MKVulture - Terminal Freakout

Ein dich­tes, Noi­se-ge­la­de­nes Post Punk-Spek­ta­kel ent­fal­tet sich auf der De­büt-EP die­ser Band aus Rich­mond, Vir­gi­nia zu vier auf­wän­dig kon­stru­ier­ten Songs, die jetzt schon ei­nen voll aus­ge­reif­ten und selbst­si­che­ren Ein­druck hin­ter­las­sen. Zeit­wei­se hat das mal die­sen ge­wis­sen Vi­be von Straw Man Ar­my, er­wei­tert um sub­ti­le Spu­ren von Poi­son Ruïn. An­de­re Mo­men­te er­in­nern mich an ei­ni­ge der me­lan­cho­li­sche­ren, Song-ori­en­tier­ten Post Punk-Acts des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts wie frü­he Es­tran­ged, Pu­blic Eye, Cri­mi­nal Code, Brui­sed, VHS, Was­te Man und so­gar die Boll­wer­ke Wy­myns Pry­syn und Institute/Mothers's Milk aus At­lan­ta tau­gen als Ver­glei­che.

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Knowso - Pulsating Gore

Know­so aus Cleve­land, Ohio ge­hö­ren klar zu den ei­gen­wil­ligs­ten und ein­präg­sams­ten Bands der ver­gan­ge­nen paar Jah­re. Auch ihr neu­es­ter Lang­spie­ler zeigt sie in aus­ge­spro­chen star­ker Ver­fas­sung. Ih­re Ver­schmel­zung aus Post Punk, Noi­se- und Math Rock ist ge­nau so ver­schro­ben und wun­der­lich wie auch tight, ri­gi­de und kan­tig, kom­bi­niert ei­ne schein­bar sehr me­tho­disch-ma­the­ma­ti­sche her­an­ge­hens­wei­se mit ei­nem Aus­maß an Spaß und Cat­chy­ness, wie man es in die­sem Gen­re-Um­feld eher nicht er­war­ten wür­de. Die­se Band dreht nach wie vor so ziem­lich ihr ei­ge­nes Ding, aber wenn Ver­glei­che un­be­dingt sein müs­sen, dann bie­ten sich un­ter an­de­rem so Bands wie Bran­dy, Lan­dow­ner und Big Bop­per an, oder viel­leicht auch Nag in ih­ren et­was zu­gäng­li­che­ren Mo­men­ten.

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Sklitakling - Sklitakling

Nach ei­ner schon sau­mä­ßig ap­pe­tit­an­re­gen­den De­büt-EP im let­zen Jahr prä­sen­tie­ren Sklit­a­kling aus Ber­gen, Nor­we­gen ei­ne glatt noch­mal stär­ke­re ers­te LP, auf der sie den ver­schro­ben-schram­me­li­gen Charme des De­büts bei­be­hal­ten und glei­cher­ma­ßen ih­re sti­lis­ti­sche Pa­let­te er­wei­tern und ver­zwei­gen. Das Song­wri­ting hat hier deut­lich an Kon­tur ge­won­nen, die ei­gen­wil­li­gen Ar­ran­ge­ments an Schär­fe. Trotz ih­rer nor­we­gi­schen Her­kunft er­in­nert mich das doch häu­fig mehr an die dä­ni­sche Sze­ne des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts - die Ko­pen­ha­ge­ner Schu­le des Post Punk so­zu­sa­gen - mit ge­wis­sen An­klän­gen an Bands wie Iceage, Mel­ting Walk­men, Spi­nes und erst neu­lich, Plea­ser, die al­le ei­nen ähn­li­chen Sinn für Me­lan­cho­lie und Me­lo­die ha­ben. Da­zu kommt hier aber noch ein star­ker Cow­punk-Vi­be, der et­was von ei­ner LSD-ge­tränk­ten Va­ri­an­te von frü­hen Angst oder Gun Club hat, aber ins­be­son­de­re auch Ähn­lich­kei­ten zu der hal­lu­zi­no­ge­nen, exis­ten­zi­el­len Alb­traum­welt von Mur­de­rer.

