardcore-Energie, etwa wie beschleunigte Useless Eaters oder Mononegatives, gefolgt von einem saumäßig effektiven Midtempo Post Punk-Stampfer mit leichtem Wire-Unterton. Der Rausschmeißer hat dann noch so einen leichten Screamers- und Devo-Vibe, auch nicht ganz unähnlich zu gegenwärtigen Isotope Soap.
Okay, also Egg Metal ist jetzt ohne Scheiß ein echtes Ding? Macht ja irgendwie auch Sinn – als die etwas niedlichere Kehrseite zur derzeit kräftig rollenden Welle des Dungeon Punk. Das klingt ein bisschen so als hätte eine besonders lo-fi mäßige Inkarnation von Sheer Mag bei ihrer jüngsten Verirrung in Richtung Hair Metal ein gesundes Minimum an Selbstironie an den Tag gelegt.
Keine Ahnung woher die jetzt kommen – die Bandcamp-Seite von La Vida Es Un Mus Discos erwähnt Bands aus Uruguay, die hier als Inspiration gedient haben sollen, also liegt da vielleicht auch dieser leckere Knochen verbuddelt? Das Facebook-Profil der Band könnte Aufschluss geben, aber heutzutage bleibe ich lieber für immer im Dunkeln als mich noch mal in diesen stinkenden Haufen Scheiße einzuloggen (echt jetzt mal Ficker, was macht ihr alle immer noch da? Bewegt eure Punkärsche endlich ins offene, kommerzfreie Fediversum und bringt eure Freunde mit!). Nu ja, wie dem auch immer sei, ich fühle mich sofort nicht nur wegen der Sprache an Algara aus Barcelona erinnert, wenn auch mit einem melodischen Street Punk-Vibe und einem bisschen The Estranged obendrauf.