Excess Blood – Porcelain Doll

Die 2024 auf Impotent Fetus erschienene selbstbetitelte EP der Band war bereits ausgesprochen hochwertige Ware und auf ihrem jüngst erschienenen Nachfolger halten sich die Death Rocker aus Portland noch ein gutes Stück näher an eine oldschoolige Goth-/Post Punk-/Death Rock-Formel, so sehr dass man in den ersten Takten von Turn To Stone fast denkt, die Band würde jetzt in eine Coverversion von Joy Division's Transmission reinrutschen. Normal reizt mich derartiges ja eher wenig, aber ich muss auch zugeben dass nicht jede halbwegs traditionelle Platte dieser Art auf dem gleichen Level spielt und der Teufel hier oft im Detail steckt. Auf dieser Platte stimmen jedenfalls die besagten Details und summieren sich ganz vortrefflich zu einem stimmigen Ganzen - die Songs, die Vibes, Performance und Attitüde, alles trifft einfach mal den Nagel auf den Kopf auf einer Platte, die zwar ausgesprochen altmodisch klingt aber dabei kein bisschen abgestanden.

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The Dogs – The Only Band Called The Dogs

Nach einer Handvoll EPs, die anfangs oft nach reichlich Vibe und Attitüde aber etwas wenig Substanz klangen, hat sich jener Umstand im Schaffern der walisischen Band doch Stück für Stück verbessert und ihre neueste Veröffentlichung auf Gob Nation ist in der Tat mal gar nicht mehr so ein Leichtgewicht und gefällt mir ausgesprochen gut - ein absoluter all-killer-no-filler Stapel von einfach gestrickten aber treffsicheren, '77-beeinflusstem und angenehm schmierigem Garage Punk-Tunes, zu denen man ausgezeichnet Teslas oder Spießer oder KI-Rechenzentren anzünden kann.

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Underats – Even Scum Can Dream

Qualitätshardcore von einer Band aus Tokyo, die hier Elemente aus früh-'90er Hardcore-Riffing der post-Thrash-Ära (nicht die Website, haha…) mit einer doch sehr speziell japanisch klingenden Melange aus NWOBHM-infiziertem Garage-, Speed- und Motörpunk vermischt… man könnte sagen geradezu pünklich zur neuen Guitar Wolf-Platte um uns daran zu erinnern, auf welchem Flecken der Welt diese spezielle Art von Leckerei jetzt schon seit vielen, vielen Jahren besonders schmackhaft und konsistent zubrereitet wird.

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Ritalin F.M. – Demo

Brillianter Garage-/Egg-/Synth Punk-Scheiß auf einer tollen Debüt-EP von 'nem Typen oder einer Band aus Montreal, die irgendwie komplett an mir vorbei ging als dieses Tape im Rahmen vom Demo Fest 2025 erstmals erschinenen ist. Nun, hier ist jetzt meine zweite Chance und verdammt, ist das mal guter Scheiß hier! Die Synth-Klänge irgendwo zwischen Kinderkeyboard und Hammond Orgel in den ersten beiden Songs erinnern mich an eine frühere Phase des Egg-Wahnsinns und insbesondere an die beiden Mark Cone-Platten aus den Jahren 2016/'17, woraufhin dann die nächsten beiden mehr von einem stärker elektrischen, Industrial-mäßigen aber dennoch absolut verspielten Feel haben irgendwo zwischen, sagen wir mal, Beef und R. Clown, bevor eine Violet Femmes-Coverversion als Rausschmeißer-Track durchaus plausibel eine primäre Inspiration für den ganzen Krempel nahelegt.

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Neonatals – Dry Brain

In einer schon recht guten Woche was weit über'm Durchschnitt spielenden Hardcore Punk angeht, ist die hier echt das Sahnehäubchen wenn ihr mich fragt. Nicht dass uns die digitale Single Plastic Disease im letzten Jahr nicht vorgewarnt hätte, was da auf uns zu kommt... Das ist derbe kreativer, freidrehender Scheiß, der mich an einige der abgehobeneren Acts der letzten zwei Jahrzehnte aus dem Artcore, Hard- und Weirdcore-Sektor erinnert wie unter anderem Big Bopper, Patti, Rolex, Brandy, Mystic Inane, Beast Fiend, Cutie, Fugitive Bubble, Septic Yanks oder Liquid Assets um nur ein paar davon zu nennen. Ich brauch bringend mehr von dem Scheiß!

