Die dritte LP dieser Band aus Melbourne hat fünf neue Ausbrüche von Post Punk für uns auf Lager, die ich jetzt nicht unbedingt als sonderlich überraschend oder innovativ beschreiben würde, aber die durchweg die Basics überdurchschnittlich gut auf der Reihe haben, kompetent und schlau konzipiert und ausgeführt sind und eine filigrane Balance halten zwischen kaltem und klinischem, dissonentem Konflikt und ungleich wärmeren, melodischen Auflösungen in ihrem selbstbewussten und unerwartet variablen Songwriting. In verschiedenen Aspekten und Momenten erinnert mich das unter anderem an so Bands wie Girls In Synthesis, Corker, Criminal Code, Rank/Xerox, Negative Space, Shepparton Airplane, Batpiss oder Bench Press.
Das sprüht einfach so von lebhafter, positiver Energie, diese Debüt EP der Spanier Sonic Youth Of Today und wer in den letzten paar Jahren nicht total hinter’m Berg gelebt hat erkennt sicher sofort, dass hier mal wieder der Beta Máximo-Typ am Werk ist und die von ihm schon bekannte Melodieverliebtheit und die Noise-Poppigen Vibes in einen angenehm schrulligen Synth Punk-Kontext verfrachtet, der – zusätzlich zu seinem bisherigen Schaffen – auch starke Echos von so Acts von O-D-EX, Digital Leather, Mind Spiders, Spyroids, Freak Genes oder der jüngsten Emmet O’Connor-LP durchscheinen lässt.
Keine Ahnung was dieses mysteriöse Attribut namens Motorcycle ausmachen soll… ist das wenn man zwei Räder und ’nen Motor hat und Benzin säuft? Wie auch immer, ich kann mit hoher Sicherheit sagen, dass mir Heather The Jerk-Platten besser gefallen wenn sie ordentlich Motorcycle sind als wenn das nicht der Fall ist und die neue EP war da der fehlende Datenpunkt um das abschließend festzustellen. Das sind ein paar wunderbar fuzzversiffte, Bubblegum-infizierte Garage Punk- und Noise Pop-Perlen die für mich ein bisschen nach einer Verquickung von der einzigen relevanten Pop Punk-Band der Welt – Fastbacks natürlich! – und den ’80er Noise-/Fuzz Pop-Meisterwerken der frühen The Primitives-Singles klingen und es hilft nicht zuletzt doch auch sehr, dass hier ein absolut makelloses Bündel neuer Songs angetrieben wird von der hartnäckigsten Performance, die wir von Heather The Jerk bislang zu hören bekamen.
Seltsam, dass ich diese offenbar das ganze Jahr über Halloween zelebrierende Band erst mit ihrer letztjährigen Chumpire 247 EP zum ersten mal wahrgenommen hab… nu ja, besser spät als nie würde ich sagen. Der neueste Kurzspieler legt da noch mal ordentlich einen drauf mit einem noch runderen Stapel neuer Songs die irgendwie nach einer ausgesprochen absurden Kreatur aus klassischen Spits, Why Bother?, Trauma Harness, Woolen Men im Power Pop-Modus und vielleicht sogar einem Hauch von Hüsker Dü klingen. Verücktes deformiertes Ding das, aber wunderlicher Weise kann es laufen und sogar singen, unfallfrei und ohne abstützen auf seinen drei ungleich langen Beinen stehen bleiben.
Nu hier ist mal ein bisschen Nachschub an exzellentem Garage-/Synth-/Post Punk-Scheiß der nur tangential Egg-verwandten, aber dennoch ausgesprochen Devo-fizierten und nicht zuletzt auch ordentlich abwechslungsreichen, wandlungsfähigen Art, verschnürt zu einem kompakten und kurzweiligen Sprengsatz der mich an eine bunte Mischung aus Bands wie Checkpoint, Kitchen People, Ghoulies, Fungas, Cherry Cheeks, Ausmuteants, frühe Powerplant, Electric Prawns 2 und Dr. Sure’s Unusual Practice denken lässt.
Diese Woche war eine Woche der kleineren (aber wohlbemerkt ausgezeichneten) Releases und ich bin sowieso mal wieder im Verzug mit dem Bloggen, daher mach ich es mir mal einfach hier und verpacke den Krempel in einem einzigen Post, okay?
