Gen Pop – On The Screen 7″

Bei dieser Band aus Olympia, Washington sind Mitglieder von Vexx und Rik And The Pigs am Werk. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Die Debüt-EP glänzt mit einem recht vielseitigen Sound, der immer auf der Schwelle von Garage- und Post Punk balanciert. Hin und wieder fühle ich mich dabei an Uranium Club, Useless Eaters oder Parquet Courts erinnert.

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Truth Club – Interest Meeting

Starkes Teil, die Debüt EP von Truth Club aus Raleigh, North Carolina. Indierock der alten Schule mit einem kleinen Spritzer Postcore, der seine Wurzeln klar in den 90ern und frühen 00ern hat. Etwa so als träfen die verschwurbelten Strukturen von Faraquet oder Medications auf die melodischen Slackerhymnen von Archers Of Loaf, Pavement oder frühen Modest Mouse. Aktuell könnte man es auch als eine geringfügig freundlicher klingende, weniger Noise-lastige Version von Pile beschreiben.

Erst Hype Machine. Jetzt The Quietus. Morgen 12XU?

Nee, keine Angst. So schnell geht eure least trusted voice in music nicht unter. Aber um mich herum sehe ich die halbwegs relevanten Blogs und Magazine in beunruhigend hoher Frequenz wegpurzeln. Vorbei sind die Zeiten, in denen es ein fließendes Spektrum gab. Von kleinen, werbefreien Liebhaberblogs wie diesem hier, in die eine gewisse Menge Geld reingesteckt wird ohne dass das Projekt jemals einen Pfennig abwirft. (Nein, ich beschwere mich nicht. Das hab ich selbst so gewählt.) Über mittelgroße Publikationen, die zumindest ihre Kosten decken und evtl einen Nebenverdienst darstellen – bis hin zu den großen (weniger als) 1%, die mindestens eine Person ernähren, manchmal auch mehrere in Voll- oder Teilzeit angestellte Autoren bezahlen können.

Alle drei Gattungen sehe ich derzeit als gefährdet an. Vor allem fällt mir auf, dass die Luft bei den mittelgroßen Projekten echt dünn wird.

Das Problem dahinter ist so alt wie das Web. Wir sind es schon lange nicht mehr gewohnt, für gute Dinge im Web Geld zu bezahlen. Man kann es sich ja nicht mal aussuchen. Ob Facebook, Google, Youtube oder Soundcloud (Bandcamp ist da mal eine lobenswerte Ausnahme…): Alle diese Projekte konnten ihre Marktdominanz nur erreichen, weil sie unentgeltlich (keineswegs kostenlos) zu benutzen sind. Einen bezahlten Dienst anzubieten ist gar keine Option. Man wird immer gegen den Konkurrenten verlieren, der sich durch Werbung oder durch Sammlung und Verkauf von Nutzerdaten finanziert.

Von Anfang an waren also alle größeren Web-Projekte auf die Finanzierung durch Werbung angewiesen. Ich könnte endlos darüber kotzen, aber das ist die traurige Wahrheit. Und zumindest für ein paar wenige Player hat das Modell funktioniert. Der Haken ist nämlich: von einem kleinen Goldrausch um die erste Dotcom-Blase abgesehen, wirft Werbung gar nicht so viel Profit ab. Man musste als Blog oder Zine auch früher schon eine wuchtige Masse an Lesern erreichen, um davon ernsthaft Gehälter zahlen zu können. Pitchfork kann das. Die digitalen Überbleibsel der alten Musikpresse auch – mit einem brutal geschrumpften Gesamtbudget. Hype Machine und The Quietus dürften da ein ziemlicher Grenzfall sein, aber auch die konnten sich lange Zeit über Wasser halten.

