D. Sablu – Righteous Light

Der Sound dieser Garage Punk-Dampframme aus New Orleans hat inzwischen schon ein paar Phasen und Metamorphosen durchlaufen und hat auch erneut wieder ordentlich an den Parametern geschraubt für ihre neueste EP, die – wenngleich immer noch erkennbar dem gleichen Geist entsprungen – weitgehend das Klangkostüm eines NWOBHM-infizierten Hardcore- und Motörpunk-Geschwindigkeitsrausches annimmt, insbesondere im ersten und letzten Song, wohingegen der in der Mitte etwas näher nach den paar solo aufgenommenen Singles und Demos aus dem letzten Jahr klingt, aber gestählt durch eine saumäßig tighte, volle Bandperformance. Der Rausschmeißer Socialized – ebenfalls zuvor bekannt als einer der erwähnten 2025er Demosongs – hat dabei eine so starke Evolution durchlaufen, dass man abgesehen von den weitgehend noch intakten Lyrics eigentlich nicht mehr von dem selben Song sprechen kann.

The Bright Ideas – Bright Sharp Things

Die Aidmoozic EP war nicht lang genug? Gute Nachrichten, diese Band aus Auckland, Neuseeland hat gleich mal Nachschub an stark nach britischem DIY Punk schmeckendem Geschrammel, das einer zwar etwas einfacheren aber durchweg effektive Formel davon folgt und sich schwer tut, die zugrundeliegenden Desperate Bicycles-, Mekons- und Television Personalities-Huldigungen zu verschleiern mit gelegentlichen Farbspritzern von Buzzcocks obendrein oder vielleicht auch, um mal ein bis zwei Level tiefer zu graben, Performing Ferrets? Wie auch immer, was etwas zeitnähere Vertretern dieser Zunft angeht, erscheinen mir die Briten Suburban Homes aus dem letzten Jahrzehnt der zutreffendste Vergleich.

Album-Stream →

The Dumpies – Lub Dub

Der Nachfolger zur unglaublichen 2024er Gay Boredom LP dieser Band aus Astoria, Oregon erreicht nicht ganz den Level von Originalität und verspielter Kreativität des Vorgängers, wirkt irgendwie ein bisschen reservierter und nähert sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu sehr einem ausgelatschten Pop Punk-Territorium an, aber es ist was es ist und das ist für sich genommen immer noch eine ausgesprochen erfreuliche Platte geworden, mit Songs die irgendwo zwischen solide und verdammt gut rangieren und immer noch ausreichend stilistische Breite abdecken. Also ja, das ist ein duchaus willkommener Nachfolger für eine Platte, die irgendwie auch schwer zu toppen ist und es wirkt irgendwie unfair, sie nicht nach ihren reichlich vorhandenen, eigenen Qualitäten zu beurteilen. Auch wenn wir wissen, dass die Band es eigentlich noch viel besser kann.

Album-Stream →

Action Figure – Action Figure

Eine Band aus Fort Collins, Colorado liefert sechs Schläge aus ordentlich rohem Hardcore Punk ab, dessen rustikale Klangästhetik aber niemals über das eingängige Garage Punk-Fundament des ganzen hinwegzutäuschen vermag, die überall verstreuten, smarten Postcore-Obertöne und eine Vielfalt an Überraschungen, kompositorischen Tricks und Marotten, die sie hier aus dem Ärmel schütteln. Eine Platte die auf den ersten Blick dummer erscheint als sie ist und ihr wisst dass ich eine Schwäche für solche Dinge hab.

Album-Stream →

Public Error – Internet Blues

Die Band aus Tampa, Florida hatte Ende letzten Jahres schon ein ausgesprochen nettes Demo raus und auch ihre neueste EP lässt wenig Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit diesen sechs frischen Attacken aus fuchsteufelswildem Hardcore Punk, gebaut auf einem stabilen Fundament aus fuzzigem, KBD-mäßigen Garage Punk. Die wie ein gebissener Hund herausgekläfften Vocals channeln dabei fast schon den Wahnsinn der klassischen Lumpy & The Dumpers- und Fried E/M-Ära, von welcher sich deren primärer Akteur wie’s scheint gerne distanzieren möchte… aber so lange ich lebe wird das nicht passieren. Einmal ein Lumpy, immer ein Lumpy.

Album-Stream →

Crystal Ball – Demo Tape

Auf dem ausgezeichneten Demo dieser Band aus dem englischen Schrewsbury trifft Proto- auf Garage Punk und gelegentliche Blitze aus leicht NWOBHM-mäßigen Gitarrensolos. Stooges treffen auf Saints treffen auf Discharge, aber auch einige jüngere Bands der Punter-, Puffer- oder Split System-Machart. Ein perfekter Sturm aus simplizität, roher Energie und unmittelbarer ins Ohr gehender Catchyness.

