Cells - They Drew First Blood

Ei­ne neue EP von Ma­es­tro Voltaire's zweit­be­kann­tes­ten Pro­jekt Cells. Muss ich da­zu über­haupt noch was sa­gen? Sie­ben neue Häpp­chen hirn- und fuz­zge­fick­ter Hard­core­punk-Glück­se­lig­keit.

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Clock Of Time - Pestilent Planet

Mal wie­der ei­ne wei­te­re Ber­li­ner Band, de­ren Mit­glie­der zu­vor be­reits in an­de­ren Ecken des 12XUniversums Wel­len ge­schla­gen ha­ben, und zwar in Bands wie Di­ät, Aus­mu­te­ants und Vexx, wo­bei Di­ät aber der na­he­lie­gends­te Ver­gleich da­von ist - viel­leicht mit ei­nem et­was aus­ge­präg­te­ren 80er De­ath Rock vi­be. Au­ßer­dem gibt's Ähn­lich­kei­ten et­wa zu ei­ner ver­lang­sam­ten In­kar­na­ti­on der Pret­ty Hurts, zu Cri­mi­nal Code oder den ös­ter­rei­chi­schen Kol­le­gen Red Ga­ze zu be­rich­ten.

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Help - 2053

Ih­re De­büt-EP vor ei­nem Jahr war ja schon ein aus­ge­zeich­ne­tes Stück zeit­ge­nös­si­scher Kra­wall, aber was die Band aus (ver­mut­lich) Port­land für den neu­en Lang­spie­ler auf die Bei­ne stellt ist da noch mal ei­ne ganz un­er­war­te­te Wucht aus Noi­se Rock und Post­core des höchs­ten Ka­li­bers. Was den all­ge­mei­nen Sound an­geht, ste­hen sie de­fi­ni­tiv mit bei­den Fü­ßen in der Ge­gen­wart und er­in­nern mich an Ge­nos­sen wie Tu­nic, De­ath Pa­nels, John (timest­wo), USA Nails oder Girls In Syn­the­sis. Auch wenn die­se Plat­te nicht wirk­lich neue Pfa­de er­schließt, wird da­für aber wirk­lich al­les zu Gold, was Help hier an­fas­sen - da­bei hilft si­cher auch die Tat­sa­che, dass für je­den Song ei­ne smar­te und trag­fä­hi­ge Kom­po­si­ti­on als Fun­da­ment dient. Ein per­fek­ter Stru­del aus an­triebs­star­ken Rhyth­men, ul­tra­fie­sen Bass­groo­ves, un­heil­vol­len Kra­che­rup­tio­nen und - wie man es schon auf der EP be­stau­nen durf­te - ei­nem mit Be­dacht do­sier­ten und des­halb be­son­ders ef­fek­ti­ven Sinn für Me­lo­die, wel­cher das gan­ze Dra­ma noch mal lo­cker aufs nächs­te Le­vel zu he­ben ver­mag.

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Keith Ival - Keith Ival

Ei­ne EP vol­ler so­li­de ge­bau­ter, ul­t­ra­klas­si­scher old­school In­die­rock-Schön­heit, die ei­ner­seits ei­nen Zeit­sprung in die spä­ten 80er/​frühen 90er dar­stellt - ich den­ke da et­wa an Se­bad­oh, frü­he Eric's Trip und ein paar Echos der C86-Ge­nera­ti­on - glei­cher­ma­ßen aber auch an deut­lich jün­ge­re Bands á la Rat Co­lum­ns, The Mol­ds, Omi Pa­lo­ne oder Ovlov er­in­nert.

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Jetzt hab ich auch von Twitter endgültig die Schnauze voll. Warum benutzen wir diesen Scheiß noch?

