Nicht viel verändert sich jemals in der Musik von Needles//Pins aus Vancouver und in so Scheißjahren wie den letzten anderthalb kann diese Vertrautheit überaus beruhigend wirken. Sie spielen immer noch diese gewisse Art von Punk Rock… ihr wisst schon. Die vollkommen unsubtile und ganz uncool aufrichtige, die emotionale, melodische, euphorische, Folk- und Americana-getränkte Machart, die immer zu peinlichem Mitgesinge und emotionalem Ausdruck im Publikum führt. Einfach abartig. Ich vermisse es gerade so sehr…
Irgend so’n Kellerhocker in Leipzig spielt mit piepsender Hardware und Aufnahmegeräten rum, hat dabei noch nicht ganz begriffen, dass er sich damit an die vorderste Front des guten Kampfes in der Eierkopf-Revolution befördert. Die Platte ist ein verdammtes Meisterstück das ihr alle in eurem Leben braucht. Ich hab sie erst einmal gehört und fühle mich jetzt schon schlauer und ausgewogener – zur vollen Erleuchtung kann es nicht mehr weit sein. Und wo ich ja selbst langsam alt und weise werde, kann ich es kaum genug erwähnen wie stolz ich auf den kleinen Scheißer bin.
Die Berliner Szene, wo jeder Musikant heimlich auch in jeder anderen Partykapelle für Verstimmung sorgt, hat schon wieder etwas fallen gelassen. Kurzspieler № 2 von Maske beginnt in etwa wie S.Y.P.H. gefiltert durch Wire und Crass, kann außerdem auch Weirdcore á la Stinkhole, Stuttgart-Sound-aber-fun und nicht zuletzt an Membranes erinnernde Post Punk- und Proto Noise- Skizzen. Manchmal versucht man etwas Englisch. Auch das hat einen gewissen Charme.
Das Demo dieser Band aus Cardiff lockt den Hörer zuerst mit etwas derbem Hardcoregeklöppel auf die falsche Fährte, dann wird aber schnell klar, dass dieser Sprengsatz aus konzentrierter LoFi-Energie deutlich mehr Substanz unter der Haube hat. Einmal den dichten Nebel aus Fuzz und Distortion durchdrungen, offenbart sich ein melodisches Farbenspiel und ein Klangkostüm mit Zutaten aus Post Punk und Noise Pop, das insgesamt etwas wie ein zotteliger Mischling aus Sievehead und Piles anmutet.
Ziemlicher Regelbetrieb auf der neuesten 7″ der Flat Worms aus L.A.. Will meinen: astreiner Qualitätsscheiß mal wieder in Form zweier Songs, die ihre ureingene Formel mit Bestandteilen von Garage-, Post Punk und etwas Noise-Brandbeschleuniger gewohnt kompakt auf den Punkt bringen. Flat Worms bleiben zuverlässige Krachlieferanten meines Vertrauens.
Nur um das mal klarzustellen: Wenn ihr mich überzeugen wollt, dass ich umgerechnet ~4,60€ dafür bezahle um ganze zwei Songs runterzuladen, dann sollten diese zwei Songs besser mal verdammt brilliante, über jeden Zweifel erhabende Kanonen sein. Aber verdammt brilliante, über jeden zweifel erhabene Kanonen… ja das sind diese Songs einer Band aus Tokyo fraglos. Die Kasse darf also mal klingeln.
Die Band aus London (Ontario, Kanada) hat inzwischen schon ’ne Handvoll ganz netter EP’s abgesondert, aber erst auf ihrem neuen Langspieldebüt geht die Summe der Teile mal so richtig auf in zwölf 12XU-zertifizierten Killertracks aus charmant verspultem, hocheinfallsreichem und tadellos vorwärts gehendem Garage-, Synth- und Post Punk mit Anklängen an Useless Eaters, Pow!, Ex-Cult und Predator.
Eine raubeinige aber auch ziemlich melodische Wall Of Sound errichtet das Debütalbum dieser Band aus Aarhus, ein Klangbild zwischen den Welten von Noise Pop, Art- und Post Punk, gleichermaßen an Teksti TV 666 und The Men der Open Your Heart-Ära erinnernd, an 80er SonicYouth-ismen und nicht ohne eine gewisse MX-80-Kante. Als ob das alles noch nicht verlockend genug wäre, macht obendrein noch eine ruhelose Bläsersektion jeglichen Widerstand zwecklos.
Guter aber verstörender Scheiß, die jüngste EP dieser Gruppe aus Los Angeles. Tiefschwarzer Post Punk, der von den hässlichen Abgründen erzählt, welche durch unsere moderne Technik gleichermaßen offengelegt aber auch erst ermöglicht werden (und ja, das beinhaltet ganz explizit auch Kinderpornos und -missbrauch). Soundmäßig würde ich das mal als eine seltsame Fusion aus The Estranged und The Spits bezeichnen, die außerdem durch ganz amtliche Death Rock- und Synth Wave-Vibes komplettiert wird.
Die wöchentlich verordnete Vitaminpille aus leicht Devo-mäßigem Garage- und Synthpunk kommt dieses mal von einer Band aus Perth und wird mit Sicherheit ihre belebende Wirkung bei den Gönnern von Zeug wie Skull Cult, Research Reactor Corp., Alien Nosejob, Isotope Soap oder Erik Nervous nicht verfehlen.