Da gibt’s nichts übermäßig neues oder schlaues zu berichten über diese Platte, aber dennoch reichlich Spaß heraus zu ziehen aus diesem schön dumm oldschooligen Garage Punk-Radau, einfach und effektiv, den ein so Typ aus Rennes, Frankreich hier vom Stapel lässt. Die groben Genre-Koordinaten mag man dabei in der Nähe zu Bands wie The Spits, Buck Biloxi, Sick Thoughts, Die TV, Erik Nervous, Stalins Of Sound, Giorgio Murderer und Bart And The Brats verorten.
Es hat ein bisschen gedauert bis die Band aus Harrisburg, Pennsylvania ein paar lose Enden verknotet und die Aufnahmen festgezurrt hatte, aber hier ist sie nun doch noch, ihre dritte LP mit Nachschub von ihrem Synth-, Garage- und Post Punk, der eineut mal wieder Assoziationen zu Digital Leather provozieren wird – besonders die Stimme des Sängers weist doch eine frappierende Ähnlichkeit zu Shawn Foree auf – wobei Deletions dann aber wie eine krudere und doch zugleich sehr geradlinig-eingängige Variante davon klingen. Zum Ende hin dreht sich alles deutlicher in eine Post Punk-Richtung mit subtilem Goth-Zusatz, was eine Verwandtschaft etwa zu Powerplant, Isotope Soap, Why Bother? oder frühen The Faint hat, aber auch vereinzelte Tropfen von Devo und Desperate Bicycles lassen sich darin finden… sogar ein leichten Morricone-Faktor in Diffuse and Confuse. Nicht alles funktioniert gleich gut hier, aber wenn sie einen Treffer landen, dann mit Bravour.
Ganz schön wahnwitziger Move, Material das locker für so vier bis sechs LPs reichen würde, als ein einziges Album auf Bandcamp zu verklappen. Hier in der 12XU Schaltzentrale schätzen wir solchen Irrsin, geht also mal sowas von OK. Die Band aus dem australischen Küstenkaff Moffat Beach – ein gutes Stück nördlich von Brisbane – hat hiermit redlich den Titel „Die Guided by Voices des Space Egg Punk“ verdient. Genauso unwarscheinlich wirkt dann, dass das überwiegend ziemlich geiler Scheiß ist, wenn sich auch mit etwas herunterstutzen aus dem wüsten zwei-Stunden-Brocken sicher ein noch stärkeres 80-Minuten Album herausgeschält hätte. Eine Mischung mit hohem Eierfaktor ist das, irgendwo zwischen Psychedelic-/Space Rock, Post- und Garage Punk, die man in den energischeren Tracks abwechselnd mit so Bands wie Mononegatives, Neo Neos, Liquids, The Gobs, Set-Top Box, Print Head oder Useless Eaters vergleichen mag, aber auch mit so Zeug wie Die TV, Cool Sorcery, Snooper in den relaxten bis getragenen Momenten, ab und an vielleicht auch mal einer extra LoFi-mäßigen Version der Woolen Men!
Nach ihrem schon ziemlich geilen 2019er Demo verschieben die Dregs aus Austin ihren Sound ein gutes Stück weg von dessen stärker im Garage- und Fuzz Punk verwurzelten Vibes hin zu einem etwas schwieriger einzuordnenden Mix aus Einflüssen irgendwo von den Tellerrändern des 80er und frühen 90er Hard- und Postcore. Unter anderem meine ich manche Echos von X (der US-Band), Dicks und Flipper zu hören, aber auch von Postcore-Acts wie Gray Matter und Drive Like Jehu an anderer Stelle. Auch Vergleiche zu aktuelleren Bands wie Vexx, Cel Ray, Gen Pop or Little Ugly Girls sind mit etwas Glück nicht voll daneben getippt.
Nachschub in Sachen Garage Punk-Irrsinn von dieser Band aus Barcelona, die mich schon 2021 mit ihrer letzten EP zu überzeugen wusste. Etwas fokussierter und selbstbewusster kommen die auf ihrer neuesten Mini-LP rüber, bleiben aber nach wie vor eine durchweg entzückende Geschmacksexplosion des hochprozentigen Eierpunk-Likörs mit einer deutlichen Note von, sagen wir mal, R.M.F.C., Set-Top Box, Nuts… oder auch nicht allzu fern von weiteren Wundern der spanischen Szene wie Prison Affair, Finale und Beta Máximo.
Ein wunderschön wirres Klangchaos das irgendwo an den Tellerrändern von Hardcore- und Garage Punk operiert. Im Hardcore-Modus erinnert mich das vor allem an Cells und weitere von Connie Voltaire’s Hardcore-Projekten. Auf der Garagen-Seite würde ich dann eher an Zeug á la Liquids, frühen Erik Nervous oder – etwas aktueller – Print Head und Scab Breath denken.
Neues Zeug von Gee Tee oder Vee oder was auch immer, der Typ hat noch nichts schlechtes abgeliefert! Auf seiner neuesten LP hält er eine ausgewogene Balance zwischen den powerpoppigen Tendenzen der jüngsten Tee Vee Repairman-Platten und den stärker Garage-betonten Projekten wie Satanic Togas, Research Reactor Corp. and Set-Top Box, was zusammen mal wieder einen erstklassigen Stapel an fuzz-freudigen Garage Pop-Ohrwürmern ergibt.
Ein Duo bestehend aus Kimi Recor und Vinny „Vaguess“ Earley, dessen Parallelen zum bisherigen Output besonders des letztgenannten sich kaum übersehen lassen, aber da passiert auch noch mehr unter der Haube. Ausgehend von einem vertrauten Mix aus Garage- und Post Punk hat das manchmal eine klare Lithics-Energie oder auch Welt Star – ein weiteres Projekt mit Connections zum Vaguess-Orbit – kommen mir in den Sinn während Songs wie Staring at the Sun and Please 3 nach verlorenen Woolen Men-Perlen klingen und Chamelion etwas von einem Digital Leather deep cut aus einer alternativen Coldwave-Realität hat.
Neues verdorbenes Gedankengut von den aktuellen Zugpferden des polnischen Garage Punks! Mal ganz einfach ausgedrückt: Der Scheiß ist mal wieder verdammt gut – halbwegs traditionelle Garagen-Tugend wird hier zelebriert nicht unähnlich zu anderen europäischen Bands wie Shitty Life, Mitraille, Dadar oder Gluer, ein paar US Acts á la Sick Thoughts, Hank Wood & The Hammerheads. Darüber hinaus hat das manchmal ein paar Vibes von den australischen Genre-Overlords Saints und Radio Birdman und nicht zuletzt kommt auch eine klare Note kalifornischer Klassiker der Sorte Germs, Agent Orange und Adolescents zur Geltung in Songs wie Psychosis Diagnosis und Nothin‘ for You.
Viel stärker als ich es auf den ersten Blick vermutet hatte, das Debüt-Tape von Cel Ray aus Chicago. Das transportiert ähnliche Vibes zu einigen der besten female-fronted Punkbands unserer Zeit wie etwa Vexx, Negative Scanner, Judy & The Jerks, All Hits, Amyl and the Sniffers, The Neuros, BB and the Blips… aber auch zu einem breiteren Cluster von Bands auf der Schnitstelle von Garage- und Post Punk kann man ziehen, etwa zu Patti, Reality Group, Uranium Club, Ex-Cult oder Mystic Inane. Guter Scheiß!