Und jetzt hat’s geknallt. Der digitale Anzeigenmarkt konzentriert sich mehr als je zuvor auf die beiden Web-Giganten Facebook und Google. Die beiden Unternehmen haben einfach die effektivsten Tricks und Methoden, ihre User zum Klick auf eine Anzeige zu manipulieren. Deshalb können sie auch noch vergleichsweise stolze Geldbeträge für ihre Dienstleistungen verlangen. Der Rest des Marktes ist praktisch weggebrochen. Bis zu 90% der Werbeeinnahmen sind vielen mittelgroßen Publikationen verloren gegangen. Und die großen? Vermutlich sind die auch betroffen. Der Verkauf von Pitchfork an Conde Nast ist in diesem Licht vielleicht verständlicher. Die Verantwortlichen haben womöglich schon geahnt, dass ihre Bude langfristig untergeht. Also besser den Krempel verkaufen, so lange er noch etwas wert ist. Für das Mittelfeld stellt sich jetzt die Frage: Auf volle Kanne Ausverkauf setzen? Den Laden dicht machen? Oder die Operation auf ein wirtschaftliches Minimum herunterfahren und auf Finanzierung durch Spenden hoffen? Das perverse an der Situation: Gerade Facebook hat seinen Erfolg überwiegend auf dem Content (argh! Jetzt hab ich das Wort gesagt…) von Fremdpublikationen gebaut.

Für einige etablierte Läden ist die Marschrichtung eindeutig. Pitchfork und Impose z.B kann man Inhaltlich kaum wieder erkennen. Von einer eigenwilligen, gerne auch mal bewusst kontroversen Publikation für Fans eines halbwegs weit gefassten, aber dennoch klar definierten Genrespektrums, hat sich vor allem Pitchfork innerhalb weniger Jahre zu einer hyperaktiven Schleuder von Promi-Gossip und Clickbait-Headlines gewandelt. Statt sich der Erschließung von Musikszenen außerhalb eines “sicheren” und vorhersehbaren Corporate Indie-Sumpfes zu widmen, wird die Aufmerksamkeit auf einschlägig bekannte Gesichter gerichtet, die eigentlich schon genug davon bekommen. Zieht halt mehr Leute.

Am anderen Ende der Skala hat die Advertising-Apokalypse zuletzt zwei Bastionen der unabhängigen Musikberichterstattung erwischt. Hype Machine hat dabei noch die Kurve gekriegt. Der wichtige Blog-Aggregator kann auf den finanziellen Support von derzeit ca. 3500 Unterstützern bauen. Damit sind die Kosten und Gehälter gedeckt. Jetzt hängt The Quietus in den Seilen. Wenn keine ausreichenden Spenden zusammen kommen, muss das Magazin mit dem grausigen Layout und hochwertigem Inhalt noch dieses Jahr dicht machen. Das ist besonders traurig. Denn auch wenn die musikalische Ausrichtung nicht immer meinen Nerv trifft, ist The Quietus doch eine der wenigen größeren Publikationen, die sich bislang nicht dem wirtschaftlichen Druck gebeugt und ihre Inhalte auf Massenwirkung optimiert haben. Und ich halte es immer noch für unglaublich wertvoll, dass gute Autoren sich ganz der Dokumentation und Analyse des aktuellen Musikgeschehens widmen, dass sie außerdem vernünftig davon leben können. Weil sie das einfach besser können als ich. 12XU ist schon cool, aber ich bin kein Musikjournalist. In meinen Augen schreibe ich deshalb auch keine “Artikel” oder “Reviews”. Ich kann und will nur auf ein paar gute Bands aufmerksam machen. Blogs wie dieses können keinen professionellen Journalismus ersetzen.

Also werft in der Zwischenzeit ruhig mal etwas Kleingeld in Richtung der Magazine, die ihr lest. Langfristig müssen wir überlegen, ob das nicht besser die Normalität werden sollte. Dass Szenen und Communities ihre Medien wieder selbst finanzieren. Damit sie unabhängig bleiben. Außerdem ist Werbung eh scheiße und eigentlich gar nicht mit dem Geist der Musik vereinbar, für die unser Herz schlägt…

Proto Idiot – What Is My Purpose?

Leisure Opportunity erscheint am 3. November auf Slovenly Recordings.

Unnatural Helpers – Long List of Complaints

Wonder Years (The lost first recordings) erscheint am 20. Oktober auf Famous Class.

Mick Trouble – It’s The Mick Trouble EP

Ein wunderbares und bis vor kurzem ausgesprochen rares Powerpop-Juwel aus dem Jahre 1980. Dank kürzlich wieder aufgetauchter Master Tapes hat diese Schönheit jetzt vom US-Label Emotional Response eine Wiederveröffentlichung spendiert bekommen.


