The Effects – Eyes To The Light

The Effects - Eyes To The Light

Dischord Records hat ein Album ver­öf­fent­licht. Diese Tat­sa­che ist heut­zu­tage an und für sich schon ein sehr erwäh­nens­wer­tes, weil sel­ten gewor­de­nes Ereig­nis. Und dann han­delt es sich auch noch um die aktu­elle Band von Devin Ocampo, der in den 90ern bei der (in mei­nen Augen) Post­core-Legende Smart Went Crazy am Werk war, spä­ter denn bei den von mir heiß­ge­lieb­ten Mathro­ckern Far­aquet und Medi­ca­ti­ons. Zwi­schen­zeit­lich war er außer­dem bei Death­fix aktiv, die sich aus Mit­glie­dern letzt­ge­nann­ter Band und Fugazi-Drum­mer Bren­dan Canty zusam­men­setz­ten. Seine aktu­elle Band The Effects ver­sprüht dann auch mal wie­der den unver­wech­sel­ba­ren Vibe sei­ner alten Pro­jekte, ver­bin­det das beste aus allen Wel­ten. Die Kom­ple­xen Arran­ge­ments von Far­aquet tref­fen auf die schram­me­lige Leich­tig­keit der Medi­ca­ti­ons und die Ein­gän­gig­keit der alten Smart Went Crazy-Schei­ben. Dabei las­sen Ocampo & Co mehr als je zuvor eine Vor­liebe für pro­gres­si­ves Geg­nie­del raus­hän­gen, was ich ange­sichts der Hoch­wer­tig­keit in Songs und Dar­bie­tung aber pro­blem­los tole­rie­ren kann. Mir wird mal wie­der rich­tig klar, wie sehr ich das ver­misst habe.



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Sodium Beast – Night Club Tonite

Sodium Beast - Night Club Tonite

Ein star­kes zwei­tes Tape hat die New Yor­ker Band da vor­ge­legt, ein mas­si­ver Qua­li­täts­sprung im Ver­gleich zum eher mauen Vor­gän­ger. Noise Rock mit exqui­si­tem Vor­schub und einem sehr post­pun­ki­gen Unter­bau gibt es zu hören, der sich gut ins Umfeld aktu­el­ler Bands wie Tunic, Dasher, USA Nails oder Bat­piss ein­fügt.


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Chain & The Gang – Experimental Music

Chain & The Gang - Experimental Music

2017 war ein bemer­kens­wert geschäf­ti­ges Jahr für die­sen Mann, der mit Leich­tig­keit die Rol­len des Rock’n’Roll-Poeten, Akti­vis­ten, Phi­lo­so­phen, Per­for­mance-Künst­lers und Essay­is­ten (Wink/​mit dem/​Zaun­pfahl) in einer Per­son ver­eint. Ian Sveno­nios, bekannt auch aus alten Bands und Pro­jek­ten wie The Nation Of Ulys­ses, The Make-Up, XYZ und Weird War, hat die­ses Jahr bereits eine Art Best Of-Album mit sei­ner der­zei­ti­gen Band Chain & The Gang ver­öf­fent­licht, das aus­schließ­lich Neu­auf­nah­men der alten Songs ent­hielt. Im Novem­ber kann man sich außer­den auf das erste Album sei­nes Solo­pro­jekts Escape-ism freuen. In der Zwi­schen­zeit haben Chain & The Gang noch kur­zer­hand ihr fünf­tes Album raus­ge­hauen. Schnell und dre­ckig mit Vier­spur-Tech­nik auf­ge­nom­men, erstrahlt das ganze nach den etwas clea­ne­ren letz­ten Alben jetzt wie­der im bes­ten Vin­tage-Sound, der ihnen eh bes­ser steht. Und die zehn Songs, die sich über­wie­gend wie gewohnt ums Über­le­ben im schei­tern­den Kapi­ta­lis­mus dre­hen, gehö­ren mit zum bes­ten, was die Band bis­lang ver­bro­chen hat.



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Lipups – 7ep2

Lipups - 7ep2

Die dritte EP der Band aus Tokyo (auf Band­camp für einen sehr, nun ja… japa­ni­schen, also recht gesal­ze­nen Preis zu bekom­men) gefällt mal wie­der mit einem sehr ver­spiel­ten Sound, der sich zu glei­chen Tei­len aus Garage- und Post­punk speist. Könnte man z.B. als eine post­pun­ki­gere Ver­sion von Rea­lity Group oder eine gara­ge­las­ti­gere inkar­na­tion von Marbled Eye bezeich­nen.

