Diese Band aus Cleveland, Ohio drückt bei mir auf alle richtigen Knöpfe nachdem schon ihr 2023er Debüt einen starken Eindruck gemacht hat, aber die neue EP ist da nochmal ein anderes Level des Irrsinns in einer Klangoffensive aus gleichermaßen räudigem und quirligem Hardcore- und gelegentlich auch Post Punk, gehüllt in eine dicke Dreckschicht aus Noise-Texturen. Mich erinnert das ausgesprochen positiv an moderne Genre-Klassiker von so Acts wie Stinkhole, Mystic Inane, Launcher, frühe Soupcans, Dollhouse, Lumpy and the Dumpers, Vulture Shit und Big Bopper, um mal nur die offensichtlichsten zu nennen.
Nun, diese Band kommt zwar aus Spanien aber ihr Sound erinnert mich viel mehr an einen ganzen Haufen französischer Bands – ihr Sound zwischen den Eckpunkten von Post Punk/-core, melodischem Garage Punk und Oi! ruft so Bands á la Youth Avoiders, Telecult, Nightwatchers, Bleakness ins Gedächtnis, oder aus etwas Jüngerer Zeit: Distance oder die französischsprachige Leipziger Band Laxisme. Es wäre jetzt also ziemlich einfach diese EP als nur ein weiteres Artefakt aus einem in letzter Zeit doch übermäßig präsenten Genre abzutun, aber das würde ignorieren, was für ein massives Feuerwerk von kraftvollen Hooks diese doch weit über’m Durchschnitt operierende Platte hier abfeuert.
Die neueste EP der New Yorker führt weitgehend das halsbrecherische Tempo und die klangliche Urgewalt der vorherigen Body LP fort und entwickelt dennoch ihren Sound subtil weiter in eine geringfügig kompaktere und greifbare Richtung, die ein vorsichtiges Maß an Nuancen und stilistischer Vielfalt zulässt im Vergleich zum Vorgänger und seiner kompromisslos-rohen Ästhetik, ohne dabei aber irgendetwas von dessen Durchschlagkraft einzubüßen.
Brilliant einfach gestrickten, Anarcho-infizierten Post Punk setzt es auf diesem Demo einer Band aus Perth, Australien, die darauf in einer ausgesprochen rohen, unpolierten Klangästhetik mit minimalen Mitteln auf maximalen Impact hinarbeitet und mich dabei an eine handvoll Bands erinnert von etwas offensichtlicheren Referenzen wie Institute, Impotentie und frühen Rank Xerox etwa, bis hin zu einer empfindlich im Tempo gedrosselten Variante von Nag oder Pyrex.
Das englische Label Noise Merchant Records hat jetzt die Debüt-EP dieser Band aus Spokane, Washington als Kassette wiederveröffentlicht, die ich im letzten Winter entweder übersehen oder ziemlich dumm ignoriert haben muss. Darauf injizieren sie eine Spur von frühen Superchunk oder Dinosaur Jr. in einen Sound, der anderweitig aber primär auf einer Linie ist mit den ersten und zweiten Emocore-Wellen, dabei alle Basics perfekt auf die Reihe bekommt und mit Schmackes die Tropes und Konventionen reproduziert, die das Genre ursprünglich mal zu einer spanneneden und mitreißenden Angelegenheit gemacht haben, dabei aber all die Fallstricke umgeht, die es später zu einem verdammten Witz und einer Sammlung armseliger Klischees mutieren ließen. Das Songhandwerk hier ist ebenfalls eher basic, aber selbstbewusst und trittsicher genug um mich als Hörer auf Zack zu halten, auch wenn Puddy Knife hier, wie ihr sicher schon geschlussfolgert habt, nichts neues zum Genre hinzufügen. Vielmehr ruft diese Platte erfolgreich in Erinnerung, wie viel Spaß und Energie der althergebrachte Emocore einmal zu transportieren vermochte und immer noch kann, wenn man ihn nur mal vom angehäuften Ballast aus Mall Punk Clown-Cosplay und performativem Selbstmitleid entledigt.
Ein weiteres mal channelt diese kopenhagener Band die gleichen Qualitäten, die bereits ihre 2023er Debüt-LP weit aus der Masse ambitionierter Post Punk-Acts herausstechen ließen und alles davon ist hier wieder am Start – das verzweifelte, existeinzielle Drama das an frühe Iceage, Lower und noch ein paar darauf folgende Bands in ähnlichem Fahrwasser erinnert, der omnipräsente Cowpunk-Unterton, die gleichermaßen melodischen und aufwändig-durchdachten Arrangements und Strukturen nicht unähnlich den ersten paar Protomartyr-LPs, gekoppelt mit der unmittelbaren Dringlichkeit der frühen White Lung – wobei die neuen Songs von vorsichtigem, graduellem Feinschliff zeugen, was erneut in einem recht eigenständigen und meilenweit über dem Durchschnitt agierenden Post Punk-Album resultiert.