Jetzt ist ein gu­ter Zeit­punkt, al­le Twit­ter-Ac­counts zu lö­schen. Die Fir­ma Twitter.inc muss end­lich die Kon­se­quen­zen ih­res Han­delns spü­ren. Da­mit das pas­siert, müs­sen wir al­le - und al­le die wir ken­nen - ver­dammt noch mal auf­hö­ren, durch un­se­re Prä­senz zum Er­folg der Platt­form bei­zu­tra­gen. Das glei­che gilt na­tür­lich für Face­book.
Es gibt schon seit län­ge­rer Zeit bes­se­re, un­kom­mer­zi­el­le, de­zen­tra­le Platt­for­men. Wir müs­sen sie nur mal be­nut­zen.

Ein paar viel zu späte Worte über den RRRHund

Die letz­ten paar Mo­na­te wa­ren für mich nicht nur we­gen der of­fen­sicht­li­chen Pan­de­mie-be­ding­ten Um­stän­de ein per­sön­li­cher Durch­hän­ger. Nach dem Um­zug, den da­mit ver­bun­de­nen An­stren­gun­gen und Stra­pa­zen war bei mir ein­fach mal so rich­tig die Luft raus, die psy­chi­sche Ver­fas­sung an­ge­schla­ge­ner als sonst und mein An­triebs- und En­er­gie­le­vel ging so rich­tung null. Das habt ihr zwi­schen­zeit­lich viel­leicht an der nied­ri­gen Fre­quenz neu­er Posts hier be­merkt - ich ver­su­che ge­ra­de, lang­sam auch Blog­mä­ßig wie­der in den Fluss zu kom­men.

Da che­cke ich al­so mal über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum mei­ne Lieb­lings­blogs nicht mehr re­gel­mä­ßig und er­fah­re des­halb auch erst jetzt mit ei­ni­gen Wo­chen Ver­spä­tung, dass Tors­ten Wal­ker - Mann­hei­mer Sze­ne-Ur­ge­stein, DJ, Mu­sik­blog­ger und noch so ei­ni­ges mehr - ge­stor­ben ist. Über die vie­len Din­ge, die er in der lo­ka­len Sze­ne in­ner­halb der ver­gan­ge­nen vier Jahr­zehn­te los­ge­tre­ten hat, wis­sen an­de­re bes­ser be­scheid als ich. Un­se­re We­ge kreutz­ten sich erst vie­le Jah­re spä­ter, als ich ge­ra­de ein ge­wis­ses Mu­sik­blog an den Start ge­bracht hat­te.

Die Zeit ca. 2013-2016 war ein et­was selt­sa­mer Zeit­punkt da­für, war sie doch vor al­lem ge­prägt da­durch, dass die ein­fluss­rei­chen Mu­sik­blogs der 00er Jah­re eins nach dem an­de­ren im­plo­dier­ten und auch die meis­ten von mir ge­schätz­ten Un­der­ground-Blogs ih­re Sa­che an den Na­gel häng­ten. Un­ter den we­ni­gen über den Glo­bus ver­teil­ten Mit­strei­tern, die den düs­te­ren Vor­zei­chen trotz­ten, stach aber ganz be­son­ders ei­ne Face­book­sei­te von ei­nem ge­wis­sen RR­Run­zel­hund her­aus, der sich eben­so wie die­ser Scheiß­blog hier ei­nen feuch­ten Dreck für ak­tu­el­le Trends, für Er­folg & An­er­ken­nung, den Nie­der­gang der klas­si­chen Mu­sik­pres­se oder den all­ge­mei­nen Zeit­geist in­ter­res­sier­te. Ein Typ mit zwei Zim­mern und ei­nem Flur vol­ler Schall­plat­ten und CDs, der ein­fach den we­ni­gen, die es in­ter­es­siert, die Mu­sik na­he brin­gen möch­te, die ihn in die­sem Mo­ment ge­ra­de be­geis­tert.

Die Face­book­sei­te wuchs bald zu ei­nem am­bi­tio­nier­te­ren Pro­jekt na­mens RRR­SoundZ und ei­nem gleich­na­mi­gen Blog, des­sen Po­ten­zi­al und ur­sprüng­li­che Vi­si­on lei­der nie so rich­tig in die Pöt­te ka­men. Ist auch nicht so wich­tig, denn RRR­SoundZ war auch schon in je­der Form ge­ni­al und wich­tig, die es letzt­end­lich an­nahm.

