Smashed Glass – Wet Cement

Smashed Glass aus Vancouver erzeugen eine entzückende Mischung aus ausgefuzztem, Garage-infiziertem oldschool Indie Rock, Post- und Art Punk auf ihrer Debüt-EP. Deren Opener Running and Running hat einiges von einem frühen Woolen Men- oder Shark Toys-Vibe, woraufhin mich Dud stark an Volcano Suns erinnert. In Roundabout kollidiert ein Hauch von ’80er Nomeansno mit ein paar klassischen Cowpunk-Versatzstücken. Dem Rauswerfer-Track Anyone Anywhere wohnt dann noch eine Qualität á la Scratch Acid-meets-Jawbox inne und es lässt sich auch nicht verleugnen, dass über die gesamte Laufzeit auch ein leises Hintergrundrauschen aus Mission Of Burma mitschwingt.

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Corpus Earthling – The Brood

Corpus Earthling aus Hamilton, Ontario haben zumindest in meiner Welt ein paar ordentliche Wellen erzeugt mit ihrer 2024er LP The Glove, gefolgt von einer weiteren netten EP, einer vollen LP mit Coversongs. Und jetzt ist such schon wieder eine neue EP am Start mit einem ausgesprochen starken Bündel von abgespaceten Psych Punk-Knallern, die einerseits von so alten Art Punk-Bands wie MX-80, Chrome und Métal Urbain inspiriert scheinen aber gleichermaßen auch an eine Reihe von gegenwärtigen Bands á la Pablo X, Stdees, Zoids, Silicon Heartbeat, Mateo Manic und Thee Hearses erinnern.

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Baby Muffler – Baby Muffler

Neues Futter für warmherzige Eierköpfe kommt zu uns von einem (vermutlich) in Providence, Rhode Island ansässigen Typen oder vielleicht auch einem Duo, das hier eine Handvoll fluffiger und zuckersüßer Power Pop-Hymnen erster Güte abliefert in einem unprätentiösen Eggpunk-Kostüm, nicht unähnlich zu so Vertretern wie Gonk, Power Pants, Gee Tee, Music For Microwaves, 1-800 Mikey oder Rude Television. Die Hauptattraktion ist hier aber nicht so sehr der Sound sondern viel mehr das starke Songmaterial selbst in all seinem tadel- und schnörkellosen Pop-Glanz.

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Sonic Youth Of Today – SYT 3

Das neue, ganz den Synth-Sounds gewidtmete Projekt Sonic Youth Of Today des Beta Máximo-Typen hat schon wieder alle Anzeichen dafür, ein ähnlich produktives Unterfangen zu werden wie das alte Ding. EP Nummer drei tritt die Sache los mit einer netten Coverversion der größten Fake-Punk-Nummer aller Zeiten und wohl auch eines der essenziellen Eggpunk-Urtexte, Village People’s Food Fight, aber der wirkliche Speck sind hier die eigenen Songs, die schlicht und einfach Synth Punk in Bestform sind, so antriebsstark und pulsierend wie auch unwiderstehlich in ihrer catchyness und mit der unverwechselbaren Handschrift ihres Schöpfers.

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Today’s Milk – EP3

Ich tu mich etwas schwer damit, mich für den ersten Song dieser Platte mit seinen fluffigen ’90er Beats und Alternative Rock-Radio-Vibes anzufreunden, aber von da an gewinnt der Krempel dankenswerter Weise stark an Klasse. Tryna Do klingt ein bisschen wie die Saat eines Power Pop-Songs, rekonfiguriert in einen Fuzz-beladenen Saints- oder Stooges-Kontext. Put It Back tut ähnliche Dinge, aber fügt ein bisschen von einer Flying Nun Records-mäßigen Qualitat hinzu bevor die EP dann abschließt mit ihrem ausgereiftesten Song Gracia, der klingt wie vier Jahrzehnte von eingängigem, College Rock-verbundenem Gitarrengeschrammel herunterdestilliert auf ein kompaktes und perfektes zwei-Minuten-Format.

