New Alaska - The Memoir Sings

new alaska
Die­se EP der Jungs aus dem eng­li­schen Stour­bridge fühlt sich an wie ein Kurz­trip durch al­les was Post­co­re in sei­ner krea­ti­ven Blü­te­zeit, die m.E. in den frü­hen Nuller­jah­ren vor­bei war, so groß­ar­tig ge­macht hat. Die Plat­te er­in­nert mich in ver­schie­de­nen Mo­men­ten im­mer wie­der an ganz un­ter­schied­li­che Lieb­lings­bands, die mich in mei­nen Teen­ager- und jun­gen Er­wach­se­nen­jah­ren ge­prägt ha­ben. Da ist der be­sag­te Post­co­re von Di­sch­ord-Bands á la Ri­tes of Spring , Blue­tip oder Jaw­box. Oder der trei­ben­de Ga­ra­gen­co­re der Hot Sna­kes, Dri­ve Li­ke Je­hu na­tür­lich auch. Au­ßer­dem noch mit an Bord sind sub­ti­le An­klän­ge an da­ma­li­ge Noi­se­r­ock- und Math­co­re Bands wie The Je­sus Li­zard, Shel­lac oder Cha­vez. Al­les in al­lem ei­ne will­kom­me­ne Bri­se fri­scher Luft in ei­nem Gen­re, das der­zeit zum über­wie­gen­den Teil ein­fach nur mü­de klingt und so ein­ge­fah­ren und ein­nfalls­los vor sich hin düm­pelt wie schon lan­ge nicht mehr.

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Pile - Special Snowflakes /​ Mama's Lipstick 7"

pile
Die­se 45er Fris­bee­schei­be ist bei wei­tem mei­ne am sehn­lichs­ten er­war­te­te Ver­öf­fent­li­chung des noch jun­gen Jah­res. Ihr 2012er Al­bum Drip­ping, auf dem die Bos­to­ner ih­ren leicht grung­i­gen In­die-/Noi­se­r­ock um aus­ge­präg­te Post­co­re-Ele­men­te á la spä­te Fu­ga­zi oder die sträf­lich un­be­ach­te­ten Fa­raquet er­wei­ter­te, zeig­te ei­ne Band die sich selbst ge­fun­den hat und da­bei noch am­bi­tio­nier­te und schlaue Song­kon­struk­te aus dem Är­mel schüt­tel­te als wür­den sie sich so­was mor­gens auf's Brot schmie­ren.
Auf ih­rem neu­es­ten Out­put stre­cken sie sich noch deut­lich wei­ter aus und stram­peln sich end­gül­tig frei von jeg­li­chen Ver­glei­chen, sie klin­gen mehr als je zu­vor nach sich selbst. Das gan­ze be­wegt sich wie­der­rum zu­neh­mend weg vom Post­co­re hin zu aus­ufern­den, ge­ra­de­zu pro­gres­si­ven Song­struk­tu­ren, aber kei­ne Angst, hier gibt es kein selbst­ver­lieb­tes Hip­pie­geg­nie­del zu hö­ren. Son­dern zwei per­fekt aus­for­mu­lier­te Kom­po­si­tio­nen, die zu­sam­men die epischs­ten und doch ab­so­lut bo­den­stän­di­gen zehn Mi­nu­ten In­die­rock er­ge­ben, die man in der ak­tu­el­len Mu­sik­land­schaft hö­ren wird.
Wenn sie die­ses Ni­veau bald noch auf ei­nem Lang­spie­ler hal­ten kön­nen, er­war­te ich nicht we­ni­ger als ei­nen hand­fes­ten Klas­si­ker. Bis da­hin schrei­ben an­de­re Bands schon mal Kon­zept-EPs über sie.
Klei­ner Hin­weis für al­le, die vor den ab­surd ho­hen Por­to­ge­büh­ren für die Schei­be zu­rück­schre­cken: Man kann die bei­den Songs auf der Band­camp-Sei­te ein­zeln als Down­load er­wer­ben, auch wenn's den Kom­plett­down­load nur im Bund­le mit der 7" gibt.

Constant Lovers - True Romance

constant lovers
Wie­der mal so ei­ne Ent­de­ckung, die schon et­was Zeit auf'm Bu­ckel hat und auf die ich erst jetzt ge­sto­ßen bin. Kein Wun­der, denn so rich­tig Wind drum ge­macht hat seit­dem auch nie­mand, die selbst­ver­öf­fent­lich­te Plat­te scheint sich fast voll­kom­men un­ter dem Ra­dar der Me­di­en be­wegt zu ha­ben. Noch die­sen Mo­nat soll das neue Al­bum der Band aus Se­at­tle er­schei­nen, bis da­hin be­gnü­gen wir uns mal mit die­ser tol­len hal­ben Stun­de Noi­se Rock mit leich­ten old­schoo­li­gen Post- und Math­co­re-Ein­flüsen, die man viel­leicht als ei­ne et­was zu­gäng­li­che­re Mi­schung aus The Je­sus Li­zard und frü­hen Shel­lec mit ei­ner leich­ten Di­sch­ord-No­te be­schrei­ben könn­te. Bin ge­spannt auf mehr.

