Finished – Their Is No God

finished
Pffffftgrmmmmmpfffh… was zum… Fuck, was für’n großartiges Cover! Seit über 50 Jahren wird im Rock’n’Roll von gewissen Bands und Teilen des Publikums vollends ironiefrei eine so ätzende und klischeehafte, wie auch geradezu absurde Hypermaskulinität abgefeiert, und erst jetzt traut sich jemand, dieser Spackenkultur mal angemessen den Spiegel vorzuhalten und sie halbwegs realitätsgetreu durch den Kakao zu ziehen. Wenn’s dann einigen übersensiblen Zeitgenossen, geprägt von chronischer Angst vor dem eigenen Genital, ästhetisch gegen den Strich geht: umso besser. Der Titel mag dann gleich noch zum gepflegten Schwanzvergleich zu provozieren: Nee, deiner ist kein Gott, hier guck mal. Meine Eier sind die dickeren.
Die Musik ist in gewisser Weise passend dazu. Denn ganz unsubtil und hemmungslos werden hier die Bretter geschrubbt, die felle Massiert und die Saiten geschrappelt. Wunderschöner Noiserock/-punk, der’s Freunden von Bands wie Soupcans oder Vulture Shit ganz vorzüglich besorgen wird.

Weiterwichsen & Album-Stream →

Scupper – Scupper!

scupper
Der warme Powerpop dieser New Yorker Band bewegt sich auf sehr vertrautem Gelände. Kleine Seifenblasen von Guided by Voices, Pavement oder Replacements steigen vom ersten Ton an im Geiste des Hörers auf. Das gewinnt zwar keinen Nobelpreis, macht aber großen Spaß. Denn mal ehrlich, in vielen Momenten ist ein ausgezeichneter Popsong plus etwas Lärm doch alles, was einem zum glücklich sein fehlt, oder?

Weiterlesen & Album-Stream →

Paul Jacobs – I Need a Place to Keep My Stuff

paul jacobs

Bundesamt für Rock und Roll
Abteilung Finanzen
Im Prekariat 23
66677 Untergrund

Es tut uns Leid ihnen mitteilen zu müssen dass Garagenduos für uns nicht weiter tragbar sind. Wir alle müssen bis auf weiteres den Gürtel etwas enger schnallen. Nach sorgfältiger Prüfung der angespannten Finanzlage von Seiten der Buchhaltung kamen wir zu dem Entschluss, dass zwei Musiker einer zu viel sind und eine Person mehr als ausreicht, eine vergleichbare Krawallleistung zu erbringen. Mit Sicherheit haben sie dafür Verständnis und zeigen sich ebenso bereit einen Großteil ihres Drumkits zu veräußern, das Zeug brauchen sie jetzt ja eh nicht mehr. Der Szenebetriebsrat hat dieser Entscheidung bereits zugestimmt.

Mit freundlichen Grüßen,
Rainer Sachzwang


Weiterlesen & Album-Stream

Silver Screams – Creep Joint Scratch

silver screams
Schön eingängig vor sich hinriffender Punkrock aus Boston, der auf der musikalischen Landkarte irgendwo in der Nähe von Radio Birdman oder Wipers platziert und gelegentlich auch noch Platz hat für leicht Fugazi-eske Figuren und an Hüsker Dü erinnernde Harmonien. Drückt bei mir genau die richtigen Knöpfe.

Weiterlesen & Album-Stream →

Contrast – Less Than Zero EP

contrast
Schön oldschooliges Shoegaze-Zeugs aus Melbourne. Der konstante Mikro-Hype um das althergebrachte Genre scheint ja langsam nachzulassen; entsprechend verflüchtigen sich meine Übersättigungserscheinungen und ich hab zunehmend auch wieder Bock mir sowas rein zu tun. Und diese EP ist ein ausgezeichneter, wenn auch eher konservativer Genrebeitrag, der mich mal wieder daran erinnert, warum ich derartige Musik so mag. Hatte ich schon fast vergessen.