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Family Dog – Familial God

Family Dog aus Nashville, Tennessee liefern mehr von ihrem aufregenden Irrsinn auf ihrer zweiten EP in Form von Garage- und Noise-versifftem Hardcore Punk, der eine tollwütige, entfesselte Performance mit einem unersättlichen kreativen Drang vereint und dieser gewissen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit, die eine Hardcoreplatte heutzutage einfach braucht um mich bei der Stange zu halten. Diese fünf Songs transportieren das zuhauf und jedes mal wenn du denkst du wüsstest wie diese EP sich abspielen wird, dauert es nicht länger als ein paar Takte bevor die Band eine scharfe Kurve zu einem ganz unerwarteten Ort nimmt.

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Creaper – Bloodstains

Die Berliner Band schlägt genau die richtigen Saiten an in meinem neuralen Klangverarbeitungsapparat anlässlich ihrer Debüt-EP, auf der sie ausgesprochen schick eine sehr melodische und stark Song-basierte Geschmacksrichtung von Post Punk á la The Estranged, Daylight Robbery oder Sievehead mit einer angemessenen Dosis von Wipers-Action, einer Prise von Glam-durchtränktem ’80er Goth-/Death Rock und obendrein einer ganzen Fülle von eingängigen Power Pop-Qualitäten vermengen.

Eye Ball – Of The Northern Americas

Hier gibt’s exakt eine Minute von neuem Eye Ball-Material. Selbstredend ist das mal wieder verdammt gut womit das Label Knuckles On Stun da auf eine ultra-verschwenderische Kassette magnetisiert hat, wie alles von der Band bisher. Nur beim nächsten mal halt bitte so 30-60 davon auf ein Tape packen, damit das Unterfangen wenigstens ein gesundes Minimum an ökonomischem und ökologischem Sinn ergibt.

Fantasma – Quase

Das brilliante Demo von 2023 und eine ebenbürtig Arschtretende 2-Track-Single in ’24 hatten mir schon ordentlich Hunger gemacht auf mehr von dieser Band, die sich um zwei Brasilianer in New York dreht mit weiterer Beteiligung unter anderem von Margaret Chardiet von Dollhouse und Pharmakon. Hier ist zu guter Letzt also ihr erster Langspieler auf dem britischen Bollwerk Drunken Sailor Records und ihr hättet es sicher kaum erraten… Es handelt sich erneut um eine phänomenal starke Platte! Zuvor habe ich an dieser Stelle ihren Sound mit Straw Man Army verglichen und teilweise trifft das hier immer noch durchaus zu, aber da ist auch reichlich Evidenz am Start, dass die Band ihren musikalischen Horizont massiv erweitert und besonders erwähnenswert ist dabei, wie sehr sie sich ihren melodischeren Tendenzen widmen und einer ätherischen, meditativen und geradezu psychedelischen Unterströmung besonders in Songs wie Lugares Mais Altos. Der Bandcamp-Waschzettel erwähnt außerdem auch alten UK Anarcho-Krempel sowie Wire als Einflüsse und ich sage dazu dass passt auch wie Arsch auch Eimer und insbesondere im Bezug auf Wire wisst ihr, dass ich sowas generell immer befürworte!

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Total Revolt Of All Limbs – Entropy

Nu das ist ja mal ein Sperriger, versiffter Klumpen des rohen Lärms, der uns auf dem zweiten Tape (ihr erstes in voller Länge) dieser Wiener Band entgegen kommt. Auf den ersten Blick scheinen sie in erster Linie den Proto-Noise Rock von Flipper und No Trend zu channeln, außerdem auch frühe Swans und einen ordentlichen Brocken des no-wavigen Lärmexzesses. Aber wer etwas genauer hinhört mag auch leichte Echos von japanischen ’80er Psych-/Noise-Bands á la The Rabbits erkennen oder von US Art Punk-Klassikern wie Chrome und MX-80. Songs wie etwa Entropy haben dann wiederum aber auch etwas von einem Kopenhagen-Vibe der frühen 2010er á la Lower und Iceage und wo ich eh schon dabei bin Krempel aus jener Ära aufzuzählen, sag ich mal da steckt auch ein bisschen Soupcans drin. Wie dem auch sei, das sind vierzig exzellente Minuten von waffenfähiger Klangattacke, die deine Sinne überwältigt, alle mentalen Sicherungen durchbrennen lässt, Hemmungen überbrückt und wenn der Scheiß mit dir fertig ist fühlst du dich irgendwie Schmutzig und brauchst schnell ’ne Dusche. Mission accomplished sag ich dazu!

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