Dr. Dence – Sick Dumb Spam

Wenn es jemals so etwas wie einen Covid-Bonus für irgendeine Band gab, dann muss es wohl diese New Yorker "Healthpunk" Ein-Mann-Band sein, die aber auch schon vor der Pandemie unterwegs war und irgendwie auch jetzt noch seltsam relevent wirkt, wenn man sich so den aktuellen Irrsinn im US Gesundheitswesen anschaut. Nu ja wie auch immer, die neueste EP präsentiert den Typen in seiner vielleicht besten Form bislang mit vier moderat oldschooligen und Eggpunk-igen Smashern, jeder davon ein bombenfest in die Wege geleiteter Schlag aus schnörkelloser Garage Punk-Qualität.

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Top Secret Nicho – Lands

Hier ist ein neuer Nicho für euch der so top fucking secret ist, dass man ihn bei Bandcamp finden kann. Auf dem Nachfolger zur letztjährigen (digitalen) Single Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte versorgt uns die Band aus Rosario, Argentinien mit mehr vom gleichen Qualitätslärm, eingeweicht in den trüben Gewässern von '80er Post-, Garage- und Art Punk mit einer zusätzlichen Ebene von fuzzy Psychedelia obendrein, was diese Platte zu einem ziemlich guten Gegenstück zu der letzten Zulo Mini-LP macht, die vor kurzem ebenfalls auf der lokalen Szene-Boutique Fake Sex Tape erschienen ist.

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Ty – Hot Wheel City

Die letztjährige WE R TY EP gehörte klar zu den herausstechenden Veröffentlichungen des Jahres im Bereich von variabel Egg-mäßigem Garage-, Post- und Art Punk und auch die neueste EP der Band aus Detroit kann einfach nicht enttäuschen. Der Opener Stuck hat dabei eine deutlich '77-beeinflusste Qualität mit einer gewissen Ähnlichkeit zu ganz frühen Vaguess und in der Tat treten die zuvor noch prominenteren Eggpunk-Elemente hier zunehmend in den Hintergrund zugunsten eines vergleichsweise zähen, roheren Sounds, der kräftiger vorwärts geht als je zuvor. Oh, und mit der Jimi Hendrix-Coversong blamieren sie sich auch nicht, aber der eigentliche Speck ist hier dennoch in den drei unverschämt eingängigen Originalsongs, gar keine Frage.

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Завірюга – Цвяхи

Unsere liebste Eggpunk-Anomalie aus der Ukraine Завірюга hat hier mal klar ihren Sound ein gutes Stück aufgewühlt, dabei die Gitarren komplett über Bord geworfen und den Bass in den Mittelpunkt gerückt auf ihrer neuesten EP, komplementiert von minimalistischen Synths und Samples, was ihren Sound diesmal zunehmend in eine ungewohnt Noise Rock- und Industrial-affine Richtung verschiebt. Das Ergebnis ist nicht weniger als ihre frischeste und stärkste Platte seit einiger Zeit. Haltet die im Auge, man weiß nie auf welche Ideen die als nächstes noch kommen.

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Unregistered Falcon – Import Cigarettes / 200 Sideways

Arschtretender neuer Scheiß von einem Duo aus Melbourne... oder einem Trio? Keine Ahnung, die Infos auf Bandcamp sind diesbezüglich etwas ambivalent. Außerdem war Billiam an diesen Aufnahmen beteiligt, was bisher ja auch schon immer ein gutes Omen war. Wie dem auch sei, die zwei Songs sind mal so richtig meine Baustelle mit diesem Noise-versifften und ordentlich angefackelten Fuzz- und Garage Punk-Sound, der ein bisschen so klingt wie eine Kombination von The Gobs mit einer Spur von Bands der '80er Noise Rock- und Proto Grunge-Ära wie X (AUS), Scratch Acid, Fungus Brains, U-Men oder Feedtime.

Today’s Milk – Party Store / Good People

Nicht allzu lange nach ihrer schon sehr erfreulichen dritten EP legt die Band als Kalamazoo, Michigan schon nach mit einer noch stärkeren digitalen 2-Track Single, die sich erneut nach einem Flashback in das goldene Zeitalter von '80er-bis-Mitt-'90er Post Punk, College-, Indie- und Alternative Rock anfühlt mit so Bands wie Mission Of Burma, My Dad Is Dead, Sebadoh oder Volcano Suns, die neben vielen anderen ihre langen Schatten auf den Opener Party Store werfen, woraufhin Good People dann eher ein wenig so klingt als würden Flipper oder Broken Talent durch mehr von einem frühen Mudhoney- oder Mittneunziger Royal Trux-Vibe gefiltert.

