Girl Tears aus Los Angeles fackeln nicht lange rum, keiner der 12 Songs auf der EP dauert länger als eine Minute. Und mehr braucht guter Punkrock – in diesem Fall von der Garagen-beeinflussten Sorte mit leichtem Wipers-Einschlag – auch nicht um zu funktionieren. Warum sollte man denn noch dreimal den Refrain wiederholen, wenn man in der Zeit stattdessen noch zwei andere Songs spielen kann? Gut gedacht.
Hier ist das schön schrottig von Charles Mootheart (Fuzz/Ty Segall Band) produzierte Debüt-Tape der Band aus San Francisco. Trotz dieser einschlägigen Connection hat das hier höchstens sehr entfernt mit Garagen-/Psych-Krempel zu tun. Stattdessen kriegen wir abartig schönen Noisepunk vorgekotzt, der nicht weit von frühen Milk Music oder California X entfernt klingt. Allerdings gehen Generation Loss hier um einiges Primitiver und Dreckiger zu Werke, genau so wie ich’s am liebsten mag.
Rollercoaster Kills sind ein Trio aus Madrid. Ihr frischester Output schlägt ganz mühelos die Brücke zwischen dem melodischen Punk- und Indierock der mittneunziger, Postcore, Garagenpunk und altem Emocore-Gedöns. Klingt hier und da mal etwas nach Wipers, ein paar Schritte weiter schielen dann klassische Sonic Youth-Gitarren um die Ecke und wenn sie so richtig Gas geben fühlt man sich angenehm an Hot Snakes oder Drive Like Jehu erinnert.
Wieder mal was tolles vom europäischen Festland. Zephyr Lake aus Barcelona haben ihr neues Kurzspieler-Tape am Start und darauf gibt’s astreinen, Noise-affinen Punkrock zu hören. So in etwa eine Mischung von frühen Dinosaur Jr mit ein paar Grunge-Genen, angereichert um den Noiserock von z.b. Fudge Tunnel oder frühen Helmet. Kann was.
Wow, das ist ja mal ein unerwartet kompromisslos vorwärtsgeprügelter Brocken aus melodisch-noisigem Post-/Punk-/Indiegedöns. Was Piles (nicht mit den gestern hier gefeatureten Pile verwechseln) aus Milwaukee hier abfeuern ist genau meine Kragenweite. Wer dringend auf Nachschub an schnellem melodischem Krach mit gewissen Ähnlichkeiten zu Male Bonding, Japandroids, No Age, frühen Wavves oder Cloud Nothings sucht, wird hier garantiert seinen Spaß dran haben. Dazu kommen noch leichte Garagen- Postpunk- und Shoegaze-Elemente, Deckel drauf und fertig ist die Sauerei. Und mein Ratschlag: Nicht danach googlen, es sei denn ihr wollt unbedingt mit ganz und gar unästhetischem Bildmaterial konfrontiert werden. Ich trage keine Verantwortung für eventuelle psychische Schäden.
Schöner Kurzspieler eines Londoner Trios, dessen Sound irgendwo im melodischen Punkrock der Mittneunziger zu verorten ist und geringfügig an der damaligen Indierock/Emo/Postcore-Schnittstelle kratzt. Auch leichte Grunge-und Shoegaze-Einflüsse sind zu verorten. Eine Platte also, die sich gemütlich zwischen den Stühlen platziert, aber trotzdem angenehm vertraut wirkt. Wie ein verschrobener alter Bekannter, der sich seitdem kein bisschen verändert hat.
Auch wenn es vielleicht etwas verniedlichend bis abwertend klingt, Bootleg, das Debütalbum der Band aus Brooklyn NY ist einfach eine schöne, spaßige Platte. So alle paar Wochen kommt mir mal wieder so eine unwiderstehliche Powerpop-Scheibe unter, mit einem Sound der so alt ist, dass meine Eltern sich nicht mehr dran erinnern, mit Ohrwurmfaktor hundert und Pophooks die zwangsläufig die sofortige Ausschüttung von Glückshormonen triggern. Marvin Berry & The New Sound stechen aber aus dem ganzen nochmal etwas raus, ohne oberflächlich etwas anders zu machen als ähnliche Bands. Es ist einfach die stimmigste Zusammenstellung von elf melodischen Rockern, die ich seit längerem gehört habe. Geerdet im bereits erwähnten Powerpop der 60er und 70er, mit dem Vorwärtsdrang von 77er Punkbands gespielt, gucken mehr als einmal frühe The Jam um die Ecke. Im aktuellen Umfeld fühle ich mich auch stark an die Washingtoner Title Tracks erinnert.
Normal mach ich um so waviges Zeug ‘nen großen Bogen, aber dieses total aus der Zeit gefallene Ding aus New-/Coldwave, Punk-, PowerPop und Goth-Versatzstücken ist dann doch einfach zu geil um mich kalt zu lassen. Saugt einen sofort rein in eine seltsame Parallelwelt aus Frühachtziger Science Fiction-Filmen und Teenagerkomödien, Cyberpunk, Discokugeln und Laserkanonen. Vollkommen unsubtiler Pop mit einer ansteckenden Dreistigkeit und haufenweise Hits, die in einer gerechteren Welt auch wirklich welche wären. Zurück in die Zukunft von gestern. Sisters of Mercy auf Gummibärchen. Ramones auf Mikrochips. Aktuell vielleicht noch Digital Leather in einem gelackteren, drockvolleren Klangkostüm. Und bessere Songs.
Beast Fiend aus San Francisco rulen voll. Hab ich zumindest gelesen. Haben sie freundlicherweise auf’s Plattencover draufgeschrieben, damit ich’s nicht selbst nachprüfen muss. Und was rult da denn so? Beast Fiend spielen flotten Postpunk der ganz offensichtlich auf den prägnanten Harmonien der Wipers basiert, reichern das Ganze aber mit gewissen Postcore- und Noise-Einflüssen an. Ob das jetzt wirklich so alles andere wegrult weiß ich nicht, mal auf einen Langspieler warten. Aber saumäßig hörenswert ist die Platte schon, jeden der schmutzigen null Euro wert, für die sie die Platte auf Bandcamp verschleudern, oder was auch immer du bereit bist dafür zu zahlen.
Mit einem Jahr Verspätung stoße ich auf dieses Trio aus Atlanta, Georgia. Schön erbarmungsloser Noise-/Postpunk, simpel und effektiv, kurz und schmerzhaft. Zwischendurch scheint aber auch mal die eine oder andere sonnige Pixies-Melodie durch.