Moist Boy – Deep Rest

Moist Boy aus New Bedford, Massachusetts sind einer der seltenen Fälle in denen sich eine Band dem Pop Punk-Gehege annähert, ohne mich sofort in die Flucht zu treiben. Aber ehrlich gesagt liegt das eher daran, dass die meisten Pop Punk Bands einfach massiv saugen und die fundamentalsten Bausteine von genießbarem Punkrock nicht geregelt kriegen in einem Subgenre, das scheinbar eh keine Qualitätsstandards kennt.
Moist Boy hingegen saugen ganz und gar nicht, sondern reißen vom ersten Moment an mit. 1A Songmaterial, jede reichlich Sprengkraft in einer tighten Darbietung, eine deutliche Garagenkante und durchaus finstere Lyrik sind ihre Mittel dazu. Hat unter anderem was von Cheap Wine, Dark Thoughts, Steve Adamyk Band und gar ein bisschen Marked Men. Erstklassiger Scheiß und Pflichtprogramm für denjenigen, der genannten Bands etwas abgewinnen kann.

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Various Artists – ATRLB Omnibus Vol. 1

Während ein neuer Langspieler der Neo Neos – oder unter was auch immer für einem Pseudonym Herr Voltaire diesmal verkehren wird – noch auf sich warten lässt, kann man sich zumindest schon mal an dieser schönen Compilation abarbeiten, vollgestopft mit exklusiven Tracks diverser Bands aus der erweiterten Nachbarschaft mit und ohne C.V. an Bord. Die meisten davon werden euch sicher schon ein Begriff sein.

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Warp Lines – Human Fresh

Melodischen Punk-Krempel der Luxusklasse setzt es auf auf dem neulich via Dirt Cult erschienenen Debütalbum der Warp Lines aus Ottawa. Was in der ersten Hälfte vor allem an Bands wie The Estranged, Red Dons und 90er Klassiker á la Leatherface, Samiam, Sugar erinnert, zeigt andererseits aber auch mit fortschreitender Laufzeit zunehmende Tendenzen in Richtung Noise Rock und Postcore, irgendwo zwischen Meat Wave, Polvo und extra-melodischen Jawbox.

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ISS – Alles 3rd Gut

Das Elektropunk-Duo aus Raleigh, North Carolina lädt ein drittes mal in Langform zum Sample-Ratespiel ein. An ihrem Sound modifizieren sie dabei im Vergleich mit den Vorgängern nicht allzu viel und das ist auch keineswegs nötig – ISS sind wie gehabt eine massive Spaßbombe. Wie es der Titel schon suggeriert: alles gut hier.

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La Rabbia – Shock Tactics

Tollen Lärm aus post-punkigem Grundmaterial und noisigen Texturen macht diese Londoner Band auf ihrer Debüt-EP. Die haben sich definitiv eine gute Scheibe Crisis abgeschnitten, aber auch von Proto-Noiserockern wie Flipper, No Trend. In der Gegenwart werden außerdem Freunde von Soupcans, Blank Veins oder Disjoy sicher Gefallen dran finden.

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Telecult – Phases

In einer seltenen Instanz des Mandela Effektes dachte ich, die Pariser Band schon deutlich länger zu kennen und dass sie schon mindestens ein Album mal veröffentlicht hätten. Tatsächlich sind aber erst gute zwei Jahre seit meiner ersten Begegnung mit ihrer Musik vergangen und der Anlass war kein Album sondern eine 7″. Meine Verwirrung dürfte zum Teil der Tatsache geschuldet sein, dass sich in Frankreich mit Short Days und Nightwatchers bereits zwei Bands an einem nicht ganz unähnlichen Sound abarbeiten. Auch dass die Platte bereits angekündigt wurde als draußen noch Schnee lag, hat da sicher was beigetragen. Jedenfalls glaube ich, dass noch Schnee draußen lag, aber mein Gedächtnis hat sich nun ja schon mal als eine recht unzuverlässige Faktenquelle erwiesen.

Wie auch immer, Telecult bearbeiten jedenfalls dieses Feld des melodischen Punkrocks mit Anflügen von Garage- und Post Punk, das man neben den erwähnten heimischen Bands noch so mit Red Dons, Radioactivity, The Estranged, Marked Men oder Cheap Whine in Verbindung bringt. Die gute Nachricht dabei ist, dass neben der schwungvollen Darbietung der Band auch die Songs von Anfang bis Ende stimmen und das Album in dem jetzt nicht gerade rar gesäten Genreumfeld alles andere als redundant wirkt. Telecult spielen da ziemlich weit oben mit.

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Miedo – Demo

Auf Spanisch brüllender Garagenpunk kommt auf diesem Demo von Miedo aus New York ohne Umschweife und überflüssige Schnörkel direkt zur Sache, mischt den einen oder anderen Hardcore-Spritzer unter und tritt dabei gewaltig viele Ärsche. Entsprechend kommen mir als brauchbare Vergleiche etwas simpler, aber dafür umso energischer vorgehende Bands wie Priors, Lysol oder Civic in den Sinn.

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The Missed – The Missed 7″

Nach dem Gamma World-Demo zuletzt ist hier schon die nächste Band aus der Asche von Nervosas. Wobei ich jetzt erwähnen muss: Jüngste Ereignisse weisen darauf hin, dass letztere Band noch gar nicht so tot ist wie zuvor gedacht. The Missed ist jedenfalls die aktuelle Band von Nervosas-Gitarristin Mickey Marie. Die hatte vor einer Weile schon mal ein Demo raus, dem es noch etwas an konsistentem Songmaterial mangelte, aber auf ihrer neuen EP klicken sowohl ihr Sound als auch die Songs richtig in die Gänge. Das hat klar noch ein bisschen von der Vorgängerband, bewegt sich aber überwiegend im Fahrwasser von geradlinig melodischem Punkrock, Power Pop und kräftigem Indie Rock. Mal bekommt das einen Hauch von frühen Sheer Mag-Singles verpasst, hat den einen oder anderen Red Dons-mäßigen Ohrwurm-Chorus und einen melancholischen Unterton von The Estranged an Bord; in weiteren Momenten hört man den dichten Alternative Rock von Bob Mould’s Sugar an die Tür klopfen. Ausnahmslos erfreuliche Assoziationen, also.

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Ex-Gold – E-X-E-P-1-4

Eine ausgezeichnete Debüt-EP hat hier eine Band aus Knoxville, Tennessee verbrochen, deren Charme besonders Freunde des melodischem Lärms im Dreieck von Power Pop, relaxtem Schrammelpunk und melodischem Indierock kaum entkommen werden. Mal hat das einen leichten 77er Vibe und erinnert dann etwas an den Klugscheißerpunk von Proto Idiot – vor allem weckt das aber Assoziationen zu Bands von jenseits des Atlantik, wie etwa Bad Sports, Steve Adamyk Band, Corner Boys, Radioactivity oder Tommy And The Commies.

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Radioactivity – Erased

Die erste neue Musik von Jeff Burke und Konsorten nach gefühlt ziemlich langer Zeit dürfte wieder mal so ziemlich jeder im Spannungsfeld von Garage Punk und melancholischen (Power-)Popmelodien agierenden Band die Erinnerung auffrischen, wer in dieser speziellen Nische der wirkliche Papa ist.