Snarewaves – 4 Tracks

Die bisherige Diskografie dieser Band kann sich durchaus als sehr verwirrend und überwältigend darstellen mit einer Tonne von Veröffentlichungen die plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden, neue Songs zu ihrer Tracklist hinzugefügt oder wieder gelöscht bekommen und dann ist da noch die konstante Frage von "Hab ich diesen Song nicht schon gehört?" und "ist das jetzt eine Neuaufnahme odereine Wiederveröffentlichung?" Das ist so ein typischer Punkt wo ich gerne mal vorübergehend aussteige, ein bisschen Abstand nehme und darauf warte, dass etwas definitiveres, permanentes aus der Sache herauskommt. Ein solches Ding ist jetzt diese neue Kassette aus dem Hause Knuckles On Stun, dem zuverlässigen Verticker von vielleicht etwas zu steil eingepreister Eierware - ein Artefakt das diesmal vermutlich so bleiben wird wie es jetzt ist. Auch hier habt ihr vielleicht manchen Song schon mal gehört aber was macht das inzwischen eigentlich noch für einen Unterschied? Der Scheiß ist von gewohnt hoher Klasse und noch immer ist mir keine andere Band bekannt, die ihnen auch nur annähernd ähnlich klingt.

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Triple Ente – Desastres / Dasgüt – Dasgüt

Hier sind zwei arschpieksende neue Artefakte von eieriger Garage Punk-Brillianz. Das erste davon kommt von Triple Ente aus Alicante, Spanien. Es wäre ja eh schon komplett untertrieben zu sagen dass spanische Bands seit langem eine unverzichtbare Kraft in dem ganzen Genre-Clusterfuck sind und Triple Ente waren schon ziemlich früh ein Teil davon. Eine Band also, die uns jetzt nichts mehr beweisen muss und hier dennoch keine halben Sachen macht auf ihrer neuesten LP, auf welcher sie 14 neue Smasher einer stärker Richtung Garage orientierten Machart abliefern, was inzwischen irgendwie schon wieder angenehm oldschool im Eggpunk-Kontext klingt und absolut positiv an den Wilden Westen einer früheren Genre-Ära erinnert.

Relativ neu dabei ist hingegen die Band Dasgüt aus Philadelphia, die hier gleichsam aber mit einer nochmal viel oldschooligeren Garage Punk-Energie aufwarten im stark Gun Club-mäßigen, wie die Band Dasgüt betitelten Opener, bevor sich anschließend mehr des zu erwartenden Eggpunk-Irrsins entfaltet mit tonnenweise kranken Ideen und ansteckenden Hooks die sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehen. Wie schon die Triple Ente LP, umgeht das hier aber viele der häufigsten Klischees unter anderen weil beide Bands weitgehend auf Synths, Elekronik oder eine übertriebene Homerecording-Ästhetik verzichten. Stattdessen kochen sie ihre Songs gekonnt herunter zu einem schlanken Kern aus aus eingängiger und spaßiger Garage Punk-Sonderlichkeit.

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Brainwash Victims – Brainwash Victims / Yambag – The Psycho

Die letzten Wochen hatten zwei herausragende Hardcoreveröffentlichungen für uns auf Lager und ich nehme mal die Abkürzung, sie hier in einem Post zu verbraten. Brainwash Victims aus Milwaukee, Wisconsisn haben eine neue Kassette auf Unlawful Assembly raus mit einem Sound der nicht nur maximal noisy, abgefuzzt und angepisst ist, sondern auch mit immer wieder mit einfallsreichen Wendungen, catchy Hooks und melodischen Obertönen um die Ecke kommt. Die Typen spielen nicht nur hart und schnell, sondern sie haben auch die Songs an Bord um dabei nicht umzukippen.

Yambag aus Cleveland, Ohio sind dagegen eine Band, zu der ich über die Jahre ein etwas wackeliges Verhältnis gehegt hab, nicht zuletzt weil es auf einigen ihrer jüngeren Veröffentlichungen häufig den Anschein hatte als würden sie sich umso weniger um die Songs und Arrangements scheren, je härter sie auf den Putz hauen, so als versuche man hier für einen Mangel an kompositorischer Substanz zu kompensieren. Aber wie auch immer, jetzt haben sie eine neue 8-Song-EP draußen die sie mal wieder ausschließlich von ihrer besten Seite zeigt mit einem starken Bündel neuer Songs die so einfach gestrickt wie auch schlagkräftig und catchy rüberkommen und schlicht einen Sweet Spot in ihrem stilistischen Venn-Diagramm treffen, bei dem alles vorhanden ist was den Reiz dieser Band ausmacht und die beweglichen Teile rüttelfest und kunstvoll verarbeitet an ihrem Platz sitzen.