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The Abdo Men - Ulcer Anthology: Laff Your Way To Total Destruction

Was auch im­mer sich über die­se Band aus Cin­cin­na­ti, Ohio her­aus­fin­den lässt bleibt in ei­nen dich­ten Ne­bel der Un­ge­wiss­heit ver­hüllt und die et­was ste­reo­ty­pi­sche Ver­lie­rer­band-Pseu­do­bio­gra­phie auf der Band­camp-Sei­te stärkt jetzt auch nicht ge­ra­de das Ver­trau­en in des­sen Wahr­heits­ge­halt. Da sind al­so ver­mut­lich Leu­te von Bands wie The Serfs, The Drin, Crime of Pas­sing und Mo­tor­bike in­vol­viert und zu­min­dest ei­ni­ge der Songs las­sen sich ins Jahr 2019 zu­rück­ver­fol­gen, als sie erst­mals auf der Pe­de­stri­an Sen­ti­ments EP er­schie­nen sind. Dar­über hin­aus weiß ich aber nicht, in­wie­fern man den De­tails glau­ben schen­ken soll. Eins ist al­ler­dings si­cher: Die Mu­sik tritt durch­weg Arsch und bringt zu­min­dest in ge­wis­ser Wei­se die Äs­the­tik, wech­sel­haf­ten Pro­duk­ti­ons­wer­te und sti­lis­ti­sche Brei­te der gol­de­nen Gui­ded By Voices-Ära in Er­in­ne­rung. Da­von ab, os­zil­liert das Zeig so zwi­schen schram­me­li­gem Power Pop im Geis­te et­wa von Bad Wet­tin' Bad Boys oder Bad Sports in Songs wie Co­ward Of The Sta­te, Wan­na­be (A Star) und Sil­ver Queen; er­dig-psy­che­de­li­schem Ga­ra­ge Rock (Didn't Win The Lot­tery, Obnoxious And A Neu) so­wie ein paar cat­chy me­lo­di­schen Ga­ra­ge Punk-Smas­hern á la Boo­ji Boys, Ty­vek and Par­quet Courts. It's Be­en A Bad Week äh­nelt der Ga­ra­ge-ge­tränk­ten Noi­se-Äs­the­tik von A Place To Bu­ry Stran­gers, Peyton's Kids hat so ei­nen ge­wis­sen Woo­len Men-Vi­be und mehr als nur ein­mal füh­le ich mich auch an den fol­ki­gen Post Punk von Chro­no­pha­ge er­in­nert.

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Cel Ray - Piss Park

Noch ei­ne saustar­ke EP von Cel Ray aus Chi­ca­go, die hier ge­nau da wei­ter­ma­chen wo sie mit der im Frü­jahr er­schie­ne­nen Cel­lu­lar Ray­mond EP auf­ge­hört ha­ben. Ich wie­der­ho­le mich hier, aber nach wie vor kommt mir ihr ver­spiel­ter und er­fin­de­ri­scher Sound so rü­ber wie ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus ei­ni­gen der tolls­ten fe­ma­le-fron­ted Bands der ver­gan­ge­nen De­ka­de á la Vexx, BB and the Blips, Ne­ga­ti­ve Scan­ner, Gen Pop or Amyl and the Snif­fers ei­ner­seits, hat aber auch reich­lich Echos der ak­tu­el­len Brut des ver­schnör­kel­ten Ga­ra­ge-meets-Post Punk, re­prä­sen­tiert durch Bands wie Ura­ni­um Club, Rea­li­ty Group, Pat­ti, Dumb or R.M.F.C..