Jackson Reid Briggs & The Heaters – Spit On It And Give It A Name

Jackson Reid Briggs & The Heaters - Spit On It And Give It A Name

Das hier ist bereits das zweite Album, das die Band aus Mel­bourne in die­sem Jahr ver­öf­fent­licht hat. Und so lang­sam müs­sen das drin­gend mal mehr Leute mit­be­kom­men, denn wie schon der Vor­gän­ger ist das Album ein defi­ni­ti­ves High­light des Jah­res. Unglaub­lich Ärsche tre­ten­der Punk­rock ist das nach wie vor, mit varia­blem Gara­gen­fak­tor. Aber wäh­rend das erste Album When Are You Going To Give Up On Me So I Can Give Up On Mys­elf noch eine ein­zige kom­pro­miss­lose Atta­cke war, ist der neue Lang­spie­ler abwechs­lungs­rei­cher und melo­di­scher aus­ge­fal­len. Eine sub­tile Noise-Kante hat das stel­len­weise und auch die folk­i­gen Ein­flüsse der letz­ten EP schei­nen ver­ein­zelt wie­der durch. Ent­spre­chend fällt mir auch kein tref­fen­der Ver­gleich zu einer bestimm­ten Band ein, aber in unter­schied­li­chen Momen­ten kann man sich mal an X (sowohl die Amis als auch die Aus­tra­lier), Sci­en­tists oder Naked Ray­gun erin­nert füh­len.



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Phantom Works – Ohms EP

Phantom Works - Ohms EP

Phan­tom Works kom­men aus Chi­cago, klin­gen auch nach Chi­cago. Abso­lut klas­si­scher, intel­li­gen­ter Lärm, der irgendwo im Noi­sero­ck/­Mathro­ck/­Post­core-Gen­re­kom­plex zuhause ist und deut­li­che Asso­zia­tio­nen zu den gol­de­nen Touch&Go-Zeiten weckt.


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Sleepies – Melt To You

Sleepies - Melt To You

Die New Yor­ker Slee­pies las­sen mal wider was von sich hören in Form eines ziem­lich blauen Kurz­spiel-Tapes. Ihre wuder­bar fluffige Mischung aus Indie Rock und Post­punk, die man inzwi­schen schon fast wie­der als old­schoo­lig bezeich­nen könnte, hat über die Jahre kein biss­chen von ihrem Charme ein­ge­büßt.


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Protomartyr – Relatives In Descent

Protomartyr - Relatives In Descent

Als ich das zweite Album Under Color Of Offi­cial Right von Pro­tom­ar­tyr aus Detroit zum ers­ten mal zu hören bekam, traf mich ihre Musik ganz unvor­be­rei­tet. Der recht ordent­li­che Vor­gän­ger No Pas­sion All Tech­ni­que gefiel mir schon nicht schlecht, ließ aber nicht annä­hernd erah­nen, was für Höhen die Band spä­ter noch erklim­men würde. Plötz­lich war da also diese ange­pisste Gift­spritze von einer Platte, getra­gen von den außer­ge­wöhn­lich ein­falls­rei­chen Arran­ge­ments einer Band, die mit allen Mit­teln daran arbei­tet, die Kon­ven­tio­nen des Post­punk-Gen­res zu über­win­den. Und ein per­fek­ter Klang­tep­pich für die von Joe Casey in einer Mischung aus Wut und Resi­gna­tion vor­ge­tra­ge­nen Vocals, die nicht sel­ten in scharf­zün­gige Rants aus­ar­te­ten. Viel bes­ser kann zeit­ge­mä­ßer Post Punk doch kaum wer­den.

Dachte ich. Und dann kam The Agent Intel­lect. Ein vor Ambi­tion bers­ten­des Album, das den Fokus stär­ker nach außen, auf das Welt­ge­sche­hen rich­tete und des­sen Grund­stim­mung von tie­fer Melan­cho­lie und Welt­schmerz zu einem losen Kon­zept­al­bum von epi­schen Aus­ma­ßen kana­li­siert wurde. Ein ein­dring­li­ches State­ment über die uni­ver­sel­len Abgründe der mensch­li­chen Exis­tenz in einem Umfeld, das zuneh­mend den Ver­stand und jeg­li­che Ver­nunft hin­ter sich lässt. Ich ging zu dem Zeit­punkt davon aus, dass Pro­tom­ar­tyr damit ihren krea­ti­ven Zenit erreicht hat­ten.