Mei­ne per­sön­li­chen Be­geg­nun­gen mit Tors­ten - ein paar Kon­zer­te hier und da, zwei Aben­de des ge­mein­sa­men DJings - wa­ren nicht sehr vie­le, ha­ben mich aber mehr als nur ein biss­chen be­ein­druckt. Nicht nur war Tors­ten ei­ne sel­te­ne Per­son, des­sen un­fass­ba­re Lei­den­schaft für Mu­sik und Sub­kul­tur auch mit ei­nen Spa­cken wie mir, der sich mit neu­en Be­kannt­schaf­ten sonst eher schwer tut, un­mit­tel­bar zu con­nec­ten ver­moch­te. Ne­ben der Mu­sik teil­ten wir auch ein In­ter­es­se für den ja­pa­ni­schen Film - ei­ne un­wahr­schein­li­che Geis­tes­ver­wandt­schaft un­ter an­sons­ten ex­trem un­ter­schied­li­chen Men­schen.

Und der Mensch, der hat mich ein­fach be­ein­druckt. Je­mand, der seit Jahr­zehn­ten tie­fer im sub­kul­tu­rel­len Ge­sche­hen ge­steckt hat und dort mehr ge­prägt hat als ich es je­mals könn­te, oh­ne sich ir­gend­et­was dar­auf ein­zu­bil­den. Ganz im Ge­gen­teil, Tors­ten stell­te sich als ein ver­dammt auf­ge­schlos­se­nes, neu­gie­ri­ges und aus­ge­spro­chen war­mes ge­gen­über her­aus, im­mer herz­lich und wohl­wol­led. Mit ihm ei­nen Abend zu ver­brin­gen, war im­mer ei­ne be­rei­chern­de, auf­bau­en­de, spa­ßi­ge - aber auch zum Nach­den­ken an­re­gen­de Er­fah­rung. Das Le­vel an En­er­gie, das er beim ver­fol­gen al­ler sei­ner Pro­jek­te an den Tag leg­te, ist ein­fach er­staun­lich. Knapp zwei jahr­zehn­te äl­ter als ich, hät­te es mich den­noch nicht ver­wun­dert, wenn er mich in zwei wei­te­ren Jahr­zehn­ten noch von links mit dem Rol­la­tor über­holt.

Das kam jetzt lei­der nicht so hin. Krebs ist ein ver­fick­tes Arsch­loch und kann die stärks­ten Leu­te in die Knie zwin­gen. Ich möch­te mir selbst da­für in den Arsch tre­ten, dass ich schon so lan­ge schon nicht mehr in Mann­heim vor­bei ge­schaut ha­be, auch wenn ich mei­ne Grün­de da­für hat­te. Ein paar mehr Stun­den mit ge­nia­len Men­schen zu ver­brin­gen wiegt das biss­chen psy­chi­schen Zu­sam­men­bruch doch lo­cker wie­der auf. Die Welt ist nun um ein Ori­gi­nal är­mer und es sieht nicht so aus, als könn­te ir­gend­je­mand an­de­res an sei­ne Stel­le tre­ten. Für sein Um­feld wie auch für die Sub­kul­tur - in Mann­heim, hin­term DJ-Pult, im lo­ka­len Ra­dio, in der Knei­pe oder auch im Netz.

Ich woll­te ei­gent­lich noch ein paar Posts klar­ma­chen heu­te. Aber jetzt muss ich erst mal ein Bier auf Tors­ten trin­ken. Oder fünf. Da­zu wird die Mu­sik lau­fen, denn Stil­le wür­de ihm nicht ge­recht.

Vintage Crop - Serve To Serve Again

Mit Blick auf die bis­he­ri­ge Dis­ko­gra­fie wa­ren mei­ne Er­war­tun­gen an den drit­ten Lang­spie­ler der Grup­pe aus Mel­bourne nicht ge­ring… und Über­ra­schung: Es ist in der Tat ei­ne wei­te­re aus­ge­spro­chen star­ke Plat­te da­bei her­aus ge­kom­men, die es sich in die­ser spe­zi­el­len Ni­sche an der Schnitt­stel­le von schlau­em Ga­ra­ge-, Post- und Art Punk ge­müt­lich macht. An­ge­mes­se­nes Qua­li­täts­fut­ter für Freun­de von Ura­ni­um Club, Pinch Points, Rea­li­ty Group… auch ein biss­chen Sau­na Youth oder Pat­ti sind hier mit an Bord.

