Idylls - The Barn

Das be­reits drit­te Al­bum der Idylls aus Bris­bane ent­wi­ckelt ei­nen ziem­lich der­ben Sound­bro­cken, der glei­cher­ma­ßen im Noi­se Rock und Me­tal zu­hau­se ist. Von der Noi­se­rock-Sei­te her greift ih­re Mu­sik un­ter an­de­rem klas­si­sche Am­Rep-Tra­di­tio­nen auf, trifft da­bei aber auf deut­lich me­tal­li­sche­re Ver­satz­stü­cke, de­nen man ei­ne ge­wis­se Nä­he zu an­de­ren zeit­ge­nös­si­schen, ih­re Gen­res tran­szen­die­ren­den Bands wie Con­ver­ge oder Couch Slut nicht ab­spre­chen kann.



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Kommissars - Kommissars

Das ers­te Tape der Kom­mis­sars aus Sud­bu­ry, Ka­na­da macht mit durch­weg kom­pe­ten­tem Post Punk schon mal or­dent­lich ge­spannt auf die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung der Band. Über den Gi­tar­ren schwebt hier öf­ter mal ein sub­ti­ler So­nic Youth-Vi­be, an­sons­ten er­in­nern mich die fünf ab­wechs­lungs­rei­chen Songs stel­len­wei­se mal an frü­he Pro­tomar­tyr, Sar­casm, Rank/​Xerox oder Marbled Eye.


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The Effects - Eyes To The Light

Di­schord Re­cords hat ein Al­bum ver­öf­fent­licht. Die­se Tat­sa­che ist heut­zu­ta­ge an und für sich schon ein sehr er­wäh­nens­wer­tes, weil sel­ten ge­wor­de­nes Er­eig­nis. Und dann han­delt es sich auch noch um die ak­tu­el­le Band von De­vin Ocam­po, der in den 90ern bei der (in mei­nen Au­gen) Post­core-Le­gen­de Smart Went Cra­zy am Werk war, spä­ter denn bei den von mir heiß­ge­lieb­ten Mathro­ckern Far­aquet und Me­di­ca­ti­ons. Zwi­schen­zeit­lich war er au­ßer­dem bei De­ath­fix ak­tiv, die sich aus Mit­glie­dern letzt­ge­nann­ter Band und Fu­ga­zi-Drum­mer Bren­dan Can­ty zu­sam­men­setz­ten. Sei­ne ak­tu­el­le Band The Ef­fects ver­sprüht dann auch mal wie­der den un­ver­wech­sel­ba­ren Vi­be sei­ner al­ten Pro­jek­te, ver­bin­det das bes­te aus al­len Wel­ten. Die Kom­ple­xen Ar­ran­ge­ments von Far­aquet tref­fen auf die schram­me­li­ge Leich­tig­keit der Me­di­ca­ti­ons und die Ein­gän­gig­keit der al­ten Smart Went Cra­zy-Schei­ben. Da­bei las­sen Ocam­po & Co mehr als je zu­vor ei­ne Vor­lie­be für pro­gres­si­ves Geg­nie­del raus­hän­gen, was ich an­ge­sichts der Hoch­wer­tig­keit in Songs und Dar­bie­tung aber pro­blem­los to­le­rie­ren kann. Mir wird mal wie­der rich­tig klar, wie sehr ich das ver­misst ha­be.



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Sodium Beast - Night Club Tonite

Ein star­kes zwei­tes Tape hat die New Yor­ker Band da vor­ge­legt, ein mas­si­ver Qua­li­täts­sprung im Ver­gleich zum eher mau­en Vor­gän­ger. Noi­se Rock mit ex­qui­si­tem Vor­schub und ei­nem sehr post­pun­ki­gen Un­ter­bau gibt es zu hö­ren, der sich gut ins Um­feld ak­tu­el­ler Bands wie Tu­nic, Da­s­her, USA Nails oder Bat­piss ein­fügt.


