Peace De Résistance - Bits and Pieces

Als die ver­zau­bern­de 2020er De­büt-EP die­ses New Yor­ker Ty­pen ge­lan­det war, hat­te ich noch kei­nen blas­sen Schim­mer, wer hin­ter die­sen ent­rück­ten Klän­gen ste­cken könn­te. Stellt sich her­aus: Es ist nie­mand ge­rin­ge­res als Mo­ses Brown, an­der­wei­tig be­kannt als die Front­sau von In­sti­tu­te. Macht ir­gend­wie Sinn, rück­bli­ckend… kei­ne Ah­nung war­um ich da nicht selbst drauf ge­kom­men bin. Auf dem ers­ten Lang­spie­ler ent­fal­tet sich jetzt ein et­was voll­kör­ni­ger, aber nach wie vor ziem­lich mi­ni­ma­lis­ti­scher Sound in vol­ler Band­be­set­zung, der ein­fach wun­der­bar fehl am Platz wirkt - ei­ne ne­bu­lö­se Zeit­kap­sel fal­scher Er­in­ne­run­gen, die frü­he Strän­ge des Pro­to-, Art- und Post Punk zu ei­nem plau­si­bel wir­ken­den Man­de­la-Ef­fekt ver­webt.

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Straw Man Army - SOS

Der zwei­te Lang­spie­ler (ab­ge­se­hen vom letz­tes Jahr er­schie­ne­nen Her Majesty's Ship OST) die­ses New Yor­ker Du­os mit Ver­bin­dun­gen zu der gu­ten Hard­core-Haus­num­mer Ka­lei­do­scope schlägt sound­mä­ßig ei­ne et­was dunk­le­re, sper­ri­ge­re Rich­tung ein, die vom Hö­rer ein biss­chen Ge­duld ein­for­dert, aber auch or­dent­lich be­lohnt. In der ak­tu­el­len Land­schaft gibt es ein­fach kei­ne an­de­re Band wie Straw Man Ar­my und die bei­den sind wei­ter­hin ei­ne der we­ni­gen Bands, die den Postcore/​Art Punk/​Post Punk-Kom­plex et­was wei­ter­den­ken, ba­sie­rend auch auf ei­nem um­fas­sen­den Ver­ständ­nis sei­ner Ver­gan­gen­heit. Let­ze­res be­schert dann un­ter an­de­rem auch das mei­nes Er­ach­tens de­fi­ni­ti­ve High­light des Al­bums - ei­nen lang­sa­men Schwel­brand na­mens Be­wa­re, der in et­wa so klingt als hät­te man di­ver­se Gen­re-Eck­stei­ne vom Ka­li­ber Chairs Mis­sing und The Ar­gu­ment auf ih­re ab­so­lu­te Es­senz her­un­ter­ge­kocht.

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Red Gaze - Healing Games

Wie­der ein ex­zel­len­tes Klang­ar­te­fakt von die­ser Band aus Graz, die aber ir­gend­wie mehr nach Ber­lin klingt und in der auch Leu­te von ir­gend­wel­chen an­de­ren Bands mit­spie­len von de­nen du schon ge­hört hast… ich er­in­ne­re mich ge­ra­de nicht mehr wel­che und au­ßer­dem ist Fei­er­tag und ich ge­ra­de zu Faul um nach­zu­schau­en. Al­so Post Punk mit dies­mal eher un­ter­schwel­li­gen Spu­ren von De­ath Rock. Ja, Ber­lin­sound, er­wähn­te ich be­reits… denkt da­bei et­wa an Di­ät, Pi­geon und Clock Of Time, aber auch ein biss­chen an US-Haus­num­mern á la Rank Xe­rox oder In­sti­tu­te. Kommt un­ge­fähr hin, glau­be ich.

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Exwhite - Estray

Ich bin grad mal ziem­lich weg­ge­bla­sen von der Stär­ke der neu­es­ten EP die­ser Band, die sich schein­bar ir­gend­wo im Um­feld der Leip­zi­g/­Ber­lin/Hal­le-Ach­se des gu­ten Ga­ra­ge- und Post Punk rum­treibt. Das ist ein­fach mal hoch­ka­li­bri­ger Ga­ra­gen­scheiß der me­lo­di­schen Mach­art und kommt hier in ei­ner an­ge­mes­sen ro­hen Klang­äs­the­tik da­her, sim­pel und catchy und da­bei aus­ge­spro­chen ef­fek­tiv, durch­weg lie­bens­wert. Ein fest für Be­wun­de­rer et­wa von Boo­ji Boys, Sweet Re­a­per, Te­l­ecult… ja so­gar ei­ne Spur von Ra­dio­ac­ti­vi­ty und Mar­ked Men ist da mit am Start.

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Total Sham - Life as a Total Sham

Schutz­bril­len auf­set­zen, es walzt hier ei­ne kom­plett un­ge­wa­sche­ne La­dung des ge­pfleg­ten old­school Hard­core, sol­cher, der sich auch in der Ga­ra­ge sehr zu­hau­se fühlt, auf 'ner EP ei­ner Band aus Kan­sas Ci­ty, wel­che schein­bar auch aus den glei­chen Leu­ten be­steht, die sonst als Dye ihr Un­we­sen trei­ben. Fans von so Krem­pel wie Fried E/​m und Mo­dern Needs wer­den das si­cher be­für­wor­ten und auch Freun­de von et­was stär­ker zum Ga­ra­ge Punk ten­die­ren­dem Lärm á la Laun­cher, Li­quid As­sets und Mys­tic Ina­ne wol­len da be­stimmt ein hal­bes Pfund von mit­neh­men.

