Wo wir gerade schon beim Thema Kitchen People und Warttman Inc. sind: Hier ist gleich noch mal eine kompakte Ladung Synthpunk-Wahnsinn von einem Soloprojekt aus dem Kitchen People-Umfeld, der eine gewisse Ähnlichkeit zu Warttman-Acts á la Set-Top Box und Research Reactor Corp. aufweist, außerdem ab und an noch ein paar vereinzelte Einsprengsel von Digital Leather oder Trashdog.
Die neuesten Rekruten der australischen Warttman Gang sind Kitchen People aus Perth. Die hatten bereits die eine oder andere Veröffentlichung am Start, von denen aber – um hier mal ganz ehrlich zu sein – keine auch nur annähernd so gut Ärsche trat wie es ihre neueste EP bewerkstelligt – ein angemessen schräger Synth-/Garagepunk-Muteant. Die Jungs passen wie Arsch auf Eimer in die abgefuckte Warttman-Nachbarschaft.
Sage und schreibe sechs Jahre ist es nun schon her, seit die Band aus Grenoble mit einem Debütalbum wie aus einer anderen Welt verzauberte. Auch nach so langer Zeit gibt es keine andere Band, sie so klingt wie Taulard und ihr gitarrenloser, orgelbasierter, tieftrauriger und ausgesprochen exzentrischer (Post-)Punk, der so eigentlich nicht funktionieren dürfte aber dennoch immer wieder ins Schwarze trifft.
Knowso aus Cleveland, Ohio hatten bereits Siebenzöller auf Total Punk und Neck Chop draußen, was zusammen in etwa dem ultimativen Ritterschlag im gegenwärtigen Garagenumfeld entspricht. Ihre neueste EP hält weiter den Qualitätsstandard hoch und streckt sich dabei vorsichtig auch in neue Richtungen aus. Zeitweise erinnert das an eine Mischung aus Nag, späteren Useless Eaters und Constant Mongrel. Manchmal dann eher an den Weirdo-Postpunk von Patti oder die struwweligen Noise/Garage-Hybriden von Brandy und Hash Redactor – allerdings bis auf die blanken Knochen heruntergekocht. Außerdem regt sich in Turning Point ein leiser Hauch von Wire und ihr wisst ja, dass mir so ein Scheiß immer gut in den Tee passt.
Irgendwie muss ich die erste EP dieses Quartetts aus Chicago vor zwei Jahren übersehen haben… dessen Begutachtung ich jetzt mal dringend nachholen muss, denn ihre neue 7″ gewinnt sofort meine Sympathie mit einer gekonnten Mixtur aus geringfügig garagen- und hardcore-infiziertem Punkrock der eher schnörkellosen Machart, nicht unähnlich zu Negative Scanner (deren Gitarrenbenutzer Matt Revers sich hier unter den Tätern befindet), Vexx und abgerundet durch ein klein wenig 77er Riffing á la Amyl & The Sniffers.
Zwischenzeitlich hab ich mir doch tatsächlich eingeredet, ich könnte meinen teils Umzugs-, teils Prokrastinationsbedingten Blogrückstand einfach so aufholen. Nun ja, so ’ne Überraschung: Wird nicht passieren. Stattdessen muss halt das Kassettendeck mal wieder laufen. Hier sind 150 Minuten Gedöns nach der 12XU-Einheitsformel. Außerdem neu in der C-60 Abteilung: Neue Kassetten! Und mit neu meine ich wirklich neu hergestellt. Keine Altbestände (die scheinen eh langsam aufgebraucht…) in neuen Gehäusen. Aus Frankreich kommt das gute Zeug und basiert auf ’nem Rezept aus dem altem BASF-Kochbuch. So muss das!
