Drei Spacken aus Santa Fe, New Mexico zünden auf ihrer Debüt-EP eine voll geladene Songkanone aus Schrammelfolkpowerpoppunk. Auf lyrischer Ebene hat das mehr Schaden als auf ein Dach passt und musikmäßig könnte man mit bestem Gewissen Vergleiche zu Bands wie TV Personalities, Dead Milkmen, The Pooh Sticks oder späteren Mekons bemühen.
Schön zu erfahren, dass es die Punks aus Oakland noch gibt. Oder dass es sie wieder gibt? Immerhin sind selt dem letzten Langspieler nur schlappe zehn Jahre vergangen. Auf der neuen Platte präsentieren sie sich jedenfalls in Bestform mit einem Sound von höchstem Brennwert, der eine optimale Balance zwischen Knarz und Melodien hält und mit Songwriting-Qualitäten, die wie guter Wein gereift sind. Deutlich Erwachsener, tendenziell etwas melancholischer und durchweg Melodischer als in ihren Alternative Tentacles-Jahren, mit einer hundertprozentigen Song-Trefferquote. Damit ist auch Dirt Cult Records eine saugute Wahl als ihre aktuelle Labelheimat.
Nachdem der Micro-Hype um die Punkkapelle aus Melbourne reichlich Zeit gehabt hat um Fahrt aufzunehmen, ist jetzt auch mal der erste Langspieler der Band aufgetaucht. Auch wenn diese eher konservativ riffende Art des ’77er Flashbacks nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Subgenres gehört – gerade wenn die Riffs ab und an gefährlich nah am angestaubten Hardrock-Klischee vorbei schrammen – muss ich ihnen doch zugestehen, dass so etwas kaum besser werden kann als Amyl and the Sniffers es zelebrieren. Ihre Songs haben die nötige Zugkraft um das Spktakel glaubhaft zu verkaufen und die unbeirrte Konsequenz mit der sie dieses Ding durchziehen muss man einfach anerkennen. Kann ich durchaus Spaß mit haben. Sollten jetzt aber weitere Bands auf diesen Zug aufspringen, wäre mein Interesse daran auch schnell wieder aufgebraucht.
Die Frankfurter Band beeindruckte schon vor zwei Jahren mit einem 2-Song Demo und auch ihre erste EP via Tomatenplatten ist ein Postpunk-Arschtritt mit viel Schmackes, der etwas von der aktuellen Berliner Schule á la Pretty Hurts hat, von US-Bands wie Red Dons, Criminal Code und The Estranged. Ganz besonders finde ich aber starke Parallelen zum derzeitigen Punkgeschehen in Frankreich, zu Bands wie Telecult, Youth Avoiders und Night Watchers.
Schnauze schon voll von 2019? Erzähl mir was neues. Waiting for 2020 ist neu. Mit ihrem ersten Langspieler knallen die Corner Boys aus Vancouver zum ersten mal so richtig rein bei mir, nachdem die bisherigen EPs noch nicht so richtig zünden wollten. Das ist erstklassiger Powerpop mit Punkantrieb und Garagenzusatz, außerdem mit Ähnlichkeiten zu Bad Sports, Booji Boys oder Steve Adamyk Band – jeweils um eine ausgeprägte 77er Kante ergänzt.
Gutes Punkfutter mal wieder aus dem Hause Phantom Records auf einer Split-LP zweier Bands, die kaum besser zusammen auf eine Platte passen könnten. Beide Bands erzeugen unpolierten und ausgezeichneten DIY-Punkrock. B’schißn aus Halle (Saale) kommen dabei mit einer guten Portion Garagenknarz daher, während die Berliner Ponys auf Pump etwas schrammeliger klingen und mit ihrem Syntheinsatz einen gewissen Pisse-Vibe aufkommen lassen.
Verdammt, machen die Jungs Spaß. Buffet kommen aus der Kleinstadt Anacortes auf der Fidalgo-Insel, Washington und ihr erstes Album ist eine einzige Granate, die irgendwo zwischen den Welten von Post-/Hardcore der klassischen Westküstenprägung und melodischem Fuzz Punk operiert. Letzterer darf wahlweise mal an frühe No Age, Male Bonding oder Terry Malts erinnern . Und mit Throne gibt’s dann auch noch einen absolut erfreulichen Flashback zum Emocore der frühen Neunziger zu bewundern.
Die Berliner mal wieder, eine weitere Band von der X schon mit Y bei Z gespielt hat. Ich hab da den Überblick schon lange verloren. Tendenziell geht’s diesmal eher Garagenmäßig zu in den sieben kurzen, schnörkellosen, treffsicheren Punkkonserven, inklusive oldschooligem Hardcorevibe. Wie aus der Ecke zu erwarten stimmt die Energie und das zugrunde liegende Material.
Ich muss sagen, das Debütalbum dieser Band aus Sydney verwirrt mich etwas. Nicht weil da irgendwas nicht zusammen passt, sondern weil ihre Musik gerade sehr spezifisch an die Postcore- und Indierock-Ära der späten 80er/ frühen 90er erinnert, ohne dass mir auch nur ein halbwegs treffsicherer Vergleich aus der Zeit in den Sinn kommt. Irgendwie ist das dem gleichen Genpool entsprungen, hat aber seinen eigenen Vorstellungen, eigene Logik. Die deutlichste und auch langweiligste Referenz sind mal wieder Sonic Youth, aber dann auch wieder gekreuzt mit Superchunk-Melodien. In anderen Momenten klingt mir das nach einer unwahrscheinlichen, aber namenstechnisch natürlich wunderbaren Jawbox/Jawbreaker-Verquickung. Und noch weitere Bands im Spannungsfeld der bereits genannten Eckpunkte fallen mir ein wie Bitch Magnet, Stuntman, Kerosene 454, Moving Targets oder frühe Poster Children. Und gegenwärtige Acts wie Treehouse oder Tape/Off stehen dem auch nicht allzu fern. Wie dem auch sei, es bleibt am Ende eine saustarke Debütplatte übrig, die althergebrachte Stilmittel auf stets etwas unerwartete Art und Weise zu einem vage vertrauten Ganzen zusammenschweißt, das sich irgendwie alt anfühlt aber gleichzeitig ausgesprochen frisch klingt.
Ich hatte mehr Musik mit Daylight Robbery-Bezug versprochen, hier ist sie. Primitive Teeth ist eine recht neue Band um Daylight Robbery Frontfrau und Bassistin Christine Wolf. Der Sound ist im Vergleich zur anderen Band etwas gedrosselt und eine Spur dunkler geraten, das Songmaterial erneut von erster Güte – wie ja auch nicht anders zu erwarten war.