Station Model Violence – Station Model Violence

Diese Platte kam für mich wie aus dem Nichts als sie im Januar angekündigt wurde, wenngleich diese Songs und die Band dahinter - bestehend aus Mitgliedern unter anderem von Total Control, Den und R.M.F.C. - offenbar schon eine gute Weile im Hintergrund geköchelt hat. Vieles davon soll seinen Ursprung sogar in einer früheren Band namens KX Aminal haben, die nach meinem besten Wissen aber nie Australien verlassen und auch keine Musik veröffentlicht hat, weshalb es sicher auch entschuldbar ist, davon zuvor nichts gewusst zu haben. Wie auch immer, die Erwartungen waren hoch für diese Platte und ich freue mich zu sagen, dass jene hier mit Links erfüllt und übertroffen werden in einem Sound, der Elemente von allen drei erwähnten, bekannteren Bands beinhaltet aber diese gleichsam auch an unerwartete Orte transportiert in einer luftigen Klangästhetik, die vertraut wirkende Post Punk-Vibes mit einer Menge von sphärischer New Age-Entrücktheit verwebt, krautig-motorischer Repetition, weiteren Flavors von '70er Art Rock und nicht zuletzt auch eine leicht folkige Kante die mich an die neuseeländischen Postpunker Trust Punks und deren nach Berlin verzogene Nachfolgerband Dead Finks erinnert, zu einem epischen und zutiefst atmosphörischen, ausufernden und halluzinogenen Trip, der seine Wirkung am besten an einem Stück genossen entfaltet. Eine Rarität in dieser Zeit als ein noch mit großem A geschriebenes und konzipiertes Album, zusammen mehr als bloß die Summe zehn einzelner Songs, die zusammen auf eine LP gepresst wurden.

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Landowner – Assumption

Landowner aus Holyoke, Massachusetts, eine der unverwechselbarsten Stimmen im aktuellen Post Punk-Umfeld, haben jetzt ihren fünften Langspieler auf Exploding In Sound Records raus und auch nachdem die Band schon ein gutes Jahrzehnt zu Gange ist, zeigen sie noch keinerlei Abnutzungserscheinungen in ihrer abstrakten, minimalistischen Herangehensweise an Post Punk und Postcore - wenngleich auch in letzter Zeit ihr Einfluss auf jüngere Bands zunehmend offensichtlich wird, bleibt dieser Sound absolut ihr eigener. Wenn überhaupt, dann sind ihre Kompositionen und Texte über die Jahre nur noch schärfer, bissiger und düsterer geworden und die oberflächliche Aura von ironischer Distanz ist als ein psychischer Selbstverteidigungs-Reflex zu deuten, nötig um bei Verstand zu bleiben, wenn sie die existenzielle Substanz ihrer Songs konfrontieren während wir alle nur zu gut wissen, das uns - im Gegensatz zur Präsentation der Menschheitsgeschichte als eine Abfolge kontextloser und teils fragwürdiger Meilensteine wie aus einer bizarren Strategiesimulation in Linear Age - das Universum keinen zweiten Versuch für unsere Existenz einräumen wird und der aktuelle Stand der Dinge nach einem einzigen Selbstauslöschungs-Speedrun aussieht.

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Personal Style – Garbage Can

Hier ist noch so ein Leckerbissen aus ziemlich oldschool, vereinzelt '77-angehauchter Garage Punk-Vorzugsware der suchtgefährlichen, unverschämt eingängigen Machart, von der Leine gelassen von einer Band aus Long Beach, Kalifornien auf ihrer jetzt schon fünften EP. Auf jener verleihen sie ihrem Sound eine im Vergleich zu den Vorgängern deutlich ungeschliffenere Kante und das steht diesen Songs ausgesprochen gut, die aber auch für sich genommen schon aus der Masse herausstechen indem sie sich nicht allzu sehr auf den Glanz ihrer Jahrzehnte alten Grundzutaten verlässen sondern die althergebrachten Songs und Strukturen bombenfest in einem Fundament aus unerschütterlicher Songwriting-Substanz verankern.

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Ones and Twos – Ones and Twos

Die Debüt-EP dieser Band aus San Francisco löst acht Sprengungen aus ganz unverfrohren oldschooligem Garage Punk aus, die auf den ersten Blick häufig ein bisschen zu basic erscheinen mir aber letztendlich immer ein dementes grinsen ins Gesicht zaubern wenn sie sich unfehlbar und mit fachmännischer Routine in einer geradezu obszön ansprechenden Schredderorgie entladen. Wenn der Appetit nach den simpleren Freuden von moderat schmierigem Rock'n'Roll steht, ist das hier einer absolut robuste Wahl. Nicht mehr, aber auch kein bisschen weniger.

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D. Sablu – Righteous Light

Der Sound dieser Garage Punk-Dampframme aus New Orleans hat inzwischen schon ein paar Phasen und Metamorphosen durchlaufen und hat auch erneut wieder ordentlich an den Parametern geschraubt für ihre neueste EP, die - wenngleich immer noch erkennbar dem gleichen Geist entsprungen - weitgehend das Klangkostüm eines NWOBHM-infizierten Hardcore- und Motörpunk-Geschwindigkeitsrausches annimmt, insbesondere im ersten und letzten Song, wohingegen der in der Mitte etwas näher nach den paar solo aufgenommenen Singles und Demos aus dem letzten Jahr klingt, aber gestählt durch eine saumäßig tighte, volle Bandperformance. Der Rausschmeißer Socialized - ebenfalls zuvor bekannt als einer der erwähnten 2025er Demosongs - hat dabei eine so starke Evolution durchlaufen, dass man abgesehen von den weitgehend noch intakten Lyrics eigentlich nicht mehr von dem selben Song sprechen kann.