TJ Cabot – Palm Stings

Wie eigentlich alles was diese Ein-Mann-Band aus Moncton, New Brunswick in jüngerer Zeit angestellt hat, ist auch ihre erste neue EP nach dreijähriger Funkstille wieder ein vorzüglicher Knall aus oldschooliger Garage Punk-Qualität, klar vom besten was sie bisher geliefert haben und mit einer unerwartet rohen Oberfläche, wenn erstmal der (wohlbemerkt exzellente) melodische Opener Palm Stings aus dem Weg ist und die restlichen Songs eine primitivere, oldschoolige Ästhetik aufsaugen die mich mehr als einmal an die KBD-mäßigen Proto Punk-Sounds von, sagen wir mal, Death, Pagans oder Rocket From The Tombs erinnern.

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Electric Prawns 2 – City Streets

Die Erwartungen sind eigentlich immer unfair hoch anlässlich einer neuen Veröffentlichung von Electric Prawns 2, aber tatsächlich hat diese Band noch nie enttäuscht und zeigt sich auch mit diesen zwei Songs zu 100% in ihrem Element. City Streets ist genau diese Art von einem psychedelisch angehauchten, um ein simples aber durchschlagendes Hook konstruierten Garage Punk-Smasher in dem die Band schon immer brilliert hat, woraufhin dann Be With You Tonight erneut die göttlichen Power Pop-Instinkte der Band unter Beweis stellt. Nach einer halbjährigen Pause, die sich für diese Band fast wie eine Ewigkeit anfühlt nach ihrem rastlosen 2024-2025 Veröffentlichungsmarathon, zeigt unsere liebste halluzinogene Hitfabrik noch immer keine Spuren von Abnutzung.

Eddy Current Suppression Ring – In Light Of Recent Events

In einem bislang etwas unterwältigenden Musikjahr wie 2026 ist die Überraschungsveröffentlichung einer neuen Eddy Current LP definitiv eine Art von "lass alles liegen was du gerade tust"-Ereignis, sind aktuell doch nur wenige Bands noch am Start, deren Werk so fundamental für die aktuelle Garage Punk-Szene ist, ein Relikt aus einer früheren Ära das mit der Zeit so gut gealtert ist dass es sich für mich anfühlt als wären sie eine konstante Präsenz gewesen in der ganzen Zeit, in der ich dieses Blog gemacht habe - dabei fand ihre zentrale Schaffensphase in Wirklichkeit aber doch einige Jahre davor statt und es war nicht vor 2019 dass unsere Zeitlinien sich erstmal uberlappten und ihre All In Good Time LP eine relaxtere, melancholische und nachdenkliche Inkarnation der Band präsentierte die damals offenbar einige Fans etwas enttäuschte aber für mich durchaus Sinn ergab, auch wenn es sich sicher nicht um das stärkste Bündel von Songs handelte was die Band bis dahin rausgehauen hat. Es war aber ein plausibler Weg vorwärts für die Band, die Highlights waren unbestreitbar und es waren insbesondere die ruhigeren Tunes wie Our Quiet Whisper und Human Race, die immer noch herausstechen - ein Pfad den sie dann weiter mit der insgesamt stärkeren, ausgereifteren Shapes and Forms EP im letzten Jahr beschritten. Aber nie haben sie so aufs wesentliche reduziert geklungen wie auf dieser neuen LP, die sich mehr als je zuvor in der Kunst übt, großen Effekt mit minimalen Mitteln zu erzielen auf eine Art, die wirklich nur eine Band aus so gestandenen Veteranen abzuliefern versteht - einen makelloser Strom aus gleichermaßen eingängigen und hochklassigen Jams, die auf den ersten Blick häufig etwas basic und traditionell erscheinen mögen aber doch immer zuverlässig die einfachen Grundzutaten transzendieren nicht zuletzt dank eines absolut überlegenen Songwriting-Handwerks, das über zwei Jahrzehnte geschärft und verfeinert wurde und hier perfekt offengelegt wird von einer ganz typisch routinierten no-bullshit Bandperformance. Kein Scheiß, das ist nicht nur ihre beste LP in über einem Jahrzehnt (nicht dass es in der Zeitspanne so viel Auswahl gegeben hätte, haha...), sondern auch das definitive Statement und die perfekte Repräsentation dessen, was es mit dieser aktuellen Ära im Schaffen von Eddy Current Suppression Ring auf sich hat, die logische Schlussfolgerung und brilliante Auflösung dessen, was All In Good Time bereits angekündigt hatte aber irgendwie noch nicht gänzlich einlösen konnte.

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Fleon Sunoco – Naughty Chickens Lay Deviled Eggs

So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.

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Brash Habits – Feeling The Light

Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.

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Retired Boxer – Decay

Erneut ein hochwertiges Artefakt der Berliner Post Punk-Szene von vermutlich mal wieder einer durchaus etablierten Figur in jenem Feld, aber so geheimnisvoll wie man in diesen Kreisen zu agieren pflegt lässt sich auch hier nur mutmaßen wer jetzt schon wieder hinter diesem geradezu pervers düsteren, minimalistischen Brocken aus Dunkelheit steckt von dem eine seltsam gedämpfte, klaustrophobische Atmosphäre ausströmt, die mich nach Luft schnappen lässt. Die offensichtlichsten Vergleiche die mir da einfallen wären einige ältere Sachen von DBR / Dee Bee Rich oder vielleicht eine komplett sedierte Version von Bands wie Exit Group, Red Gaze, Imposition Man, Pigeon und späten Diät.