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Silicone Values - I Hate Fascist Rock And Roll /​​ Dumb Luck

Zwei ech­te Le­cker­bis­sen aus bo­den­los char­man­tem DIY Punk kom­men hier von ei­ner Band aus Leeds, nicht ganz un­ähn­lich zu an­de­ren Te­le­vi­si­on Per­so­na­li­ties-be­ein­fluss­ten Ka­pel­len un­se­rer Zeit wie et­wa Neu­trals, Sub­ur­ban Ho­mes, Freak Ge­nes.

Tom Lyngcoln - Raging Head

Saustar­kes Ding, das zwei­te So­lo­al­bum von ei­nem Ty­pen, der ein­fach weiß was er tut. Tom Lyng­coln hat bis­her un­ter an­de­rem in den Noi­se­rock- und Post­core-Bands Pa­le Heads und The Na­ti­on Blue, so­wie in den eher Folk-las­ti­gen Lee Me­mo­ri­al und Har­mo­ny ge­spielt. Die­ses Al­bum schaut klar in Rich­tung der lau­te­ren Be­stand­tei­le sei­ner Dis­ko­gra­fie, setzt dem gan­zen aber auch noch ei­ne Rei­he bis­lang frem­der Ele­men­te zu. Sti­lis­tisch deckt das ein re­spek­ta­bles Spek­trum ab, das un­ter an­de­rem an Wi­pers-be­ein­fluss­tem, me­lan­cho­li­schen Post Punk á la Red Dons oder Ner­vo­sas an­eckt, an Post­core der ten­den­zi­ell sehr me­lo­di­schen Mach­art, so et­wa im Sin­ne von Me­at Wa­ve, Bloo­dy Ge­ars und ei­nem biss­chen Hot Sna­kes… und oben­drein gibt es auch noch ei­ne ru­he­lo­se Ga­ra­ge­n­ener­gie wie man sie viel­leicht von Jack­son Reid Briggs & The Hea­ters er­war­ten wür­de. Un­men­gen an über­le­bens­gro­ßem Dra­ma wer­den hier in an­ge­mes­sen star­ke Song­sub­stanz ge­mischt, ver­packt in ei­ne mas­siv drü­cken­de Per­for­mance, der man be­reit­wil­lig je­de No­te ab­kauft.

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Knowso - Rare Auld Trip /​ Specialtronics Green Vision

Das Jahr Co­vid stellt sich jetzt schon als ein recht pro­duk­ti­ves her­aus für die Ga­ra­ge-/Post Punk-For­ma­ti­on Know­so aus Cleve­land, wel­che kürz­lich schon wie­der ein neu­es Al­bum und ei­ne EP raus­ge­hau­en hat - be­reits ihr zwei­ter und drit­ter Re­lease in die­sem Jahr. Sound­mä­ßig ist das ei­ne naht­lo­se Fort­füh­rung bis­he­ri­ger Groß­ar­tig­kei­ten - mi­ni­ma­lis­tisch abs­trak­ter Post Punk mit ge­wis­sen Par­al­le­len zu Nag, Bran­dy oder Con­stant Mon­grel oder den jün­ge­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen der Useless Ea­ters. Was sie aber deut­lich von al­len die­sen Bands un­ter­schei­det ist die un­glaub­li­che Ef­fi­zi­enz ih­rer Songs und Ar­ran­ge­ments - als wä­ren ih­re Riffs und Beats spe­zi­fisch da­für ge­schaf­fen wor­den, sich gut mit Fließ­bän­dern zu ver­tra­gen, be­quem auf Pal­let­ten ge­schich­tet und be­vor­zugt mit dem Ga­bel­stap­ler ver­la­den zu wer­den.

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