Neonatals – Dry Brain

In einer schon recht guten Woche was weit über’m Durchschnitt spielenden Hardcore Punk angeht, ist die hier echt das Sahnehäubchen wenn ihr mich fragt. Nicht dass uns die digitale Single Plastic Disease im letzten Jahr nicht vorgewarnt hätte, was da auf uns zu kommt… Das ist derbe kreativer, freidrehender Scheiß, der mich an einige der abgehobeneren Acts der letzten zwei Jahrzehnte aus dem Artcore, Hard- und Weirdcore-Sektor erinnert wie unter anderem Big Bopper, Patti, Rolex, Brandy, Mystic Inane, Beast Fiend, Cutie, Fugitive Bubble, Septic Yanks oder Liquid Assets um nur ein paar davon zu nennen. Ich brauch bringend mehr von dem Scheiß!

Fauler Herbstloch-Aufholpost

Diese Woche war eine Woche der kleineren (aber wohlbemerkt ausgezeichneten) Releases und ich bin sowieso mal wieder im Verzug mit dem Bloggen, daher mach ich es mir mal einfach hier und verpacke den Krempel in einem einzigen Post, okay?

Fangen wir an mit leckerem neuem Hardcorezeug von den Silo Kids aus Hattiesburg, Mississippi, die auf ihrem neuesten Tape erneut den Ruf ihrer unscheinbaren kleinen Stadt untermauern als eine derzeitige Hochburg des einfallsreichen und verschrobenen Hardcore Punk, der sich weigert allzu sehr nach den etablierten Regeln und Mustern zu spielen.

Bei Power Pants aus Winchester, Virginia weiß man hingegen schon recht genau was man von einer neuen Veröffentlichung zu erwarten hat und außerdem, dass die nächste davon auch nicht lange auf sich warten lassen wird (auch ihre letzte Cassingle CS5 ist noch keinen Monat alt). Die neue PP11 EP erklimmt aber doch tatsächlich noch mal ein neues Level für die Band in einer Discografie, die hier und da schon mal etwas redundant klingen mag. Nicht dass sich hier fundamental etwas geändert hätte in ihrem melodischen Garage Punk-Sound, aber das hier sind ohne Frage einige der kräftigsten und rundesten Tunes ihres bisherigen Schaffens.

Scrawlers aus Tacoma, Washington schlagen dann in eine durchaus verwandte – wenngleich auch viel rohere und Fuzz-getränkte – Kerbe von einfach gestrickten und super-effektivem Garage Punk, zu dem etwa Freunde von S.B.F., Kid Chrome, Gobs oder Robbie Thunder mit Sicherheit zustimmend abnicken werden.

Thyroids aus Dallas, Texas sind jetzt auch schon eine ganze Weile unterwegs aber haben erst im laufenden Jahrzehnt mal so richtig Fahrt aufgenommen mit einem Sound, der immer unberechenbarer zu werden scheint und sich einer klaren Einordnung verweigert. Mehr als je zuvor trifft das auch auf ihre neueste 2-Track-Single zu, auf welcher Elemente von Garage- und Synth Punk, Noise Rock und -Pop sowie einer Prise Eggpunk aufeinander treffen und äußerst belebende chemische Reaktionen auslösen.

Zu guter Letzt wäre dann auch noch eine neue Snarewaves EP zu erwähnen. Die hat etwas über anderthalb frische Minuten von ihrer patentierten Elektropunk-Formel an Bord, die so verblüffend einfach wie auch abgefahren und ziemlich eigenständig in der aktuellen Landschaft daher kommt und obwohl man jetzt eigentlich denken sollte, dass der Krempel irgendwann mit dem Gesetz der sinkenden Erträge kollidieren muss, macht mich bisher jede neue Veröffentlichung nur hungrig aud noch mehr von dem guten Scheiß.

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No Peeling – No Peeling

Ausgezeichneter neuer Scheiß, die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham, deren Style sich hier im ständigen Fluss befindet und sich schwer auf eine Kategorie festnageln lässt, auch wenn die einzelnen Bestandteile reichlich etabliert sind. Die offensichtlichsten davon sind so Eggpunk-relevante Exzentriker wie Snooper, frühe Skull Cult, Busted Head Racket, Clarko einerseits, aber auch die ungleich roheren Schrägheiten von Warp, Beef oder Scud und nicht zuletzt nähert sich das ganze mehr als nur einmal dem total entgleisten Eklektizismus von Pressure Pin, Checkpoint oder TY an.

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Mr. [Redacted] / Lovebomb / TTTTurbo

Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt’s hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen.
Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult.
Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare.
Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument – unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.

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Nick Cage – Intruder

Die dritte EP dieser Band aus Brooklyn, New York ist mal zweifellos ihre ausgereifteste Veröffentlichung bislang und häit ohne Not eine heikle Balance zwischen vergleichsweise stumpfen und simplen Hardcorepunk-Smashern und ungleich filigraneren Postcore-Versatzstücken, die mir unter anderem so schräge Vögel wie Mystic Inane, Launcher oder Rolex ins Gedächtnis rufen und immer hat das reichlich heiße Kohlen unter’m Arsch, aufgeladen mit einem konstanten Grundpegel der Verunsicherung und Unberechenbarkeit.