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Ismatic Guru - III

Die ver­gan­ge­nen zwei EPs von Is­ma­tic Gu­ru aus Buf­fa­lo, New York wa­ren schon ei­ne durch­aus spa­ßi­ge, viel­ver­spre­chen­de An­ge­le­gen­heit aber auf ih­rer neu­es­ten Kas­set­te grei­fen die Räd­chen ih­rer Mu­sik erst­mals so rich­tig in­ein­an­der zu ei­nem tigh­te­ren Klang­bild und ei­ner deut­lich aus­ge­reif­te­ren Vi­si­on. Ich wür­de mal sa­gen dass ih­re Mi­schung grob in den Sphä­ren von Ga­ra­ge-, Syn­th- und Egg­punk durch­aus ih­re ei­ge­ne klei­ne Ni­sche in ei­nem dicht ge­dräng­ten Gen­re-Um­feld ge­fun­den hat, in­dem sie die schnu­cke­lig-ver­schro­be­ne Klang­äs­the­tik mit reich­lich fun­ki­ger Ac­tion und dar­über hin­aus ein paar krau­tig-psy­che­de­li­schen Vi­bes an­rei­chern - letz­te­re wer­den be­son­ders auf­fäl­lig im ers­ten und letz­ten Track.

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R.M.F.C. - Club Hits

Die­se Band treibt jetzt schon ei­ni­ge Jah­re ihr Un­we­sen in der aus­tra­li­schen Sze­ne und ich bin ir­gend­wie schon über­rascht jetzt fest­zu­stel­len, dass es sich hier erst um ih­ren ers­ten Lang­spie­ler han­delt. Das In­tro lockt erst­mal auf ei­ne fal­sche Fäh­re mit ei­nem leicht Pro­gres­si­ve-an­ge­hauch­ten Vi­be, aber dar­auf­hin fügt sich dann al­les recht schnell wie­der zu ei­ner an­ge­nehm ver­trau­ten Klang­äs­the­tik zu­sam­men, ei­nem Sound, der ir­gend­wie durch­weg die ge­gen­wär­ti­ge Sze­ne wie­der­spie­gelt aber doch ein­zig­ar­tig in­ner­halb die­ser bleibt mit sei­ner ver­win­kel­ten, fi­li­gra­nen und ele­gan­ten Mi­schung aus Post und Ga­ra­ge Punk, der per­fekt die Ba­lan­ce aus In­tel­li­genz und Spaß hält, je­der­zeit ab­so­lut ent­spannt klingt und den­noch ein­wand­frei nach vor­ne geht, be­mer­kens­wert in sei­nen viel­schich­ti­gen Tex­tu­ren und ei­ner schein­bar mü­he­lo­sen Dar­bie­tung. Gleich­zei­tig ist es dann noch ihe kom­pak­tes­te, ein­gän­gigs­te Plat­te bis­her ge­wor­den. Stel­len­wei­se kann man das mit mehr oder we­ni­ger ge­gen­wär­ti­gen Post Punk-Acts wie ak­tu­el­len In­sti­tu­te, Exit Group und Mo­no­ne­ga­ti­ves ver­glei­chen, in an­de­ren Mo­men­ten mit der psy­che­de­lisch-ab­ge­spac­ten Va­ri­an­te da­von á la Marb­led Eye, Was­te Man, Brui­sed oder Pu­blic Eye und nicht zu­letzt noch mit ver­spiel­ten, cle­ve­ren Ga­ra­ge Punk-Bands vom Schla­ge Erik Ner­vous, Clar­ko, Tee Vee Re­pair­man, Mo­no­ne­ga­ti­ves, Pinch Points, Dumb, Ura­ni­um Club, Rea­li­ty Group… ich kann so gar nicht auf­hö­ren mit dem hoch­ka­rä­ti­gen Na­me­drop­ping. Die Schei­ße re­gelt!