Ich fand es etwas schwierig mich für die letzte EP der Punks aus Buffalo, New York zu erwärmen mit ihrer etwas generish-metallischen mosh- und Riff-Orgie, die sich teilweise doch ein bisschen danach anfühlte als ob bei aller Ambition die Substanz ein wenig auf der Strecke geblieben ist. Da ist die neueste LP doch viel mehr meine Baustelle mit einer Mischung aus Noise-durchtränktem, sludge-infiziertem Hard- und Postcore, die hier ein ganzes Stück organischer und weniger erzwungen rüberkommt, getragen von einfallsreichen, eingängigen Hooks und elaborierten Songstrukturen, denen ein Gefühl von Gefahr und Unberechenbarkeit innewohnt ohne dass der Krempel jemals planlos zusammengewürfelt erscheint. Was ich damit sagen will ist: Diese Songs stellen ein Maß an Überlegung, Absicht und eindeutiger Richtung zur Schau, das der Vorgänger ein Stück weit vermissen ließ.
Meditation aus Minneapolis zünden hier eine Handvoll ausgesprochen prächtiger Postcore-Sprengsätze, die sich wohl grob an dem etwa von Drive Like Jehu und – mehr noch – Hot Snakes etablierten Strickmuster orientieren, das später dank so Bands wie Wymyns Prysyn oder Bloody Gears seine zweite Jugend erlebt hat, wobei ich es in diesem spezifischen Fall aber auch für besonders angebracht halte, so Krempel wie Ascot Stabber oder Flowers Of Evil nicht unerwähnt zu lassen, sozusagen die ungleich räudigere Seite der gleichen Medallie, die sich besonders in der zweiten Hälfte dieser EP bemerkbar macht. Jetzt wo ich mal drüber nachdenke, meine ich auch ein bisschen Video oder frühe Bad Breeding zu hören.
Ich muss eingestehen dass ich nach einer ausgesprochen starken 2019er Debüt-EP meine Schwierigkeiten hatte, mich für die nachfolgenden EPs und insbesondere die 2023er Big Mess LP dieser Band aus Brighton zu erwärmen, die mir einfach etwas zu rigide auf die populäre Standardformel des hippen britischen Post Punk-Chic abzuzielen schien mit den üblichen verräterischen Anzeichen wie einem etwas zu glatten Produktionsstil, einem Übermaß an polyrhythmischen Gitarrenleads und Appregios, fadem Gen Z zähle-jede-silbe Sprechgesang (der Scheiß wird nicht gut altern, sag ich euch) – also schlicht gesagt, nicht den originellsten Grundzutaten dieser Tage. Der neue Langspieler ist dagegen mal ein ganz anderes Kaliber, auf dem sich die Band ihre ursprüngliche Kante zurückerobert und eine stellenweise fast schon Postcore- und Noise Rock-mäßige Energie zu Songs zusammenfließen lässt, die organisch und rund wirken anstatt erzwungen zusammengetüftelt und zu Tode quantisiert in einer Pro Tools-Postproduktionshölle. Nein, das hier ist klar der Sound einer fähigen Band, die von irgendwas (Anlässe gibt’s ja reichlich) aus ihrer Komfortzone herausgesprengt wurde, ein lebender, pulsierender Organismus, wuchtig vorangetrieben von gerechter Wut während das Songmaterial fraglos das am sorgfältigsten aufgebaute und ausbalancierte ist, was die Band bisher von sich gelassen hat – besonders hervorzuheben ist, wie nahtlos sich die Synths in den Sound integrieren und verankern auf dieser Platte, die mich neben vielen anderen an so vielfältige Bands wie Beef, Dr. Sure’s Unusual Practice, Broken Prayer, Wristwatch and Patti erinnert.
Nicht allzu lange nach ihrer brillianten Debüt-EP bekommen wir jetzt auch schon die erste LP von dieser Band aus Minneapolis zu hören, die wie gehabt mit einem charmant aldmodischen Genre-Mix entzückt, der offenbar überwiegend Inspiration von einigen eher unkonventionellen und melancholisch angehauchten Ausläufern der ’80er bis ’90er Punk-, Hard- und Postcore-Historie bezieht, wenngleich die Einflüsse hier noch etwas vielfältiger und differenzierter rüberkommen. Während der Opener Hello World mit einem starken ’90er Dischord-Vibe mit Echos etwa von Jawbox, Crownhate Ruin, Bluetip, Smart Went Crazy oder Kerosene 454 aufwartet, hat der darauf folgende Track Tectonic Plates mehr so etwas von einer seltsamen Mischung aus Rapeman, Brainiac und Mule. Kick Geneva und Steve erinnern mich hingegen stark an Angst oder Moving Targets und BDFI hat so eine Butthole Surfers-mäßige Doom-Ästhetik. Diesmal dauert es darüber hinaus doch tatsächlich bis zum vorletzten Track What Happens Next und nachfolgend Mantle, dass letztendlich doch noch mal der Mission Of Burma-Vibe zum vollen Vorschein kommt, der die vorherige EP noch stärker dominierte. Nicht zuletzt ist über weite Strecken auch eine stark folkige Unterströmung zu verzeichnen, die mich unter anderem an so geringfügig exzentrische Bands der ’80er erinnert wie The Proletariat, Volcano Suns, M.I.A. und My Dad Is Dead.