Weiterlesen & Album-Stream →

Jesuslesfilles – Le grain d’or

jesuslesfilles
Saumäßig Randale machen Jesuslesfilles aus Montreal mit ihrem supereingängigen Garagen-Post-Punk, aufgelockert durch gelegentliche Spuren von Surfrock. Ist mir eigentlich scheißegal worüber die singen (ich verstehe vielleicht fünf Worte Französisch). Wenn jemand derart gekonnt den Putz von der Decke haut bin ich sofort angenehm betäubt, dank der universellen Sprache des Rock’n’Roll.


Weiterlesen & Album-Stream →

Tape/Off – Chipper

Tape OffDass langjährige Musikblogger ihre eigenen Labels starten ist ja kein neues Phänomen und gehört inzwischen wohl eher schon zum guten Ton. Aber wenige scheinen das so ernst zu meinen wie Onkel Masala (nicht sein echter Name) von der australischen Bloginstitution (naja, in einer gerechteren Welt…) Sonic Masala. Katalognummer 3 ist erwartungsgemäß wieder ein wundervolles Album, vielleicht die schönste Veröffentlichung bisher.
Tape/Off aus Brisbane spielen diese Art von in den 90ern geerdetem Indierock, der spürbar Herzenssache ist und sich deutlich von der gegenwertigen Schwemme an ach-so-coolen Bands abhebt, denen es reicht sich in eine medienwirksame aber oberflächliche Slacker-Pose zu werfen. Sie spielen ganz offensichtlich nicht einfach ihre Einflüsse nach, sondern haben sie sich einverleibt, zu eigen gemacht und gelernt sich in dieser Sprache auszudrücken. Es ist ja ganz offensichtlich nicht so schwer, einer Lieblingsband von damals ähnlich zu klingen. Dabei aber einen eigenen Ausdruck zu finden, etwas neues und sehr persönliches damit zu kommunizieren, bleibt wenigen Musikern vorbehalten. Diese Platte aber schafft es, zu mir mit einer eigenen Stimme zu reden.
Das Album ist lose inspiriert von ihrer Heimatstadt, und tatsächlich klingt es wie eine dieser Platten, die nur an einem bestimmten Ort entstehen können und ein gutes Stück der dortigen Atmosphäre und dem Geist ihrer Bewohner zu transportieren weiß. Behauptet zumindest eine alte Couchkartoffel wie ich, die nicht besonders viel in der Welt rumgekommen ist.
Musikalisch sind da die bekannten Einflüsse im Spiel. Archers of Loaf, Pavement und Sebadoh sind da mal wieder zu nennen und – so müde ich auch bin, das zu jeder zweiten Band zu sagen – Sonic Youth haben natürlich ihre Finger im Spiel. In ihren lärmenderen Momenten (davon gibt es hier mehr als genug) könnte man Solids als etwas aktuellere Referenz anführen.


Weiterlesen & Album-Stream →

Nowhere – Cancer

nowhere
Wie vorgestern im Fall Hysterese haben wir es hier schon wieder mit einer deutschen in Deutschland ansässigen Band (die drei Neuseeländer haben’s sich derzeit in Berlin gemütlich gemacht) zu tun, die dem alten langsam inkontinent werdenden Arschloch namens Punkrock nicht nur dank hervorragender Songwriting-Qualitäten nochmal etwas Leben einzuhauchen vermag, sondern dem ganzen auch noch ihren ganz eigenen persönlichen Stempel aufzudrücken weiß. Das erinnert mich mehr als einmal an die großartigen Leatherface in ihren derberen Momenten, aber auch eine ausgeprägte bluesig-countryfizierte Kante ist vorhanden, die sie nicht unbedingt musikalisch, aber doch im Geiste etwas näher an The Gun Club rückt.


