Mortuary Ritual – Demo Tape

Neuer Hardcorescheiß aus Athens, Georgia, der seine überwältigende what-the-fuckness und disorientierenden Qualitäten nicht unwesentlich der komplett ausgebombten Produktionsästhetik zu verdanken hat, aber die noise-verseuchten Big Black-Versatzstücke, die aus allen Ritzen einer brüchigen Oberfläche aus weißem Rauschen heraussickern, tun sicher auch ihr übriges. Nimmst du all den Dreck weg, mag sich sich dahinter entweder die großartigste oder die fragwürdigste Hardcore-Performance der Welt offenbaren und irgendwie ist es mir fast egal, denn in all seiner Schäbigkeit klingt das für mich schon nach purer Ekstase.

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Gunner – Reality Soldier

Diese Band aus Perth, Australien, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Semtex 87, stellt das bereits ziemlich wuchtige Schaffen jener Vorgängerband noch mal locker in den Schatten in Sachen überwältigender Lärmattacke, eine maximal giftige Wetterfront verpackt in eine dicke Schicht aus Noise, Feedback und Distortion, Dreck, Öl und Ruß. Wer aber genauer hinhört, dem offebart sich darunter ein ungeahnt reichhaltiger Kern voller Nuancen und Details, die das hier zu einem ausgesprochen lohnenden Unterfangen machen das fraglos auf einem höheren Level agiert als irgendeine beliebige Hard-/Noisecore-Veröffentlichung.

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Dust Collector – Dust Collector

Hardcore Punk aus Los Angeles, der mehr als genug bezaubernde Tricks aus dem Ärmel schüttelt und dabei auch noch ordentlich Fleisch auf den musikalischen Knochen hat um den Hörer jederzeit bei der Stange zu halten. Eine gute Menge frischer und kreativer Klang-Stimuli werden da also ablgeliefert, aber gleichsam der Hörer auch zur willenlosen Unterwerfung bearbeitet mit einer unnachgiebigen und saumäßig tighten Abrissbirne von einer Performance, die einfach keine Gefangenen nimmt. Aua das tat weh. Bitte mehr davon!

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Cutup – The Future Leaks Out

Diese Band aus Cleveland, Ohio drückt bei mir auf alle richtigen Knöpfe nachdem schon ihr 2023er Debüt einen starken Eindruck gemacht hat, aber die neue EP ist da nochmal ein anderes Level des Irrsinns in einer Klangoffensive aus gleichermaßen räudigem und quirligem Hardcore- und gelegentlich auch Post Punk, gehüllt in eine dicke Dreckschicht aus Noise-Texturen. Mich erinnert das ausgesprochen positiv an moderne Genre-Klassiker von so Acts wie Stinkhole, Mystic Inane, Launcher, frühe Soupcans, Dollhouse, Lumpy and the Dumpers, Vulture Shit und Big Bopper, um mal nur die offensichtlichsten zu nennen.

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Delta 8 – Greased Lightning

Saustarkes Debüt von dieser Band aus Athens, Georgia, die darauf eine Salve abgefuzzter Projektile an der Schnittstelle zwischen gleichermaßén Hardcore- und KBD-lastigem Garage Punk abfeuert. Einersatz erinnert das manchmal an den Output von so Noise-geladenen Bands á la Lumpy and the Dumpers, Soupcans und Black Button, würde andererseits aber auch nahtlos in das Programm der LoFi-Spezialisierten Kassettenlabels Impotent Fetus und Deluxe Bias passen und zu Bands wie Septic Yanks, C-Krit, frühen Electric Chair, Exxxon und Motor Corp, deren scheppernd-chaotischer Energie sie doch recht nahe kommen.