Verspannungskassette #04 (Type 1 Covid-90)
Seite A
Tracklist:
Dead Cells Bell Liiek Dynamite Radio Sect Doctor Sectarian Bloom Gone Constant Insult Vacancies Co-ed Trenches Spam Risk Akaname Melkbelly Mr. Coda Home Counties Redevelopment Practice Wife The Good Guys Always Win Tosser Bent Out Stuck Plank I Shove No Through Road Jousting The God Estrus Gouge Away Consider Clamm Keystone Pols Ohmns Dece Bece Crece
Seite B
Tracklist:
The Cowboy Do Your Best Hank Wood and the Hammerheads Look at You Bedwetters Anonymous High Strangeness The Worms Dave is Dead Nuts Psychotherapy Neutrals Hitler’s In The Charts Again Jackson Reid Briggs & The Heaters Knock It Down Vaguess Strip Mall Savior Dumb Doctors Prozac Rock Personality Cult Sharp Edges Datenight I Hate This Game Aborted Tortoise Violent Consumers The Mark Vodka Group You’ve Got to Split Heavy Larry Use It Or Lose It P.R.N.D.L. Taffy The Welshman R.M.F.C. Worker Les Posters Agree To Disagree Microdoser Killing Time The Chats Identity Theft The Fur Coats Dewclaws to the Dawn Kalle Hygien Absolute Bomber Shrinkwrap Killers Stolen Electronics To Shove Up Your Ass Ditches Did We Try Cuir Synthpunk Attitude The G.V.B. Youth
Verspannungskassette #04 (Type 1 Covid-60)
Seite A
Tracklist:
Man-eaters Foreplay/Lessons on Love (for the Recently Mutated) Repeat Offender Con Job Shit Blimp Hey Man Launcher Johnny Thunders Memorial Service // Jackpot Liquid Assets Mutt Chupa Cabra Violent Urges Moron’s Morons Rate Your Teacher Terms Of Endearment I Saw A Ghost Psykik Vylence 3 Antibodies Everybody Fuckin Hates Me BIB Boiling Point Pisse Draußen Zuhause Das Drip Second Guesses Isotope Soap New World Boredom The Violent Thing Slow Leak AR-15 Fleece Freon Crisis Aborted Discovery Nothing Cold Feet Not Again Hotmom Hell Is for the Christians Adderall Worm (Us)
Seite B
Tracklist:
P22 Endling Chorus For The Terminarch Donors Always Sometimes Never Vidro Sverige Brinner The Monsters I’m a Stranger to Me Liposuction Gig Economy Freaks A Small Amount of Ecstacy Grimly Forming Street Dealer S.H.I.T. Eraser III Sabré 100 Years Smut Cum Inside Laffing Gas Same Cycle Liquids Dumb As Fuck Fried e/M Modern World Modern Needs Invertebrate Dee Bee Rich Comfort Research Reactor Corp. Body Is A Beaker Set-Top Box Normal Guy
Schade zu erfahren, dass diese EP – nicht allzu lange nach ihrem Genre-trotzenden/-fickenden/-dekonstruierenden/-sprengenden Album im letzten Jahr – schon der Schwanengesang der heißesten Hardcore-Hausnummer in North Carolina sein soll. Also nehmt die Chance wahr noch mal über Das Drip’s ambitionierten Hardcore/Postcore/Artcore/Weirdcore – definitiv niemals Boringcore – zu staunen.
Das hier ist ein seltsames Biest. Donors aus Nashville zogen schon vor zwei Jahren mit ihrer ersten EP und einem noch nicht ganz so ausgefreakten Cocktail aus Garage- und Post Punk meine Aufmerksamkeit auf sich, aber das hier ist ein ganz anderer Level an Schrägheit, wenn sie ihren Sound in zunehmendem Maße mit dissonantem No Wave verwüsten sowie mit altem proto-Noiserock á la Flipper oder No Trend anreichern. Womit könnte ich dieses Zeug vergleichen… Tyvek oder Constant Mongrel als No Wave Band reinkarniert? Spray Paint auf’m Garagentrip? Auch wenn ich nicht so sicher bin was die Band sich hier mal vorgenommen hat, besteht doch kein Zweifel dass ihr Unterfangen ein durchschlagender Erfolg ist. Und gerade glaubt man alles verarbeitet zu haben, da überraschen sie einen noch mal im Rausschmeißer Fine Print mit einer an Haunted Horses erinnernden Industrial-Kante.
Sieht so aus als ob die kölner Szene zunehmend in Schwung kommt. Neuestes Indiz ist dieses durchweg spaßige Demo voller verschrobenem ein-Mann-DIY Garage Punk nicht unähnlich zu Acts wie Prison Affair, Set-Top Box, T.L.B.M., Dot.Com, Dee Bee Rich… sogar ein bisschen was von frühem Erik Nervous hat’s. Feiner Shit!
Ein unnachgiebiges Gewitter aus KBD-trifft-Stoner-Punk treten die Freaks aus Philadelphia los, angetrieben von reichlich Hardcore-Energie. Fängt ein bisschen so an wie eine Verschmelzung von frühen Milk Music oder Dinosaur Jr mit den Hüsker Dü der Everything Falls Apart-Ära, schwingt sich danach aber eher auf einen Modus ein, der nach einer Mischung aus Tarantüla/Cülo, Fried Egg, einem Hauch von Launcher riecht, angereichert um ein paar Sludge- und Death Rock-Vibes, wobei mich letztere etwas an Beta Boys erinnern.