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Marbled Eye – Forever

Ich sag's mal ganz unverblümt: Der Opener der neuen Marbled Eye EP, wenngleich auch kein Totalausfall, gehört nicht zum hellsten was die Band aus Oakland bislang hervorgebracht hat und fühlt sich irgendwie dieser Band nicht ganz würdig an mit den üblichen Anzeichen von durchschnittlicher bis fauler Post Punk-Songkonstruktion wie etwa dieser willkürlichen Abfolge ziemlich abgestandener, durchgenormter Riffs und Genre-Tropes und die hier leider ebenfalls ziemlich uninspirierte Anwendung von polyrhythmischen Appregios - auch so ein typisches Klischee das man in dieser Form sonst eher von jungen, unerfahrenen Bands hört - drückt bei mir auf all die falschen Knöpfe in einem Song, dessen verstreute Einzelteile sich einfach nicht zu etwas kohärentem zusammenfügen wollen. Glücklicherweise ist dann aber alles was darauf folgt ungleich inspirierter, durchdachter und ausgefeilter - die restlichen fünf Songs zeigen genau die Eleganz und Detailverliebtheit in Sachen Songwriting und Arrangements die man von diesen Veteranen im aktuellen Post Punk-Umfeld erwartet, die es ja mit ihrer voherigen Read The Air EP tatsächlich noch mal fertiggebracht haben - fast ein Jahrzehnt in ihrem schon immer brillianten Schaffen - einen ganz neuen Qualitätslevel zu erklimmen. Diese EP klingt daraufhin ein bisschen wie ein goldener Mittelweg zwischen jener kunstvoll gehaltenen Balance und dem unmittelbaren Impact ihres früheren Schaffens. Ein würdiger Nachfolger eigentlich, wenn man den wackeligen Anfang ignoriert.

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The Broom – The Broom

Die rastlose Leipziger Szene ist mal wieder am Werk mit diesem schnieken neuen Tape voller moderat eieriger Garage Punk-Qualitätsware, die einerseits doch recht komfortabel in den Rahmen durchweg etablierter Genre-Parameter passt aber nichtsdestotrotz aus der Masse heraussticht dank der Stärke und Konsistenz des Songmaterials, aber nicht zuletzt auch einer subtilen, leicht schmierigen '70er Dad Rock-Kante und einer unaufhaltsamen Antriebskraft, die mich unter anderem an so älteren Scheiß wie Kid Chrome oder S.B.F. erinnert. Der Scheiß versucht hier nichts neues, aber trifft alle richtigen Nerven für mich und hat von Anfang bis Ende ausschließlich Hits an Bord.

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Eye Ball – Curls

Wow, eine neue Eye Ball-EP die über vier Minuten lang ist... absolut episch im Vergleich zur letzten EP Of The Northern Americas, die uns drei Songs in unter einer Minute unterbreitete. Wie auch immer, diese vier neuen Songs haben alles von der unvorhersehbaren, chaotischen Brillianz mit der sich die Band in unsere Herzen gespielt hat und nicht zuletzt diesem sicheren Händchen für eingängige, melodische Songminiaturen, präsentiert in einem fuzzigen LoFi-Sound der für ihre kurzen Fuzz Pop-Songexplosionen wie maßgeschneidert wirkt.

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Useless Eaters – Music For Clout // G2k – Concept

Ein stetiges Getröpfel neuer Songs auf ihrer Bandcamp-Seite hat schon länger angedeutet, dass da was neues auf uns zukommt von dieser unverzichtbaren Säule der 2010er Garage Punk-Szene aber dennoch fühlt man sich etwas überrumpelt von dieser neuen LP, die ohne explizite Ankündigung digital auf Bandcamp abgeladen wurde und irgendwan in diesem Jahr auch noch eine Vinyl-Veröffentlichung auf Total Punk Records bekommen soll. Ebenso schwebt auch die Frage über dieser Platte - nach ihrer glorreichen Rückkehr als Liveband im letzten Jahr - inwiefern Useless Eaters hier eigentlich als Band fungieren angesichts dieser elektrolastigen Heimstudio-Qualität, die diese Songs durchzieht und freimütig auf klassische Dub-Techniken, Synths und Drum-Samples zurückgreift, ansonsten aber doch seltsam Gitarrenzentriert erscheint. Klingt alles mal sehr danach, als ob sich Seth Sutton hier Solo im Studio austobt. Nicht dass es eine große Rolle spielen würde, resultiert es doch in einer durchaus faszinierenden Platte, die eine unerwartet surreale Spiegelversion von Useless Eaters präsentiert. Angenehm vertraut in manchen Aspekten aber auch ein bisschen eine Neuerfindung ihres Sounds, klingt das nur wenig nach irgendwas das sie zuvor schon mal unternommen hätten in seiner abstrakten, kalten Herangehensweise, einem unübersehbaren Industrial-Feel, der hier kompromissloser rüberkommt als selbst die exzentrischeren Ausläufer ihrer bisherigen Diskografie.

Ähnlich unverhofft kam übrigens ein paar Tage zuvor die Debüt-EP von G2K daher, einer Band die soweit ich das vermuten kann eine Kollaboration zwischen Sutton und Sal Go von der Washingtoner Band Sexfaces darstellt. Wie auch immer, die Songs klingen wie ein ausgezeichnetes Begleitmaterial zur Useless Eaters LP und teilen so einiges von dessen roher Produktionsästhetik, betätigen sich ansonsten aber in einer ungleich roheren und primitiven Schule von Garage-, Art- und Proto Punk-beeinflusstem Lärm, verhüllt in einen aus diesem Universum angenehm vertrauten, psychedelischen Nebel.

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