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Dasher - Go Rambo 7"

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Die Noi­se­pun­ker aus At­lan­ta und ih­re De­büt-EP Ye­ah, I Know hat­te ich ja schon letz­tes Wo­chen­en­de im Pro­gramm. Jetzt gibt uns das Trio ein klei­nes Up­date in Form ei­ner neu­en Sie­ben­zoll­dreh­schei­be. Ent­hält ei­nen neu­en Song und ei­ne noch­mal deut­lich trei­ben­de­re Neu­auf­nah­me des schon auf der EP ent­hal­te­nen Time Flies.

*edit*
Die Plat­te ist wie­der von Band­camp ver­schwun­den. Mys­te­ri­ös, mys­te­ri­ös. Mal ab­war­ten ob sie ir­gend­wann wie­der auf­taucht…

Creative Adult - Psychic Mess

creative adult
Die schon seit ge­rau­mer Zeit um sich grei­fen­de Wel­le düs­te­ren und - mal mehr, mal we­ni­ger - kom­pro­miss­lo­sen Post­punks scheint sich ein­fach nicht tot zu lau­fen. Klar gibt's auch 'ne Men­ge un­in­spi­rier­ter Drecks­ver­öf­fent­li­chun­gen zu er­tra­gen, aber es ist doch er­staun­lich mit welch ho­her Fre­quenz der­zeit im­mer wie­der neue Bands auf­tau­chen, die das Gen­re wie­der um ei­ne oft sub­ti­le, aber sehr ei­ge­ne Ge­schmacks­no­te be­rei­chern.
Die Mit­glie­der von Crea­ti­ve Adult aus San Fran­cis­co kom­men ur­sprüng­lich eher aus der Hard­core-Ecke, auf ih­rem De­büt­al­bum ha­ben sie sich sound­mä­ßig aber größ­ten­teils da­von frei­ge­stram­pelt. Es ist oh­ne Fra­ge ei­ne der ei­gen­stän­digs­ten Plat­ten aus dem Gen­re-Um­feld, von ei­ner Band, die - sehr sym­pa­thisch - of­fen­sicht­lich zu kei­ner­lei Kom­pro­mis­sen be­reit ist. Die Plat­te ist schon ein ganz schö­ner Bro­cken mit ei­ner für sol­chen Lärm end­los er­schei­nen­den Spiel­zeit von über 40 Mi­nu­ten, aber un­ter der rau­hen Ober­flä­che ver­ber­gen sich ton­nen­wei­se klei­ne Hooks, Me­lo­dien und bö­se klei­ne Wi­der­ha­ken, die sich ir­gend­wo zwi­schen den Syn­ap­sen fest­set­zen und ei­nen da­zu ver­an­las­sen, dann doch auf re­peat zu drü­cken, um ei­ne wei­te­re Run­de mu­si­ka­li­schen Sa­dis­mus über sich er­ge­hen zu las­sen. Au­ßer­dem be­her­schen die Jungs das Spiel von Zu­cker­brot und Peit­sche (na ja, Peit­sche über­wiegt hier), streu­en auf Song- wie auf Al­bum­ebe­ne im­mer im rich­ti­gen Mo­ment die klei­nen me­lo­di­schen Licht­bli­cke ein, än­dern die Marsch­rich­tung ein we­nig oder dros­seln das Tem­po. Es tritt nie die Über­sät­ti­gung ein, die we­ni­ger aus­ge­reif­te Gen­re­bei­trä­ge oft aus­zeich­net.
Fans von Bands wie den Ko­pen­ha­ge­ner Lower und Iceage, den eta­blier­ten Noi­ser­o­ckern Pissed Jeans, The Men in ih­rer frü­hen Pha­se oder al­tem Am­Rep-Krem­pel wer­den sich hier schnell zu­hau­se füh­len. Manch­mal kingt's auch wie et­was we­ni­ger ab­ge­space­te De­s­truc­tion Unit.


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Dasher - Yeah I Know

dasher
Mit ei­nem Jahr Ver­spä­tung sto­ße ich auf die­ses Trio aus At­lan­ta, Geor­gia. Schön er­bar­mungs­lo­ser Noi­se-/Post­punk, sim­pel und ef­fek­tiv, kurz und schmerz­haft. Zwi­schen­durch scheint aber auch mal die ei­ne oder an­de­re son­ni­ge Pi­xies-Me­lo­die durch.

