Simpler und eingängiger Post Punk aus der umtriebigen Leipziger Szene. Das gewinnt jetzt zwar keinen Innovationspreis, ist dafür aber umso stilsicherer in seinem Synth-Unterstützten, minimalistischen Ansatz, der seine vage oldschooligen Kalter-Krieg-Vibes selbstbewusst zur Schau trägt. In Shining River Utah gibt es dann doch mal eine kleine Überraschung in Form ausgeprägter Folk-/Americana-Vibes à la Angst oder Mittachtziger Gun Club und auch im weiteren Verlauf versteht man es durchaus, den Scheiß abwechslungseich und kurzweilig zu gestalten. Überhaupt fällt dabei ein ungewöhnlich spaßiger, warmer, positiver Vibe auf, der trotz der weitgehenden Beschränkung auf etablierte Genre-Parameter einen Großteil der Songs durchzieht.
Schones Schlagloch voll mit einer truben Brühe des unschuldigen, dreckigen Spaßes, diese Sammlung von Lo-Fi Demoaufnahmen einer Band aus Philadelphia, welche hier einen Radau der oldschoolig primitiven Machart lostritt. Etwa wie eine Vermengung der frühen Werke von Eddy Current Suppression Ring und UV Race mit der rohen Energie früherer Acts wie Gories, Oblivians, Reatards.
Oooohkay… noch die Wunden leckend vom fiesen Deutschpunk-Hinterhalt gestern, widmen wir uns hier mal wieder unserer Fremdsprachen-/Weltmusik-Abteilung. Wöd heißt Welt, oder? Und außerdem auch "ziemlich scheiße gut", behauptet zumindest das Internet und was da drin steht stimmt ja selbstredend immer. Also ja, ziemlich wöd ist auch der langspielende Nachfolger zu der schon ganz leiwanden 2020er EP der Wiener Garagenkinder ausgefallen, wenn auch ab und an mal etwas zu nah an volkstümlichem Umtata und Blasmusik für mein zartes Gemüt.
Nicht lange nach der arschtretenden Schedule 1 EP bekommen wir aus dem guten Hause Dirt Cult Records schon die nächste Band vorgesetzt, die den Geist des melodischen Post Punk der späten 2000er und frühen 2010er reanimiert. Diesmal kommen die verantwortlichen aus, ähm… Bielefeld?!? Ist nicht euer Ernst! Nein, nein, nein, das kann so nicht stimmen. Musikalisch haben wir es also mit dem inzwischen schon wieder halbwegs oldschool zu nennenden, Song- und Melodie-lastigen, leicht Wipers-beeinflussten Ansatz zu tun und das Songmaterial ist stark genug um ihnen das abzukaufen. Das ist ohne Frage essenzielles Futter für Freunde von so Gedöns á la The Estranged, Anxious Living, Daylight Robbery, Xetas, Red Dons oder etwas aktueller: DDR und den bereits erwähnten Schedule 1.
Die kürzlich erschienene digitale Single Skeleton/Runaway war ja schon ein Arsch voll feinster Garagenqualität und ein massiver Quantensprung im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen. Die neueste EP der Band aus Austin, Texas legt hochwertig nach, klarer Höhepunkt ist dabei der perfekte Powerpop-Doppelschlag namens The Amazing Super Ultra Spiderman & Shit Me Out, aber der Rest braucht sich auch nicht verstecken, kommt in etwa rüber wie eine amazing super ultra heilige Dreieinigkeit bestehend aus Ausmuteants, S.B.F. und Set-Top Box.
Eine äußerst appetitanregende erste EP einer Band aus London, die einen etwas schwammig einzuordnenden, halbwegs rauen aber auch eingängigen Stilmix spielen, im groben so 60% Garage Punk und 40% Postcore, was insgesamt an eine eher diffuse Ansammlung von Bands erinnert zu denen unter anderem etwa The Abandos, Obits, Golden Pelicans, Mass Lines, Dumb Punts und Ascot Stabber gehören.