Fangen wir an mit leckerem neuem Hardcorezeug von den Silo Kids aus Hattiesburg, Mississippi, die auf ihrem neuesten Tape erneut den Ruf ihrer unscheinbaren kleinen Stadt untermauern als eine derzeitige Hochburg des einfallsreichen und verschrobenen Hardcore Punk, der sich weigert allzu sehr nach den etablierten Regeln und Mustern zu spielen.
Bei Power Pants aus Winchester, Virginia weiß man hingegen schon recht genau was man von einer neuen Veröffentlichung zu erwarten hat und außerdem, dass die nächste davon auch nicht lange auf sich warten lassen wird (auch ihre letzte Cassingle CS5 ist noch keinen Monat alt). Die neue PP11 EP erklimmt aber doch tatsächlich noch mal ein neues Level für die Band in einer Discografie, die hier und da schon mal etwas redundant klingen mag. Nicht dass sich hier fundamental etwas geändert hätte in ihrem melodischen Garage Punk-Sound, aber das hier sind ohne Frage einige der kräftigsten und rundesten Tunes ihres bisherigen Schaffens.
Scrawlers aus Tacoma, Washington schlagen dann in eine durchaus verwandte – wenngleich auch viel rohere und Fuzz-getränkte – Kerbe von einfach gestrickten und super-effektivem Garage Punk, zu dem etwa Freunde von S.B.F., Kid Chrome, Gobs oder Robbie Thunder mit Sicherheit zustimmend abnicken werden.
Thyroids aus Dallas, Texas sind jetzt auch schon eine ganze Weile unterwegs aber haben erst im laufenden Jahrzehnt mal so richtig Fahrt aufgenommen mit einem Sound, der immer unberechenbarer zu werden scheint und sich einer klaren Einordnung verweigert. Mehr als je zuvor trifft das auch auf ihre neueste 2-Track-Single zu, auf welcher Elemente von Garage- und Synth Punk, Noise Rock und -Pop sowie einer Prise Eggpunk aufeinander treffen und äußerst belebende chemische Reaktionen auslösen.
Zu guter Letzt wäre dann auch noch eine neue Snarewaves EP zu erwähnen. Die hat etwas über anderthalb frische Minuten von ihrer patentierten Elektropunk-Formel an Bord, die so verblüffend einfach wie auch abgefahren und ziemlich eigenständig in der aktuellen Landschaft daher kommt und obwohl man jetzt eigentlich denken sollte, dass der Krempel irgendwann mit dem Gesetz der sinkenden Erträge kollidieren muss, macht mich bisher jede neue Veröffentlichung nur hungrig aud noch mehr von dem guten Scheiß.
Ich war noch nicht so ganz überzeugt von der Vorabsingle Hariry Man mit ihren bluesigen Hard-/Dad Rock-Vibes aber verdammt, wird diese neue LP der Band aus Moffat Beach, Australien mal nicht nur mit jedem Song stärker (obendrein funktioniert Hairy Man auch viel besser im Album-Kontext als auf sich alleine gestellt), sondern hat auch mitunter einiges von ihrem stärksten Material an Bord. Die folgenden Songs Beef und Fire haben ordentlich was von einem oldschool Useless Eaters oder Pow!-Feel, während Out Of Touch dann graduell den psychedelischen Nebelfaktor erhöht wie wir es so am ähnlichsten bisher auf ihrer vorangegangenen Perspex LP gehört haben, bevor sich im ersten Teil von Hell letztendlich die Schleusentore der überfließenden, catchy-as-fuck Garage Punk-/Fuzz Pop-Glückseligkeit öffnen wie sie es früher oder später ganz unfehlbar auf jeder Electric Prawns 2-Platte tun. Der zweite Zirkel der Hölle (oder handelt es sich eigentlich um zwei Songs, beide Hell betitelt?) schleppt all das genannte mit und verbindet es mit einem leicht campy angehauchten Goth-Unterton nicht unähnlich zu jüngeren Power Plant-Veröffentlichungen. Weitere nennenswerte Highlights sind der Knall aus ultraklassischem Aussie-Rock’n’Roll namens Piece Of Me und der gleichermaßen melodische wie auch Blues-getränkte Bubbelgum-Vibe von Waste. Alles zusammen mag ganz plausibel mal als ihre beste Platte bisher durchgehen. Wer hätte es gedacht, es ist stellt sich selbst für diese Band als gar nicht die schlechteste Idee heraus, eine LP von gewöhnlicher Laufzeit aufzunehmen.