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Bog Imp – Anti-Natural

Auf ihrer zweiten LP betätigt sich diese Band aus New Jersey in einer Machart des Garage Punk, die irgendwie seltsam altmodisch und angenehm unbeeinflusst erscheint von den Entwicklungen der letzten ein bis zwei Jahrzehnte. Ich mein... wirklich, der Scheiß könnte sich eigentlich jederzeit zwischen der klassischen Reatard(s)-Ara und dem letzten Atemzug des Male Bonding- und No Age-mäßigen Fuzz Punk der frühen 2010er zuhause fühlen. In unserer Zeit fühlt sich das jetzt mehr wie eine schrullige Kuriosität an und ihr wisst das mich sowas anmacht, insbesondere wenn das mit so einer Fülle von bemerkenswert einfachen, charmant nachlässig dargebotenen und gefährlich eingängigen Popsongs aus fuzzy-melodischem Glück einhergeht.

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La RAF – La rabia ante el futuro

La RAF aus Mexico City haben definitiv ein seltenes Händchen dafür, Jahrzehnte alte Post Punk-Tropes und -formeln aufzugreifen und der Sache dennoch jedes mal erfolgreich ihren eigenen Stempel zu verpassen, denn jeder Song auf dieser EP klingt als hätte er zu einem beliebigen Zeitpunkt seit den späten '70ern erscheinen können, aber dennoch niemals klar nach einem Song, den du glaubst schon mal gehört zu haben - es wohnt diesen Songs eine frische und lebhafte Energie inne, durchtränkt von eigener Persönlichkeit und vorangetrieben von ausgesprochen tighten und energischen Performances, auch wenn die Grundzutaten schon seit langem mehr als vertraut sind.

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The Antics – The Antics

Die ersten Teaser-Tracks vom Langspieldebüt dieser Band aus Melbourne, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Piss Wizard und Stray Dogs To Good Homes, hatten bereits eine drastische Abwendung signalisiert vom noch deutlich simpleren, Wipers-infizierten Garage Punk ihrer vorherigen EP und in der Tat ist diese Platte eine ganz andere Sorte von Biest geworden, das mehr von einem staubigen, Americana-durchtränkten Post Punk-Vibe versprüht mit Echos von frühen Scientists aber auch viel jüngerem Zeug wie etwa dem Noise-versifften Post Punk der kopenhagener Größen Lower und den frühen Iceage; Sklitakling und Pleaser aus Schweden, Americana- und Cowpunk-beeinflussten US-Bands wie Weak Signal und Bambara oder auch Australiern wie Optic Nerve und Refedex. Eine reiche Pallette von mutmaßlichen und durchaus etablierten Einflüssen also, aber diese Band kocht daraus ein durchaus eigenständiges Süppchen, nicht zuletzt dank tonnenweise belastbarer Songsubstanz als Fundament für die lärmigen Eruptionen und kantigen Performances, ein angemessenes Vehikel aus düsterer Energie für die unverblümt-eindringlichen Texte und Vocals von Frontfrau Freya Tanks.

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Dead Finks – New Plastik Abyss

Ist das jetzt echt schon die vierte Dead Finks LP? Fuck, wie die Zeit vergeht! In Relation dazu ist der Output des Berliner Post Punk-Duos bestehend aus Erin Violet und Joseph Thomas (zuvor von den Neuseeländern Trust Punks bekannt) aber beruhigend konstant und immer von höchster Klasse, transportiert dabei auch klar etwas von der alten Trust Punks-DNA, verwebt jene aber mit jeder Menge von folkiger Schrammelei und Melancholie zu einem epischen, farbenfrohen Mosaik aus Breitwand-Drama, eine leicht vernebelte Atmösphäre aus ungelöstem Konflikt, die mich mehr als nur einmal an die ikonische, singuläre Vision der Indie-/Noise Rocker Kitchen's Floor aus Brisbane erinnert.

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Kerosene Kream – Bye Mom!

Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes - so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den '60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.

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United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

Nightwatchers – Qu’importe la mort

Nightwatchers aus den französischen Toulouse, klar einer der auffälligeren Acts der vermutlich Youth Avoiders-induzierten 2010er Welle von variabel Oi!-beeinflusstem, melodischem Post Punk/-core in Frankreich, waren für meinen Geschmach zeitweise eine etwas inkonsistente Angelegenheit, insbesondere manchem Langspieler, aber auf ihrer neuesten EP operieren sie von Anfang bis Ende in der goldenen Zone, hauen mit routinierten Handwerkskunst vier zertifizierte Banger raus und wenngleich sie sich in der Vergangenheit selten über eine etablierte Genre-Formel hinausgelehnt haben und sich auch hier ganz bestimmt nicht neu erfinden, machen sie dass aber mal mit locker wett durch die schiere Güte des zugrundeliegenden Songmaterials und eine unnachgiebig tighte und energische Performance.

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