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Wax Minds – Demo 2024

Exzellenter Scheiß dringt da aus irgendeinem Kellerloch in Bremen. Die Machart des satt angetriebenen Garage Punks dieser Band entfaltet sich ein bisschen wie eine Mischung aus mehr oder weniger Hardcore-lastigen Acts wie Vexx, Warm Bodies, Fugitive Bubble, Sniffany and the Nits, Warp, Skin Tags und Dots einerseits, aber auch mit Anklängen an stärker im zeitgenössischen Eggpunk beheimateten Bands á la Cel Ray, Snooper, Prison Affair, Autobahns oder Beer.

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Cammy Cautious and the Wrestlers – CCATW

Die arschtretende neue EP dieser Band aus Sydney liefert Qualitätsware in Sachen kratzbürstigen Punkrocks, der Elemente aus Wipers-artigem Post Punk, ausgefuzztem Garage Punk, etwas Raketengetriebenem, Hot Snakes-infiziertem Postcore und einer leichten Spur von klassischem australischen First-Wave-Punk zu einem Gesamtwerk verwebt, dessen spezifische Qualitäten mich an ein absolut hochkarätiges Bündel aus Female-Fronted Punk-Angelegenheiten dieses und des vergangenen Jahrzehnts erinnert, das unter anderem die unbändigen kreativen Energien von so Bands wie Vexx, Fugitive Bubble, Warp, Dots, Gen Pop, Warm Bodies und Skin Tags beinhaltet.


Grimly Forming & Rolex – Split

Eine sensationelle neue Split-LP liefert uns endlich neues Material von zwei Bands aus Los Angeles, die sich von Anfang an jeweils den gängigen Regeln und Konventionen des Hardcore Punk verweigert haben. Von beiden hat man, abgesehen von jeweils einem halbgebackenen Promo-Tape in 2022, auch schon länger nichts „offizielles“ mehr gehört, was diese Platte natürlich umso erfreulicher macht.

Rolex agieren hier mit der gewohnten Wucht in ihren unvorhersehbaren und unglaublich erfinderischen Postcore-Attacken, die einerseits Echos jüngerer Bands beinhalten wie z.B. Mystic Inane, Big Bopper, Brandy, Launcher und frühe Patti, andererseits aber auch klar in der Schuld stehen von alten Größen wie etwa Minutemen, Dicks and frühe Saccharine Trust (deren erstes Album Surviving You, Always verdammt noch mal endlich wiederveröffentlicht gehört… ein kriminell vernachlässigter Klassiker des frühen Postcore, seiner Zeit um Jahre voraus wenn ihr mich fragt). Dazu kommen noch vereinzelte Spuren von Cowpunk und ein konstanter Lumpy and the Dumpers-mäßiger Chaos-Faktor, der hier in einer total entgleisten Vocal-Performance gechannelt wird. Das Resultat ist pure Glückseligkeit und lässt keinen Zweifel daran, dass Rolex nach wie vor eine unverzichtbare Institution ihres speziellen Subgenres sind.

Die Seite von Grimly Forming bläst dann zu einer ungleich roheren, aber keineswegs weniger schlauen und unkonventionellen Attacke auf die Sinne, die unnachgiebige Wucht mit reichlich ausgeklügelten Konstruktionen ausbalanciert und einer großzügigen Dosis von garagigen Untertönen, die jederzeit für ordentlich Spaß und Antrieb sorgen.

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Awful – 4 Songs

Wo ich gerade schon Deluxe Bias erwähnte… hier ist die neueste Kassette von vernachlässigbarer Spielzeit auf jenem genau auf diese eine Sache spezialisierten Label aus Wyoming. Ein weiterer komplett gegen die Wand gefahrener Anschlag auf die Sinne der irgendwo an der Grenze zwischen ultra-rohem Lo-Fi Fuzz-, Garage- und Egpunk operiert. Die sich daraus entfaltende, prächtig funkelnde Unzucht könnte man halbwegs plausibel als eine absurde Mischung etwa aus Print Head, Warm Bodies, Snooper und Fugitive Bubble beschreiben.

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Sun Children Sun – Bizarre Feverre

Die jüngste LP dieser Band aus Tokyo – letztes Jahr in Japan erschienen und jetzt vom Label SPHC Records aus Maryland, Baltimore wiederveröffentlicht – beginnt mit nicht nur einem, sondern gleich zwei maximal kitschigen, pseudo-orchestralen Intros, welche dann in einen pseudo-Metal Flickentepich übergehen der so klingt als wollten die Jungs alle Dungeon Punk-Entwicklungen jüngerer Zeit noch mal überbieten. Dann geht aber der eigentliche Spaß los in der Form von gleichermaßen simplen wie auch einfallsreichen und unvorhersehbaren Hardcorepunk-Ausbrüchen, deren Dungeon-/Metal-Versatzstücke (immer mit reichlich Schalk im Nacken) sie mit einem kreativen Geist ausstatten,, der unter anderem auch was von frühen Crass hat. Sinnlos, solchem Irrsinn Widerstand zu leisten – ich geb’s auf und genieße einfach die wilde Fahrt!

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