Auf bisherigen Veröffentlichungen wurde die Musik dieser Band aus Pisa, Italien immer verschleiert von einer dicken Schicht aus Fett und Ruß, aber die dreckigen Klangparameter konnten niemals über die rohe Brillianz hinwegräuschen, die sich unter all dem Gerümpel verbarg. Auf ihrer neuesten EP haben sie zum ersten mal ihre Produktionswerte eben genug aufpoliert um ihre exzentrischen Post Punk Mikro-Epen aus den Schatten rauszuholen und bestätigen den Verdacht, dass jene keineswegs den offenbarenden Blick unter hellem Tageslicht zu fürchten brauchen. Beginnend mit Vibes nicht unähnlich zu Surf-infizierten Noise Pop und Fuzz Punk-Bands der frühen 2010er wie Male Bonding, frühen Wavves, No Age, Times Beach, Tiger! Shit! Tiger! Tiger! oder, erst kürzlich, Shooting Losers, dauert es aber auch nicht lange bevor ihre Songs dazu einen Schlag von Post Punk des vergangenen Jahrzehnts entwickeln à la Die! Die! Die! und Piles, aber auch ungleich rohere und schrägere Punk-Phänomenen wie Dumb Vision, Piss Wizard und Pink Guitars wären nicht zu weit hergeholt als Vergleiche. Abrundend ist dann noch ein unverwechselbarer Hauch von mitt-’90er bis früh-2000er Postcore mit dabei, jene Sorte die komplett schambefreite Menschen tendenziell als Screamo bezeichnen würden, aber lasst euch ein für alle mal sagen dass dieses Label für jede gute Band an Beleidigung grenzt. Also nein, das ist kein Screamo und fick dich wenn du auch nur daran dachtest, dieses Wort in den Raum zu werfen.
Ebenso wuchtig nach vorn gehender wie auch ausgefeilter Post Punk auf dem wie es scheint bereits vierten Album dieser Band aus Oslo, die jetzt offenbar auch schon weit über ein Jahrzehnt existiert aber die letzten acht Jahre nichts mehr von sich hören ließ. Wie dem auch sei, das ist saumäßig kompetentes Zeug hier, wie die ihren düsteren Sound zwischen Post Punk und Postcore – wenngleich auf den ersten Blick durchaus auf einer Linie mit dem aktuellen Genre-Umfeld – mit einer Fülle an aufregenden Texturen, melodischen Lichtblitzen und einiger kompositorischer Rafinesse zu einem kohärenten Ganzen verschweißen, das mich an einen doch recht bunten Strauß von Bands erinnert wie Criminal Code, Wymyns Prysyn, Pretty Hurts, Corker, The Nation Blue, Girls In Synthesis, Bloody Gears oder auch die jüngste Shepparton Airplane LP.
Die zweite LP von Yuasa-Exide aus Minnesota beginnt mit einem kräftigen Beben aus Fuzz-geladenem, melodischem Midtempo-Punk, der in etwa eine Mischung aus Guided By Voices in ihrer Mid-Fi-Ära und dem powerpoppigeren Ende des Bevis Frond-Spektrums channelt, ebenso eine vage Spur von Eric’s Trip oder der klassischen Dinosaur Jr.-Ära obendrein im Opener The Picture You Painted, nur um in folgenden Tracks zunehmend und mit voller Absicht den klanglichen Unterbau zu destabilisieren. Ihre Songs und Arrangements irgendwo zwischen den Stühlen von ’80er-’90er Indie- und College Rock, Flying Nun Records-mäßiger Psychedelia und fleißigem C86-Geschrammel gewinnen dabei eine zunehmend rumpelige, surreal vernebelte Qualität, immer in akuter Gefahr beim kleinsten Widerstand in sich zusammenzufallen. Wundersam aber, dass das drohende Damoklesschwert niemals zuschlägt und die Songs jederzeit ihr fragiles Gleichgewicht aufrecht erhalten. Diese unheimliche Fähigkeit stach schon auf dem Vorgänger Hyper At The Gates Of Dawn als ihre spezielle Superkraft hervor und kommt hier sogar noch stärker zum tragen – eine rare Qualität, die ich zuvor etwa in den jetzt auch schon wieder über ein Jahrzehnt alten, frühen Werken von Rat Columns und The Molds wiederfinde und vielleicht auch in den vergleichsweise straighten Psych Pop-Nuggets auf Blank Realm’s 2014er LP Grassed In, mit denen sich dann wiederum der Kreis zu den zuvor erwähnten Flying Nun-Vibes schließt.