Auch wenn ich absolut glücklich über die vielfältige, clevere und immer schön seltsame Evolution bin, welche die diversen Stränge des Garage Punk in jüngeren Jahren durchlaufen haben, steht mir doch manchmal der Kopf mehr nach etwas weniger durchgegarter, rudimentärer Hausmannskost. Das neue Tape des Garagenduos 208 aus Detroit trifft genau in diese Kerbe mit der rohen, primitiven, verschwitzten und etwas zu besoffenen Machart von Garage Punk - die Sorte für die man eine Seele aber kein Gehirn braucht. Wobei, mir ist natürlich bewusst, dass die Seele ein dummes religiöses Konzept ist, für das es in der Realität null Evidenz gibt. Also gut, sagen wir stattdessen mal, es genügt ein vom Leben durchgeschütteltes, leicht defektes Gehirn um damit umzugehen oder irgendwas in die Richtung, okay? Das Klangbild hier ist einfach perfekt und ein allgegenwärtiges, digitales wie auch analoges Clipping ist kein Bug sondern ein Feature - ein Fuzz-getriebender Zermalmer von Songs, die in erster Linie älteren Scheiß heraufbeschwören wie etwa Oblivians, Gories, Pussy Galore, Feedtime, Reatards oder was auch immer euch dazu noch einfällt.
Die spanische Szene ist in letzter Zeit mal wieder 'ne einzige Goldgrube (übrigens, wo man schon vom Diablo spricht, habt ihr alle schon die ganz famose Hogar LP gehört?) - neuestes Beweisstück ist diese schnuckelige EP einer Band aus… Barcelona, denke ich mal? Zumindest scheint die Stadt in den Lyrics eine Rolle zu spielen, auch wenn ich sonst überhaupt nichts verstehe. Macht jedenfalls ordentlich Spaß, ihr Garage Punk, der sich überwiegend zwischen einfach gestrickten '77er Vibes und dem verwinkelten Groove jüngerer Vertreter á la Uranium Club, Pinch Points abwechselt.
Auf seiner zweiten 7" für Goodbye Boozy Records erhöht Cal Donald aka Liquid Face mal ganz empfindlich den Energielevel und Distortion-Faktor - als Resultat davon kommt sein spezielles Garage-/Synth-/Post Punk-Gebräu jetzt ein wenig rüber wie ein zotteliger Bastard irgendwo zwischen den welten von Powerplant, Mononegatives und dem Noise Punk von Brandy.
Irgendwie hab ich dieses bezaubernde Album aus eigenwilligem Post Punk übersehen als es zum ersten mal als Tape auf Future Shock erschienen ist und ich gehöre geteert und gefedert dafür. Nu ja, hier kommt meine zweite Chance, denn das Ding ist jetzt nochmal auf Drunken Sailor Records auf zwölf Zoll breitem PVC erschienen. The Drin sind ein Soloprojekt von Dylan McCartney, der vielleicht schon aus so Bands wie Vacation, The Serfs, Crime Of Passing, The Switzerlands und noch ein paar anderen geläufig ist. Die Platte beginnt mit einem etwas Joy Division-mäßigen Beat, der unvermittelt in Drones getränkt wird, denen so ein bisschen was von Suicide-meets-Chrome innewohnt. Als nächstes dann eine Nummer, die klingt als hätten frühe Ride eine Dub-Erleuchtung bekommen und nachfolgend scheint das Zeug hier durch zufällige Iterationen des frühen britischen DIY Post Punk zu kreisen - mehr als einmal fühle ich mich an Bands wie The Membranes, Desperate Bicycles und Swell Maps erinnert. An jüngeren Acts könnte man in den Dub-lastigen Momenten Exek als Vergleich bemühen und an anderen Stellen die Neo Kraut- und Space Rock-Ausflüge von Moon Duo. Eine einzige Schönheit, das alles.