Album-Stream →

Isotope Soap – The Century / Rise of The Centaur

Nun, es hat in etwa ein Jahr länger gedauert als versprochen, aber besser spät als nie ist hier eine neue LP von dem Stockholmer Synth Punk-Bollwerk Isotope Soap, das jetzt auch schon grob seit einem Jahrzehnt sein eigenes Ding dreht. Die müssen uns jetzt auch nichts mehr beweisen und liefern einfach ganz routiniert eine weitere Sammlung brillianter, abgespaceter Garage Punk-Feinkost ab, durchsetzt mit den von der Band gewohnten Devo-ismen und eingerahmt von ein paar John Carpenter-mäßigen Instrumentals, die dann noch ihr Übriges tun um die epischen Qualitäten dieses Albums zu unterstreichen.

Album-Stream →

Ø – Stage 1

Das ist eine fabelhafte Debüt-EP dieser Berliner Band, die – nach einem Postpunkigen Intro, das mich gleichermaßen an The Estranged erinnert wie auch an alten Westküsten-Punk der Adolescents, Germs oder Agent Orange-Schule – weitgehend ihr Zuhause findet in einem stark im Schatten der Spits argierenden, vereinzelt auch leicht Ramoes-igem Garage Punk-Sound mit einem gewissen Space Punk-Zusatz nicht unähnlich zu so Bands wie Corpus Earthling, Silicon Heartbeat, Stalins of Sound, Zoids und Mateo Manic oder, in jüngster Zeit, Shrudd, Zulo und Electric Prawns 2, wobei aber auch die zuvor erwähnten Post Punk-Elemente einige male zurückkehren wie in Freiheit und Vittima. Durchweg felsenfest verschweißt durch grundsolide Songwriting-Qualitäten ergibt das ein makelloses Killeralbum, das den optimalen Bang for the Buck aus einer zeitbewährten Oldschool-Formel extrahiert.

Album-Stream →

Sargent Baker – Loose Ends

Auf ihrem zweiten Album zündet diese Band aus dem australischen Städtchen Torquay – nur einen Katzensprung von Geelong entfernt und auch noch in komfortabler Reichweite von Melbourne – zehn kräftige Sprengladungen aus zielsicherem Garage Punk einer fast schon stereotypisch australischen Machart, die gleichermaßen in der Schuld von so Bands wie Saints, Radio Birdman und New Christs steht wie auch von etwas klassichem AC/DC-Riffing und was jüngere Zeiterscheinungen angeht, bieten sich auch Bands der Sorte Split System, Pist Idiots und das frühe Werk von Civic als Referenzen an. Irgendwie klingt das auch ein bisschen nach dem, was man sich von der etwas blutarmen letzten Mini Skirt-LP gewünscht hätte. Jau, es handelt sich hier um durchweg altmodischen Rock’n’Roll der sich weitgehend an etablierte Konventionen hält, aber der Scheiß klingt dabei kein bisschen abgestanden dank eines nicht enden wollenden Stroms von ansteckenden Hooks und entschlossenen Performances.

Album-Stream →

RRRSATZ – Here 4 The Endless Plague

Erneut kommt ein ziemlich umwerfendes Tape zu uns von den verlässlichen New Yorker Lieferanten für Exzentrizitäten mit unterschiedlich starkem Punk-Bezug, Fuzzy Warbles Cassettes. Der Opener No Kill Means versprüht unmittelbar so einen Art Punk-Vibe á la Television-meets-Ruts oder, aus etwas jüngerer Zeit, Peace de Résistance und spätere Institute. Soft Change nimmt dann einen ungleich abstrakteren Kurs auf von minimalistischem Post Punk, relativ kühl und rigide und gleichzeitig auch ziemlich funky. Cave One ist ein relativ geradliniger aber keinesfalls dummer Krümel von Garage Punk und gleiches lässt sich auch über All Skill Levels sagen mit seinen gleichermaßen Proto- und Post Punk-igen Vibes und einer zusätzlichen Schicht von dissonantem Noise. Great Pastures verdichtet einige verwandte Eigenschaften zu einem unerwartet eingängigen und kompakten kleinen Paket von tangential Sonic Youth-mäßigem Lärm. Anticev überrascht dann hingegen mit einem offensichtlichen Surf Rock-Feel. Und so unvorhersehbar geht es weiter… das ist eine sehr gemischte Grabbeltüte von einer Platte, die hinter jeder Kurve eine neue Überraschung aus dem Hut zaubert und dabei wundersamerweise kein einziges mal daneben schießt, sondern seltsam kohärent und methodisch wirkt in seiner sich konstant im Flux befindlichen herangehensweise.

Album-Stream →