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Chain & The Gang - Experimental Music

2017 war ein be­mer­kens­wert ge­schäf­ti­ges Jahr für die­sen Mann, der mit Leich­tig­keit die Rol­len des Rock'n'Roll-Poeten, Ak­ti­vis­ten, Phi­lo­so­phen, Per­for­mance-Künst­lers und Es­say­is­ten (Wink/​mit dem/​Zaun­pfahl) in ei­ner Per­son ver­eint. Ian Svenoni­os, be­kannt auch aus al­ten Bands und Pro­jek­ten wie The Na­ti­on Of Ulys­ses, The Make-Up, XYZ und Weird War, hat die­ses Jahr be­reits ei­ne Art Best Of-Al­bum mit sei­ner der­zei­ti­gen Band Chain & The Gang ver­öf­fent­licht, das aus­schließ­lich Neu­auf­nah­men der al­ten Songs ent­hielt. Im No­vem­ber kann man sich au­ßer­den auf das ers­te Al­bum sei­nes So­lo­pro­jekts Es­cape-ism freu­en. In der Zwi­schen­zeit ha­ben Chain & The Gang noch kur­zer­hand ihr fünf­tes Al­bum raus­ge­hau­en. Schnell und dre­ckig mit Vier­spur-Tech­nik auf­ge­nom­men, er­strahlt das gan­ze nach den et­was clea­ne­ren letz­ten Al­ben jetzt wie­der im bes­ten Vin­ta­ge-Sound, der ih­nen eh bes­ser steht. Und die zehn Songs, die sich über­wie­gend wie ge­wohnt ums Über­le­ben im schei­tern­den Ka­pi­ta­lis­mus dre­hen, ge­hö­ren mit zum bes­ten, was die Band bis­lang ver­bro­chen hat.



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Lipups - 7ep2

Die drit­te EP der Band aus To­kyo (auf Band­camp für ei­nen sehr, nun ja… ja­pa­ni­schen, al­so recht ge­sal­ze­nen Preis zu be­kom­men) ge­fällt mal wie­der mit ei­nem sehr ver­spiel­ten Sound, der sich zu glei­chen Tei­len aus Ga­ra­ge- und Post­punk speist. Könn­te man z.B. als ei­ne post­pun­ki­ge­re Ver­si­on von Rea­li­ty Group oder ei­ne ga­ra­ge­las­ti­ge­re in­kar­na­ti­on von Marbled Eye be­zeich­nen.

Jackson Reid Briggs & The Heaters - Spit On It And Give It A Name

Das hier ist be­reits das zwei­te Al­bum, das die Band aus Mel­bourne in die­sem Jahr ver­öf­fent­licht hat. Und so lang­sam müs­sen das drin­gend mal mehr Leu­te mit­be­kom­men, denn wie schon der Vor­gän­ger ist das Al­bum ein de­fi­ni­ti­ves High­light des Jah­res. Un­glaub­lich Är­sche tre­ten­der Punk­rock ist das nach wie vor, mit va­ria­blem Ga­ra­gen­fak­tor. Aber wäh­rend das ers­te Al­bum When Are You Go­ing To Gi­ve Up On Me So I Can Gi­ve Up On Mys­elf noch ei­ne ein­zi­ge kom­pro­miss­lo­se At­ta­cke war, ist der neue Lang­spie­ler ab­wechs­lungs­rei­cher und me­lo­di­scher aus­ge­fal­len. Ei­ne sub­ti­le Noi­se-Kan­te hat das stel­len­wei­se und auch die fol­ki­gen Ein­flüs­se der letz­ten EP schei­nen ver­ein­zelt wie­der durch. Ent­spre­chend fällt mir auch kein tref­fen­der Ver­gleich zu ei­ner be­stimm­ten Band ein, aber in un­ter­schied­li­chen Mo­men­ten kann man sich mal an X (so­wohl die Amis als auch die Aus­tra­li­er), Sci­en­tists oder Na­ked Ray­gun er­in­nert füh­len.



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Phantom Works - Ohms EP

Phan­tom Works kom­men aus Chi­ca­go, klin­gen auch nach Chi­ca­go. Ab­so­lut klas­si­scher, in­tel­li­gen­ter Lärm, der ir­gend­wo im Noi­sero­ck/­Mathro­ck/­Post­core-Gen­re­kom­plex zu­hau­se ist und deut­li­che As­so­zia­tio­nen zu den gol­de­nen Touch&Go-Zeiten weckt.


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Sleepies - Melt To You

Die New Yor­ker Slee­pies las­sen mal wi­der was von sich hö­ren in Form ei­nes ziem­lich blau­en Kurz­spiel-Tapes. Ih­re wu­der­bar fluffi­ge Mi­schung aus In­die Rock und Post­punk, die man in­zwi­schen schon fast wie­der als old­schoo­lig be­zeich­nen könn­te, hat über die Jah­re kein biss­chen von ih­rem Charme ein­ge­büßt.


