Ein stetiges Getröpfel neuer Songs auf ihrer Bandcamp-Seite hat schon länger angedeutet, dass da was neues auf uns zukommt von dieser unverzichtbaren Säule der 2010er Garage Punk-Szene aber dennoch fühlt man sich etwas überrumpelt von dieser neuen LP, die ohne explizite Ankündigung digital auf Bandcamp abgeladen wurde und irgendwan in diesem Jahr auch noch eine Vinyl-Veröffentlichung auf Total Punk Records bekommen soll. Ebenso schwebt auch die Frage über dieser Platte - nach ihrer glorreichen Rückkehr als Liveband im letzten Jahr - inwiefern Useless Eaters hier eigentlich als Band fungieren angesichts dieser elektrolastigen Heimstudio-Qualität, die diese Songs durchzieht und freimütig auf klassische Dub-Techniken, Synths und Drum-Samples zurückgreift, ansonsten aber doch seltsam Gitarrenzentriert erscheint. Klingt alles mal sehr danach, als ob sich Seth Sutton hier Solo im Studio austobt. Nicht dass es eine große Rolle spielen würde, resultiert es doch in einer durchaus faszinierenden Platte, die eine unerwartet surreale Spiegelversion von Useless Eaters präsentiert. Angenehm vertraut in manchen Aspekten aber auch ein bisschen eine Neuerfindung ihres Sounds, klingt das nur wenig nach irgendwas das sie zuvor schon mal unternommen hätten in seiner abstrakten, kalten Herangehensweise, einem unübersehbaren Industrial-Feel, der hier kompromissloser rüberkommt als selbst die exzentrischeren Ausläufer ihrer bisherigen Diskografie.
Ähnlich unverhofft kam übrigens ein paar Tage zuvor die Debüt-EP von G2K daher, einer Band die soweit ich das vermuten kann eine Kollaboration zwischen Sutton und Sal Go von der Washingtoner Band Sexfaces darstellt. Wie auch immer, die Songs klingen wie ein ausgezeichnetes Begleitmaterial zur Useless Eaters LP und teilen so einiges von dessen roher Produktionsästhetik, betätigen sich ansonsten aber in einer ungleich roheren und primitiven Schule von Garage-, Art- und Proto Punk-beeinflusstem Lärm, verhüllt in einen aus diesem Universum angenehm vertrauten, psychedelischen Nebel.
Eine nette neue EP von einem Typen aus Harrisburg, Pennsylvania, der bereits eine ordentliche Menge an Gerümpel angehäuft hat auf seiner Bandcamp-Seite aber ehrlich gesagt zündet nichts davon so unmittelbar wie sein neuester Kurzspieler, der mit vier so tadel- wie schnörkellosen Beispielen des geradlinigen (Garage) Punk-Songwritings brilliert. Der Selbstbeschreibung als "first wave punk revival" würde ich dabei aber etwas widersprechen, erinnert mich das trotz einer leichten '77er Unterströmung doch stärker an die 2000er und '10er Garage Punk-Ära mit klaren Echos von, sagen wir mal, solo Jay Reatard, Dark Thoughts und ganz besonders den frühen Liquids, neben vielen anderen.
Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.
In einem kulturellen Umfeld von sich rapide wandelnden musikalischen Trends und Hypes und einem sich unnachgiebig drehenden Promo-Hamsterrad in den Sozialen Medien, dessen Zielgruppe nicht Menschen sind sondern ein Algorithmus… da hat es immer etwas heilendes eine Band wie diese zu Verfolgen, die sich komplett unbeeindruckt zeigt von der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, die selbst schon ein gutes Jahrzehnt älter ist als dieses Blog und nach zweieinhalb Dakaden immer noch ihre ganz eigene abgefuckte Muse verfolgt. Erwartungsgemäß teilt sich auch die neueste LP viele der Quirks und Qualitäten die wir an dieser Band zu schätzen gelernt haben und ihrem Art Punk, der jederzeit gleichermaßen krude und catchy rüberkommt, bei alldem aber auch immer reichlich Abwechslung besorgt und so einige schlaue Ideen unter der primitiven Oberfläche verbirgt. Mögliche Einflüsse könnten sich dabei von uralten Krawallerzeugern wie Half Japanese, The Membranes, Feedtime, The Fall erstrecken, über diverse mit altem No Wave verbundene Artefakte oder auch ein paar krautige Spielereien, bis zu jüngeren, essenziellen Garage-Klassikern der Sorte The UV Race oder Eddy Current Suppression Ring. Aber ehrlich gesagt wäre es inzwischen einfach unangebracht, Subtle Turnhips nicht als die ganz ureigene und kompromisslose kreative Gewalt zu betrachten, als die sie sich wiederholt unter Beweis gestellt haben und auch diese Platte ist nicht weniger als ein weiterer sofortiger Klassiker für Freunde des etwas schrulligeren Garagenlärms.
Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.