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Priors - NEWNEWNEW

Le­cke­re neue EP der Punks aus Mont­re­al, lie­fert drei hoch­in­fek­tiö­se neue Knal­ler ab. Zum Ein­stieg tritt en­er­gi­scher Ga­ra­ge Punk auf et­was Hard­core-En­er­gie, et­wa wie be­schleu­nig­te Useless Ea­ters oder Mo­no­ne­ga­ti­ves, ge­folgt von ei­nem sau­mä­ßig ef­fek­ti­ven Mid­tem­po Post Punk-Stamp­fer mit leich­tem Wire-Un­ter­ton. Der Raus­schmei­ßer hat dann noch so ei­nen leich­ten Screa­mers- und De­vo-Vi­be, auch nicht ganz un­ähn­lich zu ge­gen­wär­ti­gen Iso­to­pe Soap.

Steröid - S.M.O.K.E. Show

Okay, al­so Egg Me­tal ist jetzt oh­ne Scheiß ein ech­tes Ding? Macht ja ir­gend­wie auch Sinn - als die et­was nied­li­che­re Kehr­sei­te zur der­zeit kräf­tig rol­len­den Wel­le des Dun­ge­on Punk. Das klingt ein biss­chen so als hät­te ei­ne be­son­ders lo-fi mä­ßi­ge In­kar­na­ti­on von Sheer Mag bei ih­rer jüngs­ten Ver­ir­rung in Rich­tung Hair Me­tal ein ge­sun­des Mi­ni­mum an Selbst­iro­nie an den Tag ge­legt.

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Fuera De Sektor - El Mundo Sigue

Kei­ne Ah­nung wo­her die jetzt kom­men - die Band­camp-Sei­te von La Vi­da Es Un Mus Dis­cos er­wähnt Bands aus Uru­gu­ay, die hier als In­spi­ra­ti­on ge­dient ha­ben sol­len, al­so liegt da viel­leicht auch die­ser le­cke­re Kno­chen ver­bud­delt? Das Face­book-Pro­fil der Band könn­te Auf­schluss ge­ben, aber heut­zu­ta­ge blei­be ich lie­ber für im­mer im Dun­keln als mich noch mal in die­sen stin­ken­den Hau­fen Schei­ße ein­zu­log­gen (echt jetzt mal Fi­cker, was macht ihr al­le im­mer noch da? Be­wegt eu­re Pun­kär­sche end­lich ins of­fe­ne, kom­merz­freie Fe­di­ver­sum und bringt eu­re Freun­de mit!). Nu ja, wie dem auch im­mer sei, ich füh­le mich so­fort nicht nur we­gen der Spra­che an Al­ga­ra aus Bar­ce­lo­na er­in­nert, wenn auch mit ei­nem me­lo­di­schen Street Punk-Vi­be und ei­nem biss­chen The Est­ran­ged oben­drauf.

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Vision 3D - Hypnose

Ein or­dent­lich sen­sa­tio­nel­les Ding hat die­se Band aus dem bel­gi­schen Tour­nai mei­nes Er­ach­tens mit ih­rem zwei­ten Lang­spie­ler ge­dreht. Vom ers­ten Mo­ment an füh­le ich mich an so viel gu­ten, so­wohl al­ten als auch neu­en Scheiß an den Schnitt­stel­len von Art-, Post- und Ga­ra­ge Punk er­in­nert, kom­plet­tiert von ei­ner wür­zig-dis­so­nan­ten No Wa­ve und Noi­se Rock-Kan­te. Manch­mal klingt das et­was nach Angst, die mit dem sim­plis­ti­schen Beat von Man Si­zed Ac­tion und et­was frü­her The Fall-Schram­melse­lig­keit ver­schmel­zen. An an­de­ren Stel­len bil­de ich mir ein, Echos von Mem­bra­nes, Gor­dons oder Swell Maps wahr­zu­neh­men aber ge­nau so gut kann man auch Ver­bin­dun­gen zu ge­gen­wär­ti­gen Acts à la Ho­ney Ra­dar, Toe Ring, Li­thics, Germ House, Shark Toys und Sub­t­le Turn­hips irgnd­wo da drin wie­der­fin­den.

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Bloody Keep - Bloody Keep

Was für ei­ne Art von schwar­zem Tod soll denn das hier bit­te schon wie­der sein? Das auf Band­camp zu­neh­mend flo­rie­ren­de Dun­ge­on Punk (Mikro-)Genre über­rascht und über­wäl­tigt doch im­mer wie­der wenn sei­ne un­be­schwer­te Al­bern­heit aber­mals auf ei­ne ast­rei­ne Qua­li­tät in der Dar­bie­tung trifft. Was hier in et­wa so vom Zaun bricht wie ein mit old­school Black Me­tal in­fi­zier­ter Bas­tard aus Chub­by and the Gang und frü­hen Sheer Mag be­kommt im wei­te­ren Ver­lauf dann auch noch ei­ne gu­te Sprit­ze (neo-?)Folk Punk-RNA ver­passt und darf sich zu ge­wag­ten und fle­xi­blen Song­struk­tu­ren aus­brei­ten, oh­ne da­bei je­mals sei­ne Po­p­qua­li­tä­ten zu ver­nach­läs­si­gen. Das ver­brei­tet Freu­de und Schre­cken zu­gleich - pas­sen­de Un­ter­ma­lung al­so für ei­ne im Un­ter­gang be­grif­fe­ne Mensch­heit auf dem Weg ins post­apo­ka­lyp­ti­sche neue Mit­tel­al­ter.