Die 2023er Mini-LP dieser Australier war ja schon ein randvolles Fass des ziemlich abgedrehten Dungeon- und Fantasy-vernarrten Spaßes und ihr neuester Langspieler ist sogar ein noch mal stärkeres Paket von Schädelspalter-Tunes aus Elementen von Garage-, Synth- und Post Punk, der gleich vom Start weg mit einem deutlichen Flavor von älterer Useless Eaters- und Ausmuteants-Action verzückt im Opener Pillager, dann erweitert um einen Hauch von Psych-/Acid Punk á la Pow! in Moneyman, während Big Hat – eins von zwei hier vertretenen Überbleibseln der 2021er Mammon Machine EP – einen starken Strange Attractor-Vibe versprüht und Dopaminer glaubhaft als ein ausgesprochen starker Why Bother?-Song durchgehen könnte. Desweiteren denke ich mal dass auch Freunde von solchen Dungeon-lastigen Chaoten wie Curta’n Wall oder den Osloer Eggpunks Molbo sich mit dieser Platte einen ordentlichen neuen Kick verpassen können.
Diese Woche bietet sich gut an für Punks um die innere Basic Bitch raushängen zu lassen, werden doch ganze drei von den vier Platten die ich hier poste ganz gewiss keine Preise für Innovation und Originalität gewinnen aber gleichen das mal sowas von aus mit den Mitteln schierer Songwriting-Kompetenz und entschlossen durchschlagender Performences. So ist das auch der Fall mit der neuesten Citric Dummies LP (die ist natürlich mal wieder genau so wenig eine Split-LP wie Zen and the Arcade of Beating Your Ass eine Hüsker Dü-Platte war oder Die Nasty etwas mit Rikk Agnew zu tun hatte), die ihre erprobte Formel aus einem Arsch voll Dead Boys-Energie mit einem starken Rocket From The Tombs- und Death-informierten Proto Punk-Beigeschmack verfeinert und gemeinsam mit ein bisschen prä-Rollins Black Flag und Bad Brains-mäßigem, frühem Hardcore Punk zu einem hochentflammbaren Cocktail destilliert, das bei all dem Retro-Namedropping dennoch seltsam im hier und jetzt verankert scheint.
Fuck yeah es gibt eine neue Imploders-Platte zu bestaunen, die wie gewohnt so ziemlich frei von Überraschungen aber auch frei von Enttäuschungen ist. Wie zuvor scheint sich ihr sound zu 99% auf Hardcore-Tropes und -Versatzstücke zu Stützen die allerspätestens… sagen wir mal so 1983, bereits fest zum Genre-Vokabular gehörten. Der Scheiß funktioniert weil die Band aus Toronto nach wie vor etwas davon verstehen, ausgesprochen eingängige und robust gebaute Tunes aus dem Ärmel zu zaubern, sicher ins Ziel gehämmert von einer explosiven Präzisionsattacke.
Wie schon auf ihren bisherigen zweieinhalb EPs fackelt die Band aus Denver, Colorado hier nicht lange rum und verlässt sich auf ihre Kernkompetenzen in Form von schnörkellos geradeaus gehendem, Noise-versifftem Garage Punk, der jedes mal zuverlässig den Nagel auf den Kopf trifft in diesen neun Songs, zu denen auch Bewunderer von so Scheiß á la Buck Biloxi, Sick Thoughts, The Dirts oder Bart and the Brats mit Sicherheit zustimmend nicken und wippen werden.
Nicht weniger als ein plausibler Anwärter für die Hardcore-Platte des Jahres 2025 kommt zu uns vom in Milwaukee ansässigen Label Unlawful Assembly in Form einer neuen Split-LP von zwei Bands aus Austin, Texas, die beide bereits einige Wellen geschlagen haben mit jeweils ausgezeichneten Debüt-Tapes auf dem lokalen Label Sound Grotesca zwischen 2021 und ’22. Beide Bands operieren dabei klar auf der roheren Seite des Hardcore Punk-Spektrums und erfinden hier das Rad zwar nicht neu, aber laden dafür lang bewährte Zutaten der Noise-lastigen alten Hardcore-Schule mit einer selten gewordenen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit auf. Gleich vom Start weg stechen die Tunes von Save Our Children hervor als unendlich ausgefeilter, erfinderischer und überhaupt in einer ganz anderen Liga als die Masse von milde Thrash-infizierten Hardcorebands und auch die grimmige Gesamtästhetik kann dabei nicht über die musikalische Abenteuerlust und Verspieltheit dieser Songs hinwegtäuschen. Wenn du jetzt dachtest, das ginge ja schon ganz schön über den Aufwand einer durchschnittlichen Hardcore-Veröffentlichung hinaus, dann warte mal bis du die Stunted Youth-Seite hörst, die hier den leicht metallischen Beigeschmack der S.O.C.-Tracks gegen einen stärker garagigen Flair austauschen und eine Fülle von subtil melodischen Schnörkeln in ihren Songs, gekoppelt mit einem Weltklasse-Einsatz an hyperaktivem Geschredder und tonnenweise unerwarteter Catchyness in einem halsbrecherischen Geschwindigkeitsrausch. Das ist der perfekte Sturm von sowohl kreativer als auch primitiv-roher Energien wie ich sie doch gerne öfter hören würde in einem Genre-Umfeld, der sich viel zu oft leider mit der möglichst normgerechten Reproduktion etablierter Muster und Konventionen zufrieden gibt.
