Die Debüt-EP dieser Engländer ist eine willkommene kleine Ablenkung aus oberflächlich egg-verwandtem Geschrammel das sich hier auf ein solides Fundament aus eigentlich ziemlich erdigem und antriebsstarkem, fuzz-geladenem Garage Punk stützen kann und eine Fülle von belastbaren, wenngleich auch nicht gerade neuen oder originellen, aber immer funktionalen Hooks und Riffs. Ein bodenständiges bündel von Songs, die genau wissen was sie erreichen wollen und exakt das abliefern. Nicht mehr, nicht weniger.
Okay, da hätten wir jetzt also mal wieder eine neue Alien Nosejob-Platte die Jake Robertson und seine Komplizen im Hardcore-Modus präsentiert nicht unähnlich zu dem, was wir zuvor am deutlichsten schon auf ihren zwei HC45 7"s aus dem Hause Iron Lung Records gehört haben, aber dann wiederum wäre es auch keine richtige Alien Nosejob-Veröffentlichung, wenn da nicht auch eine Fülle von netten Überraschungen und flotten ideen am Start wäre. Keineswegs ist das hier ein schlichter Neuaufguss der besagten Siebenzöller, die sich obendrein stärker an derberen '80er-Einflüssen orientierten wie sie sich ja auch durch große Teile des weiteren Iron Lung Records-Kataloges ziehen. Hier ist liegt der Fokus dann doch stärker auf den früheren Inkarnationen der US-Westküstenszene, die üblichen Verdächtigen der Sorte Germs, Circle Jerks und Adoloscents werfen klar ihre Schatten über diese Songs und so sehr selbst jene Kurzspieler als die rohesten Artefakte in ihrer Diskografie - wie eigentlich alles von dieser Band - auch schon aus allen nähten platzten vor catchy melodischen Hooks, umso weniger lässt sich das Ohrwurmpotenzial dieser neuen Songs eindämmen und es wäre einfach falsch, die (oder irgendeine Alien Nosejob-Platte) Platte nur als eine weitere verschrobene Genre-Fingerübung zu verstehen, steckt die Band doch selbst am räudigeren Ende ihres eklektischen und verschrobenen Klangspektrums die gleiche rohe Menge an überlegener Handwerkskunst und Songwriting-Raffinesse in ihren Lärm wie wie eigentlich auf jeder Veröffentlichung bisher. Nein, diese Platten sind keine isolierten Quirks in ihrem Schaffen sondern tragende Säulen in ihrer beeindruckenden Diskografie, die im gleichen Maße die unverkennbare Handschrift der unverzichtbaren Garage Punk-Auteure aufweisen.
Smirk fielen schon immer positiv aus der Reihe in der zweiten Welle von Eggpunk-Bands insoweit, das sich schon in ihrem frühen Schaffen immer eine Spannung zeigte zwischen typischeren, quirligen Egg-Vibes und einem ungleich dunkleren Post Punk-Unterbau in vielen ihrer Songs, eine Tendenz die zum ersten mal ganz in den Mittelpunkt rückte auf der brillianten Domestic Dog 7" im letzten Jahr, wie gerufen in einem Moment in dem das bisherige Werk der Band - wie auch viel von ihrem weiteren Eggpunk-Umfeld im allgemeinen - sich zunehmend gegen die Konsequenzen eines kreativ überstrapazierten Bodens und eines drohenden Genre-Burnouts behaupten muss. Diese zwei Songs lokalisierten die Band dann mehr in der Nachbarschaft von so einschlägigen Post Punk-Hausnummern wie Institute, Marbled Eye oder The Estranged und der Scheiß beeindruckte dabei mit gereifter, schlauer Songkunst die sich hinter solchen Vergleichen nicht verstecken muss. Eine Qualität, die erneut bestätigt wird auf ihrer neuen LP, ihrem nüchternsten und nachdrücklichsten Bündel von Songs bislang, das alle Anzeichen trägt von einer weiteren Eierpunk-Band, die letztendlich aus der limitierenden Eierschale ausbricht und die Metamorphose zu durchaus prachtvollen Hühnerpunks vollzieht auf eine Art, die einen gewissen Ex-Lumpy sicher glücklich machen wird, auch wenn ich immer noch glaube dass er das Henne-Ei-Problem komplett falsch betrachtet, wo in dieser Nische doch so eindeutig das Ei zuerst kam und daher existieren und ausgebrütet werden darf und muss, damit so eine Pracht wie dieses Album überhaupt heranwachsen und sich entfalten kann. Verdammt, kling ich dumm und prätentiös mit diesem Satz, ich hör daher besser mal auf an dieser Stelle, zufällige Wörter ins Internet zu tippen.
Yay, hier ist endlich die Debüt-LP dieser Band aus Bremen, eine Platte der ich durchaus entgegenfieberte, wenngleich ich auch begründete Zweifel nicht ganz verdrängen konnte, wie gut sich diese Masche im Jahr 2026 noch ausspielen wird angesichts dessen, wie rapide sich in den kurzen 18 Monaten seit ihrer Debüt-EP die Flut vage Snooper- und Prison Affair-informierter, eieriger Garage Punk-Acts multipliziert hat bis zu einem Punkt, an dem gewisse Übersättigungsphänomene einfach unvermeidbar werden, aber darüber hab ich mich zuletzt ja schon mehrfach ausgelassen. Leider kann ich dann auch nicht verbergen, dass meine Rezeption einer neuen Wax Minds LP davon tatsächlich ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird und irgendwie fühle mich wie ein Arschloch wenn ich das so sage, denn die Band selbst kann da eigentlich herzlich wenig für. Der erste Eindruck wird obendrein davon getrübt, dass das Album nicht unbedingt mit dem stärksten Material beginnt (insbesondere Tracks nummer zwei und drei Lead-Limbed Losers' Anthem und Growing Old, Staying Gold wollen bei mir nicht so wirklich zünden) und erst mit dem darauf folgenden Titeltrack so richtig ins Rollen kommt und letztendlich dann doch die goldene Zone aus catchy-ass Hooks, scharfkantiger Gitarrenarbeit und präziser rhythmischer Antriebskraft betritt, die wir uns davon erhofft haben. Hab ich außerdem schon erwähnt dass die Band live absolut killt? Tut sie euch unbedingt rein, wenn ihr Chance habt! Überhaupt sind meine Nörgeleien vielleicht einfach nur ein temporäres Ich-Problem das davon herrührt, wenn man über viele Jahre mit zu viel Egg-mäßigen Lärm auf einmal konfrontiert wird und so sehr sich diese Platte auch tatsächlich gegen eine zunehmende Masse aus ähnlich gelagerten Bands behaupten muss, so wacker hält sie sich dabei auch, zumindest nach dem etwas wackeligen Einstieg.