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Daydream - Reaching for Eternity

Der vier­te Lang­spie­ler die­ser Band aus Port­land ver­fei­nert wei­ter ih­re ex­plo­si­ve For­mel für stark Noi­se- und leicht Ga­ra­ge-in­fi­zier­ten Post­co­re zu ih­rem bis­lang aus­ge­feil­tes­ten Werk, in dem ih­re hy­per­ak­ti­ve Vi­si­on des struk­tu­rier­ten Cha­os' kon­stant neue For­men an­nimmt und neue Hin­der­nis­se in den Weg wirft, die ih­rer­seits wie­der zu span­nen­den Ma­nö­vern füh­ren. Auch wenn sich hier kei­ne zwei Songs all­zu sehr glei­chen, kom­men mir doch so Bands wie die di­ver­sen In­kar­na­tio­nen der New Yor­ker Ka­lei­do­scope, frü­he Bad Bree­ding und Acrylics be­son­ders häu­fig in den Kopf, aber auch so Zeug á la Cri­sis Man, frü­he Vi­deo und As­cot Stab­ber taugt an man­chen Stel­len als nicht zu weit her ge­hol­ter Ver­gleich.

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Anytime Cowboy - Demons Obey

Über die ver­gan­ge­nen Jah­re hat sich das in Port­land an­säs­si­ge La­bel Spared Fle­sh Re­cords zu ei­ner wah­ren Fes­tung des un­kon­ven­tio­nel­len Post-, Ga­ra­ge- und Art Punks ge­mau­sert und die­se neue LP von Reu­ben Sa­wy­er aka Any­ti­me Cow­boy ist auch wie­der so ein er­staun­li­cher Roh­dia­mant. Sein blue­si­ger, mi­ni­ma­lis­ti­scher Cow­punk-Sound kommt hier in et­wa rü­ber wie ei­ne klein­lau­te In­kar­na­ti­on von The Gun Club, die Angst da­vor hat die Nach­barn zu we­cken… aber auch schon mal wie ei­ne su­per-ge­dämpf­te Ver­si­on von Par­quet Courts oder Ty­vek und in man­chen Mo­men­ten er­scheint mir auch die dies­jäh­ri­ge LP von Peace de Ré­sis­tance als Ver­gleich nicht all­zu weit her­ge­holt. Ei­ne Klang­äs­the­tik, die ei­nen lang­sam in den Schaf lul­len könn­te, wä­re da nicht die­se kon­stan­te Ah­nung von den schreck­li­chen Ab­grün­den, die hier hin­ter je­der Ecke zu lau­ern schei­nen, was nur wei­ter po­ten­ziert wird von Sawyer's tie­fer, ru­hi­ger Stim­me mit ei­ner glei­cher­ma­ßen be­ru­hi­gen­den wie un­heim­li­chen Qua­li­tät.

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Adhesive - October 2023

Nach ei­ner be­reits ver­dammt net­ten ers­ten EP im Früh­ling die­ses Jah­res kommt die­ses (ver­mut­lich) Duo aus Hol­ly­wood, Flo­ri­da jetzt schon mit ei­ner noch viel schrä­ge­ren, ex­zen­tri­schen und ek­lek­ti­zis­ti­schen Kas­set­te als Nach­fol­ger da­her, des­sen Tö­ne er­neut an den Tel­ler­rän­dern von Post-, Ga­ra­ge-, Egg- und Art Punk rum­schwe­ben. Gleich zu Be­ginn fällt mir ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit zu den kru­den Pro­to-meets-Post Punk-Skiz­zen der ers­ten Peace de Ré­sis­tance EP ins Au­ge, kom­bi­niert mit den Acid-/Space Rock-Ten­den­zen des jüngs­ten Scoo­ter Jay Tapes. Dig­ging My Gra­ve über­rascht und ent­zückt dann mit ei­nem an­ge­nehm schief lie­gen­den Cow­punk-Fee­ling wäh­rend der all­ge­mei­ne Vi­be und aus­ge­spro­che­ne "any­thing goes"-Ansatz mich be­son­ders an Acts wie Print Head, Elec­tric Prawns 2 er­in­nern. Auch die brand­neue Any­ti­me Cow­boy-Plat­te stellt si­cher kei­nen üb­len Ver­gleich dar. An­de­re Mo­men­te ru­fen dar­über hin­aus As­so­zia­tio­nen et­wa zu Snoo­per, Met­dog, Check­point, Si­li­co­ne Prai­rie her­vor… so­gar ei­ne Spur von frü­hen Woo­len Men hat das gan­ze!

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