Die Eggpunk-Überformation aus Nashville, Tennessee ist zurück mit einer zweiten LP. Die entpuppt sich dann als eine gar nicht so radikale Abweichung von ihrem bisherigen Schaffen, wie es die stampfenden Elektro-Beats des Preview-Tracks Worldwide zuerst suggerieren mochten. Nach dem Kulturschock der ersten LP, auf der sie sich in unnachgibiger Hardcore-Intensität durch das Material der frühen EPs schmetterten, ist ihr neustes Baby in Teilen sogar eine unerwartete Rückbesinnung auf die verspielten und abwechslungsreichen Experimente ihres frühen Schaffens. Wie schon auf dem Vorgänger hat man einige Songs zuvor schon mal in der einen oder anderen Form gehört wie etwa in Subdivision, das uns erstmals vor gut drei Jahren auf der Town Topic 7″ begegnete und die Beatles-Coverversion Come Together, die sogar noch weiter zurückgeht und ursprünglich 2021 auf der G.T.R.R.C. III-Compilation erschien – beide davon haben hier aber eine gründliche Generalüberholung erfahren und das gilt auch für die meisten anderen zuvor gehörten Songs hier. Was soll ich sagen, die Platte ist erneut ein absolut glorreicher Freakout aus quirlig-eingängigem Lärm von den Tellerrändern des Garage- und Post Punk, dem scheinbar niemals die Ideen ausgehen.
Zwei Jahre nach ihrer superspaßigen Debüt-EP hat Philadelphia’s reinlichste Band endlich ihren ersten Langspieler fertig geputzt und der legt noch mal ordentlich einen drauf in Sachen chaotischer Energie ihres abgehackten Art Punks, der komfortabel zwischen den Wischmops sitzt von dissonantem, oldschooligem No Wave-Lärm, dem schrägen Artcore der frühen Minutemen aber auch reichlich jüngeren Phänmenen, wie etwa dem klugscheißerischen Art Punk von Patti, Reality Group und Brandy oder auch etwas stärker Richtung Postcore gehenden Acts á la Cutie, Mystic Inane und Rolex. Ich muss schon sagen, ihr mathematisch verwinkelter Sound macht einen sehr ordentlichen Job darin, die Herausforderung zu vertonen die sich meinem ADHS-gefickten und vermutlich auch leicht autistischen Gehirn beim Ordnung halten in der eigenen Wohnhöhle stellt… und dabei lassen sie es klingen als wäre das die spannendste Aktivität der Welt.
Okay hier ist neuer scheiß von diesem, angeblich, neuerdings in Großbritannien weilenden Typen der ursprünglich aus Truth or Consequences, New Mexico kommen soll, das zwar tatsächlich eine echte Stadt ist aber auch eine ausgesprochen kleine, weshalb ich mal sagen würde das es so rein statistisch… Jau ganz ehrlich, ich weiß nicht ob man irgendetwas von dem Glauben schenken darf was die Bandcamp-Bio so über Jacket Burner erzählt. Keinen Zweifel gibt’s dafür aber an den Qualitäten seiner neuesten LP, die mal locker mit der bisher stärksten Ladung neuer Songs daherkommt und wie schon zuvor den maximalen Wumms aus einer uralten und bewährten Garage Punk-Formel extrahiert, was in etwa so klingt als würden hier die Grundzutaten von Buck Biloxi, Spits, frühen Sick Thoughts und Bart and the Brats destilliert zu einem kräfftigen und exquisiten Schluck Gift mit einer subtilen Note von ’77- und KBD-mäßiger Simplizität.
Nachschub an aufregendem Eggpunk der minimalistischen und Fuzz-verliebten Machart erreicht uns von dieser britischen Band, deren Songs auf den ersten Blick nicht groß mit den gängigen Mustern des Genres brechen, aber wen fucking interessiert’s wenn jeder einzelne davon mit solch einer blinden Intuition präzise jeden Nagel auf den Kopf trifft in einer unfehlbaren Abfolge von zackigen, saumäßig eingängigen Fuzz Pop-Attacken, die mir eine Mischung etwa aus Elvis 2, Kid Chrome, Power Pants, S.B.F. and Satanic Togas ins Gedächtnis rufen.
Eine irrsinnig gute Debüt-EP von einer Londoner Band und die Frontsau ist niemand geringeres als Chubby – genau, der Typ von Chubby and the Gang – dessen Gesang hier noch am ehesten an die rustikale Oi!-Ästhetik seiner alten Band erinnern mag, die – obgleich immer noch wie ein subtiles Hintergrundbrummen unterschwellig vorhanden – sich hier deutlich zurückhält zugunsten eines etwas feiner geschliffenen und strahlenden, jedoch keineswegs weniger kräftigen Sounds, der rüberkommt wie eine ultrakompakte Kapsel aus diversen Großartigkeiten der melodischen Punk, Power- und Noise Pop-Welt, von klassischen Hüsker Dü-Vibes über die unmittelbare Catchyness der Noise Popper Terry Malts und den jüngsten Dumpies- und Eye Ball-LPs, bis hin zu der tiefen Melancholie von Leatherface oder (Royal Headache-) Shogun’s noch halbwegs aktuellen Projekten Antenna und Finnoguns Wake. Potenter Scheiß, bitte mehr davon!