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Leaking Head – Leaking Head

Eine weitere Bombe aus dem Hause Tetryon Tapes ist hier eingeschlagen. Die vorherige EP Better Homes & Gardens der Band aus Rochester, New York war ja schon ein durchaus positives Ereignis, wenngleich sie sich darauf noch etwas schwer damit taten, die oldschooligen ’70er/’80er Metal-Versatzstücke in ihre Gesamtästhetik zu integrieren. Die neue Kassette behebt jene Mängel, teils mithilfe eines super-räudigen LoFi-Sounds, der ihnen mal wirklich viel besser steht, wobei gleichzeitig aber auch ihre Skills in Sachen Songkonstruktion ganz zweifellos substantielle Fortschritte gemacht haben. Das Ergebnis ist eine unnachgiebige Wucht, die einige der ungehobelteren Einflüsse aus altertümlichem Hardcore-Dreck mit einer deutlichen Dungeon Punk-Note durchsetzt.

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Warp – Automatic Gratuity

Ich hatte diese Band aus San Francisco schon ziemlich aus den Augen verloren, die jetzt überraschend mit einem Nachfolger zu ihrem beeindruckenden 2019er Album aufwartet. Die neue EP präsentiert ihren verschrobenen Sound an den Tellerrändern von Noise Rock, Hard- und Postcore in etwas roherer aber gleichzeitig auch verfeinerter Form, die reichlich Echos von einigen der herausragenden Noise- und Weirdcore-Phänomenen jüngerer Zeit beinhaltet, unter anderem von Warm Bodies, Sniffany & The Nits, Vexx, Dots, Judy & The Jerks oder Mystic Inane.

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Hellco – Hellco

Ein durchweg entzückendes Debütalbum von einer Band aus Philadelphia, an unser Ufer gespült vom lokalen Label SRA Records. Ich würde das hier mal als eine gemischte Grabbelkiste im besten Sinne beschreiben, eine exzentrische Fundgrube von leicht Cowpunk-infiziertem Art Punk, der sich einerseits irgendwo zwischen Garage- und Noise-lastigem Hardcorezeug bewegt dass vage an frühe Electric Chair oder Soupcans erinnert, und auf der anderen Seite, diverse Echos alter Bands im Umfeld von ’80er Noise Rock und Proto-Grunge beinhaltet wie z.B. U-Men, Scratch Acid, Volcano Suns, Butthole Surfers, Minutemen, Saccharine Trust, Feedtime und ganz frühe Meat Puppets, um nur mal ein paar der offensichtlicheren Vergleiche zu nennen.

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Opsec – Affordable Death

Wie eine stinkende Pfütze purer Hard- und Noisecore-Abscheu, trägt dieses schnieke Tape der New Yorker einen ausgeprägten Flipper- und No Trend-Vibe zur Schau, hat aber auch einige Ähnlichkeit zu jüngeren Genre-Artefakten etwa der Marke Soupcans, C-Krit, Stinkhole, Crisis Man, Black Button oder Mystic Inane.

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Sex Hater / Clinic / pH People / Alien Birth

Hier nochmal ein weiterer kleiner Sammelpost diverser Ruhestörungen aus dem erweiterten Hardcore-Orbit. Den Anfang machen Sex Hater aus Kansas City, die bei Sympathisanten von chaotischem Hardcore-Dreck á la Total Sham, Fried E/m oder Launcher sicher auf einige Gegenliebe stößt.

Wo ich gerade schon vom Dreck spreche – genau jenen Aspekt treiben dann Clinic aus Fresno, Kalifornien noch deutlich weiter auf einer EP, die daherkommt wie eine trübe Pfütze aus primitiver Wut und tiefer Verzweiflung, an manchen Stellen nicht unähnlich zu den frühen Beast Fiend EPs.

pH People, eine Band unklarer Herkunft, schraubt dann das Tempo deutlich runter wobei es ihnen aber keineswegs an Wucht mangelt – ihr Tape auf Urticaria Records ist eine hochprozentige Mixtur aus den Grenzbereichen von Hardcorepunk und (Proto-) Noise Rock mit Echos von überwiegend altem Zeug wie Flipper, Spike In Vain, Noxious Fumes oder Broken Talent.

Außerdem hätte ich dann noch was für die Kerkerkinder auf Lager in Form von Alien Birth aus Philadelphia, die hier ein von oldschooligem Metalzeug verseuchtes Biest abliefern, ein bisschen wie eine Mischung aus extra-primitiven Poison Ruïn und einer Variante der Golden Pelicans, die hier ihren Sleaze Rock-Tendenzen ganz freien Lauf lässt.