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Krill - Steve Hears Pile in Malden and Bursts into Tears

krill
Ein kur­zer Ver­such die Fak­ten zu ent­wir­ren:
1. Krill sind ei­ne In­die­rock-/Post­co­re-Band aus Bos­ton, ih­re hier be­spro­che­ne neue EP er­schien so­eben.
2. Pi­le sind ei­ne wei­te­re In­die­rock-/Post­co­re-Band aus Bos­ton. Ih­re neue 7" "Spe­cial Snow­flakes /​ Mama's Lip­stick" er­scheint im März.
3. Ste­ve ist ein Cha­rak­ter aus ei­nem Pi­le Song. Er ist auch Ge­gen­stand der Krill-EP "Ste­ve he­ars Pi­le in Mal­den and Bursts in­to Te­ars".
4. Die Kon­zept-EP Ste­ve He­ars Pi­le in Mal­den and Bursts in­to Te­ars han­delt da­von wie Ste­ve die Er­kennt­nis, ein Cha­rak­ter aus ei­nem Pi­le-Song zu sein, in ei­ne schwe­re exis­ten­zi­el­le Kri­se stürzt.
Al­les ver­stan­den? Ok, dann kön­nen wir ja jetzt zur Be­gut­ach­tung der Mu­sik über­ge­hen. Die er­weist sich als ei­ne zeit­lo­se Mi­schung aus 90er In­die-Iko­nen wie et­wa Pa­ve­ment oder Cho­ke­bo­re und dem ver­track­ten, in­tel­li­gen­ten Sound den das Wa­shing­to­ner Di­sch­ord-La­ger et­wa zur glei­chen Zeit so her­vor­brach­te. Und die auf der Plat­te be­sun­ge­ne Band liegt auch nicht ganz fern als Re­fe­renz. Weil Krill aber nicht nur ihr Gen­re sou­ve­rän meis­tern, son­dern dies auch auf der Grund­la­ge von fünf durch und durch stim­mi­gen Songs be­werk­stel­li­gen, ist die­se Plat­te weit da­von ent­fernt, le­dig­lich ein wei­te­rer Bei­trag zu der bald zu er­war­ten­den Über­sät­ti­gung an der­zeit so an­ge­sag­ten Neun­zi­ger-Wie­der­käu­ern zu sein. Das hier ist ei­ne Plat­te mit hau­fen­wei­se Sub­stanz, ein­ge­spielt von ei­ner selbst­be­wuss­ten Band, die auch den neu­es­ten Trend über­le­ben wird. Und die an­de­re Bos­to­ner Band auch. De­ren letz­ten Lang­spie­ler Drip­ping muss man drin­gend mal ge­hört ha­ben.

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Never Young - Master Copy

never young
Die­ses Duo aus Oak­land über­rascht mit ei­ner sehr aus­ge­reif­ten De­büt-EP. Könn­te man ir­gend­wo zwi­schen den Eck­pfei­lern Post­co­re und -punk, Noi­se und et­was der­be­rem Shoe­ga­ze ein­ord­nen. Er­in­nert mich auch sehr po­si­tiv an die hier schon ge­fea­tur­eten Wild Mo­th. Es ist ge­nau die Art von Grat­wan­de­rung zwi­schen Krach und Me­lo­die, Ag­gres­si­on und Me­lan­cho­lie, die mich im­mer von neu­em an­fixt. Gut ge­macht.

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Criminal Code - No Device

criminal code
Wäh­rend Freun­de des trei­ben­den und düs­te­ren Post­punk noch sehn­lich auf den ers­ten Lang­spie­ler von Lower war­ten, kommt ganz un­er­war­tet so 'ne Band aus Ta­co­ma, Wa­shing­ton da­her, die die­se Lü­cke nicht nur aus­zu­fül­len ver­mag, son­dern mü­he­los in der Welt­li­ga mit­spielt. Er­in­nert durch­aus an er­wähn­te Lower und ih­re Ko­pen­ha­ge­ner Kol­le­gen Iceage oder an White Lung. Wenn man et­was wei­ter in der Mu­sik­ge­schich­te zu­rück­spult fal­len ei­nem dann auch die ei­gen­wil­li­gen Gi­tar­ren­li­ni­en der Wi­pers ein und das me­lo­di­sche Ge­schred­der von Hüs­ker Dü steckt da auch mit drin. Aber ehr­lich, ein so ganz pas­sen­der Ver­gleich fällt mir dann doch nicht ein. Cri­mi­nal Code sind ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel, wie man aus durch­aus be­kann­ten und er­prob­ten Gen­re-Ver­satz­stü­cken sein ganz ei­ge­nes, un­ver­wech­sel­ba­res Süpp­chen ko­chen kann. Die Ent­wick­lun­gen des letz­ten Jah­res las­sen auf ein gu­tes Jahr 2014 für trei­ben­den, in­no­va­ti­ven und kom­pro­miss­lo­sen Hard­core und Punk hof­fen. No De­vice ist nicht nur ein gu­ter Vor­ge­schmack dar­auf, son­dern ein ab­so­lu­tes High­light des noch jun­gen Jah­res.

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Bodyfather - Bodyfather

bodyfather
Noch so ein Noi­se­r­ock-/Post­co­re-Ge­döns, dies­mal von ei­ner Band aus At­lan­ta, Geor­gia. Hört sich an wie ei­ne Ver­schmel­zung von Fu­ga­zi und Shel­lac, mit Ver­wei­sen auf noch an­de­re 90er-Bands, et­wa Fudge Tun­nel oder al­te Am­phet­ami­ne Rep­ti­le Plat­ten. Bin durch­aus an­ge­tan da­von, was sich in die­sem Gen­re­pool ge­ra­de so tut, der von ei­ni­gen Jah­ren noch ziem­lich ab­ge­früh­stückt aus­sah.

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