DBR – Unbearable

Neuer Lärm von einem Typen, der nicht nur über die Jahre in einem ganzen ganzen Arsch voll hoch geschätzter Berliner Bands spielt oder gespielt hat wie etwa Benzin, Pigeon, Liiek, Molde und Deltoids, sondern auch schon seit langem seine ganz eigenen Leckerbissen unter dem Dee Bee Rich oder DBR-Alias zaubert. Etwa anderthalb Jahre nachdem sein letztes, selbstbetiteltes Tape schon einen massiven Sprung vorwärts markierte von einer als noch etwas skizzenhafter und verspielt zu bezeichnender DIY Lo-Fi-Ästhetik hin zu einer deutlich kohärenteren und ausformulierteren musikalischen Vision aus einem Guss, zeigt auch seine neueste LP erneut jede Menge Feintuning und eine erweiterte Palette von Einflüssen und Stilmitteln. Während der Opener Smirched noch durchaus als ein (exzellenter) Outtake der jüngsten Liiek LP durchgehen könnte, weiß Unacceptable durchaus schon zu überraschen wenn es die vertraute Post Punk-Formel mit '77-Style Gitarrenleads aufmischt. Pool zeigt dann erste Anzeichen einer melodischen Unterströmung wie man sie etwa von aktuellen Institute erwarten würde, gefolgt von Hold Me Tight, mit dem diese Platte endgültig ihr Pop-Gleichgewicht findet, zweifellos die beeindruckendste Demonstration bislang von einem gereiften Songwriting-Handwerk, das hier alles durchdringt und jede Sekunde dieses Killeralbums aufwertet.

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Rifle – Rifle

Alles was diese Londoner bisher angefasst haben war schon von Anfang an überragend und das hat sich auch auf ihrem neuesten Langspieler nicht geändert, auch wenn sie seitdem vielleicht ihren Sound ein bisschen begradigt haben und ein wenig von ihren frühen fuzzy Garage- und Hot Snakes-mäßigen Postcore-Vibes gegen etwas von einer Oi!- oder klassischen 80er Punk- und Hardcore-Ästhetik eingetauscht haben. Was aber nach wie vor eine Konstante in ihrer bisherigen Diskografie ist, ist ihr geschicktes Händchen für einfach gestrickte aber strukturell tragfähige Songkonstrukte, die sich in eingängigen und durchweg gekonnt den Hintern versohlenden Punkattacken entladen. So auch auf dieser Platte, die stark anfängt und von da an nur besser wird, weil die Band hier einiges von ihrem infektiösesten Material für die zweite Hälfte aufhebt. Wie gehabt höchstes Pflichtprogramm für Bewunderer von so Bands wie Ascot Stabber, Beast Fiend, Crisis Man oder Wymyns Prysyn, um nur ein paar zu nennen.

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Winky Frown – ;(iv

Die Kanadier werden auch auf ihrer neuesten EP ihrem ausgezeichneten Ruf gerecht als einer der herausragenden und spaßigsten Acts der aktuellen Eggpunk-Landschaft, vielleicht mit Ausnahme von Slop, das wohl in der Tat das absichtlich sloppigste stück Musik ist, mit dem uns die Band bisher angeslopt hat auf einer ansonsten gleichermaßen vertrauten und unberechenbaren Platte, die erneut allen Luxus und Nervenkitzel abliefert, den wir inzwischen von einer Winky Frown-Platte erwarten.

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Social Ills – Never Recover

Da ist eine auffällig ökonomische, bodenständige Qualität am Werk auf der Debüt-EP dieser Band aus Portland, auf der sie uns sechs hochbrennbare Cocktails aus '80er-Style Punk und Hardcore mit nur dem leisesten Hauch eines aktuellen Garage Punk-Zusatzes servieren. Alles davon ziehen die Jungs mit schlafwandlerischer Leichtigkeit und reichlich Klasse ab in einem unendlichen Fluss aus simplen, eingängigen Hooks.

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