Weiterlesen & Album-Stream

Champion Lover – Champion Lover

champion lover
Diese Noisepunk-Combo aus Toronto lärmt ein bisschen so als hätten die Nachbarn von METZ ihre atonalen Bestrafungsriffs durch eine gute Dosis doomigen Rock’n’Roll á la Destruction Unit ersetzt. Geht nach vorne wie Sau, ist dabei aber eben auch durchaus eigängig und unter der rauhen Oberfläche verbirgt sich so die eine oder andere Melodie, die einem nicht mehr aus dem Kopf will. Auch Sonic Youth-artige Harmonien und Noiseattacken sind mit an Bord, angereichert um subtile Psych-Einflüsse. Die derzeitige Welle düsterer Postpunk-Kapellen wie etwa Lower wären auch kein ganz falscher Vergleich.


Weiterlesen & Album-Stream

Hysterese – Hysterese

hysterese
Hervorragendes Punkgedöns der schnörkellosen und melodischen Machart von dieser Band aus Tübingen, der bestimmt das Rad nicht neu erfindet, einem dafür aber auf derart hohem Niveau zehn vorwärts stürmende, eingängige Hymnen um die Ohren haut, dass jegliche Kritik verschämt in der geballten Faust dahinsiechen muss. Könnte Freunde aktueller Krawallmacher wie etwa Autistic Youth sehr glücklich machen. Die Platte überzeugt von vorn bis hinten ohne nennenswerte Schwachpunkte. Erinnert ihr euch noch an Punkrock? So geht das richtig.


Weiterlesen & Album-Stream

What Moon Things – What Moon Things

what moon things
Wow. Schwer zu greifendes, wahnsinnig ambitioniertes Debüt dieser Band aus New Paltz im Bundesstaat New York. Die möglichen Referenzen aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber besonders oft fühle ich mich an den epischen Post-Emo alter Appleseed Cast-Platten erinnert und The Cures trauriger Pop-Meilenstein Disintegration scheint immer wieder durch. Auch Chokebore oder Cursive zu Ugly Organ-Zeiten sind da zu nennen. Das alles wird dann zusammengehalten von einem Sänger, dessen Organ wie eine Kreuzung aus Greg Dulli und Chino Moreno klingt. Die Band des Letzteren könnte auch durchaus ähnlich klingen, wenn sie mal den Moshfaktor gröstenteils ausradieren würde. Trotz der vereinnahmenden Düsternis der Platte und des eher schleppenden Tempos hat fast jeder Song hier einen seltsam Hymnischen Charakter, eine weitere Qualität, die sie mit genannten Bands gemein haben.


Weiterlesen & Album-Stream

ZZZzzzzzzz…

12XU legt sich jetzt mal für ein paar Tage schlafen und wird vorraussichtlich irgendwann nächste Woche wieder aufwachen.

The Elsinores – Dreams Of Youth

elsinores
Postpunk-Trio aus Lexington, Kentucky. Musikalish irgendwo zwischen sägendem aber melodischem Punkrock und der etwas derberen Seite des Shoegaze-Kosmos zu verorten. Stell dir ‘ne Mischung aus Swervedriver und Hüsker Dü vor, das käm dem schon halbwegs nahe. Aber auch der düstere Postpunk/-core von aktuellen Bands wie Criminal Code oder The Estranged ist nicht so weit ab davon.


Weiterlesen & Album-Stream

Mystic Braves – Desert Island

Mystic Braves
Entspannt vor sich hin Groovender Retro-Garagenrock mit hohem Twangfaktor aus Los Angeles. Lässt spätgeborene wie mich sofort fakenostalgisch in erlogenen Erinnerungen an die Psychedelische Ära schwelgen, als alle bessere Frisuren hatten und gute Drogen noch billig waren. Dazu an allen Ecken und Enden diese wunderbar einlullenden Surfgitarren und ein durchgehend melancholischer Unterton, der sehr an Crystal Stilts oder The Fresh and Onlys erinnert.


Weiterlesen & Album-Stream →