Diese mehr-oder-weniger Supergroup aus Los Angeles (Mitglieder hatten unter anderem bei Ex-Cult, Bad Sports, Shark Toys, OBN IIIs und Richard Rose mitgespielt) ist jetzt schon seit ein paar Jahren unterwegs aber ich tat mich bisher schwer, über die ausgeprägten Dad Rock-Vibes (oder zumindest eine ganz schön Dadpunk-mäßige Art von Garage Punk-Vibes) hinwegzusehen auf ihren ersten zwei Kurz- und Langspielern. Ihr zweites Album ist jetzt aber mal ein komplett anderes Biest und was zuvor noch etwas halbherzig und halbgar rüberkam fügt sich auf dieser via In The Red Records erschienenen LP nahtlos zusammen zu einem saumäßig catchy Killersong nach dem anderen, welche hier allesamt in ein ausgesprochen schmeichelhaftes Licht gerückt werden von einer unnachgiebig tighten, explosiven Performance, festgehalten in einer hochwertigen Produktionsästhetik mit reichlich Punch, ohne dabei irgendwas zu verwässern oder die scharfen Kanten ihres Sounds abzuschleifen (Ja ganau, du bist gemeint, Hymns From The Hills). Das ist nicht weniger als eine erstklassige Zeitkapsel von Garage Punk wie aus der 2010er-Ära, dem inzwischen auch schon wieder etwas sehr angenehm oldschooliges anhaftet, durchgezogen mit unglaublicher Wucht, routinierter Leichtigkeit und treffsicherer Konsistenz, absolut dem Ruf gerecht von so einem Haufen mit allen Wassern gewaschener Genre-Veteranen.
Diese Band aus Kansas City hat hier eine durchweg beeindruckende Debütkassette eingehämmert. Die erschien auf dem lokalen Szene-Bollwerk Dirtbag Distro und hat elf kräfftige Schläge aus winderbar lumpigem und angepisstem, oldschooligem Hardcore auf Lager... Ich finde dabei allerdings, dass der Bandcamp-Blurb mit seinen Referenzen zu Minor Threat und Black Flag die Platte ganz schön kleinredet und unter Wert verkauft, ist hier doch weitaus mehr unter der Haube am Werk als nur ein weiterer durchschnittlicher '80er Retro-Neuaufguss. Nein, hier bleibt alles spannend und unvorhersehbar von Anfang bis Ende dank Tonnenweise netter Sonderlichkeiten und flotter Einfälle und eine konstante garagig- KBD-mäßige Unterströmung macht das spaßige Gesamtpaket komplett, das eigentlich kaum weniger im Dialog zu stehen scheint mit dem aktuellen Geschehen am schrägeren Ende des Hardcore-Spektrums als mit den offensichtlichen Klassikern und was jene angeht, fühle ich mich dann doch deutlich mehr an so Genre-Ausreißer wie die frühen Gray Matter, Flipper oder Really Red erinnert als an die üblichen Verdächtigen aus alten Zeiten… zumindest den Germs-Vergleich kann ich aber nachvollziehen.
Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.
Was Evil Eye aus Charlotte, North Carolina hier auf ihrer Debütkassette abziehen lässt sich oberflächlich recht einfach beschreiben als eine geradeaus gehende Machart von Garage Punk, die '77er Energie und Eingängigkeit mit einer KBD-mäßigen Ungeschliffenheit kombiniert und tonnenweise von Dead Boys- und Wipers-mäßigen Hooks. Aber so alt und abgestanden wie das in der Theorie klingen mag, so frisch kommt das in der Praxis hier dennoch rüber und das ist nicht zuletzt einigem unbeirrbaren Händchen für starkes Songmaterial zu verdanken und einer angemessen rohen, treibenden Performance um die einfach gestrickten Hooks wackelfest zu verankern.
Shrudd aus Louisville, Kentucky kann man ja schon länger zu den substanzielleren jungen Vertreteren im Garage Punk-Umfeld zählen aber ein echter Quantensprung für die Band war ihr erster Langspieler No Man Is Good Three Times im letzen Winter, auf der sie ihre bescheidenen Eggpunk-Anfänge gegen einen eigenständigeren und komplexeren Sound an der Schnittstelle von einerseits Garage- und Post Punk und andererseits Psychedelic- und Space Rock eintauschten. Schwierige Aufgabe, mit einem Nachfolger zu so einem Hammeralbum zu überzeugen aber die zwei ersten neuen Songs seitdem (die alberne Weihnachtssingle dazwischen ignoriere ich mal) schlagen sich da mal ausgesprochen gut und halten problemlos das Niveau als hochklassige Kaliber in dem zuvor etablierten Genre-Spektrum von ausgefeiltem und durchweg elegantem Post-/Garage Punk grob in der Nachbarschaft von so Bands wie Mononegatives, Useless Eaters, Institute, Corker, Marbled Eye, Tube Alloys oder Electric Prawns 2, aber irgendwie auch schon wieder ihre ganz eigene Tasse Tee.