Mit der neuen EP haben Bad Breeding aus dem britischen Stevenage erneut einen waschechten Gewinner am Start. Ihre zwei Hammeralben haben bisher ja schon mal Maßstäbe gesetzt – in ihrer speziellen Nische aus Hard- und Postcore, Noiserockigem Sägewerk und oldschooligem Vorwärtsdrang macht ihnen derzeit niemand was vor. Auf der neuen Platte läuft nun das Beste von beiden – die konzentrierte Wucht des ersten und der etwas wüstere Sound des zweiten Albums – zusammen. Abandonment ist genau die Platte, die man sich von ihnen gewünscht hat.
Postpunk der sehr zugänglichen, melodischen Machart gibt es auf der ersten EP von End Time aus San Francisco zu hören, der manchmal einen leicht psychedelischen Unterton aufweist und Anklänge an Mission Of Burma, Obits und den 90er Dischord Sound mitbringt.
Die Band aus Denver um Ex-Mitglieder von Accordion Crimes und Joy Subtraction liefert auf ihrer dritten EP kompakte fünf Minuten Lärm ab, der sich wie gehabt im Spannungsfeld von 90er Postcore, Noise- und Indie Rock bewegt.
Da hat sich Static Shock Records mal wieder einen glatten Volltreffer geangelt. Auf dem Debütalbum der Beta Blockers aus Sheffield kommt einem ein ebenso räudiger wie auch gnadenlos drückender Klangbastard entgegen aus Punk, Hard-/Postcore und einer absolut blickdichten Wand aus Noise. Damit befindet sich die Platte in unmittelbarer Nähe zu anderen aktuellen Bands wie Bad Breeding, Arse oder Acrylics.
Fluid To Gas aus Bonn haben ihren Postcore schon gespielt zu einer Zeit, da wusste meine dumme, kleine Teenagerseele noch gar nicht was Postcore ist. Oder Hardcore überhaupt. Punk? War ein Begriff, aber ich noch nicht auf den Geschmack gekommen.
Das letzte Album der Band war von 2006. Hätte ich eigentlich mitkriegen können. Dummerweise war ich da mit ganz anderen Problemen beschäftigt, hatte gerade meine Plattensammlung verkauft, erholte mich langsam von einem sowohl Psychischen als auch materiellen Zusammenbruch, übernachtete auf ‘ner Isomatte in einem Büro und fragte mich, wie zum Henker ich jetzt wieder ein festes Dach über’m Kopf organisiert bekomme. Keine Kapazitäten frei um eine wenig bekannte Band aus der ehemaligen Hauptstadt für mich zu entdecken.
Schlechtes Timing zum dritten: Zehn Jahre später veröffentlichen Fluid To Gas eine neue EP, zu einer Zeit, in der sich das Zielpublikum für klassischen Postcore praktisch in Luft aufgelöst hat. Oder auch gutes Timing: Ich bin noch da und höre jetzt zum ersten mal zu. Und mit dem, was ich da höre kann ich mich durchaus anfreunden. Postcore, der alten Männern Spaß macht und auch ein bisschen so klingt als wäre die Zeit irgendwann in den Neunzigern stehen geblieben. Zum Beispiel hat das so einiges von Shudder To Think, von Jawbox, Smart Went Crazy oder Q And Not U, plus vereinzelte Einsprengsel vom Emocore der ersten und zweiten Welle. Geht klar, das. Und in zehn Jahren gerne wieder!
Die neueste EP der Band aus Minneapolis – bestehend aus Mitgliedern von so unterschiedlich bekannten Bands wie Low, Steel Pole Bath Tub und Gay Witch Abortion – ist einerseits mal wieder genau der zu erwartende Wirbelsturm aus ungestüm vorgetragenem, minimalistisch und roh produziertem Noisrock und Postcore; andererseits handelt es sich aber auch um ihre bislang melodischste und zugänglichste Veröffentlichung. Besonders herausragend finde ich die letzten beiden Songs Get Free und I Already Know, die für einen nahezu perfekten Abschluss einer erneut sehr starken EP sorgen.
Vielleicht erinnert sich noch wer: Vor (gefühlten) zehn Jahren kam hier mal ‘ne Band namens Chicago Typewriter vor. Eine der (gefühlt) zweieinhalb guten Bands aus meiner Region. Hatte mich schon gefragt was aus denen geworden ist. Die Antwort kommt jetzt in Form einer ganz schön gelben EP und lautet: Eine andere Band ist aus denen geworden. Na ja, fast. Es sind wohl die meisten oder sogar alle Mitglieder erhalten geblieben, der Sound hat sich deutlicher in Richtung von 75% Noise Rock und 25% Postcore verschoben und erinnert an so einige der alten und neueren Genre-Hausnummern. Neben dem kantigen Riffing der unvermeidlichen Jesus Lizard kommen mit vor allem die walzenden Grooves von Tar in den Sinn. Außerdem die Repitition von METZ, der Drive von Drive (duh!) Like Jehu und diverses altes Gedöns aus dem BluNoise-Umfeld. Kann was.
Wie schon die beiden Vorgänger ist auch die neue EP der Band aus den kalifornischen Fullerton eine tadellose Postcore-Attacke, die zum Beispiel Freunde der Hot Snakes mit Sicherheit erfreuen wird.
Was für ein verdammt geiler Scheiß ist das denn bitte? Das Debüt-Tape dieser Band aus Sydney ist eine unverschämte Wucht. Irgendwo zwischen kompromisslos vorwärts rollendem Hardcorepunk, noiserockiger Gitarrenarbeit und ungezähmtem Postpunk entwickelt das eine Energie, die mich mehr als nur ein bisschen an das erste Bad Breeding Album erinnert, aber auch Freunde von Bands wie Acrylics, Leisure World oder Anxiety sollten hier unbedingt mal ein Ohr riskieren!
Das zweite Album von No Sister aus Melbourne ist erwartungsgemäß mal wieder ein sehr starkes Teil. Am Sound des schon saumäßig hörenswerten Debüts gab’s ja eh nicht viel zu reparieren und entsprechend liegen die Neuerungen hier eher im Detail. Nach wie vor klingt das als träfen frühe Sonic Youth mit ihren damals noch deutlich hörbaren Connections zu Glenn Branca und der New Yorker Experimental- und No Wave-Szene auf den wuchtigen Postcore, Noise- und Mathrock der 90er Touch&Go-, Dischord- und AmRep-Schule. Das alles gießen sie dann in so abwechslungsreiche wie auch ausgefeilte Arrangements und in häufig unkonventionelle, schwer vorhersehbare Songstrukturen. Ein weiterer Volltreffer!