Es vergehen heutzutage ja kaum ein paar Wochen ohne eine neue Veröffentlichung der Synthpunk-Sensation Klint aus Schleswig, dessen Qualitäten sich inzwischen ja langsam etabliert haben sollten. Nach der sehr raubeinigen Split-EP mit Repulsion Switch bekommen wir hier einen gewohnt starken Nachschub neuer Tracks, die sich hier überwiegend von einer sehr griffigen und teilweise auch unverschämt tanzbaren Seite zeigen.
‚Ne spektakuläre Split 7″ mal wieder auf Slovenly Recordings! Die Italiener Destroy All Gondolas drehen wohl schon ein gutes Jahrzehnt lang ihr Ding aber sind bislang komplett an mir vorbei gegangen. Deren Dampframme von einem Song hier sagt mir: Da hab ich etwas nachzuholen! Gutara Kyo aus Kobe, Japan hingegen haben schon einen bleibenden Eindruck hinterlassen mit ihrer ebenfalls auf Slovenly erschienenen 2017er EP und die zwei neuen Songs schlagen in eine ähnliche Kerbe, die ich nicht anders beschreiben kann als eine ganz speziell japanische Machart des wunderbar überdrehten Garagen-Wahnsinns.
Es hat ein paar Jahre gedauert, aber hier ist tatsächlich mal die erste LP von einem Typen unklarer Herkunft, der zuvor mit seiner arschtretenden 2019er 7″ – ebenfalls auf Iron Lung Records – schon ordentlich neugierug gemacht hat. Das Langspieldebüt ist so ziemlich alles geworden, was man sich davon wünschen konnte. Ein hochkarätiger Batzen neuer, geringfügig Devo-fizierter Fehlfunktionen aus den schrulligen Graubereichen des Garage-, Synth- und Eggpunk-Wahnsinns, speziell gewürzt mit einem Hauch von Television-mäßigen Gitarrenleads und -solos. Eine kuriose Grabbelkiste also, deren grobe Koordinaten sich auch irgendwo in der Nähe von so Bands wie Snooper, Useless Eaters, Alien Nosejob, Set-Top Box, Mononegatives oder R.M.F.C. bestimmen lassen.
Der bisherige Output der Shrinkwrap Killers erschien mir immer als etwas eintönig und wechselhaft, aber ihre zweite LP auf Iron Lung Records trumpft mal locker mit ihrer bislang stärksten und abwechslungsreichsten Sammlung neuer Songs auf. Eine seltsam vertraute Mischung ist das, die man guten Gewissens und akkurat als etwa ein Horror-/Sci-Fi-/Dystopie-getränktes Mashup aus Lost Sounds, Spits und Stalins of Sound bezeichnen kann. Funzt!
Diese Band aus Adelaide gibt es jetzt schon über ein Jahrzehnt und es macht den Eindruck als hätten sie erst jetzt mit ihrer vierten LP ihren eigenen Groove gefunden… oder zumindest muss ich, nach oberflächlicher Betrachtung des bisherigen Materials, der neuen Platte bescheinigen in einer ganz anderen Liga zu spielen – Songwriting, Arrangements und Produktion kommen hier nahtlos zu einer weitaus reiferen Vision zusammen und gleichzeitig bleibt das ganze ausgesprochen abwechslungsreich und spannend. Ich fühle mich an eine ganze Reihe australischer Hausnummern erinnert wie etwa Pub-/Garage Rock Bands á la Mini Skirt, Hideous Sun Demon oder Pist Idiots, Post Punk/-core Bands wie Batpiss, Bench Press, Rip Room oder auch eine Spur alter Klassiker von (80er) Scientists und The New Christs.
Erneut eine Schönheit vom italienischen Bollwerk Goodbye Boozy Records. An Repulsion Switch erinnert ihr euch vielleicht noch anlässlich ihres 2019er Demos und einer Handvoll weiterer EPs, die seitdem erschienen sind. Hier bekommen wir es aber gleich noch mal mit ihrem bislang stärksten Klumpen neuer Songs zu tun in einem erfrischend simplen und gleichermaßen explosiven, garage-lastigen Hardcore-Sound. Eine weitere bekannte Größe hier in der 12XU-Zentrale ist natürlich Synth Punk-Guru Klint aus Schleswig. Der übernimmt auf Seite B die Kontrolle mit gewohnt kunstvollem Handwerk, schrulligen Experimenten und einer Ladung neuer Tracks, die sich weitgehend auf der wilderen Seite des Spektrums austoben und somit ganz ausgezeichnet das RS-Material komplementieren. Flutscht!
Nach seiner bislang ambitioniertesten LP Material im letzten Jahr, auf welcher Smirk aka Nick Vicario (auch bekannt von Bands wie Public Eye, Crisis Man und Cemento) seine Klangpalette stark in Richtung von leicht Desperate Bycicles-mäßigem Art Punk ausstreckte und gleichzeitig noch einige der infektiösesten Perlen des melancholischen Powerpop-Songwritings ablieferte, kommt seine neueste 7″ wieder etwas geradliniger und einfacher gestrickt daher, trifft aber nach wie vor immer ins Schwarze mit seinen stark Sample-gestützten Songs und Arrangements.
Die letztjährige Dampfwalze von einer Mini-LP namens Estray ist sicher schwer zu toppen aber die vermutlich von Leipzig und Berlin aus agierende Band macht auch auf dem Nachfolger eine durchweg gute Figur und erweitert ihren Garage Punk-Sound um so eine gewisse Noiserock-Kante, die mich ein wenig die Noise-/Garage Punk Hybride der New Yorker Brandy erinnert oder auch an ältere Science Man. Nach wie vor gibt es aber auch keinen Mangel and melodischen Pop-Smashern á la Wouldn’t You, Fomo und Get Clean, so dass auch Fans des leicht Booji Boys-angehauchten Noise- und Powerpop der letzten LP hier nicht zu kurz kommen.
Eine entzückende Ladung relaxter, jederzeit etwas schief liegender Psychedelic- und Garage Punk-Jams von einer Band aus Toronto. Das hat durchaus einen gewissen US Protopunk-Vibe und darüber hinaus einen unübersehbaren Space-/Acid Rock-Einschlag, was ein bisschen rüberkommt wie ’ne Mischung aus den noch recht frischen LPs von Jean Mignon, Peace de Résistance oder auch geringfügig älterem Scheiß von Faux Ferocious oder frühen White Fence. Geht ja mal sowas von klar, das!
Nachdem das Demo und die EP in ’21/’22 schon reichlich Laune gemacht haben, kommt die erste LP der über Leipzig, Halle und Berlin verstreuten Band mit einer beachtlichen Schlagkraft daher, was eigentlich auch nicht verwundern sollte, sind hier doch Leute u.a. von Liiek, Ambulanz, Dee Bee Rich, Lassie und Exwhite am start hier. Davon sind die drei letztgenannten Bands die offensichtlichsten Orientierungspunkte, will heißen: Verspielter aber auch wuchtig vorwärs walzender Garage Punk mit weiteren Ähnlichkeiten zu überwiegend europäischen Bands wie z.B. Dadar, The Dirtiest, Shitty Life, Mitraille, The Gobs, Finale… in den melodischeren Momenten vielleicht auch eine Spur von Booji Boys.