Seit­her sind knapp zwei Jahre ver­gan­gen, deren Ereig­nisse sich in ihrer geball­ten Wucht anfüh­len als wäre die Mensch­heit bereit­wil­lig und vor Freude joh­lend in einen Pool aus Scheiße gesprun­gen. Man kann’s auch nicht mehr igno­rie­ren, der Gestank ist ein­fach zu pene­trant und all­ge­gen­wär­tig. Nun ist besagte Scheiße ja auch der Brenn­stoff für die Musik von Pro­tom­ar­tyr, das Poten­zial für ein ordent­li­ches Feuer ist also gege­ben.

Und was für ein präch­ti­ges Feuer sie hier ver­an­stal­ten! Wie schon beim letz­ten mal, als ich dachte, Pro­tom­ar­tyr könn­ten da kaum noch einen drauf­set­zen, über­trifft sich die Band ein wei­te­res mal selbst. Die diver­sen Ereig­nisse sind natür­lich nicht spur­los an Joe Casey vor­bei gegan­gen. Direk­ter als je zuvor neh­men seine Lyrics Bezug auf das Zeit­ge­sche­hen, spie­geln mit deut­li­chen Wor­ten und aus­drucks­star­ken Bil­dern die all­ge­meine Befind­lich­keit, das Chaos, den Zer­fall, die Ver­wir­rung einer Welt wie­der, die ihre bedrü­ckendste exis­ten­zi­elle Krise seit lan­ger Zeit durch­lebt. Dazu pas­send schlägt auch die Musik zuneh­mend getra­gene, nach­denk­li­che Töne an. Mit aber­mals gestei­ger­tem emo­tio­na­len Punch. Keine Frage, Pro­tom­ar­tyr fah­ren mal wie­der ganz beacht­li­ches Drama auf. Dass das funk­tio­niert, ist ihrem bis dato bes­ten, sorg­fäl­tig kon­stru­ier­ten Song­ma­te­rial von beein­dru­cke­ner dra­ma­tur­gi­scher Finesse geschul­det. Die Platte ist eine ver­blüf­fende, nie­der­schmet­ternde, spek­ta­ku­läre Abfahrt. Und Pro­tom­ar­tyr sind die wich­tigste Band der letz­ten Jahre. Punkt.



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Metz – Strange Peace

Metz - Strange Peace

Album Num­mer drei der Noi­sero­cker aus Toronto, die es der­zeit wohl als ein­zige Band die­ses Gen­res schaf­fen, ein gewis­ses Maß an Medien-Buzz zu gene­rie­ren. Mir fie­len so einige Bands ein, die das auch ver­dient hät­ten. Aber in der gegen­wär­ti­gen Auf­merk­sam­keits-Öko­no­mie der Musik­me­dien scheint kein Platz für mehr als eine der­ar­tige Band zu sein. Metz waren halt früh genug dabei, bevor alles den Bach run­ter ging (dar­über habe ich mich hier ja schon mal aus­ge­las­sen…).

Große Ver­än­de­run­gen braucht man bei die­ser Band ja nicht zu erwar­ten, den­noch kann man ein paar Neue­run­gen fest­stel­len. So fin­det man auf dem neuen Album eine unty­pi­sche, zag­haft ein­ge­setzte Melo­diö­si­tät und ver­ein­zelte psy­che­de­li­sche Ein­flüsse, wie sie am deut­lichs­ten in Sink zum tra­gen kom­men. Ich bin dies­be­züg­lich etwas gespal­ten. Einer­seits über­zeugt die Band immer noch am meis­ten, wenn sie in klas­si­scher Manier los­bol­lert. Ande­rer­seits wird es aber auch Zeit für musi­ka­li­sche Wei­ter­ent­wick­lung. Es ist näm­lich frag­lich, ob die Welt noch­mal einen Neu­auf­guss der ers­ten zwei Alben braucht.



The Persian Leaps – Bicycle Face

The Persian Leaps - Bicycle Face

Schon wie­der Herbst. Herbst ist immer ’ne Scheiß­zeit. Mein doo­fes Hirn braucht viel Sonne um halb­wegs zu funk­tio­nie­ren und geht jetzt in den kal­ten Ent­zug. Aber auf eine Sache kann ich mich jeden Herbst freuen, und das schon seit eini­gen Jah­ren: Dass die Power­pop­per The Per­sian Leaps aus St. Paul, Min­nes­sota pünkt­lich zum Sep­tem­ber eine neue EP ablie­fern. Auch dies­mal ist das wie­der eine schön runde Ange­le­gen­heit gewor­den. Melo­disch-melan­cho­li­scher Power­pop, der keine über­trie­be­nen Ambi­tio­nen hegt, dafür aber kon­stant und zuver­läs­sig mit grund­so­li­dem Song­ma­te­rial auf­war­tet.


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