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Protomartyr - Relatives In Descent

Als ich das zwei­te Al­bum Un­der Co­lor Of Of­fi­cial Right von Pro­tomar­tyr aus De­troit zum ers­ten mal zu hö­ren be­kam, traf mich ih­re Mu­sik ganz un­vor­be­rei­tet. Der recht or­dent­li­che Vor­gän­ger No Pas­si­on All Tech­ni­que ge­fiel mir schon nicht schlecht, ließ aber nicht an­nä­hernd er­ah­nen, was für Hö­hen die Band spä­ter noch er­klim­men wür­de. Plötz­lich war da al­so die­se an­ge­piss­te Gift­sprit­ze von ei­ner Plat­te, ge­tra­gen von den au­ßer­ge­wöhn­lich ein­falls­rei­chen Ar­ran­ge­ments ei­ner Band, die mit al­len Mit­teln dar­an ar­bei­tet, die Kon­ven­tio­nen des Post­punk-Gen­res zu über­win­den. Und ein per­fek­ter Klang­tep­pich für die von Joe Ca­sey in ei­ner Mi­schung aus Wut und Re­si­gna­ti­on vor­ge­tra­ge­nen Vo­cals, die nicht sel­ten in scharf­zün­gi­ge Rants aus­ar­te­ten. Viel bes­ser kann zeit­ge­mä­ßer Post Punk doch kaum wer­den.

Dach­te ich. Und dann kam The Agent In­tel­lect. Ein vor Am­bi­ti­on bers­ten­des Al­bum, das den Fo­kus stär­ker nach au­ßen, auf das Welt­ge­sche­hen rich­te­te und des­sen Grund­stim­mung von tie­fer Me­lan­cho­lie und Welt­schmerz zu ei­nem lo­sen Kon­zept­al­bum von epi­schen Aus­ma­ßen ka­na­li­siert wur­de. Ein ein­dring­li­ches State­ment über die uni­ver­sel­len Ab­grün­de der mensch­li­chen Exis­tenz in ei­nem Um­feld, das zu­neh­mend den Ver­stand und jeg­li­che Ver­nunft hin­ter sich lässt. Ich ging zu dem Zeit­punkt da­von aus, dass Pro­tomar­tyr da­mit ih­ren krea­ti­ven Ze­nit er­reicht hat­ten.

Seit­her sind knapp zwei Jah­re ver­gan­gen, de­ren Er­eig­nis­se sich in ih­rer ge­ball­ten Wucht an­füh­len als wä­re die Mensch­heit be­reit­wil­lig und vor Freu­de joh­lend in ei­nen Pool aus Schei­ße ge­sprun­gen. Man kann's auch nicht mehr igno­rie­ren, der Ge­stank ist ein­fach zu pe­ne­trant und all­ge­gen­wär­tig. Nun ist be­sag­te Schei­ße ja auch der Brenn­stoff für die Mu­sik von Pro­tomar­tyr, das Po­ten­zi­al für ein or­dent­li­ches Feu­er ist al­so ge­ge­ben.

Und was für ein präch­ti­ges Feu­er sie hier ver­an­stal­ten! Wie schon beim letz­ten mal, als ich dach­te, Pro­tomar­tyr könn­ten da kaum noch ei­nen drauf­set­zen, über­trifft sich die Band ein wei­te­res mal selbst. Die di­ver­sen Er­eig­nis­se sind na­tür­lich nicht spur­los an Joe Ca­sey vor­bei ge­gan­gen. Di­rek­ter als je zu­vor neh­men sei­ne Ly­rics Be­zug auf das Zeit­ge­sche­hen, spie­geln mit deut­li­chen Wor­ten und aus­drucks­star­ken Bil­dern die all­ge­mei­ne Be­find­lich­keit, das Cha­os, den Zer­fall, die Ver­wir­rung ei­ner Welt wie­der, die ih­re be­drü­ckends­te exis­ten­zi­el­le Kri­se seit lan­ger Zeit durch­lebt. Da­zu pas­send schlägt auch die Mu­sik zu­neh­mend ge­tra­ge­ne, nach­denk­li­che Tö­ne an. Mit aber­mals ge­stei­ger­tem emo­tio­na­len Punch. Kei­ne Fra­ge, Pro­tomar­tyr fah­ren mal wie­der ganz be­acht­li­ches Dra­ma auf. Dass das funk­tio­niert, ist ih­rem bis da­to bes­ten, sorg­fäl­tig kon­stru­ier­ten Song­ma­te­ri­al von be­ein­dru­cke­ner dra­ma­tur­gi­scher Fi­nes­se ge­schul­det. Die Plat­te ist ei­ne ver­blüf­fen­de, nie­der­schmet­tern­de, spek­ta­ku­lä­re Ab­fahrt. Und Pro­tomar­tyr sind die wich­tigs­te Band der letz­ten Jah­re. Punkt.



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