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Magic Shoppe – High Goodbye

Passend zum Beaches Album ist hier gleich noch mal gutes Zeug im Spannungsfeld von Shoegaze und Psych. Magic Shoppe sind jetzt ja auch schon so einige Jahre aktiv und ihrer aktuellen EP hört man das zweifellos an. Der Sound den sie darauf kreieren kommt routiniert, druckvoll und selbstbewusst rüber.

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Beaches – Second Of Spring

Bei dem Psychgaze-Quintett aus Melbourne ticken die Uhren fraglos etwas langsamer, hat die Band soeben doch mit ach und krach noch die Deadline gekriegt, um ihr drittes Album innerhalb eines Jahrzehnts zu veröffentlichen. Das passt aber auch perfekt zu ihrer Musik, die sich gerne sehr viel Zeit lässt, um nicht zu sagen: Meine Geduld strapaziert. Aber es lohnt sich, bei der Sache zu bleiben.

In ihrer Heimat schon lange eine Hausnummer (ihre ersten beiden Alben waren jeweils für den Australian Music Prize nomimiert…), wurden die fünf Musikerinnen anlässlich ihres zweiten Albums im Sommer 2013 auch international im etwas größeren Rahmen bemerkt. Die Beteiligung von Neu!-Veteran Michael Rother, der die Platte nicht nur produzierte, sondern auch die eine oder andere Gitarrenspur beisteuerte, hat sicher auch etwas dazu beigetragen.

Jetzt melden sich Beaches also mit ihrem dritten Langspieler zurück und überzeugen auch ohne einschlägiges Namedropping mit einem monumentalen, ausufernden Brocken von einem Album. Und ohne Frage sind 75 Minuten Musik schon ganz schön viel des Guten. Zumindest in der mir vorliegenden digitalen Form hätte es der Platte durchaus gut getan, die Laufzeit mal um ein grobes Drittel herunter zu stutzen.

Denke ich aber an die Veröffentlichungsform als Doppel-LP, für welche diese Tracklist ganz offensichtlich gedacht ist, ergibt das Ganze schon etwas mehr Sinn in Form von vier lose gekoppelten Suiten. In der ersten Hälfte dominieren dabei ganz klar die stärker psychedelisch-spacigen Klänge (für mich der “schwierigere” Teil des Albums), während sich der zweite Teil etwas sonniger gibt mit einem stärkeren Shoegaze- und Dreampop-Anteil, um dann in einem kosmisch-krautigen Jam als Rausschmeißer zu münden. Wenn ihr euch also nicht sicher seid: Schallplatte ist hier das Mittel der Wahl. Das muss auch ein überzeugter Digitalmensch wie ich anerkennen. Und trotz aller Längen, die sich beim Genuss an einem Stück ergeben: Wenn Beaches in der Zone sind, dann so richtig. Und unbestreitbar an vorderster Front in ihrem Genre-Spektrum.



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Flemmings – Heads And Tails

Die Band aus London setzt auf ihrer dritten EP den Trend fort, mit jeder Veröffentlichung etwas lauter zu werden. Fuzz Punk und Noise Pop gibt’s darauf zu hören, der einerseits an jüngere Bands wie Playlongue, Terrorista, Solids oder die erste Milk Music EP erinnert, aber auch Anklänge an Klassiker von Hüsker Dü, Sonic Youth oder Dinosaur Jr erkennen lässt.


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Shimmer – Shimmer

Drop Medium ist ein noch sehr junges, in Portland ansässiges Label, dessen Aktivitäten es unbedingt weiter zu beobachten gilt. Die Bude fiel zuletzt schon äußerst positiv durch Veröffentlichungen von Spoodee Boy und Faux Ferocious auf, und hat jetzt mit dem Debütalbum der New Yorker Band Shimmer auch schon das nächste Highlight nachgeschoben. Experimentellen und sperrigen Lärm gibt’s darauf zu hören, den man wahlweise irgendwo im Umfeld von Noise Rock, Post Punk, No-Wave, Math Rock oder Art Punk einordnen könnte. Wer angesichts des aktuellen Housewives Albums nicht die Flucht ergriffen hat, oder wer dem kruden Lärm der Soupcans nicht abgeneigt ist, der könnte auch an dieser schrägen Platte Gefallen finden.



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