Rund vier Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen bekommen wir recht überraschend einen neuen Kurzspieler der Band aus Vancouver vorgesetzt, die im Jahre 2016/17 mit einer makelloses EP überzeugte, gefolgt von einem etwas enttäuschenden, unausgegorenen Nachfolger. Die vier neuen Songs präsentieren sie hingegen wieder ganz in ihrem Element, alternierend zwischen zwei energischen Lärmeruptionen und einem getrageneren, melancholischen Doppelpack, das ein bisschen mehr Geduld einfordert um sich dann aber ganz vorzüglich zu entfalten. Wie schon zuvor erinnert mich das an eine etwas melancholischere, unaufgeregte und melodische Inkarnation von Rank/Xerox, Sarcasm oder Sievehead.
Wenn man gerade vom Teufel spricht… kommt auch gleich schon das neueste Unterfangen des Warttman-Imperiums um die Ecke gebogen, entzückend wie eh und je. Vier ungeschliffene Ohrwürmer aus Garage Punk und Power Pop, die mich von allen Warttman-Bands und -projekten am ehesten an R.M.F.C. und Satanic Togas erinnern, aber mit einem gewissen Southern Rock-Schlenker (in diesem Fall… der Süden wovon eigentlich?) nicht ganz unähnlich zu frühen Sheer Mag EPs.
Die australischen Warttman-Anhängsel Research Reactor Corp. und die Spanier Prison Affair haben nicht nur bezüglich ihrer Lo-Fi Garage-Klangästhetik viel gemeinsam, sondern beide haben auch bereits (wieder-)Veröffentlichungen an der ersten Theke vorzuweisen, daher ist es jetzt auch nicht mehr so überraschend, dass beide für eine geile neue Split-EP auf ETT gemeinsame Sache machen – zehn Minuten ebenso schräge wie eingängige Garage Punk-Qualitätsware, die Genre-Feinschmecker erneut überzeugen wird.
Die Berliner waren mir bisher von einer Handvoll Demos bekannt, die allesamt mehr oder weniger an den schäbigen Produktionswerten krankten. Umso schöner deshalb, sie jetzt mal in einem Sound zu hören, der ihrer schieren Wucht gerecht wird. Das Resultat ist mindestens so gut wie ich es vermutet hätte – ihre ultra-räudige Mischung aus Post- und Hardcorepunk mit Anleihen von Death Rock und Garage schlägt zuverlässig genau da ein wo es wehtut.
Ein echter Leckerbissen von einer Band aus Kyoto! LLRR machen Post Punk, der sich gleichermaßen catchy und kantig gibt. Häufig tanzbar, manchmal mit Mathrock-Strukturen spielend, in anderen Momenten ausgesprochen oldschool No Wave-funky. Eine bombenfeste Rhythmussektion rollt den idealen Klangteppich aus, auf dem sich die widerspenstigen und doch manchmal unerwartet melodischen Eruptionen vom Gitarristen Yuzuru Sano und hypnotische Vocals von Minami Yokota ausbreiten können, welche oft so integral in das rhythmische Fundament verwoben sind wie man es selten von aktuellen Bands hört.
Habt ihr schon diese Super Cheap EP gehört, die man superbillig von Painters Tapes bekommen kann? Das ist ein schräger kleiner Klumpen aus Baustellenlärm – ziemlich wild, schnell und angenehm kurz. Etwa so wie ein Mischling aus Soupcans, Lumpy and the Dumpers, Stinkhole und Connie Voltaires diversen Hardcore-Projekten.
Whoa, was für eine exzellente Debüt-EP hat da eine Band aus Memphis, Tennessee abgeliefert! Der Opener hat was von Drive Like Jehu und Hot Snakes im kreativen Overdrive-Modus, außerdem auch etwas Meat Wave, Mystic Inane, Tunic und Wymyns Prysyn an Bord. Als nächstes wird dann mal direkt zwei Gänge runter geschaltet mit einer Postpunk-Nummer, in der ein pulsierender Beat mit einer ordentlichen Ladung Flying Nun-Psychedelia kollidiert sowie einem gewissen Sauna Youth Vibe. Letzterer durchdringt auch die zwei darauf folgenden Garage Punk-Knaller mit Anflügen von Ex-Cult, frühen Teenanger oder Dumb Punts, wobei der Sound graduell in einen an Gotobeds, Sleepies oder B-Boys erinnernden Post Punk und Indie Rock-Sound morpht… nur um mitten im Rausschmeißer Warm Satellite erneut seine Gestalt zu verwandeln und die Platte mit einem Swervedriver-artigen Slow Jam zu beschließen. Ohne Scheiß, diese Platte leistet sich einfach keine einzige Schwäche!
Mit bislang vier EPs via Neon Taste auf dem Kerbholz haben Bootlicker aus Vancouver bislang ausschließlich ins Schwarze getroffen, warum also irgendwas dran ändern? Sie versuchen das auch gar nicht und entsprechend zeigt sich ihre Machart von schnörkellos-oldschooligem Hardcore-Fön auch auf dem ersten Langspieler weitgehend frei von Überraschungen und dennoch von Anfang bis Ende mitreißend.
Chunklet Industries haut mal wieder die Scheiße kaputt mit dieser Debüt-7″ einer Noise Rock- / Post Punk-Supergroup, eine geradezu unheilige Dreieinigkeit bestehend aus Mitgliedern von Spray Paint, Wilful Boys und Brandy. Ihr Sound beinhaltet deutliche Anleihen von allen drei genannten Bands ohne dabei allzu vorhersehbar zu klingen. Die A-Seite versprüht in der Tat diesen gewissen Spray Paint-Vibe während der zweite Track sich etwas stärker in Richtung der anderen beiden Bands rauslehnt. Desweiteren wird uns auch schon ein Langspieler für den Herbst versprochen, also haltet mal ein Auge drauf!
War ihr selbstbetiteltes 2018er Debüt wohl ihre verspielteste und die darauf folgende Bug-EP ihre kompromissloseste Platte, so präsentiert ihre kürzlich via adagio830 erschienene zweite LP ganz klar einige der bislang präzisesten, schnörkellosesten und doch unverschämt ausgefuchsten Songkonstrukte der Berliner. Wie gehabt erinnert mich das an so viele herausragende Genre-Mitstreiter inner- und außerhalb Berlins. Etwa an Negative Space, Pretty Hurts, Rank/Xerox, Diät, Public Eye, Exit Group, Nag… die Liste könnte ewig so weitergehen. In